Mobilität

Sind Erdgas-Autos (CNG) wirklich umweltfreundlich?

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CNG-Gas gibt es an vielen TankstellenCNG-Gas gibt es an vielen Tankstellen
Bild: K/Vegpool


Dass Benzin- und Diesel-Motoren die Umwelt mit Feinstaub, CO2 und Schadstoffen belasten, ist nicht erst seit dem "Diesel-Skandal" bekannt. Doch wie sieht es eigentlich bei Autos aus, die mit Erdgas (CNG = Compressed Natural Gas) betrieben werden? Erdgas kann auch aus biologischen Rohstoffen gewonnen werden und wird damit beworben, regenerativ zu sein. Doch es gibt einen Haken.

Auch wenn CNG üblicherweise als "Erdgas" bezeichnet wird, stammt es immer häufiger aus alternativen Quellen wie z. B. aus Biogas-Anlagen. CNG besteht überwiegend aus Methangas und enthält pro Kilo mehr Energie als ein Liter Benzin. Die Verbrennung ist praktisch frei von Schadstoffen, der Treibstoff ist steuerlich begünstigt und der Betrieb von Erdgas-Autos trotz der höheren Anschaffungskosten oft finanziell lohnenswert.

Doch obwohl Erdgas aus Biomasse oft als "regenerativ" beworben wird, hat die Sache einen Haken.

Gewinnung von Erdgas oft nicht nachhaltig.

Denn ein wichtiger Rohstoff zur CNG-Gewinnung ist Gülle aus Massentierhaltung. Diese Gülle ist nicht "einfach da" - sie ist ein Hauptprodukt der Fleischerzeugung. Ein Schwein kann aus 10-15 Kilo Futtermitteln etwa ein Kilo Fleisch bilden. Der Rest wird - zusammen mit Wasser - zu Gülle.

Wichtiger Hinweis: Zahlreiche Leser haben uns gemeldet, dass Gülle in Deutschland nicht zur Erzeugung von CNG verwendet würde. Wir sind bei der Recherche auf mehrere Quellen gestoßen, in denen Gülle als Rohstoff genannt wurde. Daher möchten wir gerne klar stellen: Sofern CNG aus nachhaltigen Quellen gewonnen wird, entfallen die hier geschilderten Nachteile! Wir bedanken uns für das Feedback und freuen uns über die guten Nachrichten! (26.Oktober 2018)

Industrielle Tierhaltung ist daher in erster Linie ein Gülle- und Wärme-Produzent. Der Ausstoß an klimaschädlichen Methan-Gasen treibt den Klimawandel an - nicht zuletzt deshalb, weil Methangas vielfach klimawirksamer ist als CO2. Die weltweite Tierhaltung trägt zum Klimawandel stärker bei als der gesamte Verkehrssektor.

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Um den Fleischhunger in Deutschland zu stillen, bekommen die Tiere Futtermittel, die in der Regel aus dem Ausland (z. B. Südamerika) importiert werden. Die Anbau-Standards liegen dabei deutlich unter denen für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln - und sind durch den Einsatz von (oft petrochemischen, also aus nicht regenerativen Quellen gewonnenen) Düngemitteln und aggressiven Pestiziden sehr schädlich für die lokalen Ökosysteme.

Petrochemie statt Nachhaltigkeit.

Nicht selten kommt Gentechnik zum Einsatz, um die Pflanzen resistent gegen bestimmte Herbizide zu machen. Im Tierprodukt muss nicht gekennzeichnet werden, ob die Futtermittel gentechnisch verändert waren. Die "ökologischen Kosten" der Rohstoff-Gewinnung fließen über die Gülle direkt ins Erdgas weiter. Nicht zuletzt macht die "Verstromung" von Gülle die Massentierhaltung lohnenswerter - und damit auch deren Folgen für die Umwelt.

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Wer aus Gründen des Umweltschutzes darüber nachdenkt, ein Auto mit CNG-Antrieb zu kaufen, sollte den Aspekt der Rohstoff-Gewinnung nicht vergessen. Erdgas aus Gülle ist nicht regenerativ, sondern höchst umweltschädlich. Als Verbraucher hat man übrigens keine Wahl, da die Quellen an der CNG-Tankstelle nicht angegeben werden.

Letztendlich ist Autofahren bestenfalls so ökologisch wie die Erzeugung der Treibstoffe. Diesel und Benzin erzeugen gesundheitsschädliche Feinstoffe und jede Menge klimaschädliches CO2. Außerdem stammen sie aus fossilen Rohstoffen und sind daher nicht regenerativ. Selbst die Strom-Erzeugung für Elektro-Autos ist nicht immer umweltfreundlich (Stichwort: Rohstoff-Gewinnung von Kohle, Uran, Gas, ...). Bei der Auswahl des passenden Antriebs nach ökologischen Gesichtspunkten sollte man sich daher nicht allein auf die Werbung verlassen - sondern selbst gründlich recherchieren.

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Kommentare

#9: Zafira CNG Fahrer
29.05.2018, 15:41 Uhr
Da die Gülle Produzenten zumeist außerhalb der Ortenschaften liegen haben sie keinen Erdgas Anschluss und können im Normalfall gar kein Biogas ins Erdgasnetz einspeisen. Auch musste es erst aufaufwendig gereinigt werden. Es wird daher im Normalfall (wenn ueberhaupt!) an Ort und Stelle verstromt und vielleicht sogar dem einen oder anderen gutgläubigen Veganer als Oekestrom für sein E-auto vertickt. CNG aus Tierguelle gibt es daher faktisch gar nicht.
#8: dasy1@gmx.net
13.05.2018, 19:27 Uhr
Fahre seit 6 Jahren einen CNG Zafira. Gerne würde ich mal Biogas tanken. Leider wird es noch immer kaum angebotenen . Guelle fällt sowie an, warum auch immer. Immer noch besser ab in die Biogasanlage als unbehandelt auf den Acker. Das weis doch jeder . CNG aus Gülle Massentierhaltung gibt es soweit ich weis gar nicht. Den CNG Antrieb damit zu schädigen finde ich ziemlich daneben .
#7: MartinB
11.05.2018, 11:24 Uhr
Der Artikel ist vollkommener Unsinn. Ursache und Wirkung werden verwechselt: der Satz "Industrielle Tierhaltung ist daher in erster Linie ein Gülle- und Wärme-Produzent." ist offensichtlicher Unsinn: die Tierhaltung erfolgt in erster Linie zur Fleischgewinnung. Gülle ist ein unerwünschtes Nebenprodukt. Wenn die jetzt nun mal notwendig und unvermeidbar anfallende Gülle statt auf Felder ausgebracht zu werden in Biogasanlagen verwertet wird, ist das für die Umwelt und das Klima eine wesentliche Verbesserung. Und wenn wir mit diesem Biomethan Auto fahren (statt mit Diesel) ist auch das eine wesentliche Verbesserung.
#6: kilian
11.05.2018, 09:53 Uhr
Bitte führen Sie die weitere Diskussion im Forum unter https://www.vegpool.de/forum/allgemein/ist-cng-erdgas-wirklich-oekologisch-1.html#newest_post da die Kommentar-Funktion für längere Threads nicht geeignet ist. Beste Grüße!
11.05.2018, 09:41 Uhr
Mir ist keine CNG-Tankstelle bekannt, an der es „tierstämmiges“ CNG gibt. Dafür dutzende wo pflanzenstämmiges (und zwar von pflanzlichen Abfällen) Methan vertrieben wird. Die Biogasanlagen, die Gülle zu Methan verarbeiten tun das in der Regel nicht, um daraus Methan zu erzeugen, sondern, um das Methan direkt zu verstromen. Insofern muss man sich vieleicht eher fragen, inwieweit Ökostrom und E-Mobilität Sinn macht, wenn man Tierleid vermeiden möchte. Wenn es um Klimaschutz geht, bitte ich Vegetarier und Veganer dringend auf Bioqualität zu achten (und auf sojabasierte Nahrungsmittel zu verzichten, die auf ehemailigen Regenwaldböden mit viel Düngemitteleinsatz erzeugt werden, vom Transport will ich gar nicht sprechen) denn die Mineraldünger in der industriellen Landwirtschaft gasen Lachgas aus, das 300x klimawirksamer ist als CO2.
#4: Martin Weber
11.05.2018, 09:20 Uhr
Fragt doch mal bei gibgas.de nach, die kennen die Quellen des Biomethans/CNG in Deutschland. M. M nach gibt es keine Tankstelle, die Bio aus Schweinegülle führt. Es steht ja auch überall "kann" nicht "hat". Die meisten haben eh Bio aus Stroh, das müsste den Veganer doch gefallen. Ich fahre aus Überzeugung deswegen ein CNG-AUTO MW
#3: Frank Wolter
10.05.2018, 22:24 Uhr
Ja, kenn ich, alle Seiten. Nirgends steht was davon, dass Schweinegülle zum Kraftstoff CNG benutzt wird. Nach meinem Kenntnisstand wird Schweinegülle zu Biogas verstromt und damit fahren dann die Stromfahrzeuge. Also noch mal, wo wird Schweinegülle zum Kraftstoff CNG verarbeitet, bitte beweisen!
#2: kilian
10.05.2018, 20:22 Uhr
Hallo Frank Wolter, schauen Sie mal hier: https://www.revis-bioenergy.de/produkte/cng-aus-biomethan-als-kraftstoff/ http://www.discover-cng.com/key-messages/cng-die-nachhaltige-alternative/ http://www.gibgas.de/Tankstellen/Europainfos/Deutschland https://www.topagrar.com/news/Energie-Energienews-Biogas-kann-der-Landwirtschaft-beim-Klimaschutz-helfen-8445382.html usw.. Beste Grüße K. Dreißig
#1: Frank Wolter
10.05.2018, 19:11 Uhr
Nix für ungut. Der Artikel insbesondere der Bezug zur Verwendung von reiner Gülle als Biomethan-Kraftstoff CNG ist nonsens, schlichtweg reiner Unfug. Bitte mal eine genauere Recherche. CNG aus Biomethan wird aktuell ausschließlich aus Abfall produziert. Schlempe, Stroh, Grünabfälle, Apfeltrester, Pferdemist. Der Autor möchte bitte mal den Beweis antreten aus welcher Anlage oben genanntes Biomethan hergestellt und wo es eingespeist wird. Dann werden wir sehen.
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