Entwickeln Veganer im Lauf der Zeit eine Laktoseintoleranz?

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Ein Glas MilchEin Glas Milch
Bild: pixabay.com


Trifft es zu, dass Veganer im Lauf der Zeit eine Laktoseintoleranz entwickeln? Kann es also sein, dass man nach einigen Jahren veganer Ernährung keine Kuhmilch mehr verträgt? Was ist, wenn man später wieder Kuhmilch konsumieren möchte?

Die Frage klingt zunächst verwirrend, schließlich trinken Veganer ja sowieso keine Kuhmilch. Und doch suchen manche Leser nach einer Antwort darauf. Das hat einen Grund.

Laktoseintoleranz ist eine natürliche Unverträglichkeit von Milch, die sich bei den meisten Menschen nach dem Ende der Säuglingsphase entwickelt. Menschen mit einer Laktoseintoleranz müssen sich daher keine Sorgen machen, denn Laktoseintoleranz ist keine Krankheit oder Allergie. Es genügt, einfach keine Milch mehr zu konsumieren, damit keine Symptome auftreten.

Laktoseintoleranz entwickelt sich im Laufe der Zeit

Warum sich die Laktoseintoleranz entwickelt, lässt sich leicht nachvollziehen:

Milch dient einem Jungtier (oder Säugling) als Babynahrung, um schnell zu wachsen und die nötigen Nährstoffe aufzunehmen, solange das Verdauungssystem reift und noch keine Zähne vorhanden sind. Muttermilch enthält Nährstoffe, Fette und Wachstumshormone, die optimal auf die Bedürfnisse des Nachwuchses abgestimmt sind.


Um den Milchzucker in der Milch aufspalten zu können, benötigt das Junge ein Enzym, die "Laktase". Sie wird im Verdauungstrakt gebildet, solange ein Säugetier von seiner Mutter gesäugt wird. Nach dem Abstillen produziert der Körper keine (oder nur noch sehr wenig) Laktase mehr.

Auch menschliche Säuglinge benötigen Muttermilch für einen guten Start ins Leben. Es ist die einzige Phase im Leben eines Menschen, in der Milch benötigt wird. Und zwar die Milch der eigenen Mutter (nicht aber die Milch einer anderen Tierart). Vegane Mütter aufgepasst: Muttermilch ist vegan!

Ein Kälbchen verdoppelt sein Gewicht innerhalb von ca. 47 Tagen, während ein Menschenbaby dazu mitunter 9 Monate benötigt, weil sich bei ihm ein viel größeres Gehirn entwickelt. Dementsprechend ist es kein Zufall, dass Kuhmilch ganz andere Inhaltsstoffe enthält als menschliche Muttermilch.

Körper fährt Produktion der Laktase zurück

Laktoseintoleranz ist also so natürlich wie das Zähnekriegen. Weltweit vertragen etwa 75% der erwachsenen Menschen keine Milch. Trinken sie dennoch Milch, bekommen sie Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall (Siehe auch: Was ist Laktoseintoleranz?).


Auch in Deutschland ist der Anteil der Menschen mit Laktoseintoleranz hoch. Allerdings gibt es eine hohe Dunkelziffer, da viele Laktoseintolerante ihre Symptome nicht mit Milch in Verbindung bringen und sich nie untersuchen lassen.

Bei manchen Menschen - überwiegend in den Industrienationen - ist im Laufe der Zeit allerdings eine Mutation aufgetreten, sodass ihr Körper auch über das Säugealter hinaus Laktase produziert - solange sie Milch konsumieren. Hören sie auf, Milch zu konsumieren, nimmt die Laktase-Produktion wieder ab und es kann zu einer Laktoseintoleranz kommen.

Bei Menschen mit der genannten Mutation kann die Produktion der Laktase theoretisch durch regelmäßigen Milchkonsum wieder "antrainiert" werden. Allerdings widerspricht dies einer natürlichen, gesunden Ernährungsweise. Der beste Weg ist es, Milchprodukte bei Bedarf pflanzlich zu ersetzen.

Vegane Ernährung: Von Natur aus laktosefrei

Aus dem Grund kommt es durchaus vor, dass auch Veganer im Laufe der Zeit eine Laktoseintoleranz entwickeln. Es stört sie jedoch nicht, da sie ja ohnehin keine Tierprodukte konsumieren, und bei Bedarf Kuhmilch durch pflanzliche Alternativen ersetzen.


Es gibt allerdings auch Leser, die sich fragen, ob es nicht ein Verlust ist, falls sie in Zukunft doch wieder einmal Milchprodukte essen wollen. Ist es dann nicht unpraktisch, laktoseintolerant zu sein?

Ja, das wäre es in der Tat. Viel unpraktischer ist es jedoch, nach dem Säugealter überhaupt noch Milchprodukte zu trinken.

Denn Milch ist eine natürliche Säuglingsnahrung und enthält Cholesterin und Wachstumshormone (z. B. IGF-1), die für das Kind notwendig, beim Erwachsenen jedoch unerwünscht sind. IGF-1 steht auch im Verdacht, bei Erwachsenen das Wachstum von Krebszellen zu fördern.

Dazu kommen die großen Unterschiede in der Zusammensetzung von Muttermilch und Kuhmilch. Dazu lesenswert: Die Milch macht's von Alissa Hamilton.

Menschen brauchen Milch - aber nur als Säuglinge.

Auch Menschenkinder benötigen nach der Entwöhnung von der Mutterbrust (nach ca. 1-3 Jahren) keine Milch mehr (und schon gar nicht die Milch einer anderen Tierart). Nach dem Säugealter leben wir am besten mit einer angemessenen, vielfältigen und gesunden Ernährung, die unserem Körper und Lebensstil am meisten gerecht wird.


Milch gehört eindeutig nicht dazu. Wir sind ja keine Babys mehr. Willkommen also, Laktoseintoleranz!

4,4/5 Sterne (24 Bew.)
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