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Entwesung von Lebensmitteln – was hat es damit auf sich?


Viele Veganer haben sich aus ethischen Gründen für ihre Lebensweise entschieden, um die Ausnutzung von Tieren nicht weiter zu unterstützen. Eine vegane Lebensweise basiert auf dem Gedanken, Tierprodukte zu meiden, zumal dies ohne größere Anstrengung im Alltag möglich ist. Veganismus ist daher ein konsequenter, humaner Schritt zu einem fairen Umgang gegenüber Tieren. Es ist aber natürlich nicht möglich, chemisch 100% vegan zu leben. Ein Grund dafür ist die sogenannte „Entwesung“ bei der Verarbeitung von Lebensmitteln.

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Beim Pflügen, Säen und Ernten mit Großmaschinen werden schon unzählige kleine Tiere wie Maulwürfe, Mäuse, Ratten, Insekten und Spinnen (teilweise auch Hasen und Rehe) getötet. Das wird beim Einsatz der Maschinen in Kauf genommen. Einige (wenige) Landwirte suchen zwar ihre Felder ab, bevor sie Mähdrescher einsetzen, doch das rettet natürlich nur größere Tiere wie Hasen oder Rehkitze, nicht aber Käfer, Heuschrecken oder anderes Kleingetier.

Bei der Ernte werden viele Tiere „mitgeerntet“.

Bei der Ernte werden also allerlei Tiere „mitgeerntet“, die im verzehrfertigen Lebensmittel natürlich nicht erwünscht sind. Auch bei der Lagerung werden Getreide, Früchte und Co oft von Tieren „befallen“, die sich über die unverhoffte Nahrungsquelle freuen. Um sich dieser „Schädlinge“ vor der weiteren Verarbeitung zu entledigen, werden die Lebensmittel „entwest“.

Erntemaschine
Bei der Ernte werden bereits viele Kleintiere getötet.
Bild: Dan Davison, CC-BY

Bei der Entwesung wird der jeweilige Rohstoff mit Chemikalien, Druck, Gas oder Hitze (oft auch mit einer Kombination davon) behandelt, um alle noch enthaltenen Lebewesen abzutöten und nach Möglichkeit zu entfernen. Durch die Entwesung soll außerdem einem späteren Befall mit „Schädlingen“ (z. B. Motten) vorgebeugt werden. „Entwesung“ steht aber auch für andere Formen der „Schädlingsbekämpfung“, z. B. Rattenbekämpfung in Lagerräumen, die Begasung von Getreidemühlen usw. Die Maßnahmen sind großteils gesetzlich geregelt.
Beispiele für Entwesung bei der Lebensmittelerzeugung:

  • Verarbeiter entwesen Getreide, Nüsse oder Hülsenfrüchte mit Gas und Druck in großen Druckkammern.
  • Die Behandlung mit ionisierter Strahlung tötet „Schädlinge“ ebenfalls ab. Sie kann auch bei rohen und frischen Lebensmitteln angewendet werden, z. b. bei Obst und Gemüse. Auch schnell verderbliche Fleisch- und Eierprodukte werden häufig bestrahlt.
  • Lagerräume für Lebensmittel werden oft unter Einsatz von Gift und Fallen geschützt. Dies gehört ebenfalls zur Entwesung.
  • Lebensmittel werden häufig in begasten Containern transportiert. Die Begasung erfolgt hier oft auch zur Kontrolle der Reife, dient aber gleichzeitig der Entwesung.
Motte an der Wand
Hat niemand gern im Mehl: Motten.
Bild: tuchodi (bearb.), CC-BY

Entwesung hat das Ziel, „Schädlinge“ zu bekämpfen.

Die Form der Entwesung richtet sich nach dem jeweiligen Lebensmittel, der Art der „Schädlinge“ und auch danach, ob ein Lebensmittel bestimmten Produktionsstandards unterliegt (z. B. bei Bio-Lebensmitteln). Gemein ist allen Entwesungs-Methoden, dass sie den Zweck haben, alle Lebewesen abzutöten. Auch Bio-Lebensmittel werden entwest, wobei hierbei bestimmte Chemikalien verboten sind – für die „Schädlinge“ sind alle Methoden tödlich. Es gibt heute praktisch keine Lebensmittel, die nicht in mindestens einem Produktionsschritt entwest wurden. Das betrifft natürlich auch vegane Lebensmittel.

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Doch auch wenn eine vegane Ernährung nicht 100% perfekt ist, so ist sie doch deutlich tier- und umweltfreundlicher als eine Ernährung mit Fleisch und anderen Tierprodukten. Denn hierfür werden deutlich größere Anbauflächen beerntet, um Futtermittel zu erzeugen – mit all den Auswirkungen auf Tierwelt und Ökosystem. Die Frage, ob Insekten überhaupt Schmerzen und Leid empfinden können (vergleichbar wie Säugetiere oder Menschen), wird übrigens auch unter Veganern hitzig diskutiert und soll hier nicht weiter behandelt werden.


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Kommentare

sebbl
Kommentar #2 05.07.2016, 23:47 Uhr
Eine nette Idee, aber nicht umsetzbar.
Ich zum Beispiel bin Single und hätte keine Zeit für Gartenarbeit

Gabriele Votava
Kommentar #1 10.01.2016, 10:53 Uhr
vielen Dank für die Aufklärung über "Entwesung". Sie hat mich nachhaltig schockiert und meine nun roh-vegane Ernährungspraxis noch einmal überdenken lassen. Ich denke, das einzige Mittel, um gegen diese Praktiken etwas zu unternehmen, ist das Eintreten für eine nicht nur vegane, sondern auch gesellschaftlich andere Ernährungspraxis. Wir müssen in allen Bereichen weg von der Massenproduktion und hin zur Selbstversorgung mit individueller persönlicher Kleingartenwirtschaft! Möglichst jede Familie oder Lebensgemeinschaft sollte einen eigenen Garten betreiben können.

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