Eine Nachricht hat mich heute fast umgehauen

Erstellt 19.09.2016, 12:30 Uhr, von rossie. Kategorie: Allgemein und Off-Topic. 44 Antworten.

21.09.2016, 15:03 Uhr
Spannende Diskussionsbeiträge, Danke dafür.

Ich hinterfrage und verstehe dann gerne Systeme, um darin für mich passend agieren zu können - und auch zu wissen, wo mir die Hände gebunden sind. Ein praktisches und einfaches Beispiel aus der Stromversorgung: Ökostrom wird von vielen Anbietern angeboten. Der ganze Strom, der produziert wird, kommt in einen großen "Topf" und jeder entnimmt sich daraus seinen Anteil. Selbst wenn man einen Ökostromtarif hat, heißt es also nicht, dass man ausschließlich Ökostrom geliefert bekommt, sondern eben etwas aus dem "großen Topf". Hat ein Kunde jedoch einen Ökostromtarif gewählt, muss laut Erneuerbaren-Energie-Gesetzes der Anteil, den er verbraucht hat, an Ökostrom in diesen Topf auch einfließen (aufs Jahr gesehen). Unter dem Strich hat man also Ökostrom. Soweit so gut. Eine Feinheit gibt es zu bedenken: beziehe ich Ökostrom von einem Großkonzern, der auch Atomkraftwerke betreibt, kann ich mir ziemlich sicher sein, dass die Gewinne aus meinem Vertrag mit ihnen dazu verwendet werden, sich dafür einzusetzen, Atomkraftwerke länger laufen zu lassen (die Dinger sind alle längst abgeschrieben und damit reine Gelddruckmaschinen). Deshalb macht es hier ganz klar Sinn, einen reinen Ökostromanbieter zu wählen.
Übrigens: ein Stromanbieter wirbt auch aktiv damit, vegan zu sein, da sie keine Biomasse oder ähnliches verwenden (ob er es dann wirklich ist, weil z. B. ja weiter die Gefahr besteht, dass ein Vogel sich im Windrad oder ein Fisch sich im Wasserkraftwerk verfängt, darf jeder gerne für sich entscheiden).

Die Wahl des Stromanbieters hat darüber hinaus keine Konsequenzen auf mein Sozialleben, zeitgleich kann ich dadurch einiges in Bewegung setzen (Atomkonzernen Gewinn entziehen und in Erneuerbare Enegien umschichten).

Durchaus vielschichter ist es mit dem Essen und der Ernährung, wobei die grundlegenden Gegenbenheiten ähnlich sind: Kaufe ich bei einem reinen veganen Unternehmen meine Produkte, fließen die Gewinne auch wieder genau dort hin. Kaufe ich bei einem Metzger ein veganes Produkt (um beim genannten Beispiel dieses Threads zu bleiben), kann er den Gewinn genauso gut in die Erweiterung seiner Schlachtanlage oder was auch immer stecken. Aus diesem Grund ist es natürlich (aus veganer Sicht) vorzuziehen, ein Produkt eher bei dem veganen Unternehmen zu kaufen.
Hinzu kommt hier aber (anders als beim Stromanbieter) die soziale Komponente. Wenn alle meine Freunde heute dorthin essen gehen und ich auch eingeladen bin, kann ich entweder mitgehen (mit dem Wissen, dass der Metzger ggf. den Gewinn an meinem Essen verwendet, um seine Tiergeschäfte weiter auszubauen - oder aber, um sein veganes Angebot zu erweitern, da es angenommen wird), oder ich kann den Freunden absagen und mich zuhause langweilen.
Das ist hier also etwas komplexer und wie immer gilt: jeder muss die Lösung für sich alleine finden. Ein Bewusstsein dafür zu haben, ist hier für mich besonders wichtig.

Übrigens (wenn wir gerade bei Systeme hinterfragen und verstehen sind): Mit jedem Einkauf den man tätigt, zahlt man Steuern (entweder 7% oder 19%). Diese Steuergelder werden auch dazu verwendet, um damit Schweinemastanlagen usw. zu fördern. Dagegen kann man direkt nichts unternehmen, man kann es nur so hinnehmen und durch seine Stimme bei der nächsten Wahl versuchen, dies indirekt zu beeinflussen und bei den Parteien vorher auf die Agenda zu bekommen. Nachdem viele vegane Lebensmittel (z. B. Haferdrink & Co.) unsinniger Weise mit 19% besteuert werden, richtet man (wenn man so mag) damit mehr Tierleid an (durch den höheren Steueranteil, der wiederum zur Subventionierung von diversen Bauern verwendet wird), als mit frischem Obst und Gemüse, auf das meistens 7% bezahlt werden muss.

Ja, verrücktes System... ich weiß. :crazy:
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
21.09.2016, 15:38 Uhr
Zitat Jogi:
Übrigens (wenn wir gerade bei Systeme hinterfragen und verstehen sind): Mit jedem Einkauf den man tätigt, zahlt man Steuern (entweder 7% oder 19%). Diese Steuergelder werden auch dazu verwendet, um damit Schweinemastanlagen usw. zu fördern. Dagegen kann man direkt nichts unternehmen, man kann es nur so hinnehmen und durch seine Stimme bei der nächsten Wahl versuchen, dies indirekt zu beeinflussen und bei den Parteien vorher auf die Agenda zu bekommen. Nachdem viele vegane Lebensmittel (z. B. Haferdrink & Co.) unsinniger Weise mit 19% besteuert werden, richtet man (wenn man so mag) damit mehr Tierleid an (durch den höheren Steueranteil, der wiederum zur Subventionierung von diversen Bauern verwendet wird), als mit frischem Obst und Gemüse, auf das meistens 7% bezahlt werden muss.

Ja, verrücktes System... ich weiß. :crazy:


Das ist ja auch ein Problem, das Robert immer wieder angesprochen hat: Man ist als Bürger dazu verpflichtet, Steuern zu zahlen, ohne verbieten zu dürfen, für was die eingesetzt werden. Schluss daraus wäre: man darf keiner Gesellschaft mehr angehören und ist ziemlich allein^^ Kein Geld, das man ausgibt, und keine Steuer wird in absehbarer Zeit 100% vegan sein. Auch mein Bioladen führt Fleisch, Milch und Eier. Dürfte ich da nicht mehr einkaufen. Dann bezahlen alle auch noch Angestellte, die kaufen sich davon bestimmt ein Schnitzel! Oh nein!


Ich wäre aber eher dafür, den generell Konsens zu ändern, so verändern sich Gesellschaften. Bis vor 100 Jahren hätte ich als Frau nicht mal ein Brot kaufen können, wenn mein Mann oder Vater das nicht will - heute kann ich alleine leben und machen, was ich will (auch wenn einen Leute für sowas konstant shamen und hassen). Genauso würde ich es mir mit Veganismus wünschen...dass Fleisch irgendwann ein Luxusgut am Rande für ausgeflippte Gourmets wird - wenn überhaupt. Aber das geht alles langsam und braucht Zeit.


Man sieht es doch schon: ständig Meldungen, Gemüse ist gesund, Fleisch macht eher krank. Immer mehr vegane Produkte, sogar in Metzgereien. Das ist alles Ausdruck eines Wandels, das finde ich gut. Leute wissen, was abgeht, aber durch die Normalität und generelle Verfügbarkeit des Ganzen wagen kaum Leute den Schritt. Wenn Leute erst durch Vegane Bärchenwurst und Fernsehköche weniger Fleisch essen, ist das gut. Wenn sie dann Vegetarier werden, ist das auch super. Obwohl ich hier größtenteils von Vollpfosten umgeben bin glaube ich schon daran, dass ich langfristig was ändert wird, zumindest in Deutschland. Israel ist ja momentan voll vorn dabei, das ist auch ziemlich cool :D
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21.09.2016, 16:40 Uhr
Zitat Jogi:Dagegen kann man direkt nichts unternehmen, man kann es nur so hinnehmen und durch seine Stimme bei der nächsten Wahl versuchen, dies indirekt zu beeinflussen und bei den Parteien vorher auf die Agenda zu bekommen.


Schön wäre es, wenn wir durch die nächste Wahl etwas beeinflussen könnten. Leider ist es aber nur ein Märchen. "Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären Sie schon längst verboten." Das ist ein Zitat eines Mannes, der sich schon seit langem mit dem System auseinandersetzt. Das heikle Thema bezüglich unseres Systems hier zu diskutieren, würde wohl den Rahmen sprengen.

Wie Du geschrieben hast: Ja, verrücktes System!
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21.09.2016, 16:45 Uhr
Naja, man kann damit nicht von heute auf morgen alles total verändern - aber wenn sich nie was ändern würde, wäre ich wohl nie vegan geworden - weil ich als Frau nie an die Uni darf ;)


Klingt jetzt doof, aber mir fällt nichts anderes ein, die Alternative wäre: ausklinken, wegziehen in den Dschungel.Oder eine blutige vegan-revolution ;)

Man kann ja gegen Schlachthöfe demonstrieren, Briefe schreiben, so wie Kilian, informieren....
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21.09.2016, 17:47 Uhr
Zitat pummelchen:
Man kann ja gegen Schlachthöfe demonstrieren, Briefe schreiben, so wie Kilian, informieren....

Diese Beispiele sich zu engagieren sind ja völlig in Ordnung. :thumbup:


Fazit: Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten und auf diese Weise etwas verändern. :D

Meine Aussage ist, daß sich durch Wahlen nichts verändern würde.
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21.09.2016, 17:50 Uhr
Wenn jeder auf einmal die Tierschutzpartei wählt - dann schon! Auch, wenn sie jetzt ne grüne Version von der CDU sind, die Grünen wurden auch gewählt und haben was bewirkt. Muss nur passieren
Ich sage dass ja nicht oft, aber:
:star: Hoffnung, Leute :star:
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21.09.2016, 19:26 Uhr
Zitat pummelchen:die Grünen wurden auch gewählt und haben was bewirkt.:


Die Bilanz der Grünen ist eher durchwachsen. :-(

Neben dem Beschluß der Ökosteuer und dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) blieben mir der Kosovokrieg und der Krieg in Afghanistan im Gedächtnis.


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21.09.2016, 22:44 Uhr
Zitat Rudolfo:
Zitat Fafnir:Wie ich eine Seite zuvor schon schrieb - MIR geht das ebenso...

:thumbup: - Ja, das dürfte die Regel bei Veganern sein....


Ja ich glaube da hatten wir uns missverstanden - natürlich denke ich nicht das überzeugte Veganer dieses Angebot nutzen! Mir ging es ja darum das eben ein solches "anderes" Verhalten DIESES Metzgers eben auch einen Einfluss haben kann auf die Kundschaft die ansonsten gewohnt ist nur fleischhaltige Kost dort zu erwarten!


Und das diese "Besonderheit" den ein- oder anderen Besucher der Fleischerei eben einen kleinen Denkanstoss gibt - und wieder ein klein ein wenig sich etwas verändert in der Wahrnehmung der Menschen!


Ich habe dieses Angebot nie als ernsthaftes Angebot an bereits überzeugte Veganer angesehen - das fände ich abstrus! :oo

Aber - falls es diesen Metzger geben sollte - dann würde ich mich gerne mal mit Ihm (nicht in seiner Metzgerei) unterhalten! Vielleicht in einem veganem Restaurant! :angel:

Erfahren was denn seine Beweggründe für diese Entscheidung waren...vielleicht wird man überrascht...

Lieben Gruß an alle hier für diese gute Diskussion! Fafnir!
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22.09.2016, 06:17 Uhr
Hallo Fafnir,

Zitat Fafnir:
Erfahren was denn seine Beweggründe für diese Entscheidung waren...

Hier dürfte jemand erkannt haben, dass Vegan essen "in" ist und ein Haufen Geld damit gemacht werden kann.

Evtl. kann man auch der Hausfrau (bzw. dem Hausmann) die nicht viel Fleisch isst noch das ein oder andere Ersatzprodukt verkaufen und somit zeitgleich die eigene Geldbörse füllen und das Gewissen der Kundschaft erleichtern.


Dieser Metzger dürfte zumindest keinem Sinneswandel erlegen sein, dann hätte er seinen Laden wohl eher dicht gemacht / verkauft.

Genausowenig hat auch die Übernahme von Whitewave Food (Alpro, Provsmel, uvm.) durch Danone[*1] mit dem Interesse zu tun die Milchbranche einzustampfen..,
Man hat hier neben der "Cash Cow" (nebenbei ein bezeichnender Fachbegriff der Wirtschaft) einen "Rising Star" entdeckt und jeder Ökonom weiß was das bedeutet:
$$$

Grüße,
Falk

[*1] http://m.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/a-1101826.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://duckduckgo.com/

5x bearbeitet

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22.09.2016, 07:50 Uhr
Zitat Nefasu:

Dieser Metzger dürfte zumindest keinem Sinneswandel erlegen sein, dann hätte er seinen Laden wohl eher dicht gemacht / verkauft.
:thumbup: :clap:


Ich sehe das genauso und ich würde meine Zeit sinnvoller nutzen z. B. in Kindergärten oder Schulen einen kurzen Vortrag über die Vorteile veganer Ernährung halten und mich keinenfalls mit einem Metzger nach seinen Beweggründen in einem veganen Restaurant erkundigen.

Liebe Grüße

Irmgarda
1x bearbeitet

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