Sollte man sich als Veganer outen?

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Sollte man sich als Veganer "outen"? Bild: Fotolia.com

Wohl die meisten Veganer sehen die Umstellung ihrer Ernährungs- und Lebensweise als große Bereicherung für ihr Leben. Dennoch stoßen gerade Neu-Veganer immer mal wieder auf Vorurteile von intoleranten Mitmenschen. Um sich davor zu schützen, fragen sich manche Vegan Einsteiger, ob sie sich in ihrem Freundes- und Kollegenkreis überhaupt zum Veganismus bekennen und als Veganer "outen" sollen.

Eine Alternative zum veganen Outing wäre, seine Ernährungsgewohnheiten mit Allergien und Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten zu begründen. Mit Laktoseintoleranz, einer Diät oder notfalls mit einer Magen-Darm-Erkrankung.

Der Begriff des "Outings" stammt ursprünglich aus der Schwulen- und Lesben-Bewegung und hat sich seit den 1990-er Jahren auch im deutschsprachigen Raum etabliert. Er bezeichnet die Bekenntnis zu einer Sache, die zuvor geheimgehalten wurde. Auch wenn die Bezeichnung sich zu outen etwas negativ klingt, handelt es sich beim Vegan Outing doch ein mutiges Statement im sozialen Umfeld - und auch sich selbst gegenüber.

Zunächst einmal gibt es natürlich keine Regeln dafür, wie man sich als Veganer verhalten muss und ob man sich als Veganer outen sollte oder nicht. Die Erfahrung zeigt aber, dass ein selbstbewusster Umgang mit der veganen Lebensweise auf Dauer einfacher ist als wenn man seine vegane Lebensentscheidung stets für sich behält. Auch wenn das vegane Outing vielleicht dazu führt, dass sich vermeintliche Freunde als intolerante Kneifzangen entpuppen.

Vegan Outing hat oft ganz praktische Gründe.

Viele Vegan Einsteiger erzählen zunächst nur im engsten Umfeld von ihrer Ernährungs-Umstellung. Oft auch aus einer Angst davor, eine klischeehafte Rolle vom Veganer zu erfüllen, der jedem auf die Nase binden möchte, dass er vegan lebt. Dennoch die vegane Lebensweise lässt sich im engeren Umfeld kaum über längere Zeit geheim halten - schließlich ist Essen ja eine durchaus soziale Angelegenheit. Und nicht zuletzt hat der Verweis auf die eigene Ernährung den ganz pragmatischen Zweck, dass man so erfährt, welche Lebensmittel gut dazu passen.

Toll gemacht!
Ja zum veganen Outing! Bild: Fotolia.com

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, in denen es durchaus Sinn machen kann, auf ein Vegan Outing zu verzichten.


Wer gerade mal ein veganes Brötchen kaufen möchte, der kommt mit einem Hinweis auf Allergien schneller zu Ziel, als wenn er erst einmal erklären muss, was Vegan eigentlich bedeutet. Überhaupt kann es bei flüchtigen Bekanntschaften, bei Geschäftsterminen oder unter entfernten Kollegen durchaus pragmatisch sein, das Thema Ernährung nur kurz zu streifen, wenn Anlass dazu besteht, und sich schnell wieder auf den wesentlichen Anlass zu konzentrieren.

Veganes Outing: Ja. Diskussion: Nur wenn man will.

Das vegane Outing macht daher vor allem Sinn, wenn man mit seinen Mitmenschen öfter zusammen speist oder andere Aspekte der veganen Lebensweise häufig eine Rolle spielen.
Das bedeutet nicht, dass man als Veganer plötzlich verpflichtet sei, seine Beweggründe genauer zu erklären. Eine klare Bekenntnis wie "ich lebe vegan" reicht vollkommen aus, wenn man gerade keine Lust auf ausführlichere Diskussionen hat.

Bei Fragen zu den Hintergründen und Argumenten kann man immer noch getrost auf Infoseiten im Netz verweisen. Denn wer hat schon Lust, bei jedem Essen erst einmal über seine Lebensphilosophie zu diskutieren? Überdies wirken viele Diskussionen eher wie Rechtfertigungen ("ich esse nur ganz selten Fleisch"), und das kann auf Dauer einfach nerven - schließlich hat jeder die Möglichkeit, sich im Netz gründlich selbst zu informieren. Ganz nebenbei entgeht man so auch dem Vorurteil, mit seinen Mitmenschen immer nur über Veganismus reden zu wollen.

Zum Vegan Outing gehört manchmal etwas Mut.

Der Sprung ins kalte Wasser ist für manche Vegan Einsteiger eine kleine (oder größere) Herausforderung. Aber wenn es erstmal raus ist, wird nach kurzer Zeit Routine eintreten - und es gibt ja auch all jene Menschen, die Veganer insgeheim ein bisschen für ihre bewusste Lebensentscheidung bewundern. Auch das sollte man nicht vergessen.

Manchmal hilft Durchatmen
Mit Offenheit lebt's sich oft leichter. Bild: Fotolia.com (bearb.)

Wer sich stets hinter Vorwänden verbirgt und sich nicht zur veganen Lebensweise bekennt, bekommt womöglich selbst irgendwann das Gefühl, etwas zu tun, für das man sich tatsächlich schämen müsste. Außerdem ist es natürlich eine etwas unangenehme Situation, wenn einen erst die Mitmenschen als "Veganer" outen.


Eine vegane Lebensweise ist nichts, für das man sich schämen müsste. Im Gegenteil!

Keine falsche Scham vor guten Gründen.

Wer vegan lebt, hat sich zuvor sehr bewusst informiert, über gesundheitliche, ethische und ökologische Vorteile. Veganismus ist oft das Ergebnis der Erkenntnis, dass Gewohnheiten nicht immer mit eigenen Überzeugungen im Einklang stehen. Und dass es manchmal Sinn macht, Gewohnheiten zu hinterfragen und einen neuen Weg zu gehen.

Vegan zu werden bedeutet in einer postfaktischen Welt voller Vorurteile manchmal aber auch, Rückgrat beweisen zu müssen. Mitlaufen ist immer leichter als einen eigenen Weg zu finden - ob es zufriedener macht, steht auf einem anderen Blatt. Für viele Veganer ist der Vegan-Umstieg rückblickend jedenfalls eine der besten Lebensentscheidung.

Wer sich frühzeitig als Veganer "outet" und sich zur veganen Lebensweise bekennt, der wird sicherlich ebenfalls hier und dort Vorurteile zu hören bekommen. Doch er zeigt auch, dass ihm eine konsistente Lebensweise im Einklang mit der eigenen Überzeugung wichtiger ist, als die (vermutete) Meinung misslauniger Mitmenschen.


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Autor: Kilian Dreißig

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Schlagworte: soziales Umfeld Psychologie Vegan-Einstieg


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