Gibt es glückliche Kühe?

Erstellt 11.08.2019, 00:41 Uhr, von Cyro. Kategorie: Umwelt & Tiere. 20 Antworten.

Gibt es glückliche Kühe?
11.08.2019, 00:41 Uhr
Hallo zusammen,
ich war mal wieder hier im Forum unterwegs und da mich eine Frage schon länger beschäftigt, stelle ich sie nun mal hier. Es geht unabhängig davon, ob eine vegane Ernährung aus gesundheitlicher Sicht für den Menschen gut ist, um das Thema Tierwohl. Ich bin vor kurzem durch eine ländliche Gegend gefahren und dort habe ich an vielen Ecken Kühe auf Weiden mit ihren Kälbchen gesehen. Die Kühe wirkten glücklich und ich frage mich, ob die Kühe “ein gutes Leben“ haben? Handelt es sich bei diesen Kühen um Milchkühe? Und nur mal angenommen alle Menschen würden vegan leben, würde das bedeuten, dass es kaum noch Kühe gibt? Damit hätte eine Kuh nämlich keinen Nutzen für den Menschen, un als Haustier würden sich wohl auch die wenigsten eine Kuh halten.
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Strohhalme aus Glas
11.08.2019, 08:51 Uhr
Wenn Kälbchen dabeistehen, dürfte es sich eher nicht um Milchkühe handeln. Deren Milch ist ja nicht für Kälbchen. Ansonsten lässt sich die Frage mit "einmal vorbeifahren" nicht beantworten. Wenn Kühe im Sommer viel draußen sind, geht es ihnen sicher einigermaßen gut. Aber wie sieht es im Winter, oder nachts in den Ställen aus?
Und unabhängig von einem guten Leben: geschlachtet werden ist sicher kein schöner Tod.

Ich persönlich fände es erstrebenswert, wenn durch den entfallenden Nutzen weniger bzw. keine Nutztiere mehr gezüchtet werden würden (Ausnahme vielleicht noch für Landschaftspflege). Und für das einzelne Individuum zählt nur das eigene Leid, nicht die Anzahl der Artgenossen.
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11.08.2019, 11:23 Uhr
Wie Sunjo schreibt, sind dies wohl eher „Fleischrinder“ denn die Kälber von „Milchkühen“ kommen sofort in Einzelhaft in diese gräßlichen Kälberiglus.
Auch wenn es auf der Weide so aussieht als ob es den Kühen gut geht, mir fällt immer wieder auf, dass die Tiere keinen Sonnenunterstand haben und verzweifelt Schatten suchen.
Außerdem leben Rinder in großen Familienverbänden und dann kommt der Mensch und reißt ständig wieder Familienmitglieder aus der Herde heraus um sie an den Viehhändler zu verkaufen. Das muss schrecklich für die Tiere sein, glücklich können sie nicht sein solange der Mensch sie nutzt und mit ihnen machen kann was er will.
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11.08.2019, 12:50 Uhr
Ich wohne auch umgeben von Weiden mit Kühen drauf. Im Sommer leben die meisten Tiere wirklich gut. Die Kälber werden zur kalten Jahreszeit im Stall geboren und die Herde bleibt den ganzen Sommer über zusammen auf der Weide. Ich kenne auch viele Herden bei denen auch ein Bulle mit beisteht, die Tiere werden also nicht künstlich besamt. Einer der Bullen ist schon uralt und hat eine sehr enge Verbindung zu seinen Besitzern. Das ist aber eher selten. Natürlich muss die Weide auch groß genug sein und über frisches Wasser und Schatten/ einen Windschutz verfügen. Wobei auch Kühe robuster sein können als man denkt.

Das Problem ist ganz klar der Winter. Kaum einer hat für seine Kühe einen Winterpaddock oder so. Einige haben immerhin Seiten des Stalles offen so dass etwas Sonne und Luft rein kommt, die meisten Tiere leben aber im dunklen, stinkenden Verschlag.
Oft werden die Kälber dann getrennt damit sie von den großen Tieren nicht ,,zerquetscht‘‘ werden und stehen mit anderen Kälbern/ Jungtieren zusammen. Den Winter über wird dann geschlachtet, je nach Hof werden alle Jungtiere auf einmal verkauft oder nach Bedarf vom Metzger abgeholt. Ich kenne einen Hof bei dem der Metzger die Tiere noch am Hof tötet um ihnen den Transportstress zu ersparen (was eigentlich illegal ist!). Die Tiere bekommen im Hänger Futter und werden dann einfach erschossen...
Es kommt meiner Meinung nach auf die Umstände an. Aber alle Ställe die ich bis jetzt gesehen habe hatten ihre Mängel. In der Regel ist es der extreme Gestank mangels Belüftung. Es wird nur drüber gestreut und erst im Sommer wieder komplett gemistet. Dann die wenige Bewegungsfreiheit. Ich finde das alles andere als schön.

Ich würde gerne eine kleine Herde Kühe halten. Kühe haben einen so unfassbar tollen Charakter. Würde es keine Nutztiere mehr geben würde viel Fläche frei auf der man gewisse Rassen auch erhalten könnte. Die Tiere könnten einfach frei, wie Rehe, durch die Wälder und über Wiesen streifen. Gibt ja auch das Wisent Projekt.
Bei den Qualzuchten sehe ich aber keinen Grund diese zu erhalten. Also z.B. das klassische Fleckvieh. Das sollten dann schon eher natürliche Rassen sein die auch gesund überlebensfähig sind.


Viele Grüße

P.S. Ist gibt auch Milchkühe auf der Weide. Das können sich aber die wenigsten leisten da es sehr viel Aufwand ist die Tiere jeden Abend in den Stall zu treiben. Alle Milchbetriebe die ich kenne halten die Tiere in Ställen auf Spaltenböden. Ein Betrieb hier aus der Gegend lässt aber seine Kühe ein paar Wochen vorm kalben ein paar Tage auf die Weide.
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11.08.2019, 13:17 Uhr
Das wichtigste ist aber, dass man von Ausnahmen (die Tiere die man sieht) nicht auf den Normalfall (Massentierhaltung die kann nicht sieht) schließen sollte.
Den dazu verleitet der Hinweis auf "glückliche Tiere" oft.
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11.08.2019, 19:14 Uhr
Bei uns in der Gegend müssen alle Milchkühe in Anbindehaltung auf Spaltenböden leben, bzw. vegetieren. Sie haben alle entsetzliche Schmerzen, da sie nie laufen dürfen und der Bewegungsapparat für das Stillstehen nicht gemacht ist. Wenn sie nicht mehr aufstehen können, werden sie an einen Händler verkauft, der sie zum Schlachten bringt. Es ist grauenhaft, wie diese Kühe den Weg vom Stall in den LKW zurücklegen, ohne Elektrotreiber gehen sie keinen Schritt. Es ist von Anfang bis zum Ende eine Tierquälerei und ich kenne im ganzen Umkreis keinen Hof, der es anders macht.

Spock, das klassische Fleckvieh ist aber doch keine Qualzucht? Zwei meiner geretteten Kühe sind Fleckvieh, und es geht ihnen recht gut in Offenstallhaltung und weitgehender Freiheit.
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11.08.2019, 19:49 Uhr
Hallo Chrissie,
schlimm was Du von den „Milchkühen“ in Deiner Gegend schreibst, eigentlich dürfen gehunfähige Tiere gar nicht mehr transportiert werden. Aber daran scheint sich kein Landwirt, kein Transporteur und auch kein Schlachthof zu halten, siehe die Aufdeckungen von SOKO Tierschutz.
Das ist echt kriminell !

Wie schön, Du hast gerettete Rinder :heart: magst Du uns ein bisschen von ihnen erzählen ? Wieviele Tiere hast Du, wie alt sind sie jetzt und wie alt waren sie als Du sie aufgenommen hast, wie geht es ihnen gesundheitlich, waren es „Milchkühe“ ? Das wäre echt schön, mal was positives zu hören bei all dem Leid das man täglich ließt.
Ich würde mich freuen.
LG Petra
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12.08.2019, 10:26 Uhr
Kühe sind niemals glücklich. Vielleicht einen kurzen Moment nach der Geburt ihres Kalbes. Und das wars auch schon. Kühe sind fast lebenslang Mütter ohne Kinder. Im Alter von 4..5 Jahren werden sie umgebracht. etwa bei 15% ihrer Lebenserwartung, also Teenager. Die glückliche Kuh ist mehr oder weniger eine Werbelüge.
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12.08.2019, 10:56 Uhr
Ich bin in der Landwirtschaft meiner Eltern aufgewachsen und dachte früher auch unseren Kühen geht es gut, heute sehe ich das anders, glückliche Kühe gibt es glaube ich wenn überhaupt z.b. auf einem Gnadenhof wenn die Menschen gut zu ihnen sind. Unsere Kühe waren im Sommer tagsüber auf der Weide, nachts in Ketten angebunden wie den ganzen Winter über auch. Aber sie lagen wenigsten auf einer dicken Strohunterlage, nicht auf Spaltenböden. Von ihren Kälbern wurden sie auch nach wenigen Tagen getrennt, diese wurden auch manchmal nach der Geburt verkauft. Wenn die Milchleistung merklich nachließ kam der Schlachter das arme Vieh dann abholen. Heute empfinde ich diese Tierhaltung als grausam, auf die Gefühle der Tiere wurde eh kein Wert gelegt.
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13.08.2019, 21:20 Uhr
Hallo Petra,
meine geretteten Kühe sind jetzt 7, 5 und 4 Jahre alt. Ich habe sie als Kälbchen versorgt, als mein Vermieter krank war. Sie sind "Nebenprodukte der Milchindustrie" d. h. überzählige weibliche Kälber, die gemästet wurden, um sie im Alter von ca. 3 Jahren zu schlachten. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass sie zum Schlachthof gefahren werden, und habe sie mit Hilfe von vielen lieben Menschen der Reihe nach gekauft und gute Plätze für sie gesucht. Zwei sind auf einem Hof der Hare Krishna Gemeinschaft untergebracht, dort haben sie riesige Weiden, einen schönen Stall und werden mit Liebe überschüttet. :heart: Die Große ist bei einer Familie, die auch endlose Weiden hat, dort lebt sie mit einem uralten schottischen Hochlandrind, einer jungen auch geretteten Fleckviehkuh und einigen Ziegen zusammen. Sie ist ein Limousin-Mix, das heißt dass sie schnell zunimmt. Sie musste am längsten angekettet im Stall stehen und hat schon Probleme mit den Beinen gehabt. Zur Zeit geht es ihr aber gut, sie rennt im Schweinsgalopp über die Wiese, wenn sie ihre verrückten fünf Minuten hat.
Wir sind 5 Patentanten, die monatlich den Unterhalt zahlen und sie ab und zu besuchen. Ich bin sehr glücklich, dass alles so gut ausgegangen ist, ich liebe diese wunderbaren Kühe sehr!

Liebe Grüße
Chrissie
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