Pilze klonen - ein Experiment

Erstellt 30.07.2019, 07:24 Uhr, von habanero79. Kategorie: Rezepte & Anleitungen. 13 Antworten.

Pilze klonen - ein Experiment
30.07.2019, 07:24 Uhr
Hallo zusammen,

da ich Pilze sehr sehr gerne esse und gerne auch mal etwas experimentiere habe ich mich mal mit dem Thema "Pilzzucht" auseinandergesetzt. Es ist ein wirklich interessantes Thema und auch gar nicht sooo kompliziert. Daher habe ich beschlossen ein Experiment durchzuführen:

Was will ich erreichen?
Ich möchte einen vorhandenen Pilz klonen indem ich aus einem Stück davon das "Myzel" herauslocke um ein vorhandenes Substrat durchwachsen und eine sog. "Brut" entwickeln zu lassen. Mit dieser Brut kann ich dann wiederum ein größeres Substrat "impfen" und anschließend über einen längeren Zeitraum Pilze ernten.

Mit welchen Pilzen geht das?

Einfach zu züchten sind angeblich Austernpilze da diese eine angeborene Resistenz gegen Schimmel haben. Ebenso wurden erfolgreich Kräuterseitlinge aus Pilzen gezogen. Schwierig sind wohl Champions und Shitake. Champs benötigen wohl organische Grundlagen wie Pferdemist etc. Das wollte ich zuhause eher nicht versuchen ;) .

Was braucht man dafür?
Eigentlich nicht viel.
1. einen Pilz als "Rohmaterial"
2. Einmachgläser
3. Wellpappe
4. scharfes Messer
5. (idealerweise einen Dampfdrucktopf)

Wie geht man vor?
Da ich keinen Dampfdrucktopf habe, muss ich eine sog. "unsterile" Klonung vornehmen (dazu unten mehr).
1. Pappe in kleine Stücke schneiden die geradeso den Boden des Glases bedecken.
2. Wasser abkochen und damit die Gläser / Deckel ausspülen
3. auch die Kartonstreifen damit übergiesen und eine Schicht abziehen (so dass man die Wellen sieht)
4. Eine Lage Karton in das abgetropfte Glas legen (Pappe muss noch feucht sein)
5. Mit einem sterilen Messer idealerweise aus dem Stil des Pilzes ein Stück heraus schneiden und in das Glas legen. Es sollte auch gerade so groß wie der Boden sein und vom inneren des Pilzes kommen. Da ist es am sterilsten.
6. Den Pilz mit einer weiteren Lage Karton bedecken und die Gläser zuschrauben.
7. Die Gläser an einen dunklen Ort stellen. Die Temperatur sollte so etwa zischen 22 und 25 Grad liegen.
8. Nach einigen Tagen sollte sich das Myzel (weißer Flaum) bilden und den Karton durchwachsen.
9. Wenn der Pelz sich ausreichend verbreitet hat (ich hab gelesen ideal ist es wenn er am Rand "hochkriechen" will) sollte man ihn "füttern"
10. Ab hier wird es schwierig weil sich die meisten nicht so richtig einige sind. Manche füttern abgelagerte Laubholzchips, Stroh oder Kaffeesatz. Funktionieren tut wohl alles. Ich werde dafür Strohpellets (die gibts als Tierstreu) einweichen und verwenden wenn es soweit ist. Es soll immer eine Schicht von 1-2 cm hinzugegeben werden damit das Myzel nicht erstickt.
11. Wenn das Glas dann voll und gut durchwachsen ist, ist die Brut fertig und man kann damit ein größeres Substrat animpfen.
12. Ist dieses ebenfalls komplett durchwachsen beginnt das Ausbilden der Pilzfrucht :) .

Was kann schief gehen?
Soweit die Theorie. Der größte Feind des Pilzzüchters sind sog. Kontaminationen mit Bakterien wie z.B. Schimmel. Das kann einerseits passieren wenn die Sterilisation der Gläser, Messer etc. nicht erfolgreich war oder auch beim Zufüttern. Kaffeesatz soll eher zum Schimmeln neigen habe ich gelesen. Erkennen lässt sich das ganz einfach am grünen oder schwarzen Pelz.
Viele Pilzzüchter verwenden zum Sterilisieren der Gläser deshalb einen Drucktopf da dieser das Wasser auf 121° erhitzen kann. Das tötet restlos auch die Bakterien die 100° überstehen würden.

Mein Experiment:
Wie oben geschildert habe ich jetzt mal insgesamt 6 Gläser aufbereitet. Drei davon wurden mit einem "realtiv frischen" Austernpilz und die anderen drei mit einem Kräuterseitling bestückt. Mal sehen wer im Rennen bleibt. Beides ist schon oft erfolgreich vermehrt worden.

Wer keine Lust hat sich seine Brut selbst zu ziehen kann sie sich übrigens auch recht günstig im Internet kaufen. Es wird dann nur noch passendes Substrat (wie z.B. Strohpellets) benötigt um ein paar Wochen später zahlreiche Pilze zu ernten. Ich werde das nach meinem Sommerurlaub vor allem auch mit dem Rosenseitling testen, da dieser angeblich wie Schinken bzw. Bacon schmecken soll. Dem muss ich natürlich nachgehen :)

Ich halte euch hier auf dem Laufenden und werde bei Gelegenheit auch gerne Bilder hier hochladen. Stay tuned! :)
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
30.07.2019, 08:04 Uhr
wow, sehr spannend, was Du da vorhast! :thumbup:

Hoffentlich sind die Strohpellets (Tierstreu) nicht behandelt?

Mich würde wohl Myzel (weißer Flaum) nervös machen ;)

Ich habe schon Sprossen aus Linsen, Kichererbsen, Leinsamen, Roggen und Sonnenblumenkernen hergestellt und es hieß auch, dass sich auch mal weißer Flaum bilden kann, das nicht schädlich sei, doch Schimmel schon.
Aber wie unterscheide ich das? Hatte das zum Glück nicht, wäre mir auch echt unsicher gewesen.

Viel Erfolg bei Deinem Experiment! Ich drück Dir die Daumen! :thumbup:


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30.07.2019, 08:45 Uhr
Ich hab jetzt auch schon diverse Bilder von geglückten und misslungenen Versuchen gesehen. Da sieht man die "Kontis" recht deutlich indem sich der weiße Flaum stark verfärbt ins typische "Schimmelgrün" oder schwarz. Außerdem ändert sich scheinbar der Geruch sehr stark und schlägt vom typischen "Waldpilzgeruch" auf ein richtig fieses Stinken um ;) .

Ob die Pellets behandelt sind weiß ich gerade gar nicht... Ich hab nur gelesen, dass viele diese z.B. auch von Multifit (Fressnapf Eigenmarke) verwenden. Sehr gut sollen wohl auch Getreidearten geeignet sein (ungeschälte Weizen oder Roggenkörner), aber davon habe ich momentan nichts zuhause.
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08.08.2019, 06:37 Uhr
So, ein kleiner Zwischenbericht:

Alle 6 Gläser entwickeln sich gut und haben keine offensichtlichen Kontaminationen. Die Austern zeigen einen deutlich dickeren, weißen Flaum während die Kräuterseitlinge eher dünn wachsen.

Ich habe alle 6 Gläser nun mit einer dünnen Schicht Strohpellets "gefüttert" und hoffe, dass keine Kontamination mit rein gekommen ist.

Die Pellets habe ich mit kochendem Wasser eingeweicht, quellen lassen und danach mit einer Kartoffelpresse ausgedrückt. Ich war überrascht wieviel Stroh dabei raus kommt :surprise: . Letztlich war's viel zu viel, aber gut zu wissen für's nächste Mal.

Anbei Mal ein Bild vor der Fütterung. Es bleibt spannend!

Bild: ohne Beschreibung


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08.08.2019, 08:08 Uhr
Das ist spannend. Kannst Du Bilder etwas grösser einstellen? Das gezeigte Bild ist doch recht klein...
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08.08.2019, 11:59 Uhr
Leider geht das hier nicht... Liegt vermutlich an den Einstellungen des Forums. Bei den nächsten Bildern gehe ich mal etwas näher ran :) .
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08.08.2019, 12:15 Uhr
Schade. Trotzdem danke :-)
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18.08.2019, 14:19 Uhr
So, Mal wieder ein Update:

Seit der letzten Fütterung hat sich einiges getan. 2 Gläser sind offenbar kontaminiert, was man am leicht grünen Inhalt erkennen kann. Ironischerweise sind das zwei Austernseitlinge, denen man nachsagt, dass sie eine gewisse Resistenz gegen Schimmel hätten.

Bild: ohne Beschreibung


Der übrige Austernseitling wächst dafür wie verrückt und zeigt deutliche weiße "Puschel"

[Anhang attachment-a47e9 nicht gefunden]

Due restlichen drei Gläser mit Kräuterseitling sehen auch gut aus, wenn sie auch nicht so stark wachsen. Sie haben die Strohpellets mit einer gleichmäßigen, leichten, weißen Myzel-Schicht überzogen.

[Anhang attachment-9d523 nicht gefunden]

Heute wird wieder "gefüttert". Mal sehen wie es sich weiter entwickelt :)
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18.08.2019, 14:41 Uhr
Dank Dir... :-)
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18.08.2019, 15:06 Uhr
Die Bilder können seit ein paar Tagen auch in größerer Darstellung angezeigt werden. Einfach anklicken :-)
Auf dem PC sieht man sie dann gleich größer. Auf dem Smartphone kann man dann durch zoomen vergrößern.
So können wir die ganze Pracht des Pilzsubstrates in Augenschein nehmen :green: :clap:
1x bearbeitet

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