Nestlé wird vegan(er) - Grund zur Freude?

Erstellt 25.08.2018, 20:48 Uhr, von plantpower. Kategorie: News & Aktuelles. 17 Antworten.

Nestlé wird vegan(er) - Grund zur Freude?
25.08.2018, 20:48 Uhr
Hi Leute,


Nestlé hat letztes Jahr das Unternehmen Sweet Earth Foods gekauft.
Sweet Earth Foods produziert vor allem veganes und vegetarisches "Fleisch",
Ethik steht bei ihnen hoch im Kurs.
Ich habe eine grundlegende Frage an euch:


Kann man sich wirklich freuen wenn Riesen-Konzerne wie Nestlé ein derartiges Unternehmen aufkaufen?

Erinnert mich an Ben&Jerry's und Unilever...

Würde mich interessieren was ihr dazu denkt :)

Liebe Grüße :heart:
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
26.08.2018, 12:26 Uhr
Hallo plantpower,


gerade habe ich einen Thread zu einem ähnlichen Thema erstellt, weil mich diese Frage auch sehr beschäftigt.


Grundsätzlich bergrüße ich es, wenn das ein- oder andere Unternehmen die Entwicklung wahrnimmt und entsprechend darauf reagiert, indem es beispielsweise ein veganes Produkt herausbringt (auch wenn das nicht unbedingt bedeutet, dass ich es dann kaufe). Wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus irgendwann eine komplette Umstellung, das wäre zumindest nicht ausgeschlossen. Das kann ja auch dazu führen, dass mehr Kunden sich hin- und wieder für die vegane Variante entscheiden und das ist immerhin etwas.

Allerdings halte ich es für äußerst fragwürdig, wenn sich Riesenkonzerne wie Nestlé - und wie sie alle heißen, bei solchen Unternehmen einkaufen. Es ist ja allgemein bekannt, dass u.a. Nestlé nichts an Umweltschutz und dergleichen liegt. Dort geht es um Gewinn, nichts anderes. Speziell die vegetarische/vegane Branche hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt und ist gefragt, das bleibt den Großkonzernen natürlich nicht verborgen und wollen auch etwas davon abhaben. Daher boykottiere ich diese Unternehmen, egal ob es mich um bestimmte Produkte reut oder nicht.


Viele Grüße
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26.08.2018, 16:44 Uhr
Ich sehe die Entwicklung, dass immer mehr Groß-Unternehmen auch Veggie-Produkte anbieten, ebenfalls kritisch. Klar, die Tatsache, dass dadurch mehr Menschen auch mal vegetarisch / vegan ausprobieren, lässt sich nicht verleugnen, und ist eigentlich begrüßenswert.

Aber: gerade kleine Hersteller, die aus Überzeugung ihre Marke aufgebaut haben, werden nach und nach vom Markt verdrängt. Ein Unternehmen, dass nur kleine Stückzahlen verkauft, hat nun mal eben auch höhere Preise, die ich persönlich auch gerne bereit bin, zu bezahlen. Trotzdem bleibt es ein kleines Unternehmen, dass es schwer haben wird, mit der günstigeren Konkurrenz mitzuhalten.

Zuzulassen, dass sich ein Konzern wie Nestle (oder auch andere) einkauft, wäre für mich ein "Pakt mit dem Teufel" - einerseits eine willkommene Möglichkeit, konkurrenzfähig zu bleiben oder zu expandieren - andererseits könnte der Preis dafür sein, dass sich Nestle in Firmeninterna einmischt, z.B. durch Vorschriften, um günstiger herstellen zu können.

Mir stellt sich die Frage, inwieweit kann sich der Hersteller darauf verlassen, dass seine eigenen moralisch-ethischen oder ökologischen Ideale auch für die Zukunft unangetastet bleiben? Gerade im Falle von Nestle wage ich das zu bezweifeln - schon zu oft hat Nestle eindrucksvoll bewiesen, wie gleichgültig die Manager gegenüber anderen Werten als Gewinnmaximierung sind.
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26.08.2018, 16:56 Uhr
"Gerade im Falle von Nestle wage ich das zu bezweifeln - schon zu oft hat Nestle eindrucksvoll bewiesen, wie gleichgültig die Manager gegenüber anderen Werten als Gewinnmaximierung sind."


Da hast Du leider Recht: Laut Aktienrecht sind sie leider genau dazu verpflichtet. Sie müssen so gut es irgend geht Profite für Ihre Auftraggeber erzielen. So lange sie sich dabei nicht strafbar machen oder gegen die "guten Sitten" verstoßen müssen sie genau so handeln, wie wir es ihnen vorwerfen. Lediglich bei ergebnisgleichen Optionen werden ab und zu die ethisch unbedenklicheren gewählt. Da dafür aber ein Sensorium gehört, um überhaupt eine solche Auswahl zu ermöglichen, ist die Wahrscheinlichkeit tatsächlich eher gering.


Daher kommt dem Verbraucher ja gerade bei solchen Unternehmen eine solch entscheidende Bedeutung zu: Sie und nur sie können den Konzernen zeigen, in welche Richtung es zu gehen hat: Vegane und andere ethisch vertretbare Produkte kaufen, die anderen konsequent liegen lassen. Wenn Unternehmen merken, dass mit solchen Produkten mehr oder ebenso gut Geld verdient werden kann, werden sie nicht ethischer, aber sie verändern dennoch ihre Produktpalette. Das und das stetige Bemühen, die Rahmenbedingungen für alle Unternehmen in die ethisch bessere Richtung zu verändern ist nach meiner Auffassung der erfolgversprechendere Weg. Darauf zu hoffen, dass ein gelernter Profithai zum Öko- und Sozialaktivisten wird, und so lange dessen möglicherweise guten Produkte im Regal zu lassen nur weil es aus einem profitorientierten Unternehmen kommt, halte ich dagegen für vergebliche Mühe.

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26.08.2018, 16:59 Uhr
Es mag viele gute Gründe geben, Großkonzerne zu boykottieren. Der Einstieg ins vegane Geschäft gehört für mich aber nicht dazu :rofl:
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26.08.2018, 18:42 Uhr
Hallo,

für mich ist das so ähnlich wie wenn ich sehe, dass viele gute Freunde vegan werden - und auch ein totaler Kotzbrocken. Darf der das nicht, bloß weil ich ihn doof finde und er das vielleicht aus egoistischen Gründen tut? :)
In der Hinsicht wird er mir zumindest sympathischer, auch wenn er noch lange nicht mein Freund ist. Man kann da ja differenzieren, finde ich.

Ich finde Sakura hat es gut zusammengefasst. Man kann es tendenziell gut finden, ohne gleich ein Fan zu werden.

Dass kleine Unternehmen aus dem Markt gedrängt werden, kann man eigentlich den großen Unternehmen nicht per se ankreiden, solange sie sich an Regeln halten, die für Alle gelten (und nicht etwa vom Staat künstlich subventioniert werden, o.ä.). Denn dann müsste man Wachstum und Effizienz grundsätzlich auch kritisieren (und dann gleich die gesellschaftlichen Umstände, die ein solches Handeln fördern gleich mit).

Viele Grüße

Kilian
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03.09.2018, 10:21 Uhr
Aber gerade bei Nestlé stellen sich mir die Nackenhaare hoch :evil: . Zumal der Konzern in USA schon einige Wasserquellen ausnutzt für seine teuren Wasser - dazu noch in Plastik verpackt- und jetzt auch in Frankreich in einem Ort eine Quelle ausnutzt(war vor kurzem im TV). Das sind für mich schon kriminelle Taten! Sicher können sich einige Menschen die kleineren Firmen nicht leisten und greifen dann lieber zu veganen Produkten von Konzernen- das ist besser als gar nicht vegan- aber wenn man die kleineren Firmen unterstützen kann, dann sollte man das tun.

lieben Gruß
METTA
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03.09.2018, 10:31 Uhr
Hallo Metta,

Zitat METTA:in USA schon einige Wasserquellen ausnutzt für seine teuren Wasser [...] jetzt auch in Frankreich in einem Ort eine Quelle ausnutzt

Die USA und Frankreich sind ja beinahe humanitäre Projekte, wenn man sich die "Pure Life" Quelle von Nestle anschaut..

Wer mitten in Afrika das sowieso schon knappe Trinkwasser abfüllt ist schon recht skrupellos.
Wer dieses abgefüllte (und normalerweise kostenlose) Wasser dann im Nachbarort für einen höheren Preis verkauft als Benzin, der gehört normalerweise über's Knie gelegt..

  • *Ironie On**
Aber lasst es uns positiv sehen:
Die Mitarbeiter bekommen für sich und ihre gesamte Familie ganze zwei 0,5 Liter-Flaschen und dürfen weitere Flaschen (natürlich zum vollen Preis) käuflich erwerben.
Das nenne ich Fürsorge :thumbup:

Fast schon Humanität, wenn man bedenkt, dass die lokalen Brunnen aufgrund der kommerziellen Verwertung von Trinkwasser kein Grundwasser mehr fördern können.

Schlau gemacht :clap:
  • *Ironie Off**

Liebe Grüße,
Falk
4x bearbeitet

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03.09.2018, 10:50 Uhr
Hallo,

ich selbst kaufe fast nie Nestlé-Produkte. Gibt's im Bioladen auch nicht so oft und ich finde den Konzern auch nicht so sympathisch. Ich kaufe lieber von kleinen Bio-Unternehmen.

Nur: Ich glaube nicht, dass der bloße Kauf-Verzicht dort ankommt. Ich weiß es natürlich nicht, aber ich glaube, dass wir so viel gar nicht boykottieren können, wie die an Überschuss produzieren. Daher ist es evtl. in erster Linie eine emotionale Frage, ob man Nestlé boykottiert. Was ja nicht uninteressant ist. Aber wenn man glaubt, durch Boykott die Wasserproblematik in Afrika zu lösen, dann unterliegt man ggf. einem Trugschluss.

Interessant wird es dort, wo die Botschaft ankommt.

Die anzunehmende Motivation, in Afrika Wasser abzufüllen, liegt vermutlich darin, dass sie damit Geld verdienen wollen. Wenn sie nun merken, dass sie damit kein Geld verdienen (oder es sogar Geld kostet), würden sie sich das vielleicht anders überlegen. Wenn also ein Journalist eine spannende Doku drehen würde, die Millionen Menschen in Deutschland erreicht und aus ihrer Lethargie reißt (und sie plötzlich beginnen, Leitungswasser statt Plastik-Wasser zu trinken), dann dürfte das ne ganz andere Nummer sein.

Mit einem Boykott wird man das m.M.n. nicht erreichen.

Viele Grüße

Kilian
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03.09.2018, 11:46 Uhr
Hallo Kilian,

Zitat kilian:Wenn also ein Journalist eine spannende Doku drehen würde, die Millionen Menschen in Deutschland erreicht und aus ihrer Lethargie reißt (und sie plötzlich beginnen, Leitungswasser statt Plastik-Wasser zu trinken), dann dürfte das ne ganz andere Nummer sein.

Die gibt es bereits seit einiger Zeit:
http://bottledlifefilm.com/

Zitat kilian:Aber wenn man glaubt, durch Boykott die Wasserproblematik in Afrika zu lösen, dann unterliegt man ggf. einem Trugschluss.

Boykott und Öffentlichkeitsarbeit gehen hier Hand in Hand und sollten nicht als zwei voneinander isolierte Systeme betrachtet werden.

Natürlich löst man durch Boykott nicht die Wasserproblematik in Afrika, aber ohne Boykott ist die Wasserproblematik nicht lösbar:
Wie ein Boykott wirkungslos ist, wenn das Bewusstsein nicht verbreitet und die kritische Masse nicht überschritten wird, so ist auch die Verbreitung des Bewusstseins wirkungslos, wenn niemand handelt (hier boykottiert) ;)


Einem grundsätzlich gleichem Prinzip unterliegt auch der Veganismus :thumbup:

Liebe Grüße,
Falk
6x bearbeitet

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