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Landwirtschaft

Wie vegan ist „Bio“?


Obst- und Gemüse-Produkte aus biologischem Anbau sind oft gesünder und meistens viel umweltfreundlicher, als Produkte aus konventionellem Anbau. Grund dafür sind der Verzicht auf „Totalherbizide“ und chemisch-synthetische Stickstoffdünger, der meist kleinstrukturierte Anbau (statt riesiger Felder) und die Ablehnung der Grünen Gentechnik.

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Beim Tierschutz setzen die Bio-Richtlinien zwar höhere Standards fest, doch wirklich tierfreundlich oder „artgerecht“ kann Tierhaltung nach Ansicht vieler Tierschützer wohl niemals sein. Hühner, Schweine und Rinder haben auf Bio-Höfen zwar etwas mehr Platz, als ihre Artgenossen in der Massentierhaltung und dürfen etwas länger leben, doch von Freiheit, natürlichen, sozialen Strukturen (Familien) und Erfüllung ihrer Bewegungs-Bedürfnisse ist auch Bio weit entfernt. Und auch Bio-Wurst stammt von getöteten Tieren. Auch für Bio werden männliche Kücken getötet, weil sie keine Eier legen. Auch für Bio werden Kälber ihren Müttern entrissen, damit die Milch verkauft werden kann.

Tierischer Dünger in der Landwirtschaft

Vollwertküche
Bio: Nicht immer ganz vegan erzeugt
Bild: © shaiith - Fotolia.com
Wer Bio-Lebensmittel produzieren möchte, muss seinen Betrieb zertifizieren und regelmäßig (teils unangemeldet) kontrollieren lassen. Nur wer bestimmte EU-Richtlinien einhält, darf seine Produkte als „Bio“ verkaufen. Innerhalb des Bio-Spektrums gibt es weitere Bio-Anbauverbände, die ihren Bauern und Verarbeitern weitaus strengere Regeln auferlegen. Verbände wie „Demeter“ und „Bioland“ legen zum Beispiel Wert auf eine möglichst hohe Selbstversorgung eines Hofes, auf regionale Aspekte, natürliche Kreisläufe und auf robuste Pflanzensorten.

Wie konventionelle Betriebe sind auch Bio-Höfe darauf angewiesen, ihre Pflanzen zu düngen. Phosphat und Stickstoff sind wesentlich für eine gute Entwicklung der Pflanzen und damit für eine gute Ernte. Konventionelle Landwirte nutzen zum Beispiel Blutdünger, sowie chemisch und energieintensiv hergestellte Dünger aus fossilen Rohstoffen. Gründüngung (z. B. Leguminosen, die Stickstoff im Boden sammeln und später untergepflügt werden) wird im konventionellen Landbau fast nicht praktiziert.

Auch die Bio-Landwirtschaft ist nicht zwingend vegan

Auch Bio-Bauern können nicht einfach auf Düngemittel verzichten. Um eine gute Ernte sicherstellen, muss eine Alternative zu den anorganischen und leichtlöslichen Düngemitteln her. Häufig werden Mist, Gülle und Hornspäne genutzt, um den Boden mit Nährstoffen für die Pflanzen anzureichern. Rein vegane Anbaumethoden sind selten, auch wenn es hier und da immer wieder Bio-Bauern gibt, die weitestgehend vegane Landwirtschaft betreiben.

Diese Praxis stellt Veganer immer wieder vor die Frage, wie vegan (Bio-)Lebensmittel eigentlich sind. Während Gülle von lebenden Tieren stammt, werden Hornspäne aus Hufen und Hörnern getöteter Tiere produziert. Beides nicht vegan, Hornspäne nicht einmal vegetarisch.

Derzeit ist eine Versorgung über rein vegan angebaute Lebensmittel im klassischen Biomarkt wohl nicht möglich. Einige Landwirte und Initiativen forschen aber an einer veganen Landwirtschaft, die ohne tierische oder fossile Düngemittel auskommt. Ein in Deutschland aktives Netzwerk ist biovegan.org.

Danke für die fachliche Unterstützung an Daisy Kratz von Ackerwinde.net


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Kommentare

Daniel
Kommentar #1 04.11.2016, 16:01 Uhr
Ich bin angehender Veganer. Also bedeutet das, dass mein Brokkoli, egal ob Bio oder nicht, gar nicht vegan ist? Aktuell scheint es keine sinnvolle Alternative zum non-veganen-Dünger zu geben? Ohne die tierischen Dünger ist der Anbau also gar nicht möglich? Ist es denn dann überhaupt ethisch relevant, ob ich die Kuh dann noch esse, die ich sowieso brauche, um die Gülle für den Brokkoli zu erzeugen?

Daniel

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