Veganes Leben-ein Luxusproblem?

Erstellt 09.01.2020, 09:23 Uhr, von Elias. Kategorie: Gesund vegan leben. 8 Antworten.

Veganes Leben-ein Luxusproblem?
09.01.2020, 09:23 Uhr
Liebe Freunde!

Sicher habt Ihr im Alltag auch schon oft erlebt, dass man sich als Veganer ständig für seine Lebensweise rechtfertigen muss.
So hatte ich gestern auch wieder eine hitzige Diskussion mit einem Arbeitskollegen.
Er hat mir unterstellt, das "Wir Veganer" doch die Sicht auf die wirklichen Probleme der Welt verloren haben. Ob wir tatsächlich glauben, in Syrien oder Afghanistan würde sich jemand Gedanken über eine Ernährungsumstellung machen.
Das hat mich schon sehr betroffen gemacht. Denn ich denke auch, dass Menschen, die unter Krieg oder Verfolgung leiden, als letztes über ihre Ernährung nachdenken.
Deshalb möchte ich mal gerne in die Runde fragen, wie Ihr zu dem Thema steht.
Muss man als Veganer jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil wir in der westlichen Welt das Privileg besitzen, uns frei für eine vegane Lebensweise zu entscheiden?

Ich freue mich auf Eure Ansichten zu den Thema!

Euer Elias
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
09.01.2020, 10:08 Uhr
Zitat Elias:
Muss man als Veganer jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil wir in der westlichen Welt das Privileg besitzen, uns frei für eine vegane Lebensweise zu entscheiden?

Müsste man nicht eher ein schlechtes Gewissen haben, dieses Privileg zu haben, aber nicht zu nutzen? Eine Ernährung mit tierischen Produkten beutet Tiere, die Umwelt und auch Menschen aus. Sie ist ein wichtiger Teil des Problems, wenn es um Armut, Hunger, Waldabholzung, Flächenverschwendung, Klimawandel etc. geht. Und dies wiederum sind zum Teil die Ursachen für Flüchtlingsbewegungen und Kriege.
"Wir Veganer" tragen also zur Lösung der "wirklichen Probleme" weitaus mehr bei, als es dein Kollege mit seinem "Whataboutismus" macht.
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09.01.2020, 10:10 Uhr
Also ein schlechtes Gewissen würde ich jetzt nicht gleich deswegen haben.

Aber klar, ich kenn die Sprüche natürlich auch. "Habt ihr sonst wohl keine anderen Probleme?", "Kann man nicht erst mal die anderen Probleme lösen bevor man an sowas denkt?" oder "da gibts viel größere Probleme auf der Welt als meine Ernährung!".

Und ich kann die Leute schon verstehen weil es ja wirklich viele Probleme gibt. Aber ich verstehe deren Denkweise nicht wirklich. Warum muss man erst mal große und kann danach erst die kleinen Probleme lösen? An den Großen kann man selbst sowieso oft nicht wirklich was machen (und die meisten die den Mund so aufreißen machen das sowieso nicht).

Eine popelige kleine Ernährungsumstellung kann jeder mit ein wenig Durchhaltevermögen und Offenheit machen. Und auch wenn man nur einen kleinen Teil dazu beiträgt, ist man doch ein Zahn in dem großen Zahnrad.

Du könntest das nächste mal ja sowas antworten wie:
"Wenn jeder so denken würde, würde sich gar nichts auf der Welt ändern".

Denn diese Sätze sind nichts anderes als eine lumpige, schlechte Ausrede dafür, dass man selbst nichts ändern muss. Von daher, brauchst du absolut kein schlechtes Gewissen haben :D .
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09.01.2020, 10:11 Uhr
Hallo Sunjo,

natürlich hast Du mit Deiner Ansicht recht!

Trotzdem war das für mich ein interessanter Denkanstoß, ganz im Gegensatz zu manch anderen Vorurteilen mit denen als Veganer umgehen muss.
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09.01.2020, 10:29 Uhr
Eine durchaus wichtige Diskussion...

Aber das kann nur zum Problem werden, wenn man die Einstellung hat "Hier die Menschenprobleme, dort die Tierprobleme". Und da viele Menschen der Meinung sind, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, sind sie wohl auch der Meinung, dass ihre Leben, ihr Leid, ihr Sterben unendlich wichtiger sei als das Leben, Leid und Sterben der Tiere. Genau DAGEGEN sollten Veganer immer wieder ihre (Diskussions-)Stimme erheben. Denn diese Menschen haben NUR dann Recht, wenn man ihren speziezistischen Standpunkt teilt.

Im Übrigen liegt das auf der gleichen Ebene wie jene Argumente, die immer aufkommen, wenn es um das soziale Leid in Deutschland geht, die Benachteiligung vieler Kinder, die unfairen Löhne, die schreckliche Notwendigkeit von "Tafeln" usw.- DANN hört man von jenen Menschen auch gern "Na, schau mal Somalia, Indien, Afghanistan etc. DIE haben Probleme, aber WIR doch nicht". Wer so denkt und argumentiert, der will dass alles so bleibt wie es ist, so besch*** es auch sei.

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09.01.2020, 10:49 Uhr
Wer entscheidet denn, dass das Problem in Syrien so viel größer ist als das Problem der Massentierhaltung?
Das ist wieder so etwas, was der Mensch sich einfach herausnimmt, indem er sich als viel wertvoller betrachtet.
Und hast du deinen Arbeitskollegen denn mal gefragt, ob er auch aktiv etwas für Flüchtlinge und / oder Menschen im Krieg tut oder redet er nur gerne anderen ein schlechtes Gewissen ein, die wenigstens versuchen etwas zu verbessern? Es ist nicht seine Entscheidung welches Problem mehr "Wert" hat.

Ich finde Tierquälerei ist überhaupt kein Luxusproblem und ich finde auch nicht immer gleich ein "Menschenproblem" schlimmer, nur weils Menschen sind.
1x bearbeitet

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09.01.2020, 21:51 Uhr
Hallo Elias,

Zitat Elias:Ob wir tatsächlich glauben, in Syrien oder Afghanistan würde sich jemand Gedanken über eine Ernährungsumstellung machen.
Das hat mich schon sehr betroffen gemacht. Denn ich denke auch, dass Menschen, die unter Krieg oder Verfolgung leiden, als letztes über ihre Ernährung nachdenken.


Dein Arbeitskollege hat schon recht: es ist ein Luxus, dass wir uns unsere Ernährungsweise aussuchen dürfen. Ich seh's aber auch als Pflicht, eben weil wir hier ziemlich frei sind.

Du forderst doch nicht, dass sich Menschen in Syrien ethisch korrekt ernähren, oder?
Man kann hierzulande sein bestmöglichstes tun, um Tierleid zu verringern und gleichzeitig Kriegsbetroffenen helfen, auch wenn diejenigen Fleisch essen.

Lass Dich nicht auf blödsinnige Diskussionen ein.

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09.01.2020, 22:25 Uhr
Hallo,

solche Argumente kommen meistens von Leuten die nichts tun und ihren bequemen Lebensstil rechtfertigen wollen.
Genauso könnten unsere Feuerwehrleute ja sagen dass sie in Deutschland momentan keine Brände löschen, den Australien hat ja momentan nun wirklich größere Probleme und solange die nicht behoben werden... :lol: .

Wenn ich etwas tun kann, da tue ich es auch wenn es die Welt nicht ändert. Wir leben hier so wohlhabend dass es eigentlich unverschämt ist seine Macht so gnadenlos auszunutzen und sich dabei auch noch auf dem Elend anderer auszuruhen.

Liebe Grüße :)
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09.01.2020, 23:43 Uhr
Ich habe selbst auch schon über diese Frage nachgedacht. Natürlich haben manche Menschen nicht die Möglichkeit über ihre Ernährung zu entscheiden. Dennoch finde ich auch, dass man es nicht als negativ bewerten kann die vorhandene Möglichkeit wahrzunehmen und über die eigene Ernährungsweise zu entscheiden. Ich denke jeder kann damit auf gewisse Weise dazu beitragen die Welt ein Stückchen besser zu machen. Die Ernährungsweise umzustellen ist, wie schon gesagt wurde, prinzipiell für fast jeden möglich, der dieses "Privileg" hat. Mit Sicherheit ist es für den ein oder anderen aufgrund verschiedenster Umstände schwieriger oder weniger schwierig... Interessant, dass es so viele verschiedene Sichtweisen zu dieser Frage gibt, an die ich selbst noch nicht gedacht hatte, aber letztlich führen alle zu der selben Antwort.
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