Kunstleder?

Erstellt 15.10.2018, 19:13 Uhr, von Winterkind. Kategorie: Umwelt & Tiere. 18 Antworten.

16.10.2018, 20:59 Uhr
Hallo Waldkauz,

ich glaube wir sind uns in vielen Punkten einig (und ich stimme dir in allen Punkten persönlich und unter einer ökologischen Betrachtungsweise zu) :thumbup:

Im Bezug auf reguläres Kunstleder sind wir ja einer Meinung, dass man, zumindest Neuware, aufgrund der ungünstigen Folgen für unsere Weltmeere möglichst meiden sollte ;)
- Wenn ich auch gleichsam niemanden hier verurteilen oder kritisieren möchte, der dies, v.a. von einem absolut veganen Blickwinkel (kein Tierprodukt, also okay), anders sieht :D

Zitat Waldkauz86:Wieso hat die Inanspruchnahme von Produkten die, ganz gleich ob ich sie 60 Jahre lang trage und wiederverwerte, schleichend alle Lebewesen des Wassers vergiften und somit alle weiteren Spezies, die sich davon ernähren, keine Relevanz für Veganer?
[...]
Da geht es nicht um "extrem abstrakte Zusammenhänge, die strenggenommen nicht vegan sind". Da geht es um einen sehr simplen Sinnzusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Ganz rational.

Dies liegt daran, dass man bei einer praktischen und für den Alltag tauglichen Betrachtung des Veganismus die passiven (bzw. jedwede kumulative) Schäden außer Acht lassen muss.

Die, ganz rationale, Kausalkette (Abfolge von Ursache und Wirkung) passiver Schäden lässt sich praktisch auf jedes Produkt und jede Handlung anwenden:
Kunstleder -> Mikroplastik (Entsorgung) -> Vergiftung der Ozeane -> Fischsterben
Gemüse -> Abgase (Transport) -> Treibhausgase -> Artensterben
Waldspatziergang -> Lauffläche (Fortbewegung) -> Physischer Druck auf den Erdboden -> Insektensterben

Alle diese Kausalketten verursachen direktes Tierleid durch die passiven (bzw. teilw. kumulative) Auswirkungen einer Handlung.
Daher müssen bei einer praktischen Betrachtung passive (und v.a. kumulative) Tierqualen, welche nicht der direkten Produktion oder Nutzung eines Produktes oder einer Handlung zuzuordnen sind, ausgeklammert werden.

Die Frage ob man das von Kunstleder beim Entsorgungsprozess entandene Mikroplastik zur Kausalkette, und somit zum Produkt, hinzurechnet, während man das Insektensterben vom Waldspatziergang trennt ist also weniger einer Kategoriserung als "rational" und "irrational" zuzuschreiben, als der eigenen Sichtweise und den eigenen Überzeugungen (wie fast alles im Leben) :D :thumbup:

Zitat Waldkauz86:Sich auf die vermeintliche Nutzung von Kunstlederprodukten zu fokussieren und damit zu argumentieren, dass sie gebraucht ja lange nicht an der Wertstoffentsorgung teilnehmen würde empfinde ich als reduzierte Perspektive auf das Problem

Jede Sicht auf ein Problem ist immer reduziert, da nur ein sehr begrenzter Teil eines Systems berücksichtigt werden kann ;)
Allerdings gehören gebrauchte Produkte mMn. auch in eine Abwägung, wenn man eine Produktgruppe übergreifend kategorisieren möchte (betrifft es wirklich ausnahmslos alle?).

Im intialen Kontext ("Kunstleder trägt dazu bei, dass Leder 'als normal' gehalten wird") sind auch gebrauchte Kunstelöederprodukte sowie zusätzlich z.B. Piñatex und andere ökologisch abbaubare Lederimitate ohne Mikroplastik betroffen.

Zitat Waldkauz86:Sprich der Ressourcen/Energieaufwand ist dem Nutzen und dem Aspekt der Rückführung entsprechend ausgewogen.

Ein Produkt erzeugt nur ökologische Kosten, wenn dies initial produziert wird, nicht aber jedes Mal wenn dies von Konsument an Konsument weitergereicht wird. (ich denke dies ist recht unumstritten)

Nach dem Prinzip der Opportunitätskosten kann nun ein neutraler, bzw. negativer ökol. Fußabdruck erzielt werden, wenn der Konsument durch den Erwerb eines Gebrauchtgegenstandes vom Kauf eines neu produzierten Gegenstands absieht, da der ökologische Fußabdruck der Neuware von dem ökologischen Fußabdruck der Gebrauchtware (abzüglich evtl. abgegoltener, bzw. im Zeitfenster seit der Produktion regenerierter Umweltkosten) abgezogen (und um die ökologischen Kosten des Transportmittels erhöht) werden muss.

Liebe Grüße,
Falk
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17.10.2018, 09:41 Uhr
Hallo,

das ist eine spannende Diskussion, die man abendfüllend betreiben kann. Und ich will Euch auch nicht daran hindern.

Ich hab früher an etlichen ähnlichen Diskussionen teilgenommen und erinnere mich an diesen Typen, der allen anderen sein unglaublich abstraktes Wissen um die Ohren geklatscht hat - und sämtliche Weltbilder erschütterte.

Jedenfalls kommt man bei genauerer Betrachtung eines jeden Themas dazu, dass es schlicht nichts gibt, wo man absolut richtig handeln könnte (oder sich sicher sein könnte).
Aber wir sind auch nicht ansatzweise so rational, wie wir glauben zu sein.

Was ich sagen will: Die Diskussionen haben - wenn ich das selbstkritisch rückblickend betrachte - vor allem den Zweck des geistigen Austausches. So ging das über Jahre meiner Aktivismus-Zeit. Andere Länder fangen jetzt erst an, die Umwelt zu zerstören.... Und Veganer reden und reden und reden... Hab ja nichts dagegen, aber Veränderung beginnt beim Handeln. Philosophie ist allenfalls ein Konzept dafür.

Unterm Strich gibt es dann auch noch die Menschen, die sich freiwillig nicht fortpflanzen und das als beste Möglichkeit sehen, das Überleben der Menschheit zu sichern (-> Überbevölkerung). Nennt sich glaub VHEMT oder so ähnlich.

Viele Grüße

Kilian
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17.10.2018, 10:34 Uhr
Hallo Kilian,

Zitat kilian:Jedenfalls kommt man bei genauerer Betrachtung eines jeden Themas dazu, dass es schlicht nichts gibt, wo man absolut richtig handeln könnte (oder sich sicher sein könnte).

Eine sehr treffende und anschauliche Feststellung :thumbup:

Mir kommt dabei gleich eines meiner Lieblingszitate in den Sinn:
Zitat Sharma, Robin S. : Der Mönch der seinen Ferrari verkaufte: Droemer Knaur:"Es gibt nichts derartiges wie eine objektive Wirklichkeit oder 'die reale Welt'. Es gibt keine absoluten Dinge. Das Gesicht deines größten Feindes könnte das Gesicht meines besten Freundes sein. Ein Ereignis, das dem einen wie ein schlimmer Schicksalsschalg vorkommt, kann sich für den anderen als Auftakt zu unbegrenzten neuen Möglichkeiten erweisen.[...]"


Liebe Grüße,
Falk
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17.10.2018, 12:01 Uhr
Hi Falk,
schönes Zitat.
Ich glaube daran, dass vegane Ernährung und nachhaltige Lebensweise das eigene Wohlbefinden erhöhen. Dass es also auch uns selbst dient, fair und sozial zu leben. Das schreibt der Mönch ohne Ferrari vermutlich ganz ähnlich (es ist im Grunde ja auch ein Ergebnis der Glücksforschung, nicht direkt, aber so ähnlich).
Edit: Hab das Buch mal bestellt.
Viele Grüße
Kilian
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17.10.2018, 12:21 Uhr
Danke Euch für die vielen tollen Gedanken, Zitate und Blickwinkel!

Wirklich bereichernd!
Unser Ziel ist eine für Landwirte auskömmliche Landwirtschaft und schmackhafte, gesunde Ernährung, ohne Tierleid und ohne Tiertod!

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17.10.2018, 16:22 Uhr
Zitat Nefasu:
Liebe Grüße,
Falk


Ich habe deinen Post jetzt nicht aus Ignoranz nicht nochmal zitiert, sondern weil ich denke der Austausch über das Thema ist bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich erschöpft.
Wir könnten noch andere Themen diskutieren, z.b. ob es eine objektive Wirklichkeit gibt und ob wirklich alles vom Willen abhängt. Oder ob es überhaupt möglich ist ein menschliches Verhalten anzunehmen, dass ohne Erzeugung von Leid ganz gleich welcher Art auskommt.
(Das würde ich als orthodoxer Theravadin z.B. ganz anders betrachten)
Aber das ist denke ich ne andere Baustelle und vielleicht nicht für den Thread hier geeignet.

Bis hierhin war das jedoch eine der vernünftigsten Diskussionen im Internet, die ich seit Jahren erlebt habe.
Es ging nicht darum einen anderen zu überzeugen, sondern ich habe den Eindruck ich konnte was Neues mitnehmen und was altes nochmal aufkochen und neu durchdenken.



"Be cunning and full of tricks and your people shall never be destroyed."

- Frith zu El-Ahrairah, "Watership Down" Richard Adams

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17.10.2018, 16:26 Uhr
Hi Kauz,
Zitat Waldkauz86:
Bis hierhin war das jedoch eine der vernünftigsten Diskussionen im Internet, die ich seit Jahren erlebt habe.
Es ging nicht darum einen anderen zu überzeugen, sondern ich habe den Eindruck ich konnte was Neues mitnehmen und was altes nochmal aufkochen und neu durchdenken.

... eines der schönsten Lobs für ein Forum :D
Viele Grüße
Kilian
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18.10.2018, 17:15 Uhr
Wie ist das mit dem "Kunstleder" aus Ananas oder Kork, ist das auch ökologisch bedenklich, also in Beziehung auf Verarbeitung, Transport( Ananas wächst ja nicht hier, ebenso wenig Kork) und Gebrauchten Sachen daraus.
Wie soll man dann eigentlich so eine Kunstlederjacke richtig entsorgen, wenn sie voller Gift ist?

Veg-Badge

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29.10.2018, 14:14 Uhr
Bei Kork gilt es auch grundsätzlich nachzuhaken. Meist sind Korkprodukte nämlich nicht vegan, weil bei der Verarbeitung Gelatine eingesetzt wird. Nur wenige Hersteller kommen ohne Gelatine aus.
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