Im Beruf: Als Veganer unter Fleischessern

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Was tun, wenn man als Veganer einen neuen Job in Aussicht hat, aber alle Arbeitskollegen Fleisch essen? Wie sollte man sich als Veganer vorbereiten, um Konflikte zu vermeiden? Und was können Fleischesser tun, um den veganen Kollegen freundlich aufzunehmen?

Hier in Berlin herrscht in etlichen Büros friedliche Koexistenz zwischen Veganern und Fleischessern. Viele Betriebs-Kantinen haben immer auch vegane Gerichte auf dem Speiseplan. Auch in manch einem Coworking-Space wird Mittags standardmäßig vegan gekocht, als "gemeinsamer Nenner".

Es kann also durchaus gut funktionieren zwischen veganen und nicht-veganen Arbeitskollegen. Warum sollte es auch nicht?

Vorurteile bringen Veganer zur Weißglut

Doch es gibt auch sie, die Fleischesser, die jedem "Andersdenkenden" gleich zur Begrüßung sagen müssen, dass man es sich das Fleischessen nicht verbieten lassen werde. Dass man auf seinem guten Recht beharre, weiterhin Fleisch zu essen. Und dass diese Veganer es echt übertreiben. Hat Salat nicht auch Gefühle?


Fast kein Wunder, wenn Veganer auf eine solch unterkühlte Begrüßung pampig reagieren. Das schadet dem Betriebsklima nachhaltig. Daher tut man gut daran, sich rechtzeitig auf die typischen Fallstricke vorzubereiten.

Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Fleischesser häufig von Veganern abgewertet fühlen, selbst wenn jene überhaupt keine Ablehnung empfinden. Fleischesser "reagieren" gewissermaßen auf die vermeintliche Ablehnung, indem sie ihrerseits Veganer verächtlich machen.

Dabei ticken Veganer und Fleischesser eigentlich gar nicht so unterschiedlich. Die meisten Veganer haben sogar früher ebenfalls Fleisch gegessen. Doch das ändert nichts daran, dass man als Veganer in ungünstigen Fällen durchaus mal in eine Klischee-Schublade gepresst und von einzelnen Arbeitskollegen pauschal als Mensch abgewertet wird.

Durch politische Zurückhaltung glänzen

Wer als Veganer in ein Arbeitsumfeld mit lauter Fleischessern kommt, der sollte sich die psychologischen Hintergründe stets bewusst halten und in den ersten Wochen jede sachliche oder unsachliche Diskussion über seine Ernährung freundlich aber konsequent beenden.


Falls sich die Ernährungsweise noch nicht herum gesprochen hat, tut man gut daran, die vegane Ernährung zunächst nur dann zu erwähnen, wenn es relevant ist, also z. B. bei der Bestellung in der Kantine.

In den ersten Wochen der Zusammenarbeit mit den fleischessenden Arbeitskollegen sollten tiefer gehende Gespräche über politische Anschauungen ganz vermieden werden. Das Thema Ernährung wird zwar immer wieder aufkommen, doch sollten alle Beteiligten darum bemüht bleiben, es nicht zu einer Meinungs-Diskussion kommen zu lassen. Nicht einmal in der Mittagspause oder nach Arbeitsschluss.

In der Kennenlernphase versuchen die Arbeitskollegen, ihre Stellung innerhalb der neuen, sozialen Gruppe abzustecken - und zwar nach emotionalen Aspekten. "Passt der Neue zur Gruppe?", "Fühle ich mich durch ihn abgewertet oder verunsichert?", "Was denken die Anderen?"...

Wer in dieser Kennenlernphase als Veganer bereits hartnäckig gegen vermeintliche Vorurteile argumentiert und komplexe Gedankengänge erklären möchte, schafft mitunter ungünstigste Voraussetzungen für das Betriebsklima. Denn jeder Mensch versucht, stets seine eigene Verhaltensweise zu rechtfertigen. Und wenn alle Arbeitskollegen gegen den "Neuen" argumentieren, spielen die Fakten plötzlich keine Rolle mehr und es geht nur noch um Abgrenzung.

Integration über Gemeinsamkeiten

Daher nochmals der wichtige Tipp: Veganer sollten politische Diskussionen rund um vegane Ernährung freundlich und schnell beenden und das Thema z. B. auf Gemeinsamkeiten wie Freizeit-Beschäftigungen oder berufliche Hintergründe lenken. Wenn man sich ein paar Wochen kennt, kann man seine Motivation immer noch erklären, ohne dabei das Betriebsklima zu gefährden.


Da der neue, vegane Arbeitskollege potentiell für längere Zeit bleiben wird, tun auch Fleischesser gut daran, sich mit politischen Meinungen in den ersten Wochen zurückzuhalten und stattdessen Gemeinsamkeiten zu suchen. Hat der Arbeitskollege ähnliche Hobbys? Wohnt er in derselben Gegend? Besucht man ähnliche Veranstaltungen?

Ganz wichtig: Auch wenn Veganer den Umgang mit Tieren grauenvoll finden, müssen sie dies nicht bei jeder Gelegenheit an die große Glocke hängen. Auch wenn sie jeden Fleischesser am liebsten an der Schulter packen und wachrütteln wollen, können sie durchaus auch "Guten Appetit" zur Mittagspause wünschen. Fleischesser hören ja nicht auf, Produkte aus Tierquälerei zu verzehren, nur weil man unfreundlich ist.

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Mal so, mal so.

Die meisten Menschen essen gar nicht aus Überzeugung Fleisch, sondern aus Angewohnheit und weil es ihnen von Kindesbeinen an antrainiert wurde. Die meisten Fleischesser ahnen, dass die Wurst auf dem Brot aus Tierquälerei kommt. Und daher verdrängen sie es. So, wie die meisten Veganer es früher verdrängt haben.

Fleischesser und Veganer als Arbeitskollegen: Das passt schon.

Bei der Zusammenarbeit zwischen Veganern und Fleischessern geht es natürlich nicht darum, sich 100% anzupassen und möglichst unauffällig zu sein. Es ist in Ordnung, wenn man als Veganer bei der Ernährung eben "sein Ding" macht und damit einfach auffällt. Doch wer genug Geduld und Konsequenz mitbringt, in den ersten Wochen komplett auf politische Diskussionen zu verzichten, der tut bereits den wichtigsten Schritt für ein entspanntes, konstruktives Arbeitsverhältnis.


Und jeder weiß ja, wie neugierig manche Fleischesser werden, wenn sie merken, dass die vegane Ernährung offenbar ganz gut funktioniert - und irgendwie so richtig lecker und vielfältig aussieht. Wenn man sich erst einmal kennt, kann man sich auch über die eigenen Ansichten austauschen, ohne gleich sämtliche Vorurteile zu bestätigen.

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