Mut statt Resignation: Warum Du durchaus etwas verändern kannst

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Gesunde Ernährung und SportMenschen entscheiden immer. Neutrale Handlungen gibt es nicht.
Bild: Fotolia.com (bearb.)


Die meisten Veganer haben diesen Spruch wahrscheinlich schon oft gehört: "Man kann alleine doch sowieso nichts verändern". Doch es ist ein fataler Irrtum, der dazu führt, dass Menschen wichtige Chancen ungenutzt verstreichen lassen.

Diese Aussage ist aber auch eine Ausrede. Wer glaubt, nichts verändern zu können, der schließt daraus schnell, nicht verantwortlich zu sein. Und auch das ist ein fataler Irrtum. Denn es gibt im Leben keine neutralen Entscheidungen. Wir handeln immer.

Doch fangen wir von vorne an.

In Deutschland liegen vegane und vegetarische Ernährungsformen im Trend. In den Produktions-Statistiken ist diese Entwicklung bislang allerdings kaum erkennbar. Denn Deutschland ist ein Billig-Schlachtland und exportiert große Mengen Fleisch ins Ausland, üppig subventioniert aus Steuergeldern.

Es scheint daher offensichtlich, dass man hier als Verbraucher einer Übermacht von Schlachthof-Konzernen, Lobbyisten und willfährigen Politikern gegenüber steht und eigentlich kaum etwas verändern kann. Denn was bringt es schon, wenn ich selbst kein Fleisch kaufe, aber alle Menschen um mich herum schon?

Zugegeben: Die Menschheit steht vor einer gigantischen Herausforderung. Schlimmer noch: Die Wenigsten sind sich auch nur der dramatischen Gefahren des Klimawandels (und seiner Verbindungen zur globalen Tierhaltung) bewusst. Gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, was man durchaus verändern kann.

Schlachthöfe lieben lethargische Verbraucher.

Der Eindruck von der eigenen Machtlosigkeit ist ein fataler Irrtum. Schlachtkonzerne und Massentierhalter reiben sich die Hände, wenn Menschen die alltägliche Tierquälerei verdrängen und in lähmender Hoffnungslosigkeit versinken. (Auch Zynismus ist eine andere Seite derselben Medaille.)

Denn wer auf diese Weise denkt, konsumiert einfach blind weiter. Wie er es von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommen hat. Billig. Viel. Ungesund. Nach mir die Sintflut.

Kurz gesagt: Lethargische Menschen sind gut fürs Geschäft derer, die unseren Planeten zugrunde richten und den "Nutztieren" das Leben zur Hölle machen. Und auf die Weise entstehen Systeme, die uns umso lethargischer und hoffnungsloser stimmen könnten. Daher dürfen wir nicht vergessen, wie wichtig unsere Entscheidungen sind.

Ganz abgesehen davon macht Lethargie aber auch depressiv. Das Gefühl, nichts auf der Welt bewirken zu können, ist eine wichtige Ursache für die Volkskrankheit Depression. Und Depression macht einsam und hoffnungslos. Mehr dazu: Vegan zu mehr Selbstwirksamkeit.

Wie wichtig eine bewusste, pflanzenbasierte Lebensweise tatsächlich für eine nachhaltigere, ökologischere Entwicklung ist, erkennt man, wenn man das Thema von einer anderen Seite beleuchtet.

Die Macht des bewussten Konsums

Statistisch liegen die täglichen Ausgaben der einzelnen Bundesbürger für Lebensmittel, Genuss- und Tabakwaren im Jahr 2013 bei etwa 10 Euro am Tag [1]. Diese Zahl ist nicht sehr genau, taugt aber für ein Rechenbeispiel.

Wer täglich etwa 10 Euro am Tag für Lebensmittel ausgibt, zahlt im Jahr 3650 Euro für Lebensmittel. Laut Statistik lag 2013 der Kostenanteil von Tierprodukten bei 31,7 Prozent. Das entspricht 3,17 Euro am Tag beziehungsweise 1157,05 Euro im Jahr.

Hier geht es um den Preis, den man an der Kasse bezahlt (also über den man selbst aktiv entscheiden kann). Die versteckte Förderung aus Steuermitteln und durch steuerliche Bevorzugung ist hier nicht enthalten.

1157,05 Euro - so viel Geld gibt ein einzelner Bundesbürger, der Tierprodukte einkauft, durchschnittlich im Jahr dafür aus, dass Unternehmen

  • Tiere züchten,
  • männliche Rinder und Schweine betäubungslos kastrieren,
  • Tiere mit Antibiotika behandeln (Stichwort: Resistenzen),
  • Rinder enthornen,
  • Kälbchen töten (mehr dazu hier),
  • männliche Küken töten (mehr dazu hier),
  • Küken in Boden- oder Volierenhaltung stapeln (die meisten Eier in Fertigwaren stammen aus diesen zwei Haltungsformen),
  • Rinder und Schweine auf Spaltenböden auf engstem Raum einsperren und sie
  • über große Entfernungen in Tiertransporten zum Schlachthof fahren.
  • Wer Mitglied in einer Umwelt- oder Tierschutzorganisation ist, könnte sich das Geld auch gleich sparen und allein durch eine bewusste Kaufentscheidung - ohne Tierprodukte - ein Vielfaches bewirken.

    Das bewirkt veganer Konsum für die Umwelt

    Nutztiere werden praktisch immer mit Futtermitteln aus Ackerbau gefüttert (bei Schweinen und Geflügel zu nahezu 100%, auch in Bio-Betrieben). Von 10 Kilo Futtermitteln wandeln die Tiere etwa 1 Kilo in Fleisch um. 9 Kilo werden zu Gülle, Wärme, Methangas und CO2, die das Klima erwärmen. Oft ist das Verhältnis noch deutlich schlechter!

    Für den Anbau der Futtermittel werden Flächen gerodet, oft in Regenwaldgebieten [2]. Der Futtermittel-Anbau erfolgt unter niedrigen Standards (denn Futtermittel werden auf dem Tierprodukt nicht gekennzeichnet). Gentechnik und der massive Einsatz von Pestiziden sind Normalität. Das beschleunigt das Artensterben. Die Gülle der globalen Tierhaltungen führt zur Übersäuerung der Ozeane und zur Belastung des Grundwassers mit Nitrat [3]. (Sehenswert: Dokumentation "Cowspiracy")

    Wer Tierprodukte kauft, bezahlt dafür mit. Der mit Abstand wichtigste Schritt ist es daher, diese aktive, finanzielle Unterstützung zu stoppen.

    Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung ist es reine Mathematik, dass dieses System der Nahrungsmittelproduktion keine Zukunft hat. Je früher wir aussteigen, desto mehr Leid und Elend erspart es uns und den folgenden Generationen.

    Über 15.000 internationale Wissenschaftler riefen bereits 2017 in ihrer "Warnung an die Menschheit" dazu auf, Tierprodukte deutlich zu reduzieren, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Mehr dazu: Earth-Overshoot-Day.

    Doch es geht noch viel weiter!

    Bewusst konsumieren bedeutet, Geld sinnvoll zu investieren.

    Veganer verzichten ja nicht etwa einfach auf Essen. Doch sie geben die 1157,05 Euro im Jahr anders aus. Sie unterstützen damit Hersteller, die nachhaltig(er) produzieren. Für ökologische Pioniere hängt mitunter das wirtschaftliche Überleben von einer Handvoll Stammkunden ab.

    Und sie beweisen immer wieder, dass eine ökologische, tierfreundliche und gesunde Lebensweise nur eine Frage der Routine ist. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass vegan werden ganz einfach ist.

    Vielleicht retten sie nicht die ganze Welt. Vielleicht ist es tatsächlich schon zu spät, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch zu verhindern. Und doch wagen sie zumindest den ersten Schritt und wandeln ihren früheren zerstörerischen Lebensstil in einen nachhaltigen, bewussten Konsum.

    Weil sie wissen, dass sie durchaus etwas bewegen können.

    Auf die Weise ist bereits ein starkes Netzwerk von Menschen entstanden, die sich gegenseitig unterstützen und mit ihrer gesunden, lebensfrohen und genussfreudigen Lebensweise andere Menschen mit einer guten Idee anstecken. Auch Du kannst Dich dieser Bewegung anschließen.

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