Warum werden sensible Menschen in der Gesellschaft so oft ausgestoßen?

Erstellt 17.10.2020, 14:46 Uhr, von PuschelQueen. Kategorie: Allgemein und Off-Topic. 18 Antworten.

Warum werden sensible Menschen in der Gesellschaft so oft ausgestoßen?
17.10.2020, 14:46 Uhr
Hallo,

Diese Frage bezieht sich jetzt nicht nur auf die Ernährung, sondern generell um Menschen die die Welt etwas anders wahrnehmen als ihre Umwelt. Mir ist aufgefallen, dass man als Reiz empfindlicher Mensch oft komisch da steht. Damit will ich sagen, dass der Großteil unserer Gesellschaft sehr extrovertiert ist und vielleicht auch in vielen Dingen die Punkte etwas gelassener sieht.

Ich musste in meinem Leben jetzt schon oft feststellen, dass ich anecke weil ich meine Entscheidungen mehr überdenke und nicht bei jeder Gelegenheit drauf los feiere oder Alkohol trinke. Auch als Erwachsene spüre ich das merklich in meinem Umfeld. Obwohl es wohl mittlerweile mehr Nicht-Alkoholiker gibt ist es für viele immer noch komisch wenn ich das ablehne. Oder auch wenn ich meinen Geburtstag eher ruhig und in kleinen Kreise feiere.

Generell habe ich viele Kontakte die ähnlich ticken wie ich (ruhig, sensibel, reflektiert) denen es wohl genauso wie mir passiert, dass ihnen die Sensibilität als Schwäche eingeredet wird. Was ich noch schlimmer finde ist wenn einem dann zusätzlich dazu noch zu einer Therapie geraten wird. Quasi um mehr zu verrohen und sich den gesellschaftlichen Zwängen anzupassen.

Es ist für mich einfach ein Thema das nicht aus meinem Kopf raus will und ich wollte wissen wie ihr dazu denkt. Natürlich betrifft das auch die Ernährung. Der Umgang mit Tiere. Manche finden es z.B. auch lächerlich wenn ich auch auf Insekten achte und nicht nur auf Säugetiere/Tiere die halt größer als Insekten sind.

Ich feiere nicht jedes Wochenende, bin auch sonst eher der stille Mensch der sich lieber mal in Bücher vergräbt (aktuell leider seltener) und auch mal sich selbst versucht zu kritisieren. Das ist halt auch noch ein Thema. Die wenigsten Menschen die so einen Lebensstil führen hinterfragen nicht mal ihr Verhalten und sprechen es als "Das bin nun mal ich" ab. Oder "Das muss halt sein".

Bin ich wirklich so anders?

Ich freue mich über eure Antworten. :angel:

LG
PuschelQueen
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
17.10.2020, 18:48 Uhr
Hallo Puschelqueen
danke für Deinen Beitrag. Vieles davon trifft auch auf mich zu und in einigem kann ich mir noch ein Beispiel von Dir nehmen. Wir - mein Mann und ich- sind auch nicht so oft unterwegs, ich vielleicht mehr, aber das eher im sportlichen Bereich, also laufen ( während der Göttergatte noch schläft ;) ) oder nachmittags mal ne Runde mit dem Rad fahren.
Durch meine Beschäftigung mit der Lehre des Buddha hat sich auch vieles bei mir verändert, gerade auch das was Du jetzt benennst: sich selbst zu kritisieren. Wobei man da aber aufpassen muss, sich nicht selbst dauernd runter zu machen, sondern zu sehen wie man ist und versuchen es besser zu machen.
Ayya Khema, eine deutsche buddhistische Nonne hat mal gesagt:
"Erkennen, nicht tadeln , ändern " .

Wahrscheinlich sind sensible Menschen einigen anderen, die oberflächlich und eher extrovertiert( wobei ein extrovertierter Mensch nicht unbedingt auch oberflächlich sein muss ) sind, ein Dorn im Auge, so eine Art " Spaßbremse" , deshalb werden sie von diesen eher gemieden.
Lieben Gruß
METTA
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18.10.2020, 15:41 Uhr
Liebe Puschelqueen,
kennst Du den Begriff HSP: High Sensitive Person? Ich habe mir ein Buch dazu mal gekauft, und es tut sehr gut, sich da in dem einen oder anderen Aspekt wieder zu erkennen..
"Sind Sie hochsensibel" von Elaine N. Aaron. Z.B. schreibt sie einerseits, dass es eben seinen Grund hat, warum man sich zurückzieht und dies auch braucht für seine innere Balance, aber dass es auch wichtig ist, zu üben, sich nach draussen zu wenden... Ich schaue öfters in dieses Buch wieder rein. Vor allem aber lernt man, seine Empfindsamkeit als Qualität wahrzunehmen...


Eine Therapie dient aber mit Sicherheit nicht dazu, damit man verroht, wie Du mutmaßst, sondern dass man sich selber und seine Bedürfnisse besser kennenlernt sowie Techniken entwickelt, in dieser kaum zu ändernden Umwelt "lebensfähiger" zu sein - ohne sich zu verbiegen. Denn, wie bekannt, können wir nur was ändern, wenn wir bei uns beginnen. Ich habe jetzt auch gerade eine Therapie hinter mir, und mir hat meine Therapeutin in den letzten Zügen beigebracht, das Wort "intolerant" in Bezug auf Tierqual positiv zu nehmen, sie sagte wörtlich: Darauf können Sie doch stolz sein, wenn ein Omnivor Sie intolerant im Hinblick auf Tierkonsum nennt. Ein vollkommen anderer Blick, wo mir doch häufig dieses Wort als Vorwurf begegnete.... Weißt was ich mein?


Ich bin (meistens) froh, zu den Sensibleren zu gehören, zu den Reflektierteren, zu den für wenig Dankbaren, zu den Stilleren, zu den Hinterfragenderen, zu den Mitfühlenderen etc.. zu gehören, auch wenn ich in anderen Momenten jene beneide, die einfach "drauflos" leben, ihr Gehirn und ihr Herz zu wenig nutzen, aber dadurch vermutlich schmerzfreier leben können...Wir, die HSP, nehmen am Schluss des Lebens mehr mit als jene "schmerzfreie", richtig?


Alles Liebe Dir, lass Dich nicht unterkriegen !!!

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18.10.2020, 15:45 Uhr
Also ich bin auch hochsensibel, komme aber zum Glück sehr gut damit klar bzw. ich habe genug Techniken, um mich deutlich abzugrenzen. Vielleicht magst Du mal bei Sylvia Harke bei Youtube vorbei schauen. Die hat dazu ganz viele Videos und Trainings gemacht: https://www.youtube.com/user/creativitytraining
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18.10.2020, 16:04 Uhr
Dana, danke - sehr interessant - auch der von Frau Harke angesprochene Aspekt, dass man als HSP typischerweise gefährdet ist, Narzissten anzuziehen... DAS kenn ich...
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18.10.2020, 17:26 Uhr
Zitat Salma:Narzissten anzuziehen... DAS kenn ich...


Ich auch :lol:
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19.10.2020, 08:21 Uhr
Ich bin immer schon ein "Sensibelchen", habe mir aber versucht, ein dickeres Fell zuzulegen.
Vielleicht können andere Grobklotze damit nicht umgehen, dass sie durch sensiblere Menschen auf ihre eigene Oberflächlichkeit gestoßen werden.
Seit meinen Psychiatrie-Aufenthalten bin ich aber froh, nicht zu den unsensiblen Leuten zu gehören. Oft kekst es mich an,dass ich übersehen werde und von dreisten Menschen an die Seite geschoben werde.
Aber durch die "Milde des Alters" :wtf: sehe ich dann, wodurch ich quasi ein "Herausstellungsmerkmal" habe, durch die Lebenserfahrung und nicht zuletzt auch durch den Wechsel zum veganen Leben..
Und zudem: Dreistigkeit kann man evtl "erlernen", Sensibilität glaube ich nicht.
Ausserdem bin ich froh um die wenigen Menschen, die wirkliche Freunde sind.
Ich brauche keine Massen um mich, obwohl ich manchmal die beneide, die überall dabei sind obwohl (oder weil?) sie total ignorant und dreist sind...

Noch ein Nachtrag: viele denken wahrscheinlich, dass sensible Leute schwach und nicht belastbar seien, aber genau das Gegenteil ist der Fall! Es gehört viel mehr Stärke dazu, sich von all den Ungerechtigkeiten nicht runterziehen zu lassen, als viele denken.
Gegen den Strom zu schwimmen ist nun mal anstrengend...
1x bearbeitet

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20.10.2020, 12:53 Uhr
Ich glaub, weniger Sensible fühlen sich auch oft ausgestoßen. Wenn ich zu Leuten sag, sie sollen doch nicht solche Trampel sein, schauen sie meist ganz betroffen. :surprise:

Man kann sich einfach zugehörig fühlen, wenn man sich das bewußt macht. Jeder ist anders, aber jeder gehört dazu.

Liebe Grüße
Crissie
1x bearbeitet

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20.10.2020, 16:27 Uhr
Crissie, das ist ein interessanter Gedanke - da kaue ich mal ne Weile drauf rum.
Also... "einfach zugehörig fühlen"?
Interessanterweise habe ich noch NIE jemandem gesagt, er solle nicht so ein Trampel sein, und kenne deshalb auch keine betroffenen Gesichter von Trampeln... *Grübel*


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20.10.2020, 19:26 Uhr
Zitat Salma: er solle nicht so ein Trampel sein


Da ich nicht "Trampel" genannt werden will, käme ich auch nicht auf die Idee einen anderen so zu betiteln. Ich lebe einen "respektvollen" Umgang und will auch so behandelt werden.
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