Vorstellung und Gedanken loswerden

Erstellt 18.02.2019, 22:12 Uhr, von Zottel.C. Kategorie: Neu hier. 11 Antworten.

Vorstellung und Gedanken loswerden
18.02.2019, 22:12 Uhr
Hallöchen :D

Ehrlich gesagt bin ich ein wenig ratlos. :-/
Hab noch keine genaue Vorstellung davon, was ich jetzt schreiben kann, aber ich fang erst einmal bei meiner Person an.
Ich bin Celine, grade 20 Jahre alt geworden und Anfang 2018 habe ich mich dazu entschieden, kein Fleisch mehr zu konsumieren.
Vor 3 Monaten habe ich damit begonnen, mich immer mehr vegan zu ernähren.
Meine Motivation dies zu tun, war zuerst ehrlich gesagt, der Ekel.
Die Vorstellung davon, dass das Fleisch auf meinem Teller mal gelebt hat, widerte mich an.
Später kam der Ekel vor Eiern und Milch. Ich wollte nichts essen, was in einem Tier produziert wurde oder aus einem Lebewesen bestand.
Das Tiere für unser Essen sterben, wusste ich zwar, ich hab es dennoch vorerst nie richtig begriffen.
Dieser Aspekt, das Leiden der Tiere, rückt für mich immer mehr in den Fokus.

Und ehrlich gesagt, es macht mich fertig.
Anfangs war ich total glücklich darüber, dass sich mein Essverhalten änderte, doch mittlerweile fühle ich mich sehr alleine. Ich bin traurig und wütend auf die Menschen und auch auf mein Umfeld.

Ich wollte hier etwas schreiben, um meine Gedanken und Gefühle von der Seele reden zu können, ohne auf Unverständnis zu stoßen.
Oft habe ich davon mitbekommen, dass Fleischesser sich über Vegetarier und Veganer aufregen, da sie einen ihre Einstellung aufzwingen wollen.
Dieses Aufzwingen habe ich persönlich beinahe nur von der Fleischesserseite gegenüber Vegetariern und Veganern mitbekommen und nicht andersrum.
Immer diese vollkommenden unerwünschten und sinnlosen Kommentare, die ich mir anhören durfte, wie:
In ihrem Kopf stimmt etwas nicht. Ihr Denken ist kaputt.
Du isst meinem Futter das Futter weg.
Oh nein… tu das nicht! Sich so zu ernähren, muss doch echt nicht sein.
Tiere sind dazu da, um gezüchtet und anschließend gegessen zu werden.

Wie kann man so wenig Respekt gegenüber seinen Mitmenschen und den Tieren haben, frag ich mich??
Und dann noch behaupten, dass wir sie mit unserer Einstellung belästigen.

Ich habe keine Lust mich als einen Extremfall darstellen zu lassen.
Nur weil ich in meinem Essverhalten von den gesellschaftlichen Vorstellungen abweiche, heißt das, dass ich eine extreme Einstellung habe?
Sie können doch nicht ernsthaft meinen, dass meine Ansicht, eine schlechte ist.
Die Ansicht, dass kein Lebewesen das Recht dazu haben sollte, ein anderes Lebewesen für seine Zwecke auszurauben.
Aber nein, natürlich… die Menschen dürfen das, stellen sich ganz nach oben.
Ach, wie intelligent und toll wir doch sind.
Wenn das Gehirn und das Herz nicht lebensnotwendige Funktionen hätten, sondern mal angenommen ausschließlich für Intelligenz und Liebe da wären, dann würde ich nicht anzweifeln, dass bei vielen Menschen eines von beidem, oder sogar beides nicht vorhanden ist. (Tut mir leid, falls das unangemessen klingt. Ich meine hiermit lediglich die Menschen, die ihr Verhalten überhaupt nicht hinterfragen.)
Und wow… die gesellschaftlichen Vorstellungen sind so tief verankert, dass sie nicht mehr hinterfragt und als normal angesehen werden.
Was ich damit meine?
Ich führte letztens in der Schule ein Gespräch mit Klassenkameraden (Kk).
Dies lief so ab:
Kk: Milch und Eier zu kaufen ist wenigstens in Ordnung, im Gegensatz zu Fleisch.
Ich: Wo ist das denn deiner Meinung nach besser?
Kk: Naja, die Kühe haben Schmerzen, wenn sie zu viel Milch im Euter haben. Wir müssen sie also melken, damit sie keine Schmerzen mehr haben.
Ich: Die Kühe haben Schmerzen, weil wir sie so viel melken! Eine Kuh gibt normalerweise nicht die ganze Zeit Milch. Daran sind wir schuld.
Kk: Kühe geben standardmäßig Milch.
Ich: Achso und warum tun wir das nicht?
Kk: Weil wir Menschen sind und das sind eben Kühe.

Korrigiert mich bitte, wenn ich irgendwelche falschen Informationen schreibe.
Ich bin nach diesem Gespräch nur wirklich fassungslos.
Wenn diese Person schon glaubt, dass Tiere von alleine eine solche große Menge an Eiern und Milch geben können und es dementsprechend in Ordnung ist, diese für unsere Produkte weiter zu verwerten, dann frag ich mich…
In wie vielen Köpfen diese falsche Information noch abgespeichert ist. :question:
Die Menschen machen sich einfach kaum Gedanken. Zumindest nicht wirklich merkbar.
Auch mein Umfeld tut dies kaum.
Ich hasse es. Ich hasse es, mit Freunden einzukaufen und mit ihnen vor der Fleischtheke zu stehen.
Sie stehen da und können sich nicht entscheiden, was für ein saftiges leckeres Stück Fleisch sie denn nur kaufen sollen. Am Besten ist es, wenn sie mich fragend angucken.
Mich brauchen sie nicht fragen. Ich find das alles pervers. Einen komischen Blick für den Kommentar durfte ich mir dann auch noch von dem Verkäufer einfangen.
Was ich außerdem nicht verstehe…
Meine Freunde merken nicht, dass es mir unangenehm ist, zu sehen, dass sie tierische Produkte kaufen, zubereiten oder essen.
Lustig ist es auch, wenn ich dann Bilder geschickt bekomme mit den Kommentaren: Omg, ich lieeeebe Ofenkäse.
oder…
So ein geiles Steak!

Ehm ja und als Antwort erwarten sie was?
Juhuu, ich freu mich so für dich, so ein leckeres Essen hast du da. Schön, dass du Tiere ausraubst…weiter so! :clap:
Das Verhalten von meinen Freunden und anderen Menschen, bringt mich zum Heulen.
Ich hatte einen Gefühlsausbruch und schrieb einem guten Freund, dass er und alle andere doch aus meinem Leben gehen sollen.
Ich wusste überhaupt nichts mit meiner Wut und Trauer anzufangen.
Ich fühlte mich alleine… einfach missverstanden und in dem Moment wollte ich am Liebsten alle Menschen in meinem Umfeld los werden, die meiner Meinung nach eine schlimme Ansicht vertreten. Das Fleischkonsum nötig und in Ordnung ist.
Aber jedem Menschen mit dieser Einstellung aus dem Weg gehen, macht mich im Endeffekt auch nicht glücklich und wäre unmöglich.

Tut mir leid, falls meine Einstellung und mein Umgang mit solchen Themen noch sehr unreif erscheinen. Ich bin dabei meine Ansichten zu reflektieren und mich immer mehr zu informieren.
Ich möchte nicht mehr komplett blind durch die Gesellschaft laufen und tun, was eben so üblich ist, weil alle es machen.
Mich interessieren eure Meinungen sehr und ich hoffe, dass ich mich ein wenig verstanden fühlen kann, auch wenn, wie eben bereits erwähnt, manches meiner Gedanken noch unreif erscheinen sollte.
LG Celine

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Hey,

hilft Dir das weiter? :star:

Viele Grüße!
18.02.2019, 22:46 Uhr
Hallo liebe Celine,

schön, dass du hier bist, denn sich zumindest gelegentlich mit Gleichgesinnten auszutauschen, ist schon ein sehr wichtiger Schritt, auch Menschen mit anderen Meinungen (oder auf anderem geistigen und moralischen Entwicklungsstand) etwas entspannter gegenübertreten zu können. Deshalb erst einmal herzlich Willkommen :wink:

Wenn du schonmal ein bisschen lesen magst:
https://www.vegpool.de/forum/sport-bewegung-entspannung/wie-geht-ihr-emotional-damit-um-1.html
https://www.vegpool.de/forum/vegan-allgemein/umgang-mit-vegan-kritikern-bloeden-spruechen-1.html

Mir persönlich hilft bei den allerblödesten Sprüchen ein kurzer Gedanke ans vegane Bullshit-Bingo (es gibt mehrere, such einfach mal). In den seltensten Fällen halte ich es für sinnvoll sachlich zu argumentieren. Mit sehr vielen Freunden, bei denen ich nicht das Gefühl habe, dass sie sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen, läuft es über Stillschweigen, womit öfter gemeint ist, dass ich auf jegliche Kommentare zu meinem oder ihrem Essen einfach nur ein neutrales "hmmmmm" verlauten lasse und nicht weiter darauf eingehe. Gemeinsames Essen, bei dem das Tier als Tier erkennbar ist (Weihnachten zu Mittag bei Oma) lasse ich für mich weg und geselle mich erst zum Kaffeetrinken dazu.
Bei Freunden, die keine Veganer sind, aber auch nicht ständig gegen Veganismus stänkern funktioniert es für mich ganz gut - bei Freunden, die ständig unsachlich argumentieren, dumme Veganerwitze reißen, sich über Veganer aufregen, usw., entsteht aber recht schnell eine innere Distanz, so dass ich zwar den Kontakt nicht abbreche, aber auch nicht gezielt suche.

Ansonsten hilft es immer, daran zu denken, dass man selbst auch nicht immer vegan gelebt hat, und seinen Mitmenschen auch eine gewisse Reifezeit zuzugestehen. Wenn du die Freunde gern behalten möchtest, sprich sie darauf an, was dich an ihrem Verhalten dir gegenüber und in deinem Beisein stört, und versuche gemeinsam mit ihnen einen Kompromiss zu finden.

Zur Kuhmilch: Kühe sind wie Menschen Säugetiere. Ohne Nachwuchs deshalb keine Milch. Und dass Kälber den Menschen die Milch wegtrinken, geht natürlich auch nicht. Irgendwann lässt die Milchleistung allerdings nach... Ein neues Kalb muss her... :-( Trauriges Thema. Dazu noch ein (vorerst?) letzter Tipp: guck nicht zu viele traurige Tierleidfilme in zu kurzer Zeit.
"Rettet die Erde - sie ist der einzige Planet mit Schokolade"
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18.02.2019, 23:01 Uhr
Hallo Celine und willkommen,

zunächst Mal - du stößt hier nur auf offene Ohren und wir denken wahrscheinlich alle so. Ich bin jetzt fast 40 und tatsächlich wusste ich bis vor einigen Monaten auch noch nicht, dass Kühe nur Milch geben wenn sie einmal im Jahr ein Kalb bekommen. Und was danach dann mit dem Kalb passiert... Warum?

Ich hab das nie hinterfragt. Es war immer normal Milch und Fleisch zu konsumieren. Niemand hinterfragte das. Wenn es meine Eltern wussten, dann haben sie es mir nie gesagt. Das ist leider das Problem der Milch-, Eier- und Fleischindustrie... Es wird so viel verschwiegen und gleichzeitig wollen diejenigen die es wissen nicht darüber reden. Alle anderen laufen mehr oder weniger "blind" durchs Leben.

Also öffnete ich vor drei Monaten die Augen und wurde Vegetarier. Erst Mal nur eines und lass immer mehr, vor allem über Kühe und Hühner. Schließlich öffnete ich das zweite Auge und wurde vegan. Vielleicht hätte ich mich wesentlich früher damit beschäftigt wenn ich einen Veganer gekannt hätte...

Tja, ich wurde also auch so ein extremer Sonderling. Und ja, auch ich bekam die volle Breitseite. Genau wie du, ich ging nicht damit missionieren und wollte die Welt überzeugen. Allerdings versuchte plötzlich die ganze Welt mich überzeugen wieder "normal" zu werden. Noch nie in meinem Leben interessieren sich alle plötzlich so brennend für meine Ernährung. Anfangs verteidigte ich mich noch, erreichte damit aber gar nichts. Also ließ ich es und ignoriere seid dem solche Angriffe (so gut es geht).

Vielleicht liegt es auch einfach an meinem Alter, dass ich die Dinge etwas entspannter als du sehe. Klar denke ich mir beim Einkaufen, dass die Menschen mit dem Einkauf von Fleisch diese grausame Industrie unterstützen - aber noch vor ein paar Monaten war ich selbst noch so jemand. Mit wird bewusst, dass diese Menschen nicht absichtlich so handeln. Sie tun es weil sie es einfach nicht besser wissen oder nicht stark genug sind richtig zu handeln.

Und wenn ich eins gelernt habe und das trifft auf wirklich alles zu - nicht nur auf die Essgewohnheiten:
Menschen können sich nur ändern wenn sie es selbst wirklich wollen.

Die Wut ist verständlich, absolut. Aber denk immer daran, sie sind einfach blind und wachen vielleicht auch erst mit 39 auf. Den Zeitpunkt können nur sie bestimmen.

In diesem Sinne, keep calm :D
Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Wenn du es nicht lösen kannst, mache es nicht zum Problem.
-- Buddha --

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19.02.2019, 10:51 Uhr
Liebe Celine

Ich versteh dich sehr gut. An schlechten Tagen rattern diese Gedanken auch durch meinen Kopf. Dann nützt es wenig, dass ich ja weiß, dass ich auch mal Fleisch aß und so dachte. Es ist anstrengend, immer Verständnis aufbringen zu müssen für die Menschen, die noch blind durch die Welt gehen. Und gleichzeitig selbst oft wenig Verständnis zu erhalten, oder, so wie du, sogar dauernd schikaniert zu werden. Und ja, es ist erschreckend, wie wenig viele Menschen tatsächlich über die Industrie wissen, selbst solche, die in unmittelbarer Nähe zu landwirtschaftlichen Betrieben leben.

Das mit dem Bullshit-Bingo finde ich genial, das mach ich manchmal auch innerlich ;) Ich hab zudem in meinem Leben zum Glück ein paar "vegan allies", wie Melanie Joy das nennt, also eine Art "Verbündete". Die sind zwar keine Veganer, aber verstehen meine Motivation und stärken mir den Rücken, wenn ich angegriffen werde. Und das beste, ich kann mit ihnen gemeinsam herzhaft über die dummen Bullshit-Argumente lachen :crazy: :D Da fühlt man sich grad weniger alleine.

Vielleicht schaffst du es auch, ein paar Verbündete aus deinem Umfeld zu gewinnen. Ich finde dafür Melanie Joys Arbeiten ziemlich hilfreich, auch um diese ganze Situation zwischen Veganern und "Normalos" :rolleyes: besser zu verstehen. Von ihr gibt es diesen, wie ich finde, guten Talk über Beziehungen zwischen Veganern und Nicht-Veganern. Mir hat das geholfen. Der Talk nennt sich "How Vegans Can Create Healthy Relationships and Communicate Effectively", und man findet ihn auf Youtube.

Das mit den Nachrichten von deinen Freunden finde ich ziemlich daneben. Ich frag mich, ob sie nicht realisieren, wie das bei dir ankommt, oder ob sie das mit voller Absicht tun. Wenn letzteres, dann scheinen das eher zweifelhafte Freunde zu sein... :x

Herzlich Willkommen und alles Liebe :star:
Mond
Vegans. We're not crazy, we're just from the future.

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19.02.2019, 14:34 Uhr
Ich muss ehrlich sagen, dass ich gerade ein wenig überfordert mit dieser Seite bin, was das Antworten angeht :-/ :lol:

Hallo Sunjo :D
Danke für die Links.
Ich habe mir schon einige Kommentare durchgelesen und werde dies noch weiter in Angriff nehmen :thumbup:
Es tut gut zu lesen, dass auch viele andere ähnliche Probleme und Denkweisen haben.

Ich bin leider in diesem Denken, was ich weiß, müssen andere doch auch wissen.
Sprich, die anderen müssen doch wissen, was sie den Tieren damit antun usw. warum machen sie denn noch so etwas grausames. Haben sie etwa kein Mitgefühl?
Ich sollte mir wirklich mehr bewusst darüber werden, dass viele Menschen eben nicht uneinfühlsam sind und aus egoistischen Gründen tierische Produkte essen, sondern es durch dieses Stillschweigen der Lebensmittelindustrie nicht besser wissen.
Wie du schon erwähnt hast, manche brauchen evtl. diese Reifezeit.


Hallo habanero79 :D
Ich finde es wirklich sehr bemerkenswert, wenn man so lange, wie es eben für die Gesellschaft üblich ist, sich ernährt hat und dann seine Einstellung reflektiert und diese dann auch umsetzt. :thumbup:

Es ist wirklich erschrecken, wie sehr man an der Nase herumgeführt wird.
Freundinnen von mir leben auf einem Bauernhof und ich habe als Kind auch nur die glücklichen Kühe auf der Wiese grasen sehen. Ab und an wurden sie dann natürlich gemolken, weil die Kühe ja anscheinend ganz natürlich Milch geben und wir davon schon was ab haben können.

Ich hoffe sehr, dass ich den Umgang, den die anderen Menschen mit dem Thema haben, bald nicht mehr so stark an mich heran lasse.
Evtl. liegt es wirklich daran, dass das ganze Thema für mich noch sehr frisch ist und ich noch unerfahrener bin.


Hallo Mond :D
Danke für deine Worte.
Es erleichtert mich wirklich solch eine Antwort zu bekommen.

Wegen dieser Melanie Joy werde ich mich mal informieren, klingt sehr interessant.

Ich werde mich in Zukunft mehr mit meinen Freunden über meine Gedanken und Gefühle unterhalten.
Hoffentlich kann ich sie dazu animieren mehr über ihr Essverhalten und den Umgang mir gegenüber nachzudenken.
Und sollte jemand aus meinem Umfeld meine Einstellung nicht berücksichtigen, dann geb ich dir recht... dann sind es zweifelhafte Freunde.
2x bearbeitet

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19.02.2019, 17:00 Uhr
Moin Celine :-)
Ich kann dich total verstehen und mir geht es sehr ähnlich. Zwar bin ich schon 2 Jahre Vegetarier gewesen, bevor ich September letzten Jahres vegan geworden bin, aber vieles war mir über die Tierindustrie auch nicht wirklich bewusst. Nun, wenn man sich ausreichend informiert hat und sehr überzeugt davon ist, das Richtige zu tun, versteht man die Welt nicht mehr. Ich bin z.B. hauptsächlich aus ethisch und gesundheitlichen Gründen Vegetarier geworden, aber wenn man sich nun auch den Umweltaspekt anschaut, denkt man doch eigentlich: "Wie kann man bloß sooo viel bzw. überhaupt noch Fleisch etc. konsumieren." .... Aber, ich war auch mal Fleisch- und Fischesser und das darf man nicht vergessen.
Nun merkt man natürlich in den Medien, der Politik und den Supermärkten, dass das Thema nicht mehr wegzudenken ist, aber viele Menschen lassen sich davon halt nicht beirren oder die Informationen werden verharmlost bzw. immernoch versteckt. Die Lobby ist einfach zu gigantisch.
Ich rege mich auch oft innerlich auf und diese Gespräche und blöden Sprüche kenne ich auch zu Genüge. Ich denke man lernt damit umzugehen, und wie meine Vorredner ja auch schon geschrieben haben, manche Leute bzw. Einladungen muss man dann halt leider meiden. Aber dort wo es noch Hoffnung gibt ;) bzw. die Leute in deiner Umgebung, die sich wirklich für dich interessieren, versuche freundlich zu bleiben und wenn gewünscht, auch aufzukären. Es gibt immer mehr Leute, die dazu Tipps geben, wie man solchen Konfrontationen begegnet - mir hat es zum Teil geholfen.
Was ich wichtig finde: Nicht missionarisch werden und den Menschen Nachsicht geben. Einige Menschen in meiner Umgebung essen seit meiner Umstellung z.B. weniger tierische Produkte, meine Mutter auch sehr viel vegan. Darüber freue ich mich sehr, auch wenn Eier oder Käse aus ihrem Leben gerade (noch) nicht wegzudenken sind. Aber immerhin fragen sie nach Informationen, Filmen, Rezepten und Tipps.
Da mein Text doch auch nun schon ganz schön lang geworden ist :angel: - letzter Tipp: Auch über die Kritik der veganen Ernährung lesen und auseinander setzen, denn wenn man diese "versteht", kann man erst richtig argumentieren und kann einen hoffentlichen friedlichen Dialog führen.

P.S: Falls du Lust hast auf persönliches Schnacken bei Kaffee oder so, ich wohne in Hamburg, bin aber oft auch in Lübeck, da liegt ja Bad Segeberg quasi zwischen ;-)
Beste Grüße, Marilena
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19.02.2019, 18:04 Uhr
Moin malleHH :wink:
Ich muss mich wirklich noch sehr viel mit der veganen Ernährung auseinandersetzen.
Habe mich zu mehreren Aspekten öfter belesen, aber so ein richtigen Plan davon, was z.B. die Auswirkungen auf die Umwelt sind, habe ich noch nicht.

Ich bekomme öfter von meiner Familie oder von Bekannten blöde Sprüche zuhören.
Von zwei Freunden und einer Klassenkameradin bekomme ich aber ab und an vegane Bücher geschenkt oder Lebensmittel, wenn sie gerade unterwegs waren und diese entdeckt haben.
Find ich total schön, dass wenigstens sie mich ein wenig unterstützen :)

Das die Menschen oft nicht wissen, was genau sie eigentlich zu sich nehmen, merk ich auch ab und an, wenn so Fragen und Aussagen kommen wie:
Du kannst aber noch Sahne essen, oder?
Hohl dir doch vom Bäcker ein Schokobrötchen.

Find es aber schön, wenn sie mal interessiert nachfragen, warum ich etwas nicht essen kann oder warum ich nach dieser Einstellung lebe.
Und es freut mich, dass manche Menschen in deiner Umgebung jetzt etwas weniger tierische Produkte essen und deine Ansicht akzeptieren :thumbup:

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19.02.2019, 20:59 Uhr
Ja nimm dir Zeit, dich zu informieren. Man sollte sich damit auch nicht zu sehr streßen.. der Anfang ist für viele schwierig genug.
Wenn ich dann mal mit nem Vegetarier oder Veganer spreche und man sich über die Sprüche unterhält, versuchen wir es mit Humor zu nehmen, ein guter Weg sich nicht immer nur zu ärgern und die Wut in sich hinein zu fressen. :happy:
Einer meiner "Best-ofs": Auch kein Joghurt oder Milch? Aber wieso denn nicht? (Person wird wütend) Die Tiere sterben doch dann eh?
Unglaubliche Aussage, gerade weil die Person über 50 ist und besser informiert sein sollte...

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19.02.2019, 22:07 Uhr
Hallo liebe Zottel (süß, so hieß mal ein Pony aus einen meiner Kindheitsromane ^^),

Ich kann dich sehr gut verstehen. Zwar bin ich auch noch relativ frisch vegan (bei mir kam der Umschwung sehr krass -> Von Fleisch/Milch/usw.-Esser zu Veganer) jedoch rebellierte es in mir auch sehr hart. Es war so abstrakt mit meinem Partner und meinen Schwiegervater einkaufen zu fahren. Wir hatten da natürlich erst mal geschaut: "Was gibt's so im veganen Bereich." Weil man ja auch erst mal seine Einkaufsliste etwas umsortieren musste. Und sein Vater hatte natürlich trotz all dem gefragt wo eine bestimmte Fleischsorte sei. Du kannst dir nicht vorstellen wie merkwürdig das für mich war. :crazy:

Mein Hirn hatte quasi von einem Tag auf den anderen (dank "What the Health" und "Earthlings") zu VEGAN umgeschalten. Und das war krass. Vor allem weil ich auch in einem kleinen Dorf wohne wo die Einstellung teils noch seeeeeeeehr veraltet ist. Ironischerweise gibt es hier überall Höfe um uns herum und ich glaube, dass einige davon auch Tiere als "Produkte" behandeln. Die Vorstellung finde ich mittlerweile makaber. Dennoch muss ich sagen, dass diese Tiere hier teils auch große Weiden haben (Schweine sehe ich natürlich trotzdem nicht :-( Warum wissen wir ja alle).

Damit will ich in keinster Weise das Verhalten rechtfertigen, aber ich wollte hier einfach mal meine Umgebung schildern. Mein Partner und ich sind wohl bisher auch die einzigen Veganer in der Familie. Meine Mutter hat keinen Kontakt mehr zu mir seitdem sie das erfahren hat. :rolleyes: Da sieht man mal, dass meist sogar Mischköstler die diskrimierendere Einstellung gegenüber Vegetarier/Veganer haben. Na ja, jedenfalls kann ich das alles sehr gut nach empfinden. Mich hat das anfangs auch alles sehr bewegt. Auf dem Weg zur Arbeit (immer mit dem Fahrrad - habe keinen Führerschein) sind mir teils Tränen der Wut und Trauer gekommen. Da kam sehr viel hoch. Gerade weil Earthlings mich doch sehr geprägt hat in meiner Einstellung.

Was hilft?

Menschen die dir gut tun und auch eine Menge Zeit. Wirklich, ich hatte Zeit gebraucht um mich daran zu gewöhnen jetzt noch mehr Außenseiter zu sein (ist nicht die einzige Nische die ich so besetze ;) Als Gamer, einer ungewöhnlichen sexuellen Orientierung, usw. hat man's halt auch nicht leicht. Wobei Ersteres zumindest schon viel mehr toleriert wird).

Es tut mir echt leid, dass deine 'Freunde' dich da so behandeln. Ich bin ja froh in dem Punkt so liebe Freunde zu haben die mir zur Seite stehen. Momentan für mich auch mehr Familie als das eigene Blut... na ja... :rolleyes: Bisher gab es bei mir auch nur positives Feedback. Da finde ich diesen Spruch auch sehr blöd "Blut ist dicker als Wasser." Bei mir sah das Ganze etwas anders aus.

Mein Rat ist, dass du dich erst mal die positiven Seiten des Veganismus anschaust und vielleicht auch Leute in deinem Umkreis suchst um dich positiv zu stärken. :angel: Es hilft nichts sich tagein-tagaus darüber zu quälen, dass viele es einfach immer noch nicht begreifen. Mir taten so Gute-Laune-Youtuber richtig gut. Gerade wenns um Rezeptekanäle geht, aber auch generell vegane Youtube-Kanäle. Man fühlt sich dabei nicht mehr so allein und kann damit auch etwas davon abschalten von der ganzen Blindheit/Sturrheit der Menschen.

Sei so lieb und wühle dich nicht durchs Internet um dich mit Bildern aus Schlachthöfen zu quälen. Ich war leider so... sagen wir naiv... und hab es gemacht. Doch mir ist doch schon bewusst was passiert. Man kann mit diesem wütenden Verhalten die Menschen leider nur provozieren. Mittlerweile versuche ich einfach den Leuten zu zeigen "Guck mal, das ist vegan. Und es schmeckt doch mega lecker." :green: Und siehe da: Die meisten merken den Unterschied kaum.

Ich hab sogar eine Freundin die gerne mal 1 Woche vegan essen würde. Einfach aus Neugierde heraus. So was finde ich persönlich extrem toll. :clap:

Halte dich an die positiven Dinge. Was mein Freund und ich auch noch vor haben -> Besuch einen Gnadenhof. Streichel mal glückliche Tiere. Egal ob Schwein, Kuh, Gans oder auch Ziege. Es tut gut zu sehen was diese Menschen machen damit es den Tieren gut geht. :thumbup:

Das hat mir den Mut gegeben weiter zu machen. :angel:

Und tut mir leid für den riesigen Text. Ich bin glaub ich etwas eskaliert in meiner Ausschilderung. Bin bei diesem Thema genauso emotional wie du und kann das alles sehr gut nach empfinden. :red:

LG PuschelQueen
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20.02.2019, 12:54 Uhr
Zitat PuschelQueen:Sei so lieb und wühle dich nicht durchs Internet um dich mit Bildern aus Schlachthöfen zu quälen.

Vielleicht der wichtigste Tipp... Auch Earthlings... So wie du, PuschelQueen, fand ich den Film traumatisierend. Ich habe nach etwa einem Drittel abgebrochen, da ich sowieso nur mit zusammengekniffenen Augen und zugehaltenen Ohren vor dem Bildschirm sass. Ich war zu dem Zeitpunkt schon vegan und fand dann, ich ich bin genug entschlossen und brauch kein traumatisierendes Filmmaterial zur Motivation...

Liebe Grüsse
Mond

P.S.: Yeah, vegan gamers :wink: :clap:
Vegans. We're not crazy, we're just from the future.

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