vegane Geschenke

Wie haltet ihr es mit Insekten?

Erstellt 02.11.2020, 15:52 Uhr, von Akel-Ei. Kategorie: Umwelt & Tiere. 13 Antworten.

Wie haltet ihr es mit Insekten?
02.11.2020, 15:52 Uhr
Ganz ernstgemeinte Frage:
Als bisher (noch?) nicht wirklich Veganerin frage ich mich, wie weit die Rücksicht auf Tiere gehen muss, wenn man konsequent vegan leben will. Um das gleich klarzustellen, ich fange jede Wespe und jede unerwünschte Spinne im Haus ein und geleite sie freundlich nach draußen und werfe mich dazwischen, wenn sie jemand töten will. Bei Zecken, Flöhen und anderen Blutsaugern hört die Freundschaft allerdings auf. Auch gönne ich der Kohlfliege meine Kohlrabipflänzchen nicht und schütze diese mit Filzkragen, damit die Fliege ihre Eier darauf legt, wo sie dann leider vertrocknen müssen. Und dass die Nacktschnecken meinen Salat vernichten, kann ich auch nicht zulassen. Da denen mit sanften Maßnahmen kaum beizukommen ist, hilft nur die Bierfalle.
Blattläuse lasse ich in Ruhe, solange sie meine Pflanzen nicht offensichtlich überfordern. Schließlich sind sie wertvolles Futter für viele andere. Nehmen sie überhand, spüle ich sie einfach nur mit Wasser ab, was der Blattlaus aber sicher nicht gefällt.
Was tut ihr in diesen Fällen? Und wie ist es in der Landwirtschaft? Ist die Kartoffel noch vegan, wenn der (Bio)bauer zu ihrer Erzeugung Maßnahmen zur Bekämpfung von Kartoffelkäfern ergreifen musste, weil es sonst keine Ernte gegeben hätte?
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
03.11.2020, 02:05 Uhr
Sehr interessante Fragestellungen, die sich sicher nicht in einem Sätzchen beantworten lassen. Grundsätzlich ist jedes Lebewesen Inhaber von Lebensrechten, die selbstverständlich zu respektieren sind, so wie Du es ja auch in einigen Beisielen dargestellt hast - gut so.


Aber Du zeigst ja auch auf, wo mögliche Grenzen des sich selbst Aufopferns sind: Wenn mir die ganze Ernte weggefressen wird,(nebenbei ist es der Salat der Nacktschnecken und nicht Deiner! - Du hast ihn doch extra für sie angerichtet, oder??) ich mich also nicht mehr vollständig ernähren kann, muss ich mir etwas einfallen lassen.


Die Frage ob das letal oder lebensfreundlich geschieht ist eine, die in der Landwirtschaft viel zu selten gestellt wird. Wir haben da ein Denken wie zu Anfang des letzten Jahrhunderts, wo alles, was als Ungeziefer identifiziert oder benannt wurde dem Tod geweiht war und mit allen erdenklichen Methoden vernichtet wurde. Dieses Denken gibt es leider bis heute. Lediglich bei Bioprodukten wird da ein anderer Weg eingeschlagen, der zumindest die Bekämpfung mit Chemiekeule geringer angewendet wird. Richtig tierlebensfreundliche Methoden kenne ich nicht, bin aber auch kein Biolandwirt. Vielleicht kann es da Aufklärung geben.


Klar ist, wir müssen uns irgendwie ernähren, sonst vergehen wir uns an unserem eigenen Lebensrecht, was auch nicht im Sinne der Veganer*innen sein kann. Muss für mein Essen gestorben werden? Ja, wahrscheinlich schon, denn irgendwo sind immer irgendwelche Tiere betroffen, wenn ich mir Lebensmittel anbaue pflücke oder ziehe. Für Veganer*innen ist aber vielmehr die Frage relevant, ob tierische Bestandteile absichtlich und bewusst als Bestandteil der Rezeptur eines Lebensmittel sind, oder eben nicht. Ob Wirbeltiere davon betroffen sind, ist da sicher einer der entscheidenden Punkte. Wenn es Insekten oder andere Kleinsttiere, denen derzeit kein eigenes Selbstbewusstsein (ähnlich den Pflanzen) zu gestanden wird quasi nebenbei betrifft, wird man das eher tolerieren können. Das endet sicher, wenn Insekten als Bestandteil der Rezeptur als Essen angeboten werden.

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03.11.2020, 09:09 Uhr
Also ich verwende für meine Beete Helix Tosta mit Erfolg. Das ist ein homöopathisches Produkt, dass die Nacktschnecken erfolgreich vertreibt.
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03.11.2020, 11:25 Uhr
Zitat Vegbudsd:... Für Veganer*innen ist aber vielmehr die Frage relevant, ob tierische Bestandteile absichtlich und bewusst als Bestandteil der Rezeptur eines Lebensmittel sind, oder eben nicht. Ob Wirbeltiere davon betroffen sind, ist da sicher einer der entscheidenden Punkte. Wenn es Insekten oder andere Kleinsttiere, denen derzeit kein eigenes Selbstbewusstsein (ähnlich den Pflanzen) zu gestanden wird quasi nebenbei betrifft, wird man das eher tolerieren können. Das endet sicher, wenn Insekten als Bestandteil der Rezeptur als Essen angeboten werden.


Lieber Vegbudsd, ich greif mal diesen Teil deines umfangreichen Threads heraus, und wage zu widersprechen :D :
In der bioveganen Landwirtschaft ist es ja nicht egal, was "nebenbei" den "Schädlingen" geschieht. Denn diese Landwirte versuchen ja auch gegen das Massen-Insektensterben durch Insektizide vorzugehen.


Dazu ein schöner vergleichender Blog von Roots of Compassion:
https://blog.rootsofcompassion.org/de/bio-veganer-landbau-wie-unvegan-ist-der-anbau-von-nahrungsmitteln/


Zitat: "Im bio-veganen Anbau wird kein Tier willentlich getötet, auch keine sogenannten Schädlinge."

Auch ich möchte so wenigen Lebewesen wie möglich schaden - (so gesehen ist der Mensch der Schädling, nicht das Tier :idea: ). Zuuu viele Läuse an einer Pflanze habe ich auch schonmal abgeschnitten und "ausgewildert" (allerdings weiss ich nicht, ob sie dann eh sterben müssen, oder ob sie es schaffen, sich eine neue Pflanze zu suchen), und ich weiß von einer Familie, bei denen die Schnecken halt eingesammelt und dann auch in den Wald getragen werden.


Liebe Akel-Ei, schön, dass Du Dein Handeln so überprüfst, man kann sicher überall im Alltag den Tieren gegenüber immer rücksichtsvoller werden, auch wenn "Kollateralschäden" nicht auszuschliessen sind. Hierzu ein schöner Thread von Eule, von dem wir leider lange nix mehr gehört haben
https://www.vegpool.de/forum/umwelt-tiere/empathie-mit-jedem-noch-so-kleinen-tier-geht-euch-das-auch-so-1.html

3x bearbeitet

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03.11.2020, 16:51 Uhr
Da könnte man fast schon wieder mit den Zecken fühlen, weil die so gar keiner mag :|
Auch Kopfläuse sind chancenlos. Zumal sie ohne menschlichen Kopf nur ein bis zwei Tage überleben. Vom eigenen Kopf absammeln und ihnen einen alternativen Lebensraum zur Verfügung stellen wäre eine Möglichkeit. Vorausgesetzt man ist bereit, auf das Wohlwollen seiner Mitmenschen weitestgehend zu verzichten :green:

Aber jetzt mal im Ernst, klar hat man irgendwo eine Grenze. Und ganz konsequent zu Ende gedacht, kann man sich bei Pflanzen ja auch nicht sicher sein. Hab da einen interessanten Artikel gefunden:
https://www.stern.de/panorama/wissen/natur/pflanzenneurobiologe--pflanzen-koennen-sehen--hoeren--fuehlen--3224800.html

Tja, was nun? Photosynthese lernen? Uns von diesem Planeten ganz verdünnisieren? Wäre für viele andere sicher eine gute Lösung. Aber nicht für uns - und auch nicht für die Kopfläuse :lol:
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03.11.2020, 17:02 Uhr
Der wichtigste Punkt ist ja, dass man mit ganz geringem Aufwand das meiste Tierleid in der kommerziellen Tierhaltung boykottieren (und Alternativen fördern) kann.
https://www.vegpool.de/magazin/vegan-pareto-prinzip.html

Das ist für viele Veganer die wichtigste Motivation.

Ob sie später Zecken töten oder sie aussetzen, hat mit der Diskussion eigentlich gar nichts zu tun. Das sind Selbstverteidigungs-Diskussionen, die mit dem vorsätzlichen und alltäglichen Töten von Tieren aus wirtschaftlichen Motiven nichts zu tun haben.

Wenn 90% aller Menschen vegan leben, kann man immer noch weiter schauen. :)

Mach dir darüber also keinen Kopf. Perfektionismus bringt niemandem etwas. :D
3x bearbeitet

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03.11.2020, 17:35 Uhr
Zitat Akel-Ei:
Tja, was nun? Photosynthese lernen? Uns von diesem Planeten ganz verdünnisieren? Wäre für viele andere sicher eine gute Lösung. Aber nicht für uns - und auch nicht für die Kopfläuse :lol:

Sofern man nicht zu den radikalen Menschenfeinden gehört, die Menschen ausschließlich als Schädlinge der Erde ansehen, muss man sich selbst das Recht auf Leben zugestehen - mit allen Konsequenzen, die das mit sich führt, also auch, dass man mit dem eigenen Leben zwangsläufig positive und negative Auswirkungen auf andere Lebewesen hat (selbst wenn Photosynthese erlernbar wäre, würde das daran nichts ändern). Zu versuchen, die negativen Einflüsse möglichst gering zu halten und die positiven möglichst zu erhöhen, finde ich einen ganz guten Ansatz. Der Vorteil am Pareto-Prinzip (Beitrag Kilian) ist halt, dass du nicht Unmengen Energie (Zeit, Geld, etc.) auf Perfektionismus verschwendest, sondern diese Energie an anderer Stelle wiederum deutlich effektiver einsetzen kannst.
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03.11.2020, 18:27 Uhr
klar, niemand wird jemals alles perfekt so leben können, wie es in der Theorie sein könnte, aber ohne theoretische Eckpunkte weiß man auch nicht so wirklich, wohin man sich am besten bewegen soll. Deshalb mag ich besonders diese Grenzdiskussionen besonders, weil sie mir einerseits die Grenzen meines "veganen" Denkens aufzeigen, andererseits mich in den Dingen bestärken, die ich jetzt und ohne Abstiche richtig gut machen kann, und welche eher nicht.

@Salma, Danke für den WIderspruch, ich liebe Widersprüche!!
:thumbup: :thumbup:
Dennoch sprach ich nicht von bio-vegan, sondern lediglich von "bio". Und dabei weiß ich eben nicht, wie sehr dabei auf getötete Tiere als zu vermeidender "Kolateralschaden" geachtet wird, oder eben nicht. Von bio-veganen Landwirten habe ich nichts anderes erwartet und finde das auch vollkommen richtig und lobenswert. Insofern auch Danke für den Hinweis auf diese Landwirte!
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03.11.2020, 20:09 Uhr
Vegbudsd, darum finde ich solche Diskussionen auch gut. Da darf dann von mir aus auch gerne mal selbstironisch übers Ziel hinaus „gesponnen“ werden. Das war natürlich nicht so furchtbar ernst gemeint und hatte nichts mit Perfektionismus zu tun. Dass der Mensch zzt. allein durch seine Masse eine regelrechte Plage ist, darüber besteht wohl kaum Zweifel. Im Gegensatz zur Wanderheuschrecke ist er aber in der Lage, sich dessen bewusst zu werden, was einerseits die Chance bietet, etwas anders zu machen, andererseits aber schon etwas aufs Gemüt drücken kann. Mir fallen dann solche tröstlichen Gedanken ein, dass wir zumindest für die Kopfläuse ein großer Nützling sind. Und wenn die Läuse könnten, würden sie Menschen züchten, die sehr großflächige Köpfe mit besonders wohnlicher Behaarung hätten.Ob die außerdem vernünftig laufen könnten, wäre für die Läuse vermutlich egal, vielleicht sogar hinderlich, denn langsame Köpfe kann man bequemer besiedeln als allzu bewegliche. So gesehen können wir verdammt froh sein, dass Kopfläuse nicht so schlau sind :wtf:
Also wie gesagt, solche Spinnereien machen mir einfach Spaß und manchmal schärfen sie den Blick auf die Dinge, weil die die Perspektive verändern.
1x bearbeitet

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03.11.2020, 21:42 Uhr
Also Fliegen, Spinnen, usw. sammel ich alle ein, aber ja... als ich glaubte Läuse auf mir zu haben hatte ich mich geduscht und quasi alle "getötet" da ich nicht wollte, dass sich da was im Schlafzimmer ausbreitet. Mit gleichzeitigen Waschen der Bettwäsche. Da kriegt man erst mal Panik. :crazy: Ist alles gut gegangen (zum Glück), aber was meinem kleinen Veganerherz immer weh tut ist wenn ich ausversehen eine Spinne töte wenn diese bei fließenden Wasser in den Abfluss läuft. :-(

Ich hab glaube ich schon (ebenso wie andere Menschen) ausversehen ein Tier getötet. Und wenn's nur ne Mücke im Mund ist (im Sommer bei Stallarbeit fast nicht vermeidbar... schmeckt auch nicht so lecker xD). Jedenfalls: Ja, ich versuche es zu vermeiden, aber wenn die Sicherheit meiner Tiere und meines Partners gefährdet sind würde ich dennoch töten. Nicht aus Böswilligkeit dem Tier gegenüber, sondern weil mir das Leben meiner Kaninchen mehr Wert ist als der des sich ausbreitenden Insekts. Gerade gewisse Insekten sind ja quasi Schädling. Und auf eine Ansammlung von Kleintieren in der Küche hätte ich auch keine Lust o_o Ich denke das ist verständlich.

Ansonsten: So vegan und lieb wie nur irgend möglich. :heart:
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