Umgang mit "Vegan-Kritikern"/blöden Sprüchen

Erstellt 26.09.2016, 22:21 Uhr, von thegreenway. Kategorie: Allgemein vegan. 236 Antworten.

04.09.2019, 06:34 Uhr
Zitat Vegbudsd:
Irgendwie sind manche dieser alten Frauen ziemlich schräg.


Ich denke, dass ist vielleicht eine falsche Einschätzung. Diese Generation hat einen manche sogar zwei lange Kriege mitgemacht. Für sie war der extreme Fleisch- und Zuckerkonsum nach dem Krieg einfach wichtig, um den Krieg und die damit verbundenen Mangelerscheinungen zu kompensieren. Es war einfach ein Zeichen von Wohlstand (Wirtschaftswunderzeit). Man konnte es sich einfach wieder leisten. Wobei es damals sicher auf noch nicht solche Massentierhaltungsanlagen gab wie heute. Für diese Generation ist der freiwillige "Verzicht" einfach nicht nachvollziehbar.
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Strohhalme aus Glas
04.09.2019, 07:09 Uhr
Meine Opa hat mir auch ständig Vorwürfe gemacht.
,,Willst du auch ein Stück Kuchen? Ach ne, isst du ja nicht. Na dann bist du selber Schuld wenn es nichts gibt!‘‘
,,Ob du noch Lebensfreude hast wenn du nix mehr isst was wirklich gut ist....‘‘
,,Du änderst eh nix.‘‘
,,Wirste ja sehen wenn du in zwei Jahren krank bist.‘‘
Meiner Mutter sagte er dann in meiner Abwesenheit sie solle mir heimlich Fleisch ins Essen machen und mir Milch untermischen. Nicht weil er ernsthaft um meine Gesundheit besorgt war, sondern einfach weil er verbittertert war und mir eine reinwürgen wollte.
Aber von ihm kamen auch Sprüche wie ,,Frauen gehören nicht in die Politik, nicht in Führungspositionen, dann geht das Land unter‘‘ auf meine Frage ob er das ernst meint, immerhin beleidigt er mich, seine Nichte, gerade extrem damit, kam ein ja, das ist so.

Ihr könnt euch vorstellen wie mein Verhältnis gegen Ende seiner Lebzeiten zu ihm war. War nur noch selten dort weil er schwer Krank war. (über Jahre, dank seines hervorragendem Lebensstils.) Hätte ihm na gerne mal an den Kopf geknallt wie super ihm sein Essen ja geholfen hat, dass er nun seit Jahren nicht mal mehr aufstehen kann.

Deshalb stelle ich bei alten Leuten mitlerweile auf Durchzug und argumentiere nur wenn ich einen Funken ernstes, respektvolles Interesse sehe. Ich habe übrigens trotz seiner Beleidigungen immer höflich und respektvoll gekontert, alle meine Verwandten haben den Kopf über ihn geschüttelt aber niemand hat was gesagt. :rolleyes:

Liebe Grüße
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04.09.2019, 11:26 Uhr
Ach, ich weiss nicht, ob das alles wirklich am Alter liegt. Ich gehe auf die 70 zu, und behaupte einfach mal keck von mir, dass ich durchaus noch lernfähig bin. So war es auch mit meiner Mutter, die vor fast 30 Jahren mit 71 Jahren zum Pflegefall wurde und die meine Frau und ich dann zu uns in unsere Familie holten. Ich bot ihr an, für sie hin und wieder auch Fleisch oder ein Würstchen zuzubereiten, was sie aber ablehnte (!). Sie sagte, sie lebe jetzt bei und mit uns in unserer Familie, und wir seien Vegetarier, also äße sie ab sofort auch vegetarisch. Und das mit 71 Lebensjahren inkl. Kriegs- und Nachkriegserfahrungen. Und die letzten 8 Jahre ihres Lebens lebte sie mit uns vegetarisch, ohne Ausnahme. Ich fand das schon bemerkenswert.

Ich denke, wenn man bereit ist, seinen eigenen Standpunkt ein wenig infrage zu stellen, kann man sich auch verändern. Auch noch mit 70, 80 oder 90. Es sei denn, der Altersstarrsinn hat einen in den Krallen, aber dann kann man den Menschen das kaum vorwerfen.

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04.09.2019, 13:03 Uhr
Danke PeeBee, das sehe ich auch als junge Frau genauso. Die Fähigkeit, auf andere Menschen einzugehen und andere Standpunkte ernsthaft und selbstkritisch in Erwägung zu ziehen, ist unabhängig von Alterskategorien ungleich in der Bevölkerung verteilt. Manche haben das nur rudimentär gelernt, andere bleiben offen und lernfähig bis ins hohe Alter. Ich höre diesen Vorwurf gegen ältere Personen auch in meinem Umfeld immer wieder und mag ihn nicht so sehr. Uns allen fällt es ja nicht unbedingt leicht, lieb gewonnene Überzeugungen und Weltbilder zu hinterfragen. Und vielleicht sind dann eben die Dinge, auf die ältere Personen beharren, für uns Jungen eher fremd und das Beharren daher besonders unverständlich?

Die Geschichte von deiner Mutter gefällt mir sehr :heart:

Liebe Grüße
Mond
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04.09.2019, 19:13 Uhr
Meine Oma meinte das sicher nicht böse. Sie hat es wohl eher als Vorwurf an ihrem Lebensstil gesehen. Mehrmals hat sie mir erzählt, dass mein Opa im Krieg Kaninchen geschlachtet hat, damit sie selber was zu essen hatten. Sie hat mich dann gefragt, was sie sonst hätten tun sollen. Allerdings wollte mein Opa das irgendwann nicht mehr. Das hat sie mir auch erzählt. Die letzten durften dann am Leben bleiben.
Mit der "Gemüsesuppe" hat sie sich vielleicht gedacht, dass ich das schon essen werde, wenn es erstmal vor mir steht. Sie hat das danach nie wieder gemacht und mir immer was anderes angeboten. Meine Oma musste wohl erstmal lernen, dass ich sie damit gar nicht angreifen will, sondern nur für mich eine andere Entscheidung getroffen habe.
Auch wenn sie in manchen Standpunkten sehr festgefahren war und ich manchmal nur den Kopf darüber schütteln konnte (z.B. Ausländer oder Kindererziehung), fehlt sie mir sehr.
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04.09.2019, 19:49 Uhr
Zitat Blaustern:... Mehrmals hat sie mir erzählt, dass mein Opa im Krieg Kaninchen geschlachtet hat, damit sie selber was zu essen hatten.


Ja, genau das ist der einzige Grund, den ich zu akzeptieren bereit bin: Aus purer Überlebensnot heraus ein Tier zu töten und es möglichst vollständig zu verwerten ist ethisch für mich vertretbar. Und das war's.


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05.09.2019, 21:25 Uhr
Na, ja, wenn man seine Kaninchen täglich mit Grünzeug füttert, dann könnte man ja auch selbst das Grünzeug essen. Ich denke, die Fälle, wo man aus purer Not Tiere töten müsste, um zu überleben, sind eher selten.
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05.09.2019, 22:13 Uhr
Kommt auf das Grünzeugs an. Ernährt man sie nur von Gras und Laub wird das mit dem Grünzeugs essen schwer :)
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05.09.2019, 22:26 Uhr
In den Kriegs- und Nachkriegsjahren (vorallem der Winter ´46 & ´47) war es wirklich nicht leicht. Da kann ich das sogar verstehen und ich wüßte nicht was ich in so einer Situation tun würde.
Ich habe meine Oma auch nie dafür verurteilt. Seltsam fand ich das sie meine Ernährung als Vorwurf gesehen hat. Aber das tun ja viele Menschen.
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06.09.2019, 06:46 Uhr
Ich weiss nicht, ob wir darüber in irgendeiner urteilen können oder sollten. Es ging damals ums nackte Überleben. Ich bin ja noch ins Ende dieser Zeit hineingeboren. Zwar habe ich die Hungersnöte nicht mehr selbst erlebt, aber den dauernden Mangel, der für "einfache Leute", Arbeiterfamilien, wie wir es waren, noch bis Mitte der 50er Jahre zum Alltag gehörte.

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