Kälbersterben in Holland

Erstellt 13.02.2017, 09:01 Uhr, von Bani. Kategorie: News & Aktuelles. 13 Antworten.

Kälbersterben in Holland
13.02.2017, 09:01 Uhr
Heute beginnt die holländische Tierschutzorgansiation "Dier&Recht" ihre Kampagne gegen die Milchwirtschaft. Hier ein paar Infos (ich darf ja noch keine Links platzieren ;) wer selbst googlen will, kann unter "kalversterfte neemt toe" schauen. Auch ohne Holländisch-Kenntnisse kann man einiges verstehen. Auf der andern Seite sind die Basis-Fakten euch natürlich bekannt):

- Jedes 7. Kalb stirbt im ersten Lebensjahr (die Kälber nicht mitgerechnet, die bei der Geburt oder in den ersten 3 Tagen sterben). Im Jahr 2011 waren es 10,8% und 2014 12,2%, 2015 13,3%. Das Milchkontingent ist 2015 aufgehoben worden und dadurch entstehen immer mehr Megabetriebe von 200 und mehr Kühen.
- Jedes Jahr sterben 350'000 Tiere für die Milchproduktion
- Da die Kälber ja direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt werden, sind sie vollkommen abhängig von der Versorgung der Bauern.
- Frederieke Schouten (ehem. Tierärztin und Wortführerin von "Dier&Recht"): In den stets grösser werdenden Milchbetrieben werden die Kälber immer schlechter versorgt. Oft kriegen sie die erste Muttermilch zu spät, zu wenig oder ist diese nicht sauber genug und die Kälber kriegen Durchfall und Luftweg-Infektionen. Viele Kälber sterben oder werden eingeschläfert, weil Tierarztkosten zu hoch wären.
- "Dier&Recht" plädiert dafür, die Kälber bei den Müttern zu lassen. Studien zeigen, dass die Sterblichkeit der Kälber dann "nur" bei 7% liege.

Als ich vor 5 Jahren in die Niederlande zog, war ich völlig geschockt von den sogenannten "Plofkippen" (kip=Huhn, ploffen, ontploffen= explodieren, weil sie in kürzester Zeit auf ein Gewicht gemästet wurden, dass sie nicht mal fähig waren, auf ihren eigenen Beinen zu stehen!). Obwohl schon der Name jedem deutlich machen musste, was für ein schreckliches Leben diese Küken bzw. Hühner haben mussten, gab es noch immer Läden, die "Plofkippen" verkauften. Zwar ist in den letzten Jahren einiges verbessert worden, aber selbst bei Bio-Hühnern (was für ein stupider Name) "leben" 10 auf 1 m².....

Man darf einfach nicht verzweifeln und niemals aufgeben!!


eure Bani

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13.02.2017, 12:51 Uhr
Liebe Bani,

vielen Dank für den Hinweis, ich habe zu der Seite gefunden, hier ist der Link:

http://nos.nl/artikel/2158007-1-op-7-kalveren-binnen-jaar-dood-door-gebrek-aan-aandacht.html

Ganz unten im Text ist der Hinweis auf eine Petition. Ich fand das alles verständlich genug, um zu unterschreiben.

Du hast Recht, verzweifeln und aufgeben kommt nicht in Frage.

LG
Inga
Du musst doch nichts machen als Veganer. Du musst einfach nur die Viecher in Ruhe lassen. - Hagen Rether

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13.02.2017, 13:33 Uhr
Ich versteh das gerade nicht - was ist jetzt ein Plofkip? Ist das nicht einfach ein normales Masthähnchen wie all die andern Viecher auch? Und ist das alles nicht eigentlich genauso wie in Deutschland Oo
cthulhu fhtagn ia ph nglui mglw nafh

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13.02.2017, 14:15 Uhr
Es wird sicher in vielen Ländern etwa das Gleiche sein. Die extremste Form, bei der ein Küken innerhalb von 6 Wochen von 50g auf 2200g gemästet wurde und wobei 18-20 Tiere auf 1 m² "leben" müssen, hat dann einfach den drastischen Namen "plofkip" gekriegt. Obwohl die Tierschutzkampagnen in den letzten Jahren schon viel erreicht haben, gibt es noch immer Läden, die sie verkaufen. Vielleicht ist das aber auch gerade so ein Thema, bei dem man verstehen kann, dass Tierrechtler Kritik an Tierschützern üben. Ich habe mir früher nie grosse Gedanken über den Unterschied zwischen Tierrechtlern und Tierschützern gemacht. Erst durch das Buch "Tiere denken" von R.D.Precht habe ich verstanden, dass die gutgemeinte Arbeit von Tierschützern auch etwas Zwiespältiges haben kann. Obwohl ich auch Tierschutzorganisationen unterstütze, ist mir nun bewusst, dass es auch etwas Kontraproduktives haben kann. Wenn "nur" noch 8% Kälbchen sterben oder es keine "Plofkippen" mehr gibt, können ja alle zufrieden sein :evil: (natürlich sarkastisch gemeint)! Es wirkt dann so, als wenn man es akzeptieren würde, dass überhaupt Kälber sterben müssen für die Milchproduktion oder dass Hühner zusammengepfercht im Dunkeln hocken müssen.... So schwanke ich immer hin und her zwischen Pragmatismus: jedes Tier, das weniger leiden muss, ist ein Erfolg und konsequentem "Purismus", der null Toleranz kennt.
eure Bani

Veg-Badge

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14.02.2017, 09:59 Uhr
Zitat Bani:Es wirkt dann so, als wenn man es akzeptieren würde, dass überhaupt Kälber sterben müssen für die Milchproduktion oder dass Hühner zusammengepfercht im Dunkeln hocken müssen.... So schwanke ich immer hin und her zwischen Pragmatismus: jedes Tier, das weniger leiden muss, ist ein Erfolg und konsequentem "Purismus", der null Toleranz kennt.


Ich habe mich für den Pragmatismus entschieden. Das Argument, dass andere Leute denken könnten, es sei ja alles in Ordnung, sobald auch nur die geringsten Fortschritte erzielt werden, hilft keinem einzigen Tier, denn die leiden nun einmal jetzt und hier und können nicht warten, bis die Gesetzgebung Tierrechte berücksichtigt. Außerdem unterstellt das Argument den "anderen", dass sie Dumpfbacken sind, die nicht selbst urteilen können. Das mag ja stimmen, so wie die Welt aussieht, aber dann ändert puristisches Geschrei auch nichts daran. Wer froh ist, wenn die Tiere, die er oder sie aus Massentierhaltung verspeist, vorher ein paar Quadratzentimeter mehr Raum haben, denkt zumindest dran, dass das etwas bedeuten könnte und befindet sich auf einem Weg in die richtige Richtung. Man muss ihm oder ihr dann nicht noch eine Ohrfeige verpassen.
Du musst doch nichts machen als Veganer. Du musst einfach nur die Viecher in Ruhe lassen. - Hagen Rether

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14.02.2017, 10:12 Uhr
Also, ich muss zugeben, dass ich eher zur kompromisslosen Fraktion gehöre. Prinzipiell.
Aaaaber
Ich finde, es ist wichtig, auch für kleinere Fortschritte zu kämpfen. Sozusagen Etappensiege anstrebt.
Wennnnnnn...
...man nicht das große Ziel vor den Augen verliert und sich nicht auf den Lorbeeren ausruht. Sondern sich weiterhin für die Tierrechte einsetzt. Und für die Verbreitung der veganen Lebensweise.
Vegan ist nichts für Feiglinge

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14.02.2017, 10:17 Uhr
Zitat Buchfink: Wer froh ist, wenn die Tiere, die er oder sie aus Massentierhaltung verspeist, vorher ein paar Quadratzentimeter mehr Raum haben, denkt zumindest dran, dass das etwas bedeuten könnte und befindet sich auf einem Weg in die richtige Richtung. Man muss ihm oder ihr dann nicht noch eine Ohrfeige verpassen.


Das ist doch immer das Problem zwischen "Idealismus" und "Realpolitik". Der Idealist ist immer der extreme, dessen Forderungen zwar folgerichtig sind, aber ja totaler Quatsch und der Realpolitiker macht einfach nur total wenig und nennt das dann das "machbare". Erinnert mich an eine Doku über den WMF, wo gezeigt wurde, wie sinnlos die oft arbeiten. Beim Kampf gegen Ölpalmen haben sie 2-3 Orang Utans gerettet, in einem Hektar Urwald und die waren nach drei Wochen tot, weil die Bauern sie auf ihren Feldern erwischt und erschossen haben. Dann meinte dazu die WMF-Sprecherin: Sie machen ja Realpolitik, man soll sich gefälligst über den einen Orang Utan freuen, der lebt, ist ja besser als keiner.
cthulhu fhtagn ia ph nglui mglw nafh

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14.02.2017, 10:20 Uhr
Und schon erkennt man, wie "sinnvoll" diese Realpolitik ist.
:crazy:
Vegan ist nichts für Feiglinge

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14.02.2017, 10:24 Uhr
Das heißt: Dass das Tier auf ein paar qcm mehr leiden darf ist das höchste, was man tun kann und darüber sollte man sich doch bitte freuen! Denn: wenn wir auf einmal alle Quälerei abschalten, wie kann dann der Hartz IV- Empfängen noch jeden Tag sein Schnitzel essen? Und ausserdem ist es respektlos gegenüber dem Lebensspender Bauer, wenn man ihn in irgendeiner Weise kritisiert.
cthulhu fhtagn ia ph nglui mglw nafh

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14.02.2017, 12:24 Uhr
Zitat pummelchen:Das heißt: Dass das Tier auf ein paar qcm mehr leiden darf ist das höchste, was man tun kann und darüber sollte man sich doch bitte freuen! Denn: wenn wir auf einmal alle Quälerei abschalten, wie kann dann der Hartz IV- Empfängen noch jeden Tag sein Schnitzel essen? Und ausserdem ist es respektlos gegenüber dem Lebensspender Bauer, wenn man ihn in irgendeiner Weise kritisiert.


Richtig, es wird immer irgend jemanden geben, der genau das sagt, weil er oder sie sich nicht umgewöhnen will. Ja und? Es gibt andere, die sagen: "Die Quadratzentimenter sind besser als nichts, das ist aber nicht genug, wir brauchen mehr Quadratzentimenter. Möglicherweise brauchen wir richtig viel Platz, weil die Tiere doch leiden." Warum immer nur die Gedanken derer lesen, denen Tiere ohnehin völlig egal sind?

Idealismus ist gut da, wo er hingehört: in den eigenen Kopf, als Zielvorstellung, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten. Realismus ist gut da, wo er hingehört: im Austausch mit der Welt, die halt noch nicht so weit ist. Warum "entweder - oder"? Ich rühre doch auch nicht mit Büchern mein Essen um.

Tierhaltung bedeutet, Tiere in Gefangenschaft zu halten. Das ist gegen ihre Freiheitsrechte. Auch wenn das Gefängnis sehr groß ist, auch wenn die Tiere gut versorgt werden. Ist es also besser, es gäbe Butenland nicht, oder die Rettungszentren oder Hilal Sezgins Hof? Tierheime auch besser alle schließen, kranke, leidende, alte, ausgenutzte Tiere raus auf die Straße, ab in die Freiheit? Doch wohl nicht. Dass Tiere frei sein sollen, ist ein Leitgedanke, eine Orientierung, es gibt noch andere Orientierungspunkte, und wir müssen uns die Mühe machen abzuwägen.

Gedankenlose WWF-ler können mich nicht vom Gegenteil überzeugen.
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