Shoujin Ryouri: eine traditionell-vegane Küche

Erstellt 16.02.2018, 12:21 Uhr, von Nefasu. Kategorie: Vegan kochen & backen. 4 Antworten.

Shoujin Ryouri: eine traditionell-vegane Küche
16.02.2018, 12:21 Uhr
Hallo liebe Forumsmitglieder,

da ich mich seit geraumer Zeit intensiv mit der japanisch-buddhistischen, ausnahmslos veganen, Tempelküche Shoujin Ryouri (精進料理) auseinandersetze möchte ich euch in nächster Zeit eine Auswahl an schmackhaften Rezepten und nützlichen Tipps dieser außerordentlich flexiblen und vielseitigen Küche vorstellen.
Diesen Beitrag möchte ich gerne Nutzen, um euch einen groben Überblick zu geben, was man sich unter Shoujin Ryouri im Allgemeinen vorstellen kann.


Was ist Soujin Ryouri?
Der Begriff Shoujin Ryouri kann in etwa mit “Zuwendungsvolle Kochkunst” übersetzt werden und bezieht sich sowohl auf die Auswahl, die Verarbeitung, das Anrichten als auch das Verzehren der Speisen.
Der Grundgedanke ist von dem Erhalt der Lebensmittel bis einschließlich zum Verzehr mit der gesamten Aufmerksamkeit präsent zu sein.

Hierbei handelt es sich praktisch das exakte Gegenteil zu heutigem Fastfood, welches meist aus Lebensmitteln ungewisser oder fragwürdiger Herkunft besteht, gedanken- und respektlos von Systemgastronomen in Fritteusen geworfen wird, um danach, lieblos in Kartons oder Papier verpackt, von einem hektischen Menschen im Laufschritt hinunter geschlungen wird, welcher zumeist wiederum seinerseits keinen Gedanken an die Produktion oder Herkunft des Gerichtes verschwenden möchte.


Die grundlegende Philosophie ...
… dieser Kochkunst dürfte vielen Veggies nicht fremd sein:
“Nimm wahr was du kaufst, kochst und isst”

Was, wie viele vermuten, tierische Lebensmittel, welche mit so großem Leid erzeugt wurden, prinzipiell ausschließt.
Wohl kaum jemand könnte beim Gedanken an all das zugefügte Leid noch Genussvoll - oder überhaupt - in den Cheeseburger einer beliebigen Fastfoodkette beißen.


Wie praktiziert man Shoujin?
Shoujin (wörtlich übersetzt “Zuwendung”) fängt bereits beim Einkauf / der Erzeugung an:
Gedanken- und Zuwendungsvoll einzukaufen heißt dankbar zu sein für das Lebensmittel, welches produziert wurde, um den eigenen Körper und Geist zu nähren.

Dankbar zu sein für die landwirtschaftliche Arbeit der Bauern oder Gärtner, dankbar für die Erde, die Sonne und den Regen, welche das Entstehen dieser Pflanze erst möglich gemacht haben und nicht zuletzt Dankbarkeit gegenüber dem Händler zu zeigen, welcher dieses Lebensmittel zu einem gebracht hat.

Auf diese Weise legt man bereits den Grundstein für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit dem Lebensmittel -
wer bemerkt, welcher Aufwand notwendig ist, um ein Lebensmittel zu erzeugen, wird es auch während der Verarbeitung mit dem gebührenden Respekt behandeln und schwerlich zulassen, dass es (oder die daraus zubereitete Speise) verdirbt.

Zudem ist Dankbarkeit ein einfaches aber äußerst effektives Mittel gegen trübe Gedanken oder gelegentlich empfundener Machtlosigkeit gegenüber den dunklen Seiten unserer Welt und der etablierten Systeme.


Die Shoujin zieht sich weiter über den gesamten Kochprozess, wodurch dieser (sowie auch das spätere Anrichten) eine tiefere Ebene des Bewusstseins erreichen und dadurch praktisch als Meditation anstatt als lästige Pflicht wahrgenommen werden kann.


Besonderes Augenmerk legt man in der Shoujin Ryouri allerdings auf den letztendlichen Verzehr der zubereiteten Speisen.
Wer z.B. nicht selbst gekocht hat, kann vor Beginn der Mahlzeit einige der beschriebenen achtsamen Gedanken pflegen und die Dankbarkeit fördern - dabei aber nicht den Koch / die Köchin vergessen ;)

Traditionell isst man in der Shoujin Ryouri in Schweigsamkeit ohne die Aufmerksamkeit vom Essen und der Wirkung im Körper anzulenken.. Da dies meistens nahezu unmöglich ist, kann man alternativ auch z.B. nur die ersten 10 Minuten in Stille essen oder in diesem Zeitraum ausschließlich über die Speise reden.


Besonderheiten & Anmerkung
In der Shoujin Ryouri werden prinzipiell keine “stark riechenden” (so der Wortlaut) Pflanzen verarbeitet. So wird man z.B. Knoblauch und Zwiebeln in den traditionellen Rezepten nicht finden.
(Frühlingszwiebeln bilden hier, meines Wissens, in manchen Tempeln eine Ausnahme)

Da sowohl Knoblauch als auch Zwiebeln mMn. jedoch eine außerordentliche geschmackliche Bereicherung für beinahe Speise darstellen, werde ich sie in meine vorgestellten Rezepte einschließen.

Wer lieber strikt nach den Regeln der Tempelküche kochen möchte, kann diese aber natürlich jederzeit, ganz traditionell, durch entsprechende Mengen fermentiertes Gemüse und entsprechende Gewürze ersetzen (z.B. durch sauer eingelegte Lotuswurzel oder - ganz westlich - saure Gurken).


Liebe Grüße,
Falk
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
16.02.2018, 13:34 Uhr
Falk, das liest sich wunderbar und deckt sich schon ziemlich mit dem Prozedere, welches ich praktiziere.
Ich baue ja viel Obst, Beeren, Kräuter und Gemüse selber an und bin der Mutter Natur immer dankbar für Regen, Sonne, Wärme aber auch für die kühlere Jahreszeit, die der Boden für seine Regeneration braucht. Auch gekaufte Lebensmittel weiß ich zu schätzen und sehe sie nicht als selbstverständlich an. Die Zubereitung der Lebensmittel erfolgt bei uns in Ruhe, ohne jegliche Hektik und selbst ein Radio in der Küche kann ich absolut nicht leiden. Im Esszimmer gibt es bei uns auch kein Radio oder gar einen Fernseher, damit man sich auch auf das konzentrieren kann, auf das es ankommt, nämlich das Essen und Genießen.
Allerdings kann und werde ich wohl auch nicht auf Knoblauch und Zwiebeln verzichten, dafür mag ich diese viel zu sehr :lol: .
Ich freue mich schon auf deine Rezepte und glaube, dass ich langsam einen neuen Hefter anfangen muss :D
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16.02.2018, 18:23 Uhr
Hallo Falk :wink:

ich freue mich auf die Rezepte der Tempelküche Shoujin Ryouri. :D
Mein Partner und ich praktizieren schon seit einiger Zeit den bewußten Umgang mit Lebensmitteln und Essen ist für uns ein "heiliges" Ritual geworden.

Liebe Grüße
Irmgarda

Veg-Badge

Gutes kann niemals aus Lüge und Gewalt entstehen.

Mahatma Gandhi

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03.01.2019, 11:04 Uhr
Hallo zusammen,

ursprünglich wollte ich zu jedem der vorbereiteten Rezepte eine Fotostrecke anfertigen (vgl. den Beitrag über Yaki Gyouza [*1]).
Da dies bei mir momentan nicht möglich ist, werde ich die Beiträge jetzt in den kommenden Wochen, leider, ohne Bilder einstellen und mit Kilian Kontakt aufnehmen bzgl. einer nachträglichen Möglichkeit zum einfügen ;) :thumbup:

Liebe Grüße,
Falk

[*1] https://www.vegpool.de/forum/rezepte-anleitungen/shoujin-ryouri-yaki-gyouza-1.html
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07.01.2019, 18:27 Uhr
Moin Moin :)
danke für Deine Beitrag!

hatte mir damals schon das von Dir empfohlene Kochbuch gekauft =)
(was mir übrigens sehr gefallen hat :clap: )
Diese Philosophie hat viele Ähnlichkeiten zu uhrsprünglichen (ayur)vedischen
sattvic Küche :)

In einer sattvic Ernährung ist der Fokus auch auf den ursprünglichen Geschmack gelegt,
auf möglichst unverarbeitete Lebensmittel, und (praktisch) ungewürzten Mahlzeiten.
Alle stark riechenden oder scharfe Lebensmittel werden dabei auch weggelassen.

Sattvic Nahrung ist so zu sagen das Essen für Yogis oder Mönche ^^

Wenn man ein bisschen tiefer in die Philosophie einsteigt (zumindest tiefer als
von den meisten hierzulande praktizierenden Ayurveda Beratern/Heilpraktikern etc...)
Ist damit auch Achtsamkeit und Liebe beim Kochen und Einkaufen gemeint, als auch
eine vegane Ernährung (außer man hat eine eigene Kuh im Garten).

Die Zubereitung und das Essen wird auch dabei eher zu einer Meditation.
Dabei ist die Zubereitung mehr oder weniger genau so wichtig wie die Qualität der eigentlichen Lebensmittel.
Essen das in schlechten Gedanken & Eile gekocht wurde sollte man vermeiden.
Beim Essen sollte mit Liebe und Achtsamkeit essen und ohne Ablenkung.

Allerdings sei hier angemerkt, dass viele viele viele behaupten sich sattvic usw. zu ernähren,
von evtl. 100 Leuten die ich getroffen habe und das gesagt haben, ernährt sich evtl. einer
wirklich nach diesem Maßstab. Für die meisten heists vegetarisch ohne Zwiebel und Knoblauch :D

Ich freue mich auf Deine Beiträge!

Liebe Grüße,
chickpea
Liebe Grüße,
chickpea

yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ
Yoga ist all das, was die Gedanken und Ausflüchte des Gemüts zur Ruhe bringt.

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