Braucht der Mensch eigentlich tierische Fette?

Veröffentlichung: , Bearbeitung:

Braucht unser Körper eigentlich tierische Fette, um gesund zu bleiben?Braucht unser Körper eigentlich tierische Fette, um gesund zu bleiben?
Bild: pixabay.com (Kombi)


Es gibt etliche hartnäckige Vorurteile gegenüber einer pflanzenbasierten Ernährung. Eines davon lautet: Der Mensch braucht auch tierische Fette.

Tatsächlich gilt im Gegenteil die Faustregel: Versuche, tierische Fette zu meiden!
Warum das so ist, das erklärt dir dieser Artikel.

Aus gesundheitlicher Sicht ist für uns relevant, aus welchen Bestandteilen bzw. Fettsäuren sich Fett zusammensetzt. Es geht also erst einmal nicht bloß darum, ob Fett "tierisch" oder "pflanzlich" ist.

Fettsäuren sind organische Säuren, die sich aus unterschiedlichen Kohlenwasserstoffketten zusammensetzen. Die Länge dieser Ketten und die chemische Struktur bestimmt darüber, ob es sich um "gesättigte", "ungesättigte" oder "mehrfach ungesättigte" Fettsäuren handelt.

Gesättigte Fettsäuren verfügen über keine Doppelbindungen in den Atomen der Kohlenwasserstoffketten. Ungesättigte Fettsäuren haben eine Doppelbindung. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren verfügen über mehrere Doppelbindungen.


Je gesättigter ein Fett ist, desto fester ist es. Butter ist z. B. ziemlich reich an gesättigten Fettsäuren. Leinöl ist dagegen reich an ungesättigten Fettsäuren und sehr flüssig.

Der Mensch benötigt alle Fettsäuren. Allein: Gesättigte und einfach ungesättigte Fettsäuren kann unser Körper in ausreichender Menge selbst herstellen. Er braucht keine zusätzliche Zufuhr über die Ernährung.

Bei den mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist unser Körper auf Zufuhr von außen angewiesen - sie gelten als "essentiell". Es muss sich hierbei allerdings nicht zwingend um extrahierte Öle handeln. Auch Nüsse, Saaten und bestimmte Algen enthalten wertvolle, ungesättigte Fettsäuren.

Bei näherer Betrachtung tierischer und pflanzlicher Produkte ergibt sich daher schnell die Faustregel: Tierische Fette besser meiden.

Denn tierische Fette schneiden in ihrer Zusammensetzung fast durchweg ungünstiger ab als pflanzliche. Das folgende Beispiel zeigt das deutlich:

  • Rapsöl enthält 28% mehrfach ungesättigte Fettsäuren, 63% einfach ungesättigte Fettäuren und 7% gesättigte Fettsäuren.
  • Olivenöl enthält 11% mehrfach ungesättigte Fettsäuren, 73% einfach ungesättigte Fettsäuren und 14% gesättigte Fettsäuren.
  • Sonnenblumenöl enthält 36% mehrfach ungesättigte Fettsäuren, 46% einfach ungesättigte Fettsäuren und 13% gesättigte Fettsäuren.
  • Butter enthält 3% mehrfach ungesättigte Fettsäuren, 21% einfach ungesättigte Fettsäuren und 51% gesättigte Fettsäuren.
  • Fettarme Kuhmilch (1% Fett) enthält ~0% mehrfach ungesättigte Fettsäuren, 0,3% einfach ungesättigte Fettsäuren und 0,6% gesättigte Fettsäuren.
  • Gebratener Schweinespeck enthält 4,5% mehrfach ungesättigte Fettsäuren, 19% einfach ungesättigte Fettsäuren und 15% gesättigte Fettsäuren.

Die Fettwerte kannst du übrigens in Google ganz einfach nachschlagen. Diese Werte unterliegen natürlichen Schwankungen und sind beispielhaft zu verstehen.


Natürlich sind Pflanzenfette nicht automatisch gesund, bloß weil tierische Fette eher ungesund sind. Sonnenblumenöl solltest du aufgrund des ungünstigen Verhältnisses aus Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren besser durch Oliven- oder Rapsöl ersetzen.

Auch künstlich gehärtete Pflanzenfette solltest du meiden, vor allem aufgrund der enthaltenen Trans-Fettsäuren. Allerdings spielen diese in der Durchschnitts-Ernährung in Deutschland eine Nebenrolle - im Gegensatz zu den tierischen Fetten, die in viel zu großen Mengen verzehrt werden.

Um einem weiteren Vorurteil vorzubeugen: Pflanzenmargarine besteht manchmal - aber nicht immer - aus gehärteten Fetten. Bei der Frage, ob Pflanzenmargarine gesünder ist als Butter, solltest du dir also wieder die Zusammensetzung ansehen.

Wenn wir also Fett verzehren, dann möglichst mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Also eher pflanzliche Fette wie Olivenöl, Rapsöl und Leinöl.

Wenn du dich ein bisschen mit Ernährung auskennst, dann weißt du, dass Menschen in Deutschland viel zu viele gesättigte Fettsäuren zu sich nehmen. Das begünstigt Übergewicht und auch die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Typ 2.




Übergewicht ist ein Symptom einer Fehlernährung, die für viele Betroffene ernste, schwerwiegende Gesundheitsfolgen hat. Übergewicht macht unbeweglich. Bewegungsarmut macht einsam. Und Einsamkeit macht depressiv. Es ist eine Abwärtsspirale, die wir am besten frühzeitig stoppen!

In Deutschland sind mehr als 50% der Bürger übergewichtig. Auch viele Kinder sind von Übergewicht betroffen. Angesichts solcher Zahlen wir deutlich, wie ernst man das Thema nehmen sollte, wenn man lange gesund und fit bleiben möchte.

Du tust also gut daran, tierische Produkte zu meiden - und dich überwiegend pflanzlich zu ernähren.

Übrigens: Wenn du dich wirklich gesund und ausgewogen ernähren möchtest, dann brauchst du überhaupt keine zugesetzten Fette. Warum das so ist, erfährst du hier.

Autor: Kilian Dreißig
4,8/5 Sterne (5 Bew.)



Verpasse keine Neuigkeiten!
Neueste Artikel, Vegan-Tipps und mehr, direkt ins Mail-Postfach.

E-Mail:
Gratis & jederzeit abbestellbar. Bitte beachte die Datenschutzerklärung und diese Infos.
Abmeldung jederzeit möglich.

Nächster Artikel:

Heparin: Medikament aus Schweinedärmen?



Dazu passende Artikel:

Thema: Wissen rund um die Gesundheit

Renderzeit: 0 Sek.