Faktencheck: Sind bittere Lebensmittel wirklich gesund?

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Viele bittere Lebensmittel (wie Endivie oder Grapefruit) sind gesund. Manche sind jedoch giftig!Viele bittere Lebensmittel (wie Endivie oder Grapefruit) sind gesund. Manche sind jedoch giftig!
Bild: pixabay.com


Der Volksmund sagt, bittere Lebensmittel seien gesund. Doch auch wenn nicht alles falsch ist an dieser Volksweisheit, sollte man vor dem Verzehr bitterer Lebensmittel doch ein paar Dinge beachten. Denn ja, es gibt durchaus gesunde und bittere Lebensmittel. Aber: Nicht alles was bitter schmeckt, ist wirklich gesund. Bei manchen Lebensmitteln droht sogar Vergiftungsgefahr!

Um mehr über den Gesundheitsnutzen bitterer Lebensmittel zu erfahren, haben wir bei Julia Bansner nachgefragt. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin und Dozentin für vegetarische Vollwert-Ernährung an der UGB-Akademie.

Sind bittere Lebensmittel grundsätzlich gesund?
Bitterstoffe zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und dienen in der Natur meist als Schutz vor Fraßfeinden. Sie sind chemisch ganz unterschiedlich aufgebaut. Solanin, das in grünen Kartoffeln vorkommt, ist zum Beispiel giftig, während Grapefruits und Zitronen Limonin enthalten, das gegen Appetitlosigkeit und Übelkeit helfen soll. Nicht alle Bitterstoffe sind daher gesund.

Welche Wirkung haben Bitterstoffe auf den Körper?
Die vielfältigen, "gesunden" Bitterstoffe haben viele verschiedene Wirkungen. Manche können die Leber schützen und unser Hungergefühl mindern. Andere wirken entzündungshemmend und sogar fiebersenkend. [1] Bei Verdauungsstörungen können manche Bitterstoffe helfen, da sie den Speichelfluss anregen, die Aktivität des Magen-Darm-Trakts fördern und den Gallefluss erhöhen. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass unser Körper uns vor vermeintlichen Giftstoffen schützen möchte.


Welche bitteren Lebensmittel sind gesundheitlich empfehlenswert?
Julia Bansner vom UGB empfiehlt herbe oder bittere Gemüse wie Grünkohl, Rettich oder Spargel. Auch Salate wie Chicorée, Endivie oder Zuckerhut seien gut bekömmliche, bittere Lebensmittel. Wildkräuter wie Brunnenkresse, Schafgarbe oder Löwenzahn liefern ebenfalls gesunde Bitterstoffe. Allerdings sollte man Wildkräuter aufgrund der Verwechslungsgefahr nur verwenden, wenn man sehr gute Orts- und Pflanzenkenntnisse hat.

Zu Süßspeisen passen bittere Grapefruits, Bitterorangen oder andere Zitrusfrüchte. Auch Tahin, rohe Kakaobohnen und verschiedene Arten von Sprossen liefern Bitterstoffe. Bekömmliche Bitterstoffe liefern übrigens auch Kaffe und Bier, die aber eher in geringen Maßen verzehrt werden sollten, so Julia Bansner.

Bei welchen bitteren Lebensmitteln sollte man vorsichtig sein?
Aufpassen sollte man unbedingt bei Bitterstoffen aus Kürbissen, Gurken und Zucchini. Die Bitterstoffe wurden zwar herausgezüchtet, können aber unter bestimmen Bedingungen wieder entstehen. Sie sind hochgiftig! Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, derartige Gemüsesorten nicht zu verzehren, wenn sie bitter schmecken. [2]


Vorsicht gilt auch bei rohen, bitteren Mandeln und bei Aprikosenkernen. Diese enthalten eine Blausäureverbindung mit dem Namen Amygdalin. Bei Kindern können bereits 5-10 bittere Mandelkerne zu einer tödlichen Blausäurevergiftung führen! [3]

Bittere Lebensmittel sind also keineswegs grundsätzlich gesund. Man muss gut unterscheiden zwischen den Lebensmitteln mit gesunden Bitterstoffen und denen, die ungenießbar oder sogar giftig sind.

Kann man sich an gesunde, bittere Lebensmittel gewöhnen?
Auf jeden Fall, darin ist sich Ernährungswissenschaftlerin Julia Bansner sicher. Der Geschmackssinn lässt sich trainieren. Während Kinder bittere Lebensmittel eher ablehnen, nimmt diese Abneigung gegen das Bittere mit zunehmendem Alter ab. Außerdem lernen wir im Laufe der Zeit, dass auch manche bitteren Lebensmittel gut schmecken können und sehr gesund sind.


Weitere Informationen findest du auch auf der Website des UGB.

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