Stimmt das eigentlich?

Bauern-Argument: „Für unsere Tiere nur das Beste“

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Bild: Fotolia.com

Die vegane Lebensweise boomt wie nie zuvor. Das Thema ist in den Medien allgegenwärtig – und immer mehr Menschen erkennen die Vorteile einer veganen Lebensweise. Auch manch ein Fleischproduzent entdeckt derzeit das Potential, das hinter rein pflanzlichen Produkten steckt. So ist in den letzten Jahren eine ganze Auswahl an veganen Produkten entstanden, die aus Fleischerei-Betrieben stammen. Wir finden das großartig!

Doch wie immer werden gesellschaftliche Entwicklungen nicht nur positiv aufgenommen. Insbesondere Mäster, die viel Geld in moderne Massentierhaltungen investiert haben, bekommen Bauchschmerzen, wenn sie daran denken, dass der Markt – zumindest in Deutschland – allmählich schrumpft. Große, landwirtschaftliche Verbände bringen ihre Marketingabteilungen in Stellung, um für die angebliche Qualität und Authentizität von Produkten aus der Intensivtierhaltung zu werben – gerne auch mit dem ein oder anderen Seitenschlag gegen Veganer.
So heißt es zum Beispiel oft, die Tiermast würde sich nur lohnen, wenn die Tiere auch gesund und glücklich seien. Landwirte seien daher schon aus wirtschaftlichen Interessen Tierfreunde.

Trostloses SchweinelebenHauptsache, das Tier frisst und atmet?
Bild: PETA (bearb.)

Schweinemäster: „Nur gesunde Tiere sind wirtschaftlich“

Das klingt zunächst einleuchtend. Doch in der Tierhaltung ist es ausreichend, wenn das Tier bis zur Schlachtung überlebt und sein Fleisch (oder Milch bzw. Eier) verkehrsfähig bleibt.
Da das System der Massentierhaltung in erster Linie auf wirtschaftliche Effizienz ausgelegt ist, klappt das nicht bei allen Tieren. Die „Ausfälle“ werden in der Massentierhaltung schon von vornherein mit einkalkuliert. Eine höhere Überlebensrate ist nur mit einer grundlegenden Änderung des Systems Massentierhaltung möglich. Doch Bauernverbände sprechen von Tierfreundschaft, nicht vom bloßen Überleben!

Massentierhaltung, der idyllische Familienbetrieb?

Regelmäßige Undercover-Aufnahmen aus Massentierhaltungen (Bauernverbände sagen lieber „Familienbetriebe“) zeigen, dass diese Haltungsform mit enormer Tierquälerei einhergeht. Hühner, die ihr eigenes Gewicht kaum tragen können; Zuchtsauen, eingezwängt in enge Metallboxen; enthornte, ausgemergelte Rinder, die wohl nie frisches Gras fressen werden und ihre Kälber nie kennenlernen können, weil sie ihnen entrissen werden. Schweine, die auf wenigen Quadratmetern stehen, mit einer Metallkette als „Spielzeug“. Tiere mit Abszessen, von vorne bis hinten kotverschmiert.

Massentierhaltung: Hauptsache, das Tier atmet und frisst.

Fleischeslust? Viele Gründe sprechen dagegenSo viel Tierliebe?
Bild: Seph Swain Bildtitel: plus Fleisch, CC-BY
TV-Ausstrahlungen zeigen immer wieder, dass Massentierhaltung ein primäres Ziel hat: Tiere möglichst effizient, kostengünstig und mit geringem Arbeitseinsatz zu nutzen. Übrigens nicht nur, um das Fleisch zu verkaufen, sondern auch, um Subventionen zu kassieren. Über Subventionen zahlen übrigens sogar Veganer und Vegetarier mit. Den meisten Mästern geht es sicher nicht darum, Tiere bösartig und aktiv zu quälen. Doch Landwirte nehmen das enorme Tierleid aus wirtschaftlichen Gründen in Kauf. Wie will man Tierfreund sein, wenn man die Tiere nicht einmal kennt?

Tierwohl in der familiären Intensivtierhaltung?

Für die Tiere bedeutet ein Leben in der Massentierhaltung enormen Stress. Allein der Ammoniak-Gehalt in der Luft kann zu Verätzungen der Atemorgane führen. Es gibt zwar Grenzwerte, doch die werden immer wieder überschritten. Dazu kommen gegenseitige Verstümmelungen der Tiere aus Langeweile oder Aggression, Verletzungen auf den Spaltenböden und die – oft gewollte – Mangelernährung der Tiere (z. B. um helles Fleisch zu erhalten). Ganz zu schweigen von abgeschliffenen Eckzähnen, gekürzten Schnäbeln, Kastration, Enthornung und Markierung mit Ohrmarken. Für die Tiere ist es in der dunklen Enge der Mastanlage praktisch unmöglich, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Bewegung, Sonnenlicht, soziale Gefüge, natürliches Futter – all dies kann die Massentierhaltung nicht bieten. Ist das Freundschaft?

Es genügt, wenn die Tiere überleben.

Viele Tiere ertragen die Torturen der Mast nicht und sterben nach langem Siechtum. Antibiotika und andere Medikamente können nicht jedes Tier retten. Massentierhaltung bedeutet Rationalisierung, Automatisierung und verringerten Kontakt zu den einzelnen Tieren. Der Begriff „Roboterstall“ ist unter Landwirten übrigens geläufig und keineswegs negativ konnotiert.

Tierfreund Schlachter?
Bild: K/Vegpool

Statt in Medien von der Tierfreundlichkeit von Schweinemästern und Co zu schwärmen, könnten sich Bauernverbände für echte Transparenz stark machen. Tage der offenen Türe, direkte Kontrollen durch Vertreter der Öffentlichkeit, ständige Live-Videoüberwachung in Ställen. Es heißt oft, diese Maßnahmen seien nicht verhältnismäßig, schließlich würden auch Gärtnereien und Bäckereien nicht derartig überwacht. Doch im Unterschied zu diesen Betrieben haben Massentierhalter ein echtes Imageproblem. Praktisch wöchentlich kommen neue Skandale rund um die Tierproduktion ans Tageslicht. Die Tatsache, dass die Tiermast im Verborgenen geschieht, zeigt, dass Mäster lieber auf Imagepflege setzen. Womöglich würde Transparenz ja noch dem letzten Verbraucher den Appetit verderben.

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