Vegan und das Arbeitsleben

Erstellt 07.03.2019, 21:35 Uhr, von PuschelQueen. Kategorie: Allgemein vegan. 26 Antworten.

08.03.2019, 19:53 Uhr
Ich arbeite als Facility Manager in einem großen Unternehmen. Wir haben mit ca. 1900 Mitarbeitern auch eine Kantine, die von einem externen Caterer betrieben wird. Dort hat sich in den letzten Jahren einiges getan, was "gesunde" Ernährung betrifft. Es gibt jeden Tag ein Vital-Gericht, das manchmal vegetarisch, aber auch oft mit Fleisch ist, und ein vegetarisches Gericht. Leider ist das vegetarische Gericht oft nur die Suppe oder etwas Süßes wie Milchreis mit Kirschen oder hat so wenig Kalorien, dass man davon kaum satt wird. Offenbar glauben die Köche, dass man als Vegetarier automatisch auch in ständiger Diät lebt, anders kann ich mir das nicht erklären. :question:

Veganes gibt es auch manchmal, ist aber die absolute Ausnahme, und häufig gibt es dann zum "veganen" Chili Kuhjoghurt als Topping. Als ich einmal den Vorschlag machte, man könne ja auch Sojajoghurt dazu reichen, hat mich der Koch nur dumm angeguckt :crazy:

Generell sind die Köche in dieser Hinsicht nicht sehr bewandert. Ich denke, die bieten nur "veganes" an, weil der Konzern es so wünscht, aber halten selbst nicht viel davon. Meistens sind die Gerichte lieblos angerichtet und schlecht gewürzt. :|

Deshalb bringe ich meistend mein eigenes Essen mit. Da weiß ich, ob nicht doch zufällig doch etwas tierisches in das "vegane" Gericht gerutscht ist. :green:

Meine Kollegen äußern sich eher wenig zu meiner Ernährung. Manchmal kommen Fragen, aber ich schmiere es nicht jedem gleich unter die Nase und da viele zu den vegetarischen oder veganen Gerichten greifen, folgert nicht jeder gleich daraus, dass ich mich vegan ernähre. Die Kollegen, mit denen ich viel zu tun habe, wissen es und richten sich auch danach, wenn sie etwas mitbringen oder wir gemeinsam essen gehen.
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18.08.2019, 20:43 Uhr
Also bei mir hat sich das Blatt ziemlich gewendet. Leider... momentan bin ich arbeitssuchend da ich gekündigt wurde. Und irgendwo bin ich auch froh darüber. Obwohl ich mich aktuell wie ein gebrauchtes, weg geworfenes Taschentuch fühle. Doch ich konnte mich ohnehin auf Dauer nicht mit der Art wie der Betrieb lief anfreunden. Und am Ende muss ich sagen:

Kutschenpferde sind genau wie in allen anderen "Geschäften" mit Tieren leider auch nur (nicht für mich!) Nutztiere. :-(

Das alles fing im Grunde damit an, dass die Haltung der Tiere auf diesem Betrieb (zumindest die Kleintiere... ja... es gibt oft noch die Philosophie "Je kleiner das Tier, desto weniger ist es wert." Bzw. auf diesem Hof dienten sie rein als Zucht- und Kuscheltiere <_< ;) . Jedenfalls wurden mir immer mehr Extraaufgaben zugeteilt obwohl ich diese gar nicht mehr mit meiner eigentlichen Arbeit vereinen konnte.

Klar, ich konnte in den Pausen vegan essen ohne gestört zu werden, aber es ging so nach und nach den Bach runter. Ich will jetzt nicht die ganze Geschichte breit treten. Jedoch bin ich durch den ganzen Druck der mir auferlegt wurde irgendwann gegen eine Wand gefahren und jetzt seit 3 Wochen krank geschrieben. Eigentlich erst nur 1,5 Wochen. An jenem Freitag hatte ich sogar noch um ein Gespräch gebeten doch da hatte man mich quasi schon abgeschrieben. Zumindest kam gerade mal 2 Wochentage später die Kündigung ins Haus geflattert (bei einer 1,5-wöchigen Krankschreibung :crazy: ).

Mal ganz davon abgesehen, dass ich mit der Haltung der Kleintiere und deren Einstellung nicht mehr konform gehe fühle ich mich auch sehr verletzt denn ich war bisher glaub ich so ziemlich die einzige Stallpflegerin die sich überhaupt Zeit für die Pferde/jegliche Lebewesen auf dem Hof genommen hat.

Na ja... in Zukunft will ich erst mal etwas machen wo keine Lebewesen irgendwie einen Bezug habe (ich meine damit nicht Gnadenhöfe... so was gibt's hier im Dorf ja nicht mal... leider...). Einfach weil es mir das Herz bricht nach 1,5 Jahren mich nicht mal richtig von den Pferden und allen verabschieden konnte... für die Tiere tut's mir am meisten leid. Sonst war ich maximal 2 Wochen weg und die haben mich immer vermisst und geknuddelt wenn ich wieder kam...

Und genau aus dem Grund lebe ich vegan. Weil ich das Geschäft mit Tieren einfach nur hasse! Es macht mich wütend überhaupt in so etwas reingekommen zu sein. :-(

Ich habe zum Glück schon ein Praktikum für eine Ausbildung. Dennoch hab ich Angst. Denn meine vegane Ernährung wurde so semi-akzeptiert. Und da ich ins Handwerk einsteigen möchte habe ich alleine schon bei den Brotzeiten Angst, dass ich da mit diesem Thema Probleme haben könnte. *sfz*

Momentan versuche ich nach vorne zu schauen, aber das alles was dort in den letzten 2 Monaten passiert ist war für mich echt ein Schlag in die Magengrube. :-(
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19.08.2019, 06:34 Uhr
Tut mir leid, dass du dich so plötzlich wieder mit dem Arbeitsmarkt beschäftigen musst... Nach 1,5 Wochen gekündigt zu werden ist schon ein starkes Stück. Vor allem wenn man seine Arbeit gut und mit Hingabe gemacht hat.

Was willst du denn jetzt für eine Ausbildung machen?

Wenn ich mir vorstelle wie es für mich gewesen wäre damals in der Ausbildung... Es wäre sehr schwer gewesen. Nicht unbedingt das Essen, sondern eher die Akzeptanz zu erreichen. Als Veganer wird man immer eher belächelt als respektiert und gerade in der Ausbildung muss man ja sowieso um Akzeptanz kämpfen. Da braucht man vermutlich ganz schon viel Selbstbewusstsein um sich nicht unterkriegen zu lassen. Vielleicht kannst du es ja anfangs einfach versuchen geheim zu halten bis es eben jemandem auffällt. Ich denke aber nicht, dass sie dir dein Brot aufklappen werden und schauen was da drauf ist. Und selbst wenn, dann kannste immer noch mit Laktoseintoleranz oder "mir schmeckt Wurst nicht" kommen. Es muss ja nicht das böse "V-Wort" fallen ;)

Auf jeden Fall - Respekt!
Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Wenn du es nicht lösen kannst, mache es nicht zum Problem.
-- Buddha --

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19.08.2019, 09:03 Uhr
Ach, das tut mir leid, PuschelQueen, und ich hoffe, dass es mit der Ausbildung klappt.

So ganz verstehe ich aber die Bedenken bezüglich "Vegan am Arbeitsplatz" nicht. Du bringst Dir doch Dein Essen selbst mit, oder? Als ich noch gearbeitet habe, habe ich meine Ernährung nie thematisiert, meine Kollegen auch nicht. Ich hatte mein Butterbrot dabei, da hat niemand gefragt, was da drauf ist. Obststücke, rohes Gemüse dazu und gut war's. Da gab es nichts zu thematisieren. Und ich glaube, meine früheren Kollegen wussten gar nicht, dass ich vegetarisch (auch damals schon oft vegan) lebe. Redet Ihr denn am Arbeitsplatz über so etwas? Mag sein, dass meine Fragen naiv sind, aber ich verstehe das wirklich nicht so ganz (was aber daran liegen kann, dass ich seit 23 Jahren nicht mehr in einem Angestelltenverhältnis arbeite).

Liebe Grüsse

PeeBee


Lieben Gruss

PeeBee


"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben."
George Bernard Shaw, 1856-1950, irischer Autor, Literaturnobelpreisträger, Oscar-Preisträger

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19.08.2019, 09:15 Uhr
Ich kann mir vorstellen das es bei ihr (handwerklich?) auch nicht so schwer sein dürfte. Da kann man das bestimmt gut "verstecken". Mich hat damals in meiner ersten Ausbildung auch niemand danach gefragt und im Büro wäre es zweifelsfrei problemlos möglich gewesen.

In meiner zweiten Ausbildung hätte es schon größere Probleme gegeben und geheim wäre da nichts geblieben. Ich musste dafür nämlich für 3 Jahre in eine Art "Kaserne" in der es das Essen immer in einer Kantine gab. Mal ganz davon abgesehen, dass es da keine veganen Varianten gab, hätte ich mich größtenteils von den Beilagen ernähren müssen. Und das wäre schon am ersten Tag aufgefallen und wahrscheinlich zum Gesprächsthema Nummer 1 mutiert :crazy:
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19.08.2019, 09:26 Uhr
Ja, das hatte ich vergessen, nachzufragen, ob man dort eine gemeinsame Küche oder so hat (Kantine...). Das stelle ich mir schwierig vor.

LG


Lieben Gruss

PeeBee


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19.08.2019, 21:36 Uhr
Ich weiß nicht. Hab irgendwie einfach das Gefühl seit dem ich vegan lebe öfter auf das Essen angesprochen zu werden. Es wäre eine Erleichterung wenn das nicht gerade am Arbeitsplatz passiert. :crazy: Ich bin gespannt. Erst mal ist es fraglich ob die Ausbildung überhaupt etwas für mich ist. Dafür ist ja auch das Praktikum da.

Vielleicht bin ich da auch einfach paranoid da ich am Ende dieser Arbeitsstelle doch gemerkt habe, dass man das mit der veganen Ernährung nicht so ernst genommen hat. Z.B. hat mir meine Chefin auch einen Milchkakao anbieten wollen weil ja nur "Milchpulver" drinnen ist. Das sei ja vegan. Wo man sich dann echt fragt ob die meisten Leute überhaupt wissen was vegan und was vegetarisch ist. :wtf:
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20.08.2019, 06:56 Uhr
hat mir meine Chefin auch einen Milchkakao anbieten wollen weil ja nur "Milchpulver" drinnen ist.

Ich hab auch erst mal überlegen müssen was das genau ist. Warum sollte jemand auch Milch als Pulver verwenden wenn man auch die flüssige nehmen kann?! Vielleicht hat sie gedacht, dass ist irgendein Milchersatz - ohne Milch ;) .

Das man nicht so wirklich ernst genommen wird fällt mir auch immer wieder auf. Letztens gab es bei einer Geburtstagsfeier Schaschlikpfanne. Da ziemlich viel Gemüse mit drin war, hab ich das Fleisch eben rausgepickt. Da ich mich jetzt nicht davor ekle, macht mir das nichts aus (als Ausnahmefall).

Tja, und schon kamen die blöden Sprüche. Insbesondere eine Person konnte gar nicht verstehen, warum ich das überhaupt esse. Immerhin enthällt die Soße ja Fleischsaft und wahrscheinlich auch Fasern vom Fleisch. Da kann man ja gleich alles essen und nicht das "picken" anfangen - oder eben nichts essen. Einzige Alternative wären blanke Brötchen gewesen.

Eine Diskussion habe ich mit der Aussage "Ich gehe da jetzt nicht drauf ein, weil dass sowieso in einer Diskussion oder einem Streit enden würde." gleich abgewürgt. Hätte ich meine Gründe nämlich dargelegt hätten die restlichen 10 Fleischesser vermutlich kein Verständnis aufgebracht.

Meine Gründe wären gewesen:
- Fleisch ist krebserregend
- Bei jedem Bissen würde ich an die arme "Sau" denken die dafür gestorben ist

Mehr Argumente würden mir aber jetzt auch nicht einfallen.


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-- Buddha --

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1x bearbeitet

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20.08.2019, 09:34 Uhr
Also vegetarische Ausnahmen mache ich auch. Fleischsauce dagegen bzw. Rauspicken von Fleisch geht gar nicht. Dann wird halt nichts gegessen. Ich war auch am Wochenende erst zu einem Geburtstag eingeladen. Vorher wurden nach Intoleranzen nachgefragt. Ich habe da natürlich vegan angegeben. Es gab als ersten Gang Fischplatte, als zweiten Gang Fleischbrühe mit Klößchen und als dritten Gang gab es Schweinebraten mit Klößen. Nachdem dann alle gegessen hatten, bekam ich mein veganes Essen: Broccoli mit Bratkartoffeln :crazy: . Zum Nachtisch dann noch (natürlich für mich nichts): Panna Cotta. Das Beste und Unverschämteste war dann, dass der Gastgeber dann zu mir meinte, wenn ich nicht satt würde, soll die doch raus gehen und mir Gras holen. So etwas brauche ich wirklich nicht. Dann solle sie doch vorab nicht nachfragen, ob jemand etwas spezielles möchte.
लोकाः समस्ताः सुखिनो भवन्तु,

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu - Mögen alle Wesen auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren. (Sanskrit)

Dana

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20.08.2019, 11:06 Uhr
Zitat Dana:Das Beste und Unverschämteste war dann, dass der Gastgeber dann zu mir meinte, wenn ich nicht satt würde, soll die doch raus gehen und mir Gras holen.

:question: :|
Indiskutabel. Der Kontakt wäre bei mir beendet. Wie gehst du damit um?
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