"Vegane" Schafwolle

Erstellt 18.07.2017, 22:06 Uhr, von Nefasu. Kategorie: Allgemein und Off-Topic. 6 Antworten.

"Vegane" Schafwolle
18.07.2017, 22:06 Uhr
Hallo Forum,

nach meinem letztjährigen Dilemma betreffend einem gerissenen Ledergürtel und dessen Ersatz hat das Schicksal dieses Jahr für ein frühzeitiges dahinscheiden meines Wollmantels für mittelalterliche Darstellungen gesorgt.

Getreu der Devise "Neugekauft wird nur Vegan" und in Ermangelung eines authentischen Wollmantels für meine historisch korrekte Darstellung war ich bis vor Kurzem in einem neuen Dilemma gefangen.

Living History (oder auch Reenactment) funktioniert ohne wetterfesten Wollmantel nicht..
Zudem gibt es keine, unsichtbare und vor allem funktionale, Alternative zu Wolle:
Wer bei 35° im Schatten schonmal anderen Menschen beim schwitzen zugeschaut hat, während man unter einem, wohl klimatisierten, Wollumhang steckte, weiß wovon ich rede.

Die Suche nach gebrauchten, authentischen, Mänteln lief, wie schon beim Gürtel, ausgesprochen Erfolglos ab.
Da ich meine Gewandung zudem prinzipiell selbst schneidere (bzw. teilw. auch spinne und webe), schien mein einzier Ausweg darin Schurwolle aus bekannten (und wie wir alle wissen nicht sonderlich tierfreundlichen) Quellen zu beziehen, an dessen Ende (mögen die Tiere auch noch so sorgsam behandelt worden sein) die Schafe schlussendlich doch auf der Schlachtbank landen.


Letztendlich bin ich dann auf besagte "vegane Wolle" gestoßen:
Alle Lebenshöfe mit Schafen (oder Menschen die Schafe als Haustiere halten) müssen diese einmal jährlich scheren, damit die Tiere nicht in ihrem hochgezüchteten Fell eingehen.
Solche Höfe oder Personen haben sowohl ein hohes Interesse an einer verletzungsfreien Schur, als auch an einem natürlichen Ableben der Tiere.

Ob man tierleidfreie Wolle als "vegan" bezeichnen könnte ist sicherlich ebenso diskutable wie bei (auto-replikativem) in-vitro-Fleisch, da dies stark auf die eigene Interpretation des Begriffs (entweder als tierprodukt- oder tierleidfrei) ankommt.

Wer in einer ähnlichen Situation stecken wie ich (wir), kann sich z.B. einmal die folgenden Lebenshöfe mit jährlicher Wollabgabe anschauen:
http://www.lebenshof-am-muehlenbach.de/
www.eulhof.de
(Waschen, kämmen,) verspinnen und weben, müsste natürlich noch selbst gemacht werden ;)

Der Preis pro kg liegt natürlich ebenfalls weit (teilw. bis zu 10x) über "normaler" Schurwolle, dafür unterstützt man aber gleichzeitig auch den Fortbestand dieser Lebenshöfe :thumbup:

Grüße,
Falk
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18x bearbeitet

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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
18.07.2017, 23:20 Uhr
Coole Sache :thumbup:

Hast Du schon mal an Moleskin oder Deutschleder gedacht ?
Das starke Gewebe ist etwas schwierig zu verarbeiten aber wo ein Wille, da ein Weg ;)
"Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird."
George Adamson

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18.07.2017, 23:42 Uhr
Hallo Hinterfrager,

Zitat Hinterfrager:Hast Du schon mal an Moleskin oder Deutschleder gedacht ?

Leider ist Atlas (im Volksmund Satin genannt, worunter u.a. auch Moleskin und Deutschleder fallen) für den von mir dargestellten Stand zur gewählten Zeit (spätes 13 Jhd. um Mainz) nicht nutzbar gewesen.
Und leider trifft dies auf alle Atlas Stoffe zu, sodass diese nicht für meine Replika in Museumsqualität genutzt werden können.

Atlas ist zudem nicht isoliert (d.h. schwitzen ist angesagt, was bei 12+ Stunden praller Sonne auf einem Markt / Festival durchaus Probleme bereiten kann) wenn nicht aus Wolle gefertigt und als Obergewand eher im Gutbürgertum / Niederadel für Festkostüme anzutreffen.
Als armer (Holz-)Handwerker oder wandernder Spielmann ist daran nicht zu denken (da ich kein Leder direkt auf meiner Haut tragen will und schließende Beinlinge nicht üblich waren = keine Schuhe = kein Kaufmann / Niederadel) :(

Grüße,
Falk
Auf eigenen Wunsch deaktiviert.

10x bearbeitet

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20.07.2017, 11:35 Uhr
Zitat Nefasu:...
Letztendlich bin ich dann auf besagte "vegane Wolle" gestoßen:
Alle Lebenshöfe mit Schafen (oder Menschen die Schafe als Haustiere halten) müssen diese einmal jährlich scheren, damit die Tiere nicht in ihrem hochgezüchteten Fell eingehen.
Solche Höfe oder Personen haben sowohl ein hohes Interesse an einer verletzungsfreien Schur, als auch an einem natürlichen Ableben der Tiere.
...


Mir kommt da direkt eine Frage hoch, die mir schon lange unter den Nägeln brennt.... wie ist das mit den Schafen? Müssen die wirklich stetig geschoren werden?
Das Argument begegnet mir öfters von Tierhaltern, die ja mit ihrer (meist qualvollen) Schur dafür sorgen, dass "die Tiere nicht sterben". Ist dem so?
Wie haben die Tiere denn früher überlebt, als Menschen sie noch nicht geschoren haben?
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20.07.2017, 13:13 Uhr
Ja, ein Wollschaf muss geschoren werden. Sie sind so gezüchtet worden, dass die Wolle ständig wächst. Würde man sie nicht scheren, hätten sie irgendwann so viel Wolle drauf, dass sie um Sommer ihr Klima nicht mehr regulieren können und kämen auch nicht mehr zum Fressen runter. Auch so eine vom Menschen gemachte Qualzucht. Ein Wildschaf, bzw ursprüngliches Schaf wie das Kamerun zB, haart im Frühjahr das lange Winterfell ab.
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24.07.2017, 20:33 Uhr
Da gab es auch mal ein Video zu (im Video ist ein kurzer Moment, wo man ein kleines Aua vom Scheren am Schaf sieht, nur als Warnung)
, da war ein Wollschaf entlaufen und hat einige Jahre wild in der Natur gelebt, bis es gefunden wurde. Es konnte kaum mehr gehen und war ein RIESIGER Fellball. 40 kg Wolle waren an ihm dran.

Ich finde die Idee selber zu Spinnen und Weben wundervoll!! Ich hatte auch mal überlegt, das zu lernen, habe aber bisher noch kein gutes Angebot gefunden. Am schönsten wäre ja, auf einem Schafhof zu lernen, dann sieht man, wo es her kommt. Kennst du da was, Falk, bzw wie hast du das gelernt? Ich habe Interesse, weil ich so gern stricke und nähe und auf "altes" Handwerk total stehe. :angel:
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24.07.2017, 21:26 Uhr
Hallo Avocadoengel,

Zitat Avocadoengel:Kennst du da was, Falk, bzw wie hast du das gelernt?

ich, bzw. wir, haben das Waschen, Spinnen und Weben während unserer "Living History"-Zeit direkt auf den Festivalgeländen von den erfahrenen Weberfrauen gelernt :thumbup:

"Altes Handwerk" und sehr viel sympatische Erklärungen und Einladungen zum lernen findest du eigentlich auf fest jedem Mittelaltermarkt (oder MPS - im Heerlager) in deiner Nähe ;)

Natürlich leider mit allen Nachteilen der Tierausbeutung :(

Zitat Avocadoengel:Am schönsten wäre ja, auf einem Schafhof zu lernen, dann sieht man, wo es her kommt.

Das habe ich früher auch gedacht..
Allerdings erinnere ich mich noch an eine Situation wo auf einem dieser Schafhofe die alten oder "nicht produktiven" Schafe in die Metzgerwagen gepfercht wurden.
(Ein Auslöser für meine vegane Wandlung)

Grüße,
Falk
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