Leserbrief: Deutschlandfunk zum "giftigen Fleischersatz"

Erstellt 19.09.2019, 16:22 Uhr, von kilian. Kategorie: Vegpool aktuell. 10 Antworten.

Leserbrief: Deutschlandfunk zum "giftigen Fleischersatz"
19.09.2019, 16:22 Uhr
Hallo,
Deutschlandfunk hat gezeigt, wie man in einen Artikel ohne inhaltlichen Zusammenhang die Begriffe "Vegan" und "Fleischersatz" unterbringt.

Dazu mein Leserbrief:
Guten Tag,

ich bin der Gründer vom veganen Onlineportal Vegpool.de, dem größten Verbraucherportal rund um pflanzliche Ernährung in Deutschland.

Zu Ihrem Artikel mit dem Titel "Vegane Ernährung: Wenn Fleischersatz giftig ist", abrufbar unter https://www.deutschlandfunk.de/vegane-ernaehrung-wenn-fleischersatz-giftig-ist.676.de.html?dram:article_id=459108 , möchte ich gerne kurz Stellung nehmen.

Die Aufmachung des Artikels erscheint mir unsachlich und reißerisch, da hier ein künstlicher Zusammenhang zwischen "Vegan" und "Fleischersatz" hergestellt wird, der inhaltlich nicht nachvollziehbar ist.

Erstens: Tempeh ist kein Fleischersatz-Produkt, sondern ein seit Jahrtausenden genutztes Lebensmittel aus Asien. Es schmeckt nicht wie Fleisch und wird auch nicht als Ersatz für Fleisch genutzt. Dass Tempeh meist vegan ist, erscheint mir angesichts der Tatsache, dass auch Obst und Gemüse nicht immer als "vegan" gekennzeichnet werden, unnötig zu erwähnen.

Zweitens: Tempeh wird oft auch gemeinsam mit Tierprodukten verzehrt. Dass Sie die Entstehung von Giften in Zusammenhang mit dem "Trend-Thema" Vegan bringen, ist unredlich und effektheischend, denn der Titel suggiert, das beträfe explizit eine vegane Ernährung oder Fleischersatz, was beides nicht zutrifft.

Zusammenfassend:
Die Informationen über Giftpilze in Tempeh aus Indonesien sind durchaus spannend und hilfreich. Der erzwungene Vegan- und Fleischersatz-Zusammenhang wäre inhaltlich nicht nötig gewesen. Es ist vielleicht nachvollziehbar, dass Sie die Buzzwords "Vegan" und "Fleischersatz" nutzen, um Reichweite zu gewinnen. Doch das geht auf Kosten der Information. Denn wem hilft es, wenn Sie "Schlagzeilen-Lesern" irrtümlich suggerieren, Fleischersatz wäre giftig?


https://www.deutschlandfunk.de/vegane-ernaehrung-wenn-fleischersatz-giftig-ist.676.de.html?dram:article_id=459108
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
19.09.2019, 16:35 Uhr
Gut! Aber wieder mal typisch, dass der DLF (und andere Medien) sofort den Veganer mit ins Boot holen, wenn irgendwas Pflanzliches zum Problem wird. Wenn jemand (giftige) bittere Zucchini isst, ist das dann auch eine Erwähnung über Veganer wert?

Übrigens habe ich Tempeh vor Jahren durch eine omnivore Bekannte kennengelernt, die das oft gebraten als Beilage zu ihren Fleischgerichten isst.

Nachtrag: Da dieser Sender einer meiner Lieblings-Radiosender ist, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, auch einen Hörerbrief zu senden:

Sehr geehrter Herr M.,

wären Sie so lieb, mir zu erklären, warum sie in Ihrem Artikel

https://www.deutschlandfunk.de/vegane-ernaehrung-wenn-fleischersatz-giftig-ist.676.de.html?dram:article_id=459108

vegane Ernährung mit einem Giftpilz auf einer indonesischen, makrobiotischen (!) Spezialität in einen Sinnzusammenhang bringen?

Tempeh ist kein Fleischersatz, sondern eine indonesisch-japanische Spezialität, die vor allem Makrobiotik-Anhänger geniessen (und Makrobioten leben meistens N-I-C-H-T vegan!!!).

Würden Sie diesen Sinnzusammenhang auch herstellen, wenn Sie über bittere Zucchini berichteten, die ja bekanntlich auch giftig sind?

Oder war das lediglich eine tolle Gelegenheit, wieder einmal zu versuchen, Veganer als unvernünftige, dumme und sich selbst gefährdende Spezies hinzustellen?

Freundliche Grüsse

PeeBee, vegan lebend, kein dummer Junge, immer mehr auf die 70 zugehend...
Moderations-Hinweis: Name des Redakteurs auf Wunsch von Peebee gekürzt (Kilian)
Lieben Gruss

PeeBee

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24.09.2019, 17:48 Uhr
Leider hat der DLF mir bisher nicht geantwortet.


Lieben Gruss

PeeBee

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24.09.2019, 20:18 Uhr
vielleicht hatte der Redakteur ein Abendessen mit dem Herrn Tönnies und deswegen keine Zeit für eine Antwort... :green:
Unser Ziel ist eine für Landwirte auskömmliche Landwirtschaft und schmackhafte, gesunde Ernährung, ohne Tierleid und ohne Tiertod!

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26.09.2019, 14:05 Uhr
...und noch einer: Wieder bekleckert sich die Schar der Moderatoren des DLF zumindest in Teilen nicht mit Ruhm. Die Dame, die heute bei "Umwelt & Verbraucher" den Verbrauchertipp über Fleischersatzprodukte ansagte, hätte ihn besser vorher ganz gehört, anstatt nur ihre eigenen Vorurteile über den Äther zu pusten - und sich herrlich damit zu blamieren: Der Bericht widersprach nämlich den von ihr in der Anmoderation geäußerten Behauptungen vollständig. Im Gegenteil alle Vorteile insbesondere auch was die Gesundheit angeht wurden explizit genannt und vor Fleisch in größeren Mengen ausdrücklich gewarnt, sowie auf die problematische Verwendung von Massentierhaltungsprodukten bei den vegetarischen Erzeugnissen hingewiesen. Die Behauptung, dass Soja bei vegetarischer und veganer Ernährung ja wegen des Regenwaldes problematisch sei, zeigte mal wieder, wie uninformiert sie ist. Im Bericht wurde das klar festgestellt.

Hier zum nachhören der Verbrauchertipp inklusive Anmoderation
ab Minute 19:45 (gab es leider nicht einzeln):

https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2019/09/26/umwelt_und_verbraucher_26092019_komplette_sendung_dlf_20190926_1135_8b1a8568.mp3

Dagegen hat die Zeitung "Die Welt" in dem hier verlinkten Artikel ganz gut recherchiert und fair und korrekt berichtet:

https://www.welt.de/kmpkt/article165083825/Das-passiert-im-Koerper-wenn-du-aufhoerst-Fleisch-zu-essen.html?utm_source=pocket-newtab
Unser Ziel ist eine für Landwirte auskömmliche Landwirtschaft und schmackhafte, gesunde Ernährung, ohne Tierleid und ohne Tiertod!

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26.09.2019, 14:16 Uhr
Das mit dem Soja hat sie ja selbst relativiert, nämlich dass das meiste in die Tierfütterung geht und das Nahrungssoja für den Menschen aus Kanada und XXX (vergessen...) kommt. Aber die Tendenz ist mal wieder: Ouououououhhhhh, wer sich vegan ernährt, steht aber mit einem Beim im Grab...

Der WELT-Artikel ist überraschend gut...!

Hier auch noch was Schönes:

https://www.spiegel.de/panorama/leute/will-und-jada-pinkett-smith-ueber-vegane-ernaehrung-ihres-sohnes-jaden-smith-a-1288569.html

Ich habe keine Ahnung, wie der Knabe sich ernährt hat, aber wenn er die zwei oder nur eine Mahlzeit am Tag bei McDoof einnimmt, als Gemüseburger und Pommes (ist ja beides vegan), dann wundert es mich nicht, dass er dann dürr und blass aussieht. Aber der SPIEGEL nutzt mal wieder die Chance, Mangelernährung und vegan in EINEN Artikel zu packen...

Lieben Gruss

PeeBee

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26.09.2019, 20:49 Uhr
Ja, der Spiegel.. mein Handy hat ja auch immer so eine Nachrichtenfunktion wenn ich nach ganz links swipe. Und da kann ich immer viel Vegangebashe lese. Bei manchen Beiträgen denke ich mir echt wie man auf so was kommt. :rolleyes:

Leider gibt es immer noch genügend Schreiber die sich nur darauf freuen "uns Veganer" auseinander zu nehmen. Aber na ja... ich steh da drüber und schmunzel manchmal in mich hinein. Ich will mir davon auf jeden Fall nicht die Laune vermiesen lassen. :wink:
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27.09.2019, 01:33 Uhr
Zitat PuschelQueen:
Leider gibt es immer noch genügend Schreiber die sich nur darauf freuen "uns Veganer" auseinander zu nehmen.


Nun ja, auch so funktioniert Reklame fürs Vegane durchaus -

"Rede schlecht, oder rede gut über mich (oder meine Sache) Hauptsache ist: Du redest darüber!"

Und Radio hat eine geile Reichweite! So viel können wir hier kaum erreichen. Dass die dann das zunächst mal in Grund und Boden moderieren (sie können ja schließlich nicht offen Reklame für uns machen) ist das eine, etwas anderes ist, was dabei heraus kommt. Wie sagte Kohl: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt" :green:

Kenne das von den Atommüllmeilern. Wenn es nach den seinerzeit ausgesendeten Kommentaren und Berichtbestattungen über die Alternativen gegangen wäre, würden wir noch heute weiter auf Standortsuche für neue Meiler sein...


Unser Ziel ist eine für Landwirte auskömmliche Landwirtschaft und schmackhafte, gesunde Ernährung, ohne Tierleid und ohne Tiertod!

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28.09.2019, 15:08 Uhr
Der DLF hat mir dann gestern doch noch geantwortet, natürlich das Übliche, dass niemand verunglimpft worden sei etc. pp. Ich habe dann noch einmal zurückgeschrieben, dass die mir Anschreibende als Medienprofi doch sicherlich meiner Meinung sei, dass es bereits eine indirekte Abwertung oder Warnung sei, wenn in einem Artikel über Gift in Tempeh mehrfach "vegan" erwähnt wird. Ich glaube manchmal, die Leute merken gar nicht, wie subtil und zugleich infam sie agieren. Tempeh ist in Japan und unter Makrobiotik-Anhänger weit verbreitet, aber die japanische Küche und die Makrobiotik sind nicht per se vegan. Aber ich glaube, ich reagiere auf solche "Erklärungs-Mails" in Zukunft gar nicht mehr...


Lieben Gruss

PeeBee

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