Gülle: Dünger oder Umweltgift?

Erstellt 28.11.2019, 10:57 Uhr, von kilian. Kategorie: Vegpool aktuell. 10 Antworten.

Gülle: Dünger oder Umweltgift?
28.11.2019, 10:57 Uhr
Gülle wird von Bauern als "natürlicher Dünger" gelobt - und von Umweltschützern als Ursache für viele ökologische Katastrophen angesehen.
Was stimmt?
https://www.vegpool.de/magazin/guelle-natuerlicher-duenger-oder-schaedlich.html
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28.11.2019, 11:04 Uhr
Danke, Kilian, das ist eine gute Basis für Diskussionen mit "Güllefans"...

An manchen Tagen, wenn ein nahes Feld hier in der Gegend gegüllt wird, ist es uns nicht möglich, unseren Spaziergang an dem Feld vorbei zu machen. Nicht nur, weil es bestialisch stinkt, sondern vor allem, weil es in Augen und Bronchien geradezu brennt. Ich denke, es ist ausgegastes Ammoniak.


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30.11.2019, 19:50 Uhr
Danke Kilian, für den interessanten Beitrag.
Eins möchte ich aber richtigstellen: Vor 200 Jahren gab es noch keine Gülle, außer in sehr geringen Mengen, als Überlauf der Misthaufen. Damals wurden die Ställe noch mit Stroh eingestreut und per Hand ausgemistet. Der Mist wurde ein Jahr auf dem Misthaufen abgelagert und dann als Dünger ausgebracht. In diesem Mist haben eine Vielzahl von Regenwürmern gearbeitet und dadurch erhielt man eine hochwertige Erde. Das Ausmisten war sehr arbeitsintensiv, daher wurden die Ställe mit Spaltenböden erfunden, durch die die Ausscheidungen der Kühe durchfallen und in einen Behälter fließen. Hier sind nur Faulprozesse am Arbeiten, was man auch riecht, es stinkt bestialisch. Dieser Abfall ist kein Dünger, er wird nur auf die Felder verbracht, weil man nicht weiß, wie man ihn sonst entsorgen sollte.
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01.12.2019, 12:40 Uhr
habe zuletzt abend, so um 18:30 Uhr, beim Gassi gehen mit dem Hund mitbekommen, wie im 10-Minuten-Takt Traktoren mit solchen Tanks in die BIO-GAS-Anlage gefahren sind.

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01.12.2019, 13:13 Uhr
Zitat Crissie:Hier sind nur Faulprozesse am Arbeiten, was man auch riecht, es stinkt bestialisch. Dieser Abfall ist kein Dünger, er wird nur auf die Felder verbracht, weil man nicht weiß, wie man ihn sonst entsorgen sollte.


:thumbup: :thumbup: :thumbup:
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01.12.2019, 14:48 Uhr
Zitat DieSabs:habe zuletzt abend, so um 18:30 Uhr, beim Gassi gehen mit dem Hund mitbekommen, wie im 10-Minuten-Takt Traktoren mit solchen Tanks in die BIO-GAS-Anlage gefahren sind.

Wenn man schon nicht auf Massentierhaltung mit der damit verbundenen Gülleüberproduktion verzichten will, ist die Nutzung (und Aufbereitung) dieser Abfälle durch Biogasanlagen aus ökologischer Sicht aber tatsächlich noch das Beste, was man machen kann. Weil dann die klimaschädlichen Gase nicht ungenutzt in die Atmosphäre gelangen, sondern zur Energiegewinnung genutzt werden und was dann übrig bleibt, sogar tatsächlich ein besserer Dünger ist als die unbearbeitete Gülle.

Die Gefahr dabei ist allerdings, dass man meint, das sei eine gute Energiequelle, wodurch man der Massentierhaltung ein weiteres wirtschaftliches Standbein verschafft und gleichzeitig ihre Notwendigkeit verstärkt.
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01.12.2019, 17:21 Uhr
Zitat Crissie:Eins möchte ich aber richtigstellen: Vor 200 Jahren gab es noch keine Gülle, außer in sehr geringen Mengen, als Überlauf der Misthaufen.

Mist und Jauche gehören beide zur Gülle. Also nicht nur der Urin der Tiere allein. Daher hab es immer Gülle wo Rinder, Schweine usw gehalten wurden.
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01.12.2019, 20:13 Uhr
Ok, Kilian, vielleicht gibt es regional verschiedene Bedeutungen. Bei uns in Bayern ist Gülle flüssig und wird mit dem Güllefass ausgebracht, Mist besteht aus den gleichen Bestandteilen, ist aber mit Einstreu gemischt und daher fest. Festmist verbindet sich mit den oberen Bodenschichten und wird zu sehr nahrhafter Erde, während Gülle tiefer in den Boden eindringt, nicht komplett von den Pflanzen verwertet werden kann und somit das Grundwasser verseucht. Das Grundproblem liegt aber natürlich in den riesigen Mengen, die heute durch die Massentierhaltung produziert werden, das gab es natürlich früher auch nicht.
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01.12.2019, 21:54 Uhr
Ja, genauso ist es hier in Bayern.
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14.09.2020, 15:13 Uhr
"Nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist in Deutschland ein Drittel des Grundwassers unter Ackerflächen mit Nitrat überlastet (also mehr als 50ml/Liter). Bei 17,4% liegt die Belastung sogar über 90ml/Liter. [1]"
Nitrat ist ein Ion, welches in Wasser gelöst auftritt, ohne dessen Volumen dabei signifikant zu verändern. Deshalb ergibt es wissenschaftlich keinen Sinn, den Nitratgehalt (NO3-) in ml/l anzugeben, wie oben zu sehen ist. Stattdessen wird der Nitratgehalt in mol/Liter (mol ist die Stoffmenge, siehe hier [Link entfernt]), oder in mg/liter, also über die Masse angegeben angegeben.
Man stelle sich vor, man würde 90 ml feste Nitratsalze in Wasser lösen. Wäre es Kochsalz, würde ich nicht empfehlen das zu trinken! Die Aussage ist somit absurd übertreiben, was daran liegt, dass sie eine Angabe des BUND falsch zitieren. Gemeint sind mg/l, deshalb nächstes mal etwas die Finger hüten beim abschreiben;D

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