Argumente

"Die Natur ist aber ebenfalls grausam..."

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Ruhe und herrliche EinsamkeitNatur ist nicht immer Luxus.
Bild: K/Vegpool


Viele Veganer haben sich zu ihrer Lebensweise entschieden, weil sie die Grausamkeit von Tierhaltern und Schlachtern gegenüber sogenannten "Nutztieren" nicht weiter unterstützen wollten. Doch Kritiker sagen, Veganer würden damit übertreiben - die Natur sei schließlich ebenfalls grausam.

Doch ist die Grausamkeit der Natur wirklich ein triftiges Argument gegen eine vegane Lebensweise?

Zunächst einmal ist Natur nicht grausam. Schließlich bezieht sich der Begriff "Grausamkeit" auf eine mentale Haltung gegenüber einem Opfer. Das ist nicht nur eine sprachliche Ungenauigkeit, sondern sinngemäß schlicht falsch. Wer von Grausamkeiten der Natur spricht (und damit argumentiert), muss der Natur demzufolge eine Bewusstsein zusprechen. Zumindest nach nicht-religiösen und nicht-esoterischen Maßstäben kann die Natur demzufolge nicht grausam sein, weil ohne Bewusstsein kein Vorsatz existieren kann.

Nur Menschen können grausam sein.

Nichtsdestotrotz ist Natur auch nicht barmherzig. Natur ist eben einfach keine Persönlichkeit, sondern ein Zustand. Natur passiert einfach, sozusagen. Menschliches Handeln basiert dagegen - mehr oder weniger - auf bewussten Entscheidungen. Genauer gesagt: Nur Menschen können grausam sein. Doch sie müssen es nicht sein.

Auch wenn man durch eine vegane Lebensweise nicht alles Leid der Welt vermeiden kann, so kann man doch zumindest aufhören, Leid vorsätzlich - oder durch Verdrängung - in Kauf zu nehmen. Und nichts anderes wollen (ethisch motivierte) Veganer.

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Die Argumentation, dass Natur ja auch grausam sei, ist daher ein Whataboutism. Hier also ein argumentativer Trick, der von eigener Verantwortlichkeit auf eine (vermeintlich vergleichbare) Situation außerhalb der eigenen Verantwortlichkeit hindeutet. Mit dem Ziel, das eigene Handeln danach auszurichten.

Ein ähnliches Argument ist auch, dass Veganer in ihrem Leben ja - auch ohne es zu wollen - viele Tiere töten würden. Zum Beispiel beim Autofahren. Auch das ist ein Whataboutism. Unfälle lassen sich nicht vermeiden. Vorsatz hingegen schon. Und die meisten (ethisch motivierten) Veganer haben den Grundsatz, Tiere nicht vorsätzlich zu quälen (oder dies in Auftrag zu geben).

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Kommentare

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Kommentare

#1: METTA
14.01.2019, 20:05 Uhr
Ein anderer Whataboutism ( komisches Wort) ist auch, dass Fleischesser sagen, durch die Ernte von Gemüse oder Getreide etc werden auch andere Tiere getötet( z.B. ein Rehkitz im Feld vom Bauern überfahren, oder Mäuse durch Schädlingspulver getötet …) Aber das ist ja auch nicht von uns gewollt bzw. beabsichtigt, ausserdem könnte man dann überhaupt nichts mehr essen....
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