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Brief an...

Lieber Herr Huber vom Schweizer Tierschutz: Vegan ist eine Lösung!


Sehr geehrter Herr Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer beim Schweizer Tierschutz!

Sie werden im Online-Medium "Beobachter" mit der Aussage zitiert, "Eine vegane Gesellschaft ist nicht die Lösung".

Im folgenden Interview begründen Sie dies unter anderem damit, dass es unrealistisch sei, mit "der Vegan-Parole" den Großteil der Bevölkerung zum "Verzicht" zu bewegen. Sie begründen Ihre Ansicht auch damit, dass über vegane Ernährung vor allem gesprochen und geschrieben würde, während viele Menschen aber dennoch Tierprodukte einkaufen würden. Sie sagten: "Es müsste schon sehr viel passieren, dass Eier und Milch vom Speiseplan eines Normalbürgers verschwinden".

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Auf die Frage, ob es sinnvoll sei, möglichst viele Menschen zu einer veganen Ernährung zu bewegen, antworteten Sie: "Eine vegane Weltgesellschaft ist nicht die Lösung des Problems. Agronomisch wäre sie nicht möglich, und für den Umweltschutz sähe ich schwarz."

Diese Schwarzsicht begründen Sie damit, dass man auf einen intensiven Pflanzenbau mit Kunstdünger, Pestiziden und Herbiziden zurückgreifen müsse. Dass jährlich riesige Ackerflächen durch Gift und Monokulturen unfruchtbar würden. Zudem seien die Böden, die für Ackerbau genutzt werden könnten, begrenzt. Ohne Tierhaltung würden Savannen, Steppengebiete, Alpen und Hügelland "brachliegen".

Im späteren Verlauf werfen Sie Veganern sogar indirekt vor, "nur Verzicht zu predigen" und sich darum zu drücken (Schweizerdeutsch: "foutieren"), die Situation der Tiere zu verbessern.

Lieber Herr Huber, erst einmal vielen Dank für all das, was Sie Gutes für Tiere tun! Als Vegetarier haben Sie ja schonmal gezeigt, dass eine Veränderung der Essgewohnheiten gut möglich ist.

Als veganes Online-Magazin sehen wir es als unsere Aufgabe an, Vorurteile und Fehlinformationen rund um die vegane Lebensweise aufzudecken und einzuordnen. Dies möchten wir auch hier gerne tun, denn leider haben sich in Ihre Aussagen ein paar Dinge eingeschlichen, die entweder fehlerhaft oder irreführend sind. Bitte verstehen Sie dies nicht als persönliche Kritik. Wir möchten dadurch mit Vorurteilen aufräumen, die von den tatsächlichen Vorzügen einer veganen Ernährung ablenken.

Oft ist es eher die Sorge vor der Veränderung, die einen daran hindert, das Potential der Veränderung zu erkennen.

In der Tat haben auch wir den Eindruck, dass in der veganen Online-Szene zwar viel diskutiert, aber nur wenig aktiv getan wird. Rechthaberei ist ein Problem, das man in allen Bewegungen findet (wahrscheinlich sogar beim Schweizer Tierschutz). Da hilft also nur eines: Voran gehen, ermutigen, Fakten bekannter machen und Vorurteile hinterfragen!

Und: Jeder kann direkt selbst vegan werden. Dazu muss er weder Mitglied sein, noch muss er aktiv werden.

Veganer töten keine Nutztiere.

Wenn man betrachtet, dass eine überwiegend vegane Lebensweise schon in einem Jahr knapp 100 Tieren das Leben rettet (bzw. die Nachfrage entsprechend verringert), ist selbst die Auswirkung "inaktiver" Veganer für die Tiere noch verblüffend groß. Da kann man über ihrer Freude am Diskutieren vielleicht mal ein Auge zudrücken. Denn ihre Lebensweise ist einfach tierfreundlicher.

Sogar Vegetarier lassen Tiere töten. Denn für Eier sterben männliche Küken und für Milch werden Kälbchen getötet. Diese Todesfolgen von Tierprodukten müssen Veganer nicht in kauf nehmen.

Als Vegetarier wissen Sie sicherlich, dass es nicht sonderlich schwer ist, sich auf eine Ernährung ohne Fleisch umzustellen. Denn es gibt so viele Lebensmittel, die man einfach nur entdecken muss. Und genauso ist es bei der veganen Ernährung. Allein Mitteleuropa stehen uns über 300 Grundzutaten zur Verfügung. Ein durchschnittlicher Fleischesser verzehrt davon gerade einmal 20-30. Es dauert etwa 6-8 Wochen, bis man sich als Vegan-Einsteiger an die neuen Ernährungs-Routinen gewöhnt hat - und es sich ganz normal anfühlt. Von Verzicht kann jedenfalls keine Rede sein!

Vegane Ernärung schont Umwelt und spart Energie.

Dass Sie bei der Aussicht auf eine vegane Lebensweise "schwarz" sehen, kann aus unserer Sicht eigentlich nur an einem Irrtum liegen. Ihre Aussage impliziert nämlich, dass nur für vegane Lebensmittel Kunstdünger, Pestizide und Herbizide eingesetzt würden. Und das stimmt ja nicht.

In Mitteleuropa kommen fast 95% aller Tierprodukte aus industrieller Tierhaltung. Ein Großteil dieser Tiere sind direkte Nahrungskonkurrenten zum Menschen, weil sie mit Futtermitteln gefüttert werden, die auf Ackerflächen angebaut werden. Auf Flächen also, die auch für die Erzeugung von Nahrungsmitteln geeignet wären.

Sie haben recht: Einige Landflächen der Erde können nicht direkt für den Anbau genutzt werden. Nur: In der Praxis stammen die meisten Futtermittel eben doch aus Ackerbau. Es gibt sicherlich ökologischere Formen der Tierhaltung. Da diese aber nie oder fast nie praktiziert werden, lenkt das von den Tatsachen ab. Davon, dass unsere Umwelt zerstört wird, um Tierprodukte zu erzeugen.

Der Verweis auf Steppen und Alpenwiesen ist daher trügerisch und eigentlich eher bei Agrar-Funktionären beliebt, die durch Rabulismus von echten Argumenten ablenken.

Aber es kommt leider noch schlimmer!

Futtermittel-Anbau: Gentechnik und aggressive Pestizide.

Futtermittel werden gewöhnlich unter deutlich geringeren Standards angebaut als Lebensmittel. Oft unter Einsatz der Gentechnik, die wiederum die Anwendung von besonders aggressiven Pestiziden ermöglichen soll. Nur "gewünschte" Pflanzen mit bestimmten, gentechnisch veränderten Eigenschaften, überleben diese Art von Pestiziden. Unter dem Einsatz von Pestiziden leiden nicht nur Umwelt und Artenvielfalt, sondern auch die Menschen vor Ort.

Leider müssen gentechnisch veränderte Futtermittel auf dem Endprodukt nicht gekennzeichnet werden. Der Anbau von Futtermitteln öffnet der grünen Gentechnik damit Tür und Tor. Und: Für den Anbau von Futtermitteln werden die meisten Pestizide eingesetzt. Einfach, weil so große Mengen an Futtermitteln benötigt werden.

Doch problematisch ist nicht nur, dass Futtermittel unter umweltschädlichen Methoden angebaut werden. Besonders wichtig bei der Öko-Bilanz von Tierprodukten ist auch die Tatsache, dass Tiere den größten Teil des Futters wieder ausscheiden. Dass für Tierprodukte also besonders viele Futtermittel eingesetzt werden müssen - und so unermesslich viel Energie verschwendet wird.

Tierhaltung erzeugt viel mehr Gülle als Fleisch.

Wenn Sie einem Tier 100 Kilo Futtermittel aus Ackerbau zu fressen geben, erhalten Sie - je nach Art - etwa 5-10 Kilo Fleisch. Sie vergeuden also 90-95% der Futter-Energie und erhalten neben dem Tierprodukt jede Menge Gülle. Schon die Gülle allein ist ein riesiges Umweltproblem, auf das wir hier aus Gründen der inhaltlichen Fokussierung jedoch nicht weiter eingehen möchten (mehr darüber). Fakt ist jedenfalls: Die Tierindustrie ist in erster Linie eine gigantische Gülle-Fabrik.

Nutztiere wie Rinder sondern zudem Gase ab, darunter Methangas, das 25x klimawirksamer ist als CO2. Damit ist die weltweite Tierproduktion mittlerweile einer der wichtigsten Ursachen für die Erderwärmung. Mit Folgen für uns Alle!

Um es kurz zusammenzufassen:

Eine vegane Ernährung ist deutlich effizienter und schont schon allein dadurch die Umwelt. Man braucht schließlich weniger Ackerflächen und Energie, wenn man die Ernte direkt verzehrt, statt sie erst an Tiere zu verfüttern.
Zudem sind die Anbau-Standards für direkt verzehrte Lebensmittel meist höher.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Düngung und Pestizid-Einsatz für den Anbau von Obst und Gemüse "gut" sei - und wenn es Ihnen um die Vermeidung von Pestiziden geht, stehen wir ganz an Ihrer Seite! Doch wenn uns die Umwelt wirklich wichtig ist und wir Prioritäten setzen wollten, müssten wir schleunigst Tierprodukte von unseren Tellern streichen. Und die tatsächlichen (und in der Tat auch ziemlich offensichtlichen) Vorteile einer veganen Ernährung bekannter machen.

Artenvielfalt braucht "Brachflächen"!

Ihre Aussage suggeriert, dass "brachliegende" Naturflächen keinen ökologischen Wert hätten. Mit Blick auf Ihre ökologischen Vorbehalte gegenüber veganer Ernährung, erscheint uns das etwas irritierend!

Das weltweite Artensterben hat ja auch den Grund, dass immer weniger Naturflächen zur Verfügung stehen - und immer mehr Monokulturen entstehen. Im Wesentlichen für den Anbau von Futtermitteln.
Biodiversität braucht "Brachflächen". Durch eine effiziente vegane Ernährung könnten mit den bereits zur Verfügung stehenden Ackerflächen 14 Milliarden Menschen ernährt werden, also viel mehr Menschen, als heute auf der Erde leben. Durch vegane Lebensweise könnten Ackerflächen sogar renaturiert werden.

Oder anders herum: Wer Tierprodukte isst, lebt nicht nur auf Kosten der Tiere, sondern auch auf Kosten der Umwelt. Studien zeigen auch, welche Vorteile eine pflanzenbasierte Ernährung für die Prävention der Todesursache Nummer eins, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Und die Liste ließe sich weit fortsetzen.

Supporter sehen weniger Werbung.

Lassen Sie uns alle gemeinsam auf die Themen konzentrieren, die heute wirklich anstehen. Lassen Sie uns Vorurteile überwinden, Vorbehalte aufklären, Fakten verbreiten und Fake-News verhindern. Denn Tierhaltung und ihre Auswirkungen betrifft uns Alle.

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin

Kilian Dreißig


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