Darstellung von vegan vom OÖ Bauernbund

Erstellt 31.03.2022, von Franz23. Kategorie: Umwelt & Klima. 18 Antworten.

Darstellung von vegan vom OÖ Bauernbund
31.03.2022
Heute in so einem Gratis Blatt "Lust aufs Land" einen Artikel entdeckt: "Ist vegan auch nachhaltig?" Den gibts auch online:

https://lustaufsland.at/ist-vegan-auch-nachhaltig/

Ich finde diesen Artikel gelinde gesagt eine Frechheit. Eine bewusste Verdrehung der Tatsachen der Fleischlobby im Fleischfresserland OÖ. Ich könnte soviele Gegenargumente anführen, dass ich erst gar nicht damit beginne.
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31.03.2022
Ich fang mal an, Franz, und wenn du magst, ergänzt du dann?

Na, das ist ja auch wieder so ein Bauernverband, der glaubt (und damit vielleicht Recht hat) die Verbraucher verarschen zu können. Da wird jetzt der höchste Standard tierischer Produkte (wie häufig wird der in Österreich erfüllt?) mit dem niedrigsten Standard veganer Produkte verglichen, dabei alle zusätzlichen Faktoren unterschlagen (z.b. Methanausstoß, Transportwege des Futters), die die Bilanz unweigerlich zugunsten der veganen Produkte ändern würden, und dann noch die Palmölkeule geschwungen, ohne zu berücksichtigen, dass Palmöl erstens auch in vielen nichtveganen Lebensmitteln enthalten ist und zweitens Palmöl nicht nur in Lebensmitteln sondern auch in vielen weiteren Produkten des täglichen Lebens, die ebenfalls von Nichtveganern verbraucht werden, enthalten ist (weiß nicht, ob in Österreich auch die Kälber mit Milchaustauscher, der oft Palmöl enthält, aufgezogen werden, oder ob dort auch Palmöl im Tank landet - ich geh aber davon aus, dass beides der Fall ist).
Vom Flächenverbrauch, der ja auch Einfluss auf die Ökobilanz eines Produkts hat, und der durch die ineffiziente Umwandlung pflanzlicher Kalorien in tierische Kalorien bei tierischen Produkten zwangsläufig größer ist, wollen wir gar nicht reden.

Zum Beispiel
Unter die Lupe genommen wurden der Preis, die Herkunft der Zutaten und die zurückgelegten Transportkilometer.

Naja, der Preis ist natürlich höher, aber das hat bekanntermaßen verschiedene Gründe (auch in Österreich?) wie ungleiche Besteuerung, ungleiche Subventionierung, höhere Produktionskosten bei geringeren Mengen etc. Wenn man bei der Herkunft der Zutaten nur die direkten Zutaten, statt wie bei Tieren auch die indirekten, nämlich Futtermittel, Supplemente etc. berücksichtigt, könnte die Berechnung der Transportkilometer sogar stimmen, aber auch da stellt sich die Frage, warum man bei den veganen Produkten nicht auch heimisch angebaute nimmt. Gibt es keine Gemüse- und Getreidebauern in Oberösterreich? Oder sind die so klein und unbedeutend, dass die vom Bauernverband gern mal richtig in den Dreck getreten werden, zugunsten der Tierausbeuter?

Milch: Im Faktencheck wurde heimische Kuhmilch, die in Österreich ausschließlich mit gentechnikfreier Fütterung produziert wird, mit einem Mandeldrink verglichen.

Welchen Anteil in Prozent hat denn diese konkrete MIlch an der Gesamtmenge der in Österreich produzierten Milch? Und warum Mandelmilch? Weil Soja und Hafer besser abschneiden würden und auch in Österreich angebaut werden?


Käse: Beim Käse wurde ein in Scheiben abgepackter Gouda aus einer österreichischen Molkerei mit einem sogenannten Analogkäse, also einem veganen Käse, der als Hauptbestandteil Kokosöl enthält, näher betrachtet.

Bin mir nicht sicher, ob veganer Käse und Analogkäse wirklich gleichzusetzen ist, aber das ist auch nicht so wichtig. Was hier in diesem Fall wieder wichtig ist: Wieviel Treibhausgase insgesamt, also eben nicht nur die Transportkilometer, verursacht das Produkt? Oatly z.B. nutzt mittlerweile E-LKW, d.h. dort ist die Entfernung weniger schlimm, als wenn der Transport mit Verbrenner-LKW erfolgt. Der Methanausstoß der Tiere wird wieder völlig unter den Tisch fallen gelassen. Dass Käse, dadurch dass mehrere Liter Milch für ein Kilo Käse nötig sind, zu den klimaschädlichsten Lebensmitteln überhaupt gehört, wird hier bewusst ignoriert, verschwiegen und die Tatsachen verdreht und zurechtgebogen.
Faschiertes: Bei der Produktgruppe Fleisch fiel die Wahl auf ein gemischtes Faschiertes aus Schweine- und Rindfleisch sowie ein veganes, welches aus Erbsenprotein hergestellt wurde.

Baut man in Österreich keine Erbsen an? Falls nicht, wäre es die Aufgabe des Bauernverbands, seine Mitglieder zu informieren, dass vegane Proteinquellen (Hülsenfrüchte) die Ackerpflanzen der Zukunft sind. Ansonsten fehlt wieder die Berücksichtigung des Methanausstoßes und des höheren Flächenverbrauchs durch Futtermittel. Bei Kühen könnte man eventuell noch behaupten, dass die ausschließlich mit Gras und Heu gefüttert werden (was bezweifelt werden darf), aber dass die Schweine ausschließlich mit für Menschen nicht verwertbare Abfällen gefüttern werden, hätten die vom Bauernverband schon erwähnt, wenn es so wäre - insofern ist davon auszugehen, dass das Futter für die Schweine auch direkt für menschliche Ernährung, ohne Umweg und Umwandlung in Gülle, geeignet wäre.

Mandeldrinks bestehen in der Regel zu 90 bis 95 Prozent aus Wasser.

Ja, sonst könnte man das Zeug nicht trinken oder Müsli darin einweichen ;-) Milch besteht übrigens auch überwiegend aus Wasser :D

Gibt noch weitere Dinge, die in dem Artikel zu kritisieren sind, aber eigentlich ist ja eh schon offensichtlich, dass das hier einfach übelste Lobbyarbeit für Tierhaltung ist, und ein kräftiges Drauftreten auf Bauern, die weder Tiere halten, noch ausschließlich Tierfutter produzieren.
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01.04.2022
Hallo Sunjo, jetzt habe ich mir etwas Zeit genommen, um zu antworten.

Zuerst einmal, du hast schon viele Punkte (und auch ein paar, die ich nicht bedacht hätte angeführt). Ich schreibe einmal meine Laiensichtweise (in dem Wissen, dass ich ein paar Punkte, die du schon geschrieben hast, wiederhole).

Für mich ist es eindeutig, dass der Bauernbund Angst hat, dass ihm mit der immer grösseren Veganwelle die Felle davon schwimmen. Sie wollen proaktiv Werbung machen, ihr Fleisch gut darstellen und weiterhin den Absatz fördern und vegan schlechtmachen. Ist aus deren Sicht wertfrei betrachtet auch nachvollziehbar. Sie wollen die heile schöne Bauernwelt vorspielen, wo Mensch und Tier in Harmonie sind. Ist aber nicht.

- zum Mandeldrink: ein Liter Milch kostet deswegen so wenig weil 1) Massentierhaltung
zum Leid der Tiere und 2) das ganze ziemlich subventioniert ist. Also von Kostenwahrheit
ist man hier weit entfernt. Eine Mandelmilch kostet auch nie und nimmer auch bei
uns 3,59 Euro, es ist eher zwischen 2Euro20 und das teueste was ich sah 2 Euro 80.
Und ja richtig, es gibt Soja, Hafermilch ebenso, da braucht man nichts um die
halbe Welt schicken und die kostet auch nicht mehr. Selbst wenn, hat das noch viel weniger Impakt als
die Fleischproduktion.

- Der ganze Quatsch wegen Abholzen. Ohne die rieseigen Sojafelder in Südamerika könnte
die Landwirtschaft in Europa gar nicht bestehen. d.h. wegen Tierfutter wird in
erster Linie gerodet, und das bisschen Kokosfelderverbrauch für Menschen fällt da
im Vergleich kaum ins Gewicht.

- Der ganze viel zu hohe Viehbestand könnte nicht durch einheimisches Futter genug
ernährt werden. Die heile Welt ist ein Trugbild. Durch die immer noch grassierende
Flächenversiegelung verschärft sich das Problem wegen schwindender Anbauflächen noch mehr.
Abgesehen, dass viel zu viel Gülle anfällt, da die Gülle nicht nur wegen einheimischen
Futter anfällt, sondern wegen ausländischem auf immer kleinere Flächen ausgeführt werden.

Wir hatten ja vor kurzer Zeit auch hier noch einen Artikel, wo eine Pro-Fleisch
Werbung gemacht wurde, weil die Fleischlobby zunehmend um ihren Absatz bangt,
weil immer mehr Leute vegetarisch/vegan werden.

Kein Wort über Tierleid (ein einziger Satz deutet das etwas als Beweggrund an.
Aber es ist erfreulich, dass auch in OÖ (oder war ganz Österreich gemeint), schon
etwa 2% vegan und 11% vegetarisch leben. Dass Milch, Käse und Fleisch, besonders rotes,
nicht so besonders gesund sind, wird natürlich auch nicht erwähnt.

Das mit dem Wasserverbrauch ist auch Schmonzens. Gerade wenn 70% der Pflanzenerträge für
Tierfuter verwendet werden, dann weiss man, wo man den Wasserverbrauch zuordnen muss.

Bitte um Korrektur, wenn ich wo falsch liege.
Gibt es sonst noch Meinungen dazu?
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02.04.2022
Update: Habe heute Sojamilch ein Liter um 1,19 Euro und Hafermilch um 1,49 Euro gesehen, nichts mit der teuersten Alternative Mandelmilch 3,59, die ich noch nie über max. 2,79 gesehen haben. Die picken sich irgendwo geziehlt Extremwerte heraus, die teuerst mögliche Pflanzenalternative und die billigste Kuhmilch, um das zu ihren Gunsten aussehen zu lassen. Hoffentlich fallen nicht zu viele auf diesen Schmähartikel herein.
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02.04.2022
Kannst Ihnen ja mal ein Bild senden mit Deinen Einkäufen und fragen , wo sie ihre Einkäufe her haben. Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt hier, und sicher auch in OÖ preiswerte Angebote von Hafer-, Soja - Mandelmilch etc. Ist die Mehrwertsteuer in Österreich auf Milchprodukte auch niedriger als auf Ersatzprodukte ?

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02.04.2022
Als diese Studie vor kurzer Zeit bereits in der Krone erschienen war habe ich umgehend meinen allersten Leserbrief verfasst. Leider wurde dieser nicht veröffentlicht.

Ich finde es wirklich übel was die hier bei uns abziehen. Wie Franz schon meinte: die sehen ihre Felle davon schwimmen und kramen in der untersten Schublade herum, um schwammige Vergleiche ziehen und die Bauernschaft als heilig darstellen zu können.
Als wir diese Woche das Blatt bekamen (früher mochte ich es ob der interessanten Artikel) und beim Aufblättern diesen Bericht entdeckte, habe ich das Schundblatt umgehend im Altpapier entsorgt.
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02.04.2022
Ich hab denen eh schon zwei E-Mails geschrieben, wahrscheinlich werden sie nicht drauf reagieren, denke ich. Sogar mit einem Link auf die Diskussion hier.

Ja, Marion, mehr Beachtung ist es nicht wert, aber ich wollte diese Leute einmal damit konfrontieren, welche Gegenargumente die denn so aufzubringen hätten.
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03.04.2022
Zitat METTA:Kannst Ihnen ja mal ein Bild senden mit Deinen Einkäufen und fragen , wo sie ihre Einkäufe her haben. Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt hier, und sicher auch in OÖ preiswerte Angebote von Hafer-, Soja - Mandelmilch etc. Ist die Mehrwertsteuer in Österreich auf Milchprodukte auch niedriger als auf Ersatzprodukte ?


Die MWSt auf Milchprodukte beträgt bei uns 10%, auf zB Hafermilch schlagen sie 20% drauf. Das finde ich richtig arm.
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03.04.2022
Hallo
habe heute auf instagram von der veganen Gesellschaft Österreich eine Petition gefunden, die sich genau gegen diese Ungerechtigkeit wendet. Ich kann da nicht unterschreiben aber Ihr und alle die hier aus dem Forum aus Österreich sind:
https://www.vegan.at/artikel-petition-mehrwertsteuer

lieben Gruß
METTA
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03.04.2022
Danke für den Hinweis. Gerade unterschrieben. Sind zwar eh nur ein paar Netsch, aber es geht ums Prinzip. Entweder schlagens bei Kuhmilch auch 20% drauf, oder gehen bei Pflanzengetränken auf 10% runter.
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