Ideologie

Die Angst der Fleischesser vor den Fakten


Eigene Gewohnheiten als Fleischesser zu hinterfragen und zu ändern ist nicht immer einfach. Der Autor weiß das aus eigener Erinnerung. Dieser Text hat nicht die Intension, zu empören. Vielmehr soll er zum Nachdenken anregen und dazu beitragen, das Verhalten vieler Mitmenschen besser zu verstehen.

Wenn Fleischesser Veganer beschimpfen, diskreditieren und verächtlich machen, dann gilt das nur in den wenigsten Fällen der vegan lebenden Person als solche. Es ist vielmehr Ausdruck der Angst der Fleischesser vor Veränderung. Die Angst, den eigenen Glauben zu erschüttern.

Wenn sich diese Angst verselbstständigt, wird sie zur Ideologie. Ideologie kann Menschen verrückt und wahnsinnig machen. Sie macht blind für die Realität und wird damit zu einer Gefahr, auch für sich selbst. Daher ist es wichtig, sich der Angst-Gründe der Fleischesser bewusst zu werden und ihre Anteile in der gesellschaftlichen Debatte rund um Veganismus nicht zu unterschätzen.

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Als der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei irgendwann im 17. Jahrhundert entdeckte, dass der Jupiter eigene Monde hat und die Erde mitnichten das Zentrum des Universums sein könne, hätte er im eigenen Interesse wohl besser den Mund gehalten. Denn damals galt seine Erkenntnis als völlig unglaublich, ja irre. Galileo wurde verspottet und verlacht. Statt einen Blick durch ein Fernglas zu werfen und seine Erkenntnisse mit eigenen Augen zu betrachten, machten ihm Polemiker - insbesondere aus der katholischen Kirche - das Leben zur Hölle. Erst 1992 hat die katholische Kirche ihre Verurteilung widerrufen. Zu stark wurden die kirchlichen Dogmen von den bahnbrechenden Beobachtungen Galileos erschüttert.

Ideologien sind resistent gegen Fakten.

Heute kann man eigentlich nur verständnislos den Kopf schüttelnd lächeln, darüber, dass unsere entfernten Vorfahren offenbar so viel Angst davor gehabt haben, ihr eigenes Weltbild infrage zu stellen. Sie mussten sich doch ohnehin daran gewöhnen - hilft ja alles nichts.

Nun ist die Entdeckung der Vorteile einer Lebensweise ohne Tierprodukte für Gesundheit, Umwelt und Tiere nicht ansatzweise mit der wissenschaftlichen Forschungsarbeit Galileos zu vergleichen. Schließlich stehen uns die nötigen Informationen Dank Internets jederzeit zur Verfügung. Es bedarf hierzu keiner komplizierter Ferngläser, keiner Aussichtstürme und sternklarer Nächte. Einzig die heutige Verleugnung und Verhöhnung guter Argumente ähnelt in diesem Zusammenhang den Berichten aus dem 17. Jahrhundert.

Denn eine fundierte - und vor allem ergebnisoffene - Diskussionen über Pro und Contra des Tierprodukte-Konsums lehnen Fleischesser hierzulande praktisch immer ab. Aus Angst vor der Orientierungslosigkeit und der vermeintlichen Kälte des Neuen - und weil es so bequem ist, einfach weiter zu machen.


Fleischessen ist wie ein religiöses Dogma verteidigt - gegen die guten Argumente.
Bild: Stephen the Photofan (bearb.), CC-BY

Radikale Ablehnung jeder fundierten Diskussion.

An sich bedarf es keiner größeren Anstrengungen, um die Auswirkungen des Fleischverzehrs nachzuvollziehen. Weder die Auswirkungen für Tiere, noch auf Umwelt oder Gesundheit. Die Zusammenhänge sind so leicht nachvollziehbar, dass die ablehnenden Handlungen und Reaktionen von Fleischessern geradezu spektakulär sind - und angesichts der Folgen ihres Handelns auch verstörend.

Auf Vegpool finden Sie unzählige Informationen rund um die vegane Lebensweise.

Kaum ein Fleischesser argumentiert in Bezug auf seine gewohnte Ernährung sachlich. Schon der Beginn einer Diskussion wird klischeeträchtig Veganern angekreidet, die jedem ihre Meinung auftischen wollten. Ungeachtet der Tatsache, dass die Folgen des Fleischverzehrs auch die Allgemeinheit betreffen und daher eben nicht Privatsache sind. Ein Paradebeispiel war die öffentliche Diskussion über einen (freiwilligen) Veggieday in Deutschland.

Dabei ist das, was wir heute unter "Veganismus" verstehen, eigentlich nur eine logische Folge der Erkenntnis, dass wir in unserer Gesellschaft heute keine Tierprodukte verzehren müssten. Veganismus ist das Resultat der Tatsache, dass die Folgen des Konsums von Tierprodukten einfach in einem krassen Missverhältnis zum Nutzen stehen.

Veganer sind auch nur ehemalige Fleischesser.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Wer die Wahrheit kennt, braucht ein schnelles Pferd". Natürlich ist Veganismus mitnichten die Wahrheit. Veganer sind in den meisten Fällen ehemalige Fleischesser. Es sind Menschen wie Du und ich. Die Abgrenzung der "Veganer" als stereotype Gruppe hat die Funktion, Veganer als Gesprächspartner lächerlich zu machen - und ihren Argumenten die Aura der Esoterik bzw. Radikalität bzw. ideologischer Verblendung zu verleihen (je nachdem, was gerade passt).

Die Angst der Fleischesser, gute Argumente bei genauerer Betrachtung nachvollziehen zu können, ist zugleich die Angst vor der Erkenntnis, dies bisher nicht getan zu haben und dem Zeitgeist hinterher zu hinken. Es ist eine andauernde, vermeintliche Bedrohung des Gefühls der eigenen Integrität. Eine mit zunehmender Verdrängung immer stärker werdende Ambivalenz.
Dadurch stellen Veganer für viele Fleischesser eine omnipräsente, emotionale Bedrohung dar - ganz ohne etwas zu tun.

Junges Schwein
Wegsehen! Die wichtigste Regel des Fleischverzehrs.
Bild: liz west, flickr.com, CC-BY

Die Klassiker der Verdrängung:

Viele Gedanken und vorgeschobene Ausflüchte kennen Veganer noch aus früheren Fleischesser-Zeiten.

  • Wer meinen Fleischkonsum kritisiert, will mich nur bevormunden. Ich lasse mir erst recht nichts sagen.
  • Mir fällt grad kein Gegenargument ein, aber ich fühle, dass ich im Recht bin.
  • Veganer werden ausgegrenzt und ich will nicht ausgegrenzt werden.
  • Man muss ja nicht gleich übertreiben. Allein kann ich die Welt sowieso nicht retten.
  • Ich kann ja nichts dafür, dass andere Menschen mit meinem Geld Tiere geschäftsmäßig quälen und töten. Ich will ja eigentlich, dass die Tiere gut behandelt werden.
  • Ich vertraue doch nur den Siegeln, die mir versprechen, dass ich ihnen trauen kann.
  • Mag sein, dass ich Empathie für die Tiere hätte, die für mich gemästet und getötet werden. Aber da ich sie ja nicht vor mir sehe, kann man mir das auch nicht ankreiden.
  • Welthunger ist nicht nur eine Ursache des Fleischverzehrs. Es gibt auch andere Ursachen.

Viele Veganer wundern sich, warum ihnen so viel Aggression entgegen schlägt. Viele verinnerlichen das Gefühl, es gebe einen Unterschied zwischen vegan lebenden und Fleisch essenden Menschen, der Hass rechtfertigen würde. So entstehen Fronten.

Ideologie ist selbsterhaltend und ansteckend.

Wer die Argumente gegen Tierprodukte ergebnisoffen hinterfragt, wird schnell zu dem Schluss gelangen, dass bei der heutigen Produktions- und Konsumweise praktisch alles für eine vegane Lebensweise spricht. Nicht zuletzt deshalb, weil die Ressourcen der Erde begrenzt sind.
Filme wie "Cowspiracy", "Gabel statt Skalpell" oder "Earthlings" geben Einblicke in die Auswirkungen des Tierkonsums, die kaum unberührt lassen, wenn man nicht schon einer allgemeinen Resignation anheim gefallen ist.

Die Akzeptanz guter Argumente ist der erste Schritt, das eigene Verhalten nachzujustieren. Jeder kann davon profitieren.
Dutzende Veganer, die früher ebenfalls Tierprodukte verzehrt haben, können davon ein Lied singen. Sie fragen sich rückblickend, wie sie so lange dieser Ideologie des Fleischkonsums haben folgen können.

Trockenheit ist auch eine Folge des Klimawandels
Trockenheit - eine Folge des Klimawandels, der durch Tierprodukte angeheizt wird.
Bild: Nagarjun Kandukuru, flickr.com (bearb.), CC-BY

Die substanzlose Scheindebatte der Gewohnheitstiere.

Die Unterscheidung in "die Veganer" und "uns Fleischesser" ist deshalb bereits ein wichtiger Bestandteil der substanzlosen Scheindebatte. Wer über "die Veganer" spricht, kann Klischees und Vorurteile bedienen. Als könnten unsympatische Person nur schlechte Argumente hervorbringen. Er kann Unterschiede, Seltsamkeiten und Absurditäten belächeln - und dabei ausblenden, dass die meisten Veganer früher selbst einmal ideologische Fleischesser waren.

Kaum ein Veganer hat sich sofort zu einer Umstellung seiner Ernährung entschieden. Viele haben die Argumente, Gefühle und Sorgen hin und her geschoben - und irgendwann erkannt, dass sie als Fleischesser eigentlich gar keine Sach-Argumente hatten. Nicht mehr als die bloße Angewohnheit, nichts als anerzogenes Essverhalten, von Kindesbeinen an. Heftig verteidigt mit dem Gefühl, es handele sich um eine Errungenschaft von existenzieller Bedeutung.

Die wirklich Bedeutung liegt heute darin, die Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen.

Fleischesser ahnen, dass ihre Stärke nicht die Argumente sind, sondern ihre schiere Anzahl. Ihr stets mit ideologischer Kraft zur Schau gestellter "Zusammenhalt" gegenüber vegan lebenden Ex-Fleischessern dient dazu, das Gefühl der Integrität und Normalität in der eigenen "sozialen Blase" zu erhalten.

Die Ablehnung der Diskussion ist das Schlafmittel der Fleischesser. Und so verdrängen sie, friedlich eingelullt in das ominöse Gefühl der Selbstgerechtigkeit, die Folgen ihres eigenen Konsums. Auch die Folgen für ihren eigenen Körper und ihre Psyche.

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Es ist nicht überliefert, ob Galileo seinerzeit als Radikaler, Besserwisser oder Menschenhasser bezeichnet wurde. Denkbar wär's, schließlich hat er mit seiner Entdeckung ja auch das Verständnis der Menschheit als Zentrum der Welt infrage gestellt.
Ob die Marktschreier über ideologische Anhänger des neuen, heliozentrischen Weltbildes spotteten und womöglich auch gleich deren Aussehen, Verwandtschaft und Haustier in den Dreck zogen?

Fakten können hilfreich sein!

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass dieses Handeln offenbar zutiefst im menschlichen Denken verankert ist. Es ist wohl vergeudete Mühe, daran etwas ändern zu wollen.
Wichtiger ist es, sich dieser Denkmuster bewusst zu werden. Auch, weil Veganer (die ja auch nur ganz normale Menschen sind) selbst vor solchen Denkstrukturen nicht gefeit sind. Und weil es bei der fundierten Entscheidungsfindung ungemein helfen kann, Fakten zu integrieren.

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Die Angst der meisten Fleischesser vor der Infragestellung des eigenen Weltbildes, ist größer als jede Vernunft. Es ist ein Teufelskreis. Denn aufgrund ihrer Angst vor Veränderung lehnen sie gute Argumente ab und machen stattdessen die Botschafter lächerlich. Dadurch vermeiden sie die Kenntnisnahme über sachliche Argumente und tragen zur Zerstörung des Planeten, zu unermesslichem Tierleid und auch zu ihrer eigenen, früh einsetzenden Krankheitsgeschichte bei.

Statt dem Verharren auf Anerkanntem, Durchschnittlichem, Normalem, könnten sie Entscheidungen treffen, die auf mehr als Angewohnheit beruhen. Sie könnten lernen, dass sie nicht Schuld an ihren anerzogenen Gewohnheiten tragen, wohl aber die Möglichkeit haben, diese zu verändern. Einfach, weil so vieles dafür spricht. Für sie selbst, für ihre Mitmenschen, für die Umwelt und die Tiere. Und sie könnten entdecken, dass die neu entdeckte Routine nicht nur mehr Vielfalt verspricht, sondern zugleich mehr Lebensqualität.


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