Schuldgefühle?

Erstellt 12.08.2019, 22:22 Uhr, von Blaustern. Kategorie: Umwelt & Tiere. 14 Antworten.

Schuldgefühle?
12.08.2019, 22:22 Uhr
Ich habe lange Zeit vegetarisch gelebt und war der Meinung für die Tiere ist das ja alles super. Milch und Eier sind ja nicht so schlimm, immerhin sterben dafür keine Tiere. Das habe ich mir die ganzen Jahre eingeredet. Dabei wußte ich schon viel und eigentlich wußte ich es auch besser.
Ich wußte, dass Küken geschreddert werden und ich wußte, dass Kälber von den Kühen getrennt werden. Das fand ich zwar schrecklich, aber deswegen wollte ich nichts ändern. Ich habe mir gesagt, es ist zu anstrengend, ich muss auf so vieles verzichten usw.

Mittlerweile habe ich Dominion, Earthlings und Hope gesehen und jetzt denke ich, wie schrecklich und egoistisch mein Verhalten war. Andere können sich sagen, dass habe ich ja alles nicht gewußt. Ich nicht. Mein Mann sagt, ich träume wohl davon (ich rede oft im Schlaf). Heute bereue ich, dass ich diesen Schritt nicht viel eher gemacht habe. Wie geht ihr damit um? Etwas wieder gut machen, ist wohl gar nicht möglich, die Opfer sind wohl alle tot und selbst wenn nicht, sind sie anonym.

Nachdenkliche Grüße
Claudia
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
12.08.2019, 23:12 Uhr
Zitat Blaustern: Andere können sich sagen, dass habe ich ja alles nicht gewußt. a


Nein, das kann HEUTE keiner mehr behaupten, jeder weiß heute dass für Fleisch Tiere sterben müssen, dass die männlichen Küken geschreddert werden und dass den „Milchkühen“ sofort die Kinder geraubt werden.

Dazu passt auch folgendes Zitat:
„Unsere Enkel werden uns einst fragen: Wo wart ihr während des Holocaust gegen die Tiere? Was habt ihr gegen diese entsetzlichen Verbrechen gemacht ? Ein zweites Mal können wir uns nicht darauf hinausreden, nichts gewusst zu haben.“
Helmut F. Kaplan

Auch ich wurde erst mit 30 Jahren vegetarisch und mit 35 Jahren vegan.
Ich schäme mich noch heute vor den Tieren, die für mich leiden und sterben mussten und würde vieles dafür geben dies rückgängig zu machen, leider ist dies nicht möglich.

Mach Dir keine Vorwürfe, Du lebst jetzt vegan und darauf kannst Du stolz sein !

Viele Grüße Petra
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12.08.2019, 23:43 Uhr
Zitat DaisyDuck:
Nein, das kann HEUTE keiner mehr behaupten, jeder weiß heute dass für Fleisch Tiere sterben müssen, dass die männlichen Küken geschreddert werden und dass den „Milchkühen“ sofort die Kinder geraubt werden.

Mag sein, dass jeder weiß, dass für Fleisch Tiere sterben müssen, aber das heißt nicht, dass es wirklich jedem richtig bewusst ist. Und vom elenden Leben der Tiere, oder wie qualvoll das Töten zum Teil abläuft, weiß außerhalb der veganen Filterblase kaum jemand.
Zum Kükentöten finden viele die Bruderhahn-Sache eine brauchbare Alternative, und das mit dem Milchkühen ist auch nicht jedem bekannt.

Natürlich kann man sagen, dass all die Sachen jeder wissen könnte und sollte, aber Realität ist es wohl eher nicht. Genau deswegen ist es ja so wichtig aufzuklären, ohne die andere Person gleich als unmoralischen Schwerstverbrecher (Holocaustvergleich) hinzustellen.
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12.08.2019, 23:48 Uhr
Ich habe auch ganze 6 Jahre gebraucht bis ich jetzt endlich vegan wurde! Menschen können einfach gut verdrängen, wichtig ist das wir es jetzt geschafft haben :heart:

Mir persönlich reicht es auch nicht einfach "nur" vegan zu sein, ich möchte mehr tun. Heißt das Thema nicht Tod schweigen (aber auch nicht nerven und missionieren) und aktiv werden zb bei fridays for future mitmachen mit pro vegan Plakaten. So kann man doch einiges bewirken. Außerdem Unterstütze ich zb Menschen wie Niko Rittenau (in dem ich mir ein Buch zum Geburtstag wünsche :lol: )
Fühlt sich einfach schön an aktiv an der Bewegung Teil zu haben :heart:
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12.08.2019, 23:50 Uhr
Ja, kenn ich… Die Fleisch- und Milchindustrie macht aber auch alles, damit der Konsument schlafend bleibt. Bunte Bilder von glücklichen Tieren auf den Verpackungen, die schöne junge Bäuerin, die ihre gepflegte Kuh melkt, Gehirnwäsche von Kindesalter an wie gesund und wichtig Tierprodukte doch sind…

Ich hatte noch vor etwa einem Jahr keine Ahnung, dass männliche Kücken einfach entsorgt werden (geschweige denn wie) .Ich gab mich der Illusion hin, dass Bio-Hünchen wirklich was feines sei. Die vielen Kühe auf der Wiese, verleiteten mich dazu, anzunehmen, dass es ihnen gut geht. Zustände im Stall im Winter? Kein Schimmer. Zwangsbefruchtung, von Milchkühen? Wie denn, auf der Wiese ist doch ein Stier dabei. Kälbchen im Iglu? Oh, wie niedlich. Und so weiter…

Tiertransporte die ich sah, haben mich auch nicht davon abgehalten, weiterhin mein Schnitzel oder Steak zu essen. Ich kaufte ja Bio und regional. (oft, aber nicht immer). Ich war stolz drauf, keine Baby-Tiere zu essen. Welch Narr ich doch war, alle Schlachttiere sind quasi noch Babies.

Ja, ich war sehr gut im Verdrängen und Schönreden.

Irgendwann habe ich dann Säugetiere von meinen Speiseplan gestrichen und nachdem ich mich tiefer mit der Thematik befasste, ging es ganz schnell. Von einem Tag auf den anderen zu 90% vegan geworden.

Das einzige, das auch ich bereue, ist, es nicht schon sehr viel früher gemacht zu haben und es tut mir echt leid, was ich all denen armen Geschöpfen angetan hab. Aber besser spät als nie.

Ich finde es wunderbar, das sich so viele junge Leute dem Veganismus zuwenden und hoffe auf eine Zukunft ohne Tierleid.

Sonnige Grüße,
Ivo
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13.08.2019, 00:56 Uhr
Ich kann gut verstehen, was du meinst, denn ich habe mich auch schon gefragt, warum ich nicht früher zu der Erkenntnis gekommen bin. Aber ich glaube, wie Sunjo, dass es ein riesen Unterschied ist, ob man etwas weiß oder, ob einem etwas bewusst ist. Ebenso glaube ich, dass bei vielen Leuten aber auch schon das Wissen fehlt, was Fleisch und tierische Produkte angeht. So war es bei mir teilweise auch, manches wusste ich, aber manches eben auch nicht.
Ich habe mich mit dem Gedanken der Schuld nicht besonders lange beschäftigt, da man es, wie du schon sagst, nicht rückgängig machen kann. Ich denke, dass es eine Sache der Erziehung ist und wenn man, wie fast jeder Deutsche mit Fleisch und tierischen Produkten groß wird und es auch in der Gesellschaft vorgelebt bekommt, stellt man es ja erst einmal nicht in Frage... bis man sich irgendwann aus den verschiedensten Gründen mit dem Thema beschäftigt. Deswegen finde ich es umso wichtiger Anreize für Menschen in der eigenen Umgebung zu schaffen. Ich finde das aber manchmal garnicht so einfach, denn man möchte der eigenen Familie und den Freunden nicht vor den Kopf stoßen und generell ist es sehr schwer diesbezüglich an manche Menschen heran zu kommen. Ich freue mich dann immer darüber, sich hier im Forum austauschen zu können, denn persönlich kenne ich keine Person, die sich sich vegan ernährt.
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13.08.2019, 07:58 Uhr
Ich kenne diese Gefühle auch. Aber ich habe begriffen, dass ein schlechtes Gewissen aufgrund einer Sachlage, die ich nachträglich sowieso nicht mehr ändern kann, mich nur behinderm.

Mit einem Gefühl der Schuld fühle ich mich schwach, erlaube mir keinen Genuss, und dadurch geniesse ich auch das vegane Essen nicht mehr so, was die Gefahr erhöht, dass ich den fehlenden Genuss "aufs vegane Essen" schiebe. Mit Schuldgefühlen, fühle ich mich "gefährdeter", Dinge zu essen, die ich sonst nicht essen würde, denn dann "ist es ja nun auch sch***egal".

Vor allem aber ist man mit Schuldgefühlen (die man einem Menschen immer anmerkt!) seiner Umwelt gegenüber nicht so überzeugend. Die anderen haben ein viel leichteres Spiel, meine Argumente anzuzweifeln und anzugreifen, wenn sie merken, wie geschwächt ich selbst bin (und Schuldgefühle schwächen nun einmal).

Vor allem aber: Mit Deinen Schuldgefühlen kannst Du an dem vergangenen Leid der bereits toten Tiere nichts mehr ändern. Aber mit guten Argumenten, Kraft und "starkem Vorbild" kannst Du für die, die noch leben, eine Menge tun.

Schuldgefühle haben noch nie etwas gebracht. Aber die Verantwortung für sein früheres Handeln übernehmen und Konsequenzen daraus für die Zukunft ziehen, das hilft. Sich selbst und anderen Lebewesen.

Liebe Grüsse

PeeBee


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13.08.2019, 08:45 Uhr
Ich muss mich leider auch outen, denn ich bin dem System bis vor fast einem Jahr komplett auf den Leim gegangen bin.

Fleisch... Ja, mir war klar, dass dafür ein Tier sterben musste. Ist ja offensichtlich wenn ich dessen Muskeln esse (mir wird fast schlecht wenn ich jetzt so dran denke...). Aber ich dachte immer, dass sie es gut hatten usw. Man sieht ja überall die grinsenden Schweinchen auf den Verpackungen und vor dem Metzger. Das sie in Wirklichkeit grausamste Qualen leiden, daran hab ich nicht gedacht.

Von geschredderten Küken wusste ich nichts - komischerweise habe ich mir aber auch gar keine Gedanken gemacht was mit den männlichen passiert... Warum auch, die Eier lagen in der Auslage und man ist ja viel mehr damit beschäftigt was man damit kocht, backt, etc. Ich habe die Freiland-Eier gekauft, denn da können die Hühner ja raus und haben Auslauf - fast wie auf dem Bauernhof... Das es nicht so ist, erfuhr ich erst als ich mich damit näher beschäftigt habe.

Und jetzt dürft ihr alle mal herzhaft lachen :D . Ich dachte tatsächlich, dass Kühe einfach Milch geben weil sie eben Milch geben :crazy: . Das sie dafür geschwängert wurden und ihre Kälber weg genommen wurden, wusste ich nicht. Gott war ich doof. Warum ich das gedacht habe? Zum einen hat niemand darüber geredet und zum anderen habe ich nur ganz selten Kälber oder Jungkühe bei uns auf dem Land gesehen. Jatzt ist mir auch klar warum...

Das mit den Freilandhühnern und Milchkühen habe ich tatsächlich erst mit 39 erfahren, bzw. immer mehr in der Zeit zwischen meinem Umstieg auf vegetarisch und danach vegan. Wahrscheinlich hätte ich sonst erst etwas erfahren als ich von dem Schreddern in den Nachrichten hörte (vor ein paar Wochen).

Ich war echt sowas von unwissend und blind... Und ich würde mich selbst jetzt nicht als "blöden" Menschen bezeichnen ;) . Das System funktioniert wirklich einwandfrei :-/
1x bearbeitet

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13.08.2019, 10:03 Uhr
Vielen Dank für eure vielen Antworten. Das was mein Mann kocht ist alles vegan und es schmeckt fast immer super lecker. Früher haben wir das meiste davon nicht gegessen. Jetzt leben wir wesentlich gesünder und ich will echt nicht mehr zu dem zurück, was wir früher hatten.
Zur Zeit beschäftige ich mich sehr viel mit Massentierhaltung und allem was damit zusammenhängt. Auf Youtube habe ich haufenweise Videos gesehen und ich diskutiere gerne. Aber nicht mit meiner Familie, auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als würde man wie im Fußball einfach am Tor vorbei laufen. Meine Schwägerin: "Ich will lernen wie man Sauerbraten macht, aber nicht mit Pferd." In Gedanken habe ich mir gesagt, was ist der Unterschied zwischen einem Pferd und einem Rind?
Das System funktioniert wirklich gut. Eigentlich ist es ja logisch, das für Fleisch Tiere sterben. Trotzdem habe ich lange Zeit eine Wurst gesehen und nicht das Tier. Es ist mir nur bei ganzen Geflügel aufgefallen und das fand ich ekelig.
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13.08.2019, 11:26 Uhr
Trotzdem habe ich lange Zeit eine Wurst gesehen und nicht das Tier. Es ist mir nur bei ganzen Geflügel aufgefallen und das fand ich ekelig.

Jetzt wo du es sagst, mir ging es ähnlich. Fleisch und Wurst habe ich ohne Probleme gegessen. Aber so Dinge wie Spare Rips, Hühnchen (Wings, Keulen, im Ganzen) oder auch z.B. Karpfen haben mich immer angeeckelt. Wenn mich dann jemand gefragt hat warum ich das nicht essen will habe ich immer gesagt:

"Ich mag es nicht an den Knochen und Gräten der Tiere rumzuzuzeln (fränkisch für rumfummeln). Da komme ich mir vor wie ein Leichenfledderer."

Und zum Karpfen habe ich gesagt:
Er tut mir so leid wenn er auf dem Teller liegt und mich anguckt.

Unglaublich wenn ich darüber nachdenke wie bescheuert ich eigentlich war... :rolleyes:
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