Massentierhaltungsinitiative in der Schweiz

Erstellt 08.07.2019, 11:15 Uhr, von Mond. Kategorie: News & Aktuelles. 13 Antworten.

Massentierhaltungsinitiative in der Schweiz
08.07.2019, 11:15 Uhr
Liebe Leute

Das ist zwar vorwiegend ein deutsches Forum, aber vielleicht interessiert es dennoch, was im Nachbarland geschieht. Hier in der Schweiz siehts gerade so aus, als sei die sogenannte "Massentierhaltungsinitiative" zustande gekommen, die eine massive Verschärfung des Tierschutzes in der Landwirtschaft und praktisch die Abschaffung industrieller Tierhaltung fordert. Sie tut das, indem sie den Begriff der "Würde der Kreatur", der bereits in der Verfassung festgeschrieben ist, in Bezug auf Tiere konkretisiert. Die Initiative hätte auch Auswirkungen auf den Import von tierischen Produkten, welche diesen strengeren Kriterien nicht genügen. https://massentierhaltung.ch/

Zum politischen Kontext: In der Schweiz können Bürgerinnen und Bürger selber Änderungen der Bundesverfassung über Volksinitiativen anstossen. Dabei haben sie 18 Monate Zeit, um genügend Unterschriften stimmberechtigter Personen zu sammeln. Sind die Unterschriften beglaubigt, wird die Verfassungsänderung zunächst vom Parlament auf deren Gültigkeit geprüft. Danach wird sie dem Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt. Mit der Annahme durch das Stimmvolk ist die Verfassungsänderung beschlossen.

Nun kam die Meldung, dass ein halbes Jahr vor Ende der Sammelfrist bereits deutlich mehr als die verlangte Anzahl Unterschriften zusammengekommen sind, und diese nun geprüft werden. Es ist somit sehr wahrscheinlich, dass die Initiative vors Volk kommen wird. Im Abstimmungskampf wird wohl viel über die Verteuerung der Lebensmittelpreise und die bereits ach so hohen Tierschutzstandards in der Schweiz diskutiert werden, und ich befürchte, die Initiative wird einen schweren Stand haben. Dennoch ist zu hoffen, dass das Thema durch die Diskussion an Priorität gewinnt, und dass dadurch die Realität der Nutztierhaltung (Platzverhältnisse in Mastbetrieben, Trennung von Mutter und Kind in der Milchindustrie, Vergasen von Eintagsküken etc.) einer breiteren Bevölkerung bewusst wird. So könnte die Initiative auch im Falle einer Ablehnung eine gewisse positive Wirkung entfalten.

Habt ihr schon davon gehört? Was meint ihr dazu?

Liebe Grüsse und einen schönen Tag wünscht
Mond
Vegans. We're not crazy, we're just from the future.

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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
08.07.2019, 12:54 Uhr
Hallo Mond,

nein habe davon noch nichts gehört, interessant, vielen Dank für diese Info.

Bitte berichte, wie es weiter geht. Echt spannend.

In der Tat bekomme ich von den Nachbarländer nicht so viel mit.

Ehrlich gesagt verdaue ich noch diesen Artikel und hoffe dass dies nicht eintrifft! :evil:
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/verbietet-eu-hoehere-tierschutzstandards?utm_source=nl18-44-45&utm_medium=email&utm_campaign=w-nl


Grüßle
Sabs
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08.07.2019, 19:59 Uhr
Hallo Mond,

das ist sehr interessant, ich drücke die Daumen, dass diese Initiative erfolgreich ist!
Bitte berichte weiter, wenn es Neues gibt!

Und Sabs, ja dieser Artikel ist beklemmend, aber sie werden damit nicht durchkommen. Der Schuss könnte nach hinten losgehen, wenn das öffentlich diskutiert wird, werden noch mehr Menschen vegan werden. Ich kenne einige Veganer, die zunächst nach Milchprodukten gesucht hatten, für die keine Kälber getötet wurden. Nachdem in der Richtung nichts zu finden war, verzichteten sie lieber ganz auf Milchprodukte.

Liebe Grüße
Chrissie
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09.07.2019, 00:59 Uhr
Hi,
ich habe bisher noch nichts davon gehört, finde es aber auch interessant zu sehen, wie das Problem der Massentierhaltung in anderen Ländern thematisiert wird.
Ich habe auf der Internetseite von einer Übergangszeit von max. 25 Jahren gelesen, es wäre zwar ein großer Umschwung, aber wäre das nicht trotzdem ein extrem langer Zeitraum?! Vor allem angesichts der Argumente die für die Abschaffung der Massentierhaltung sprechen.
An sich finde ich die Idee gut, denn eine "artgerechte Tierhaltung" ist gegenüber einer Massentierhaltung in jedem Fall die bessere Wahl. Ich frage mich jedoch, wie das konkret in der Umsetzung aussehen würde?! Inwiefern würden sich die Preise und insbesondere die angebotene Menge verändern, vor allem wenn man beachtet, dass der Import dann womöglich enormen Einschränkungen unterliegen würde? Aber wie du schon sagst hofft man natürlich, dass sich Menschen, zum Beispiel motiviert durch solche Initiativen, mehr mit dem Thema beschäftigen.

Viele Grüße,
Cyro
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09.07.2019, 02:51 Uhr
Genau wegen dieser dreisten, verbraucher-, generell menschen- und tierfeindlichen Einflussnahme insbesondere dieser Leute aus CDU/CSU (aber auch bei anderen zu beobachten) versuche ich mit etlichen anderen politisch so viel Einfluss wie nur irgend möglich geltend zu machen - auch auf EU-Ebene. Es gibt gute Gründe, weshalb manche Parteien viele Großspenden erhalten, und andere eben eher viele kleinere Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Geld. Macht. Politik.

Ohne ein entsprechendes Mandat vieler Menschen in allen Ländern der EU werden das aber auf lange Zeit immer wieder nur verlorene Kämpfe sein, denn die internationale Agrarlobby ist dadurch gekennzeichnet, dass sie sich EU-weit "eigene" Abgeordnete bzw. sogar eigene Staatschefs hält (in einigen Ländern gibt es diesbezüglich deutliche Demonstrationen wegen der korrupten Politiker).

Diese politische Arbeit ist um so schwieriger, da vor allem Menschen in den Ländern, die erst später zur EU beigetreten sind häufig kein so ausgeprägtes Bewusstsein für Tierschutz oder die Probleme der "Agrartechnik" wie Genveränderung usw. haben. Deswegen fürchte ich insbesondere auch die Handelsabkommen mit z.B. Mercosur-Staaten oder TTIP oder CETA. Denn darin enthalten ist sehr verklausuliert das indirekte Verbot von Verbesserungen in Sozialstandards aber auch in Bezug auf Umwelt- bzw. Tierschutzstandards enthalten: Das nennt sich dann Handelshemmnis. Will also ein Politiker nach Abschluss solcher Verträge (inklusive "privater" Schiedsgerichtsvereinbarungen) eine Verbesserung in einem der genannten Bereiche einführen, wird ihm seine juristische Abteilung sehr schnell deutlich machen, dass daraus nix wird, denn daraus erwachsen so genannte "Handelshemmnisse", die durch die Schiedsgerichte den Vertragspartnerländern Entschädigungsforderungen in Multimilliardenhöhe zusprechen könnten - und damit ist das eigentlich gute und sinnvolle Vorhaben des Politikers Geschichte.

Es wundert mich nicht, dass genau diese Politiker, die seit Jahrzehnten auch für "Handelsabkommen" eingetreten sind, genau diese Sachen da mit rein "verhandelt" haben - denn sie wissen genau, was sie tun!

In dem Zusammenhang noch mal Danke für die vielen Wählerstimmen bzw. guten Umfrageergebnisse für Umwelt- Klima - und auch ein bisschen Tierschutz, die zumindest in D eine neue Richtung aufzeigen.
Wobei auch bei manchen der Grünen höllisch aufgepasst werden muss...nicht jeder hat das Wort Tierschutz schon mal buchstabiert, und mancher hat es leider nicht mal gesprochen oder gedacht.

Fleisch. Macht. Hunger.

Eines der Motti, die mal auf der "wir haben es satt" Demo in Berlin dabei war...

Daran hat sich leider nicht wirklich was verändert.
Unser Ziel ist eine für Landwirte auskömmliche Landwirtschaft und schmackhafte, gesunde Ernährung, ohne Tierleid und ohne Tiertod!

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09.07.2019, 06:36 Uhr
Oh Mann, da verliert man ja echt das Vertrauen in die Regierung... Gut das Rezo da mal nen ordentlichen Bumms losgelassen hat und damit unsere Zukunft (unsere Jugend) damit ein wenig wachgerüttelt hat. So langsam tut sich was.

Letztens hab ich meine Mutter mal gefragt was sie gewählt haben. Die Antwort war "CDU". Daraufhin fragte ich warum. Die Antwort war: "Weil wir das schon immer gewählt haben." :rolleyes: Und ich denke das diese Einstellung bei vielen älteren Leuten vorhanden ist. Rezos Video kannte sie übrigens nicht, wollte es sich aber auch nicht ansehen. Genauso wie sie mich immer abwürgt wenn ich über Veganismus rede.

Ich wäre dafür, dass wir die Monarchie wieder einführen und einen veganen König auf den Thron setzen! Vegbudsd, wie wärs mit dir?! :D :clap:
Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Wenn du es nicht lösen kannst, mache es nicht zum Problem.
-- Buddha --

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09.07.2019, 14:26 Uhr
Liebe alle

Danke für eure Antworten und Interesse.
Sabs: Ich habe den Artikel sowie die entsprechende Stelle im Entwurf angeschaut. Ziemlich absurd, aber leider auch bedrohlich. Ich hoffe sehr, dass das in den Verhandlungen angepasst wird.

Zitat Cyro:Ich habe auf der Internetseite von einer Übergangszeit von max. 25 Jahren gelesen, es wäre zwar ein großer Umschwung, aber wäre das nicht trotzdem ein extrem langer Zeitraum?! Vor allem angesichts der Argumente die für die Abschaffung der Massentierhaltung sprechen.


Ja, die Übergangszeit ist lang. Allerdings ist das als Maximum zu verstehen - kürzere Übergangsfristen können in der konkreten Ausarbeitung festgegelgt werden. Ich denke, es ist den Initiantinnen hier ein Anliegen, dass man nicht gegen die Bauern arbeitet, indem man ihnen genügend Zeit zur Anpassung der Infrastruktur etc. auf ihren Höfen zugesteht. Das wird sicherlich auch wichtig sein für die öffentliche Wahrnehmung der Initiative - die Arbeit von Bauern wird von vielen Leuten sehr geschätzt (und zum Teil auch idealisiert) und es ist sicher nicht klug, den Eindruck zu erwecken, die Initiative richte sich gegen diese Bevölkerungsgruppe.

Zitat Cyro:Ich frage mich jedoch, wie das konkret in der Umsetzung aussehen würde?! Inwiefern würden sich die Preise und insbesondere die angebotene Menge verändern, vor allem wenn man beachtet, dass der Import dann womöglich enormen Einschränkungen unterliegen würde?


Der Initiativtext ist natürlich wenig konkret, da wir uns auf Verfassungsstufe befinden. Die Details müssen im Falle der Annahme durch das Volk vom Parlament auf Gesetzesstufe ausgearbeitet werden. Allerdings argumentieren die Initianten natürlich mit konkreten Vorstellungen, die dann auch im Abstimmungskampf eine Rolle spielen werden. Beispielsweise fordern sie als Minimalstandards in der Nutztierhaltung die Bio-Suisse-Standards, hierzulande die strengsten Standards, die zugleich bekannt und verbreitet sind. Mehr dazu in diesem kurzen Interview mit der Kampagnenleiterin: https://vegan.ch/2019/03/drei-fragen-zur-massentierhaltungsinitiative/ Die Initiative wird wohl zur Folge haben, dass der Nutztierbestand insgesamt zurückgeht und zugleich die Preise steigen, was einer Förderung einer vermehrt pflanzenbasierten Ernährungsweise gleichkommt. Die Importbeschränkungen sind da ein wichtiger Pfeiler, damit die Konsumenten nicht einfach auf ausländische Produkte umsteigen können, und die einheimischen Bauern komplett vom Markt gedrängt werden - eine nutztierfreie Schweiz scheint mir zwar eine schöne Utopie, aber keine, mit der man im Moment eine Abstimmung gewinnt... Das könnte aber auch zu einem Stolperstein werden, denn Importhemmnisse sind unter den Regeln der WTO nur sehr schwer zu rechtfertigen...

Zitat Cyro:Aber wie du schon sagst hofft man natürlich, dass sich Menschen, zum Beispiel motiviert durch solche Initiativen, mehr mit dem Thema beschäftigen.


Viele Leute sind sich nicht einmal bewusst, dass es in der Schweiz so etwas wie Massentierhaltung gibt, wie im oben verlinkten Interview nachzulesen ist. Massentierhaltung gibt es in der Wahrnehmung vieler nur im Ausland. Nur schon deshalb wird die Diskussion über diese Initiative hilfreich sein, indem zumindest politisch einigermassen interessierte Menschen schlicht etwas besser informiert werden.

Ich halte euch gerne auf dem Laufenden :-)

Liebe Grüsse
Mond
Vegans. We're not crazy, we're just from the future.

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09.07.2019, 15:12 Uhr
So etwas ist meiner Ansicht nach sehr viel näher an Demokratie dran als die Praktiken aus Deutschland. Diese Lobbyverseuchte und korrupte Politik mit ihren astronomischen Gehältern, damit die Politiker nicht bestechlich sind (finde den Fehler) nervt mich gewaltig.

Und wenn nur eine Person deshalb mehr die eigenen Handlungen reflektiert, ist es schon ein Erfolg.

Das mit den Wahlen kenne ich, habanero79. Die Eltern meiner Frau haben den Rest der Familie sogar dazu gedrängt, die CSU zu wählen. Nur weil es immer so gemacht wurde. Sonst hätten die nicht gewählt. Ich selbst muss aber gestehen, dass ich auch erst dieses Jahr das erste Mal an den Europawahlen teilgenommen habe.
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09.07.2019, 17:22 Uhr
Heute Abend bei "Report Mainz" 21:45 :

https://web.de/magazine/wirtschaft/report-mainz-hof-franz-endres-kuehe-gequaelt-33831352

Also auch bei uns gibt es Massentierhaltung und Tierquälerei.
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10.07.2019, 07:43 Uhr
Habe dazu gestern Abend die Reportage von ARD gesehen ... Der interviewte Herr hat sogar indirekt zugegeben, dass es kein Einzelfall ist – bei den schlechten Kontrollen und selbst nach Beschwerde passierte nichts! Traurig, dass erst eine Tierschutzorganisation aktiv werden muss. Unter anderem dafür ist solch eine Organisation zwar da, aber dass der Rechtsstaat das alleine nicht hin bekommt ...
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