Veganer-Outing

Erstellt 27.01.2020, 12:57 Uhr, von Onkel-Lilo. Kategorie: Allgemein vegan. 38 Antworten.

Veganer-Outing
27.01.2020, 12:57 Uhr
Ich habe gerade den Artikel zum Thema "als Veganer outen" gelesen. Natürlich steht dort schon einiges, das man beachten sollte, aber ich habe nun schon einige negative Erfahrungen damit gemacht. Selbst im engeren Familienkreis. (Meine Mutter hat wochenlang nicht mit mir geredet!)

Wie habt ihr das gemacht und was sind eure Erfahrungen?
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
27.01.2020, 13:12 Uhr
Meine Erfahrungen sind sehr durchwachsen. Mein Gewissen hat eigentlich schon jahrelang in mir gebrodelt und erst durch einen vegetarischen Arbeitskollegen wurde mir der "Anstoß" gegeben. Dann hab ich mir irgendwann "Earthlings" angesehen und ab da war Fleisch für mich erledigt.


Ich hab am selben Abend meiner Frau noch gesagt, dass ich jetzt kein Fleisch mehr essen werde und sie hat mich erst mal so richtig ausgelacht (ich hab vorher wirklich viel Fleisch und Wurst gegessen). Ich kann mich noch an Sprüche wie "das hältst du eh nicht lang aus" und "bist jetzt wohl in der Midlife Crisis" erinnern. Sie hats mir nicht ernsthaft abgenommen. Nach ein paar Wochen hat sie es dann aber doch kapiert und eingesehen.


Bis ich schließlich gesagt habe ich werde auf vegan umschwenken (etwa 2 Monate später). Darauf wollte sie sich dann scheiden lassen :rolleyes: . Ihrer Meinung nach sind Veganer nämlich Spinner und Extremisten, wobei ich glaube sie hatte mehr Angst vor der Meinung ihres Umfelds wenn sie erfahren würden, dass ich vegan wäre. Außerdem hätte es ihrer Meinung nach gravierende Änderungen unseres Essensalltags geben müssen und dazu war sie nicht bereit.

Wie auch immer, nach langem Streiten und sogar einer Paarberatung einigten wir uns auf einen Kompromiss. Wenn sie am Wochenende mal einen Kuchen backt oder wir auswärts essen gehen, esse ich vegetarisch.

Im Bekanntenkreis ging es da wesentlich ruhiger zu. Die meisten haben es zur Kenntnis genommen und ohne große Worte abgenickt. Eigentlich ist es nur mein SchwiVa, der sich öfter mal über mich lustig macht oder motzt, aber das ignoriere ich. Leider hat mir meine Frau verboten mich rechtzufertigen (obwohl es mich tierisch jucken würde). Aber ich kann das auch verstehen. Sie will keinen Streß mit ihren Eltern, und es würde definitiv dazu kommen. Mein SchwiVa ist ein sehr cholerischer, rechthaberischer Mann. Es gibt nur eine Meinung, seine :rolleyes: .

Ach, wenn du einen Tip hören willst. Häng es nicht an die große Glocke sondern sag es nur wenn es unbedingt sein muss. Z.B. wenn du irgendwo zum Essen eingeladen bist etc.
2x bearbeitet

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27.01.2020, 13:45 Uhr
Ich habe weder als Vegetarier noch als Veganer größere Probleme damit gehabt, bzw. wenn dumme Sprüche von Kollegen, Bekannten, Verwandten kamen, habe ich die durch noch dümmere getoppt ;-) oder geschwiegen. Ich denke einfach, es ist nicht MEIN Problem, wenn andere mit meiner Lebensart Schwierigkeiten haben. Es zeigt nur ihre Intoleranz, und das sage ich denen dann auch sehr klar. Allerdings sehe ich es auch so, dass es schwer ist, wenn die Widerstände aus der eigenen engeren Familie kommen. Da hilft nur Geduld und immer wieder reden, reden, reden. Generell finde ich, dass die Entscheidung für ein veganes Leben genauso zu respektieren ist wie für eine bestimmte Religion. Solange man andere nicht schädigt, sollten die sich zurückhalten. Solange ich nicht "missioniere", sollten die anderen das auch nicht tun.

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27.01.2020, 14:08 Uhr
Zitat PeeBee:...Ich denke einfach, es ist nicht MEIN Problem, wenn andere mit meiner Lebensart Schwierigkeiten haben. Es zeigt nur ihre Intoleranz, und das sage ich denen dann auch sehr klar.


Ich würde ihnen am liebsten sagen, dass sie gar nicht ahnen, wie tolerant Veganer sein müssen, die -wie ich- auch noch an einer ausgeprägten Tierleidallergie leiden, wenn sie ständig in deren Beisein vollkommen rücksichtslos weiter uneingeschränkt mit Tierleidprodukten wie Fleisch, Wurst und Milchprodukten rumhantieren, und das dann auch noch vor deren Augen wagen, zu essen!

Bei mir ist es dann eher so: Die können froh sein, dass ich weiter mit ihnen rede!

Nein, so agiere ich natürlich nicht. Die Haltung allerdings habe ich durchaus erlernt.


Nach bestem Wissen und Gewissen machen die Veganer bei der Ernährung in Bezug auf Ökologie, Artenschutz, Naturschutz, Klimaschutz, Ethik und Tierschutz sowie Sozialverträglichkeit die geringsten Fehler.

Und gerade die sind es, die die blödesten Argumentlein und am weitesten an den Haaren hergeholten Sprüchen (in Eurer Bioonella oder Manner ist ja Palmfett - igigittigittigit, wie unökologisch, da wird ja ständig Regenwald für abgeholzt!! - Am liebsten noch mit 'ner Ekelbratwurst vom billigsten Würstchenstand in den Pfoten...) Das Sxchlimme ist, sie merken gar nicht, wie sie sich selbst dadurch in die Ecke stellen, sie hinterfragen ihre Widersprüche nicht einmal.


Aber es dreht sich! Da wo wir sind, ist oben. Sie dürfen ja jederzeit mitmachen, je mehr, desto guter. Wir schließen sie ja nicht aus, im Gegenteil, wir sind ja eben keine Sekte! Bei den Fleischisten bin ich da nicht so sicher...
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27.01.2020, 14:28 Uhr
Bei mir war es ein schleichender Prozess. Mein Vater wollte mich als Kind immer wieder umstimmen. Und nicht im netten Sinne, er hat mich runtergeputzt aufs übelste. Auch deshalb hab ich heute gar keinen Kontakt mehr zu ihm.
Ich ernte leider immer viele dumme Sprüche und es ist anstrengend als der, der es eigentlich richtig macht, immer so viel Hass entgegentreten zu müssen.
Deshalb halte ich mich weitgehend von solchen Menschen fern und hab daher auch nicht so viele Freunde. Grad an der Uni steh ich oftmals als Außenseiter da.
Ich hab schon oft gedacht, wie viel einfacher wäre das Leben, wenn ich einfach jegliche Moral über Bord werfe und mich den anderen Volltrottel anschließe. Aber das könnte ich nicht. Ich mag keinen Lebewesen schaden.
1x bearbeitet

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27.01.2020, 14:38 Uhr
Grad an der Uni steh ich oftmals als Außenseiter da. Ich hab schon oft gedacht, wie viel einfacher wäre das Leben, wenn ich einfach jegliche Moral über Bord werfe und mich den anderen Volltrottel anschließe.

Auch wenns ein schwacher Trost ist, diese Zeit wird vorrüber gehen. Bei mir war es in der Ausbildung ähnlich. 2,5 Jahre voller Mobbing und offener Anfeindungen. Ich hab die Zähne zusammengebissen und wusste, wenn ich abends nach Hause komme habe ich meine Ruhe.


Damals war ich aber noch omnivor... Wie wäre es wohl abgegangen wenn ich da schon vegan gewesen wäre :wtf: .

Aber ich kann dich verstehen. Bleib lieber auf der hellen Seite der Macht, auch wenn die Verlockungen der dunklen Seite größer sind. In Geduld du dich üben musst, junger Padawan :D .
1x bearbeitet

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27.01.2020, 14:50 Uhr
Das ist alles hochinteressant, doch ich stehe vor einer wirklich großen Herausforderung: Jahrelang habe ich als Ausbeiner gearbeitet und da ich meinen Freundes- und Bekanntenkreis hauptsächlich im beruflichen Umfeld habe/hatte, traf ich dort auf besonders großes Unverständnis bis hin zum Mobbing.
Diese Tatsache macht es mir nicht gerade leicht, damit besonders selbstsicher umzugehen.
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27.01.2020, 14:51 Uhr
Zitat Lenshar:Ich hab schon oft gedacht, wie viel einfacher wäre das Leben, wenn ich einfach jegliche Moral über Bord werfe und mich den anderen Volltrottel anschließe. Aber das könnte ich nicht. Ich mag keinen Lebewesen schaden.


Das habe ich auch schon gedacht. Aber ich denke, wer einmal durchschaut hat, dass sein Handeln oder sein Nichthandeln in bestimmten Bereichen schlimme Folgen hat, die verheerend sind, der kann das nicht mehr. Und wer erkannt hat, dass sein verändertes Handeln oder sein Nichthandeln in diesen Bereichen gute Folgen hat, der will das nicht mehr.
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27.01.2020, 14:54 Uhr
Ohne jetzt genau zu wissen, was ein Ausbeiner macht (mir reicht die Vermutung, bitte keine Details), könnte vielleicht dieser Artikel (inklusive Video) für dich interessant sein: https://www.stern.de/neon/vorankommen/nachhaltigkeit/mit-video--fuenf-ehemalige-metzger-wollen--dass-wir-alle-veganer-werden-8548462.html
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27.01.2020, 15:13 Uhr
Es mag sehr hart klingen. Manchmal muss man im Leben Entscheidungen treffen, die immer schmerzvoll sind. Ich musste mich z.B. von einem meiner besten Freunde trennen, weil der in eine Szene und Einstellung abgedriftet war, die ich moralisch absolut nicht akzeptieren konnte. Ich hatte diesen Freund gebeten, den betreffenden Themenkomplex wenigstes mir zu Liebe nicht mehr zum Thema zu machen, was er aber nicht konnte oder wollte. Da mir seine Einstellung dermaßen zuwider war und alles, was uns bisher verband, auf den Kopf stellte, blieb mir nur die Trennung (und ich trenne ich extrem schwer von Menschen, die meine Freunde waren).

Lilo, wenn Dein Freundeskreis nicht bereit ist, Dich so zu akzeptieren, wie Du nun bist/lebst, und Dich sogar mobbt, solltest Du Dich fragen, ob das noch "Freunde" sind. Ich dulde kein Mobbing durch Freunde/Bekannte, sie werden dadurch sofort zu Nichtfreunden. Und Du solltest Dich fragen, ob Du solcher "Freunde" wegen bereit bist, Dich immer wieder runterziehen zu lassen oder Dich eventuell irgendwann sogar an Deiner Entscheidung, vegan zu leben, zweifeln zu lassen.


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