Was bedeutet "Argumentum ad hominem"?

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Was ist eigentlich ein "Argumentum ad hominem"?Was ist eigentlich ein "Argumentum ad hominem"?
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Keine Sorge, der Titel klingt komplizierter als das Thema ist. Hier möchten wir dir den Begriff "argumentum ad hominem" so erklären, dass du ihn auch ohne erweiterte lateinische Sprachkenntnisse verstehst.


Auch in vielen Gesprächen rund um Veganismus wird dieser Begriff gebraucht - und als Laie steht man dann wieder Ochs vorm Berg und fragt sich: "Was ist eigentlich ein "Argumentum ad hominem"?

Der Begriff "Argumentum ad hominem" bedeutet auf Deutsch etwa, einen Diskussionspartner aufs Brot zu schmieren, dass er seine vertretene These selbst nicht konsequent vorlebt.

Ein Beispiel:

Stell dir mal vor, deine Freundin Hilke erklärt, dass das Fliegen besonders klimaschädlich ist. Sie legt dies in allen Details dar, führt Studien an und bringt Vergleiche... bis sie dann auf die Uhr blickt und entscheidet, sie müsse jetzt gehen, damit sie den Flieger nicht verpasst.

Was für eine Heuchlerin!

Wie soll man Hilke da noch ernst nehmen, wo sie doch genau weiß, was das Fliegen anrichtet!?

Es liegt im ersten Moment nahe, Hilke als Diskussionspartner nicht weiter ernst zu nehmen. Was will man denn von Heuchlern schon lernen? Doch zu behaupten, Hilke sei nun nicht mehr ernstzunehmen, wäre ein Argumentum ad hominem.

Denn Hilke hat ihre Argumente stichhaltig dargelegt. Inhaltlich hat sie also durchaus Punkte sammeln können. Auch wenn sie selbst nicht immer konsequent danach handelt.

Populisten und Rabulisten nutzen das "Argumentum ad hominem" dafür, ihre "Gegner" in den Dreck zu ziehen. Es ist ein Schlag unter die Gürtellinie, denn das Argumentum ad hominem ist kein echtes, inhaltliches Argument.

Es ist ein rhetorischer Trick. Eine Falle, in die ahnungslose Diskussionspartner schnell treten und beginnen, das eigene Verhalten zu rechtfertigen und zu erklären - während die ursprüngliche Diskussion den Bach heruntergeht.

Argumentum ad hominem: Eine rhetorische Nebelkerze

Tatsächlich ist ein "Argumentum ad hominem" bloß eine Nebelkerze. Womöglich hat Hilke nur durch das Fliegen die Möglichkeit, ihre Argumente internationalen Entscheidungsträgern bekannter zu machen - und auf die Weise wirklich etwas zu bewegen.


Auch im Bereich der veganen Ernährung gibt es viele "Argumenta ad hominem". Zum Beispiel den Hinweis darauf, dass man als Veganer ja auch nicht die Welt rette, da man ja z. B. auch in Plastik eingeschweißtes Obst kaufe.

Man kann Hilke als Menschen undiszipliniert finden. Und doch wäre es falsch, ihre persönliche Verhaltensweise auf ihre inhaltliche Argumentation zu projizieren.

Der routinierte Vegpool-Leser wird hier feststellen, dass das "Argumentum ad hominem" Ähnlichkeiten zum "Whataboutism" hat, in dem es ebenfalls darum geht, durch Schein-Argumente von der sachlichen Argumentation abzulenken.

Auch in Diskussionen rund um vegane Ernährung ist das "Argumentum ad hominem" immer wieder zu beobachten. Ein paar Beispiele:

  • Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg wurde kritisiert, dass sie im Segelboot nach Amerika segelte, was mehr Flüge für das begleitende Team erforderte und dadurch mehr CO2 freisetzte.
  • Der Autor Jonathan Safran Foer wird kritisiert, weil er zwar die Folgen der Tierproduktion aufzeigt, selbst aber wohl gelegentlich Tierprodukte isst.
  • Der frühere Vegan-Star Attila Hildmann wurde oft dafür beschimpft, dass er einen Porsche mit Ledersitzen führe.

Es ist klug, in einer Diskussion auf die Inhalte zu achten und weniger darauf, ob eine Person selbst danach handelt. Denn wenn es um Argumente geht, ist die Person, die diese vorträgt, nebensächlich.


Jetzt, wo du weißt, was "Argumentum ad hominem" bedeutet, kannst du zukünftig selbst darauf achten, nicht auf diesen rhetorischen Trick hereinzufallen.

Autor:
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Veganes Forum
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Das Argumentum ad hominem
(1 Antwort)
Letzter Beitrag: 27.11.2019, 18:02 Uhr


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