Realitätsflucht

So postfaktisch ist der Fleischkonsum


Amerika wählt einen neuen Präsidenten und plötzlich ist überall die Rede von einer "postfaktischen Gesellschaft" oder einer "postfaktischen Politik". Postfaktisch bedeutet, dass evidenzbasierte (also nachvollziehbare und beweisbare) Fakten keine Rolle mehr spielen. Postfaktisch ist es zum Beispiel, zu leugnen, dass die Erde eine Kugel ist.

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Eine postfaktische Politik zielt auf die Gefühle der Menschen ab, ohne Fakten zu berücksichtigen. So werden zum Beispiel Ängste gegen "die Eliten" oder gegen "die Ausländer" geschürt, um politische Ziele durchzusetzen, die mit faktenbasierten Argumenten kaum erklärbar wären.

Doch wer glaubt, nur amerikanische Republikaner und tumbe Rechtsradikale würden postfaktisch wählen, der irrt. Ein Bereich, in denen auch in unserer Gesellschaft gut überprüfbare Fakten regelmäßig ignoriert werden, ist der Fleischverzehr.

Postfaktische Politik ist das Ende der Aufklärung.

Ein Beispiel: Unzählige Untersuchungen haben längst deutlich gezeigt, dass der Klimawandel kein natürliches Phänomen ist, sondern eine Folge der menschlichen Zivilisation.
Der wichtigste Grund für den Klimawandel ist die Tierhaltung. Sie hat einen größeren Einfluss auf das Klima als der gesamte Verkehrssektor. Wenn die Erwärmung des Klimas nicht rechtzeitig gestoppt wird, so warnen Klimaforscher, droht ein ökologisches Desaster. Mit Überschwemmungen, schier endlosen Flüchtlingsströmen, Hungerkatastrophen und Kriegen.

Trockenheit ist auch eine Folge des Klimawandels
Wer Fakten verdrängt, wird Fakten ernten.
Bild: Nagarjun Kandukuru, flickr.com (bearb.), CC-BY

Die Fleischproduktion ist überdies grauenvoll. So grauenvoll, dass auch Fleischesser kaum hinsehen möchten. Schlachthöfe verbarrikadieren sich aus gutem Grund hinter dicken Mauern und halten die Öffentlichkeit fern. Die Presse erhält - wenn überhaupt - nur zu ausgewählten, gut präparierten Bereichen Zutritt.

Postfaktische Wähler erzürnen sich über "die Flüchtlinge", die "unsere Jobs" und "unser Geld" wegnehmen wollten. Sie ignorieren, dass die meisten Flüchtenden am liebsten gar nicht erst flüchten wollten. Und dass Flüchtende die Gesellschaft nur einen Bruchteil dessen kosten, was allein die Rettung der Banken gekostet habt. Erst die Ignoranz der Realität erfüllt sie mit einem tragischen Gefühl von Überlegenheit.

Fleischesser verdrängen die Realität.

Fleischesser verdrängen die Hintergründe der Fleischerzeugung und glauben lieber an "artgerechte Tierhaltung", Comic-Figuren auf der Wurst und daran, dass die schockierenden Undercover-Aufnahmen im Fernsehen "nur Ausnahmefälle" seien. Postfaktorisches Denken basiert darauf, den Verkünder von Fakten zu diskreditieren. "Die wollen sich ja nur überlegen fühlen". Die Ideologie hinter dem Fleischverzehr wird als Karnismus bezeichnet.

Fleischkonsum ist absolut postfaktisch. Fleischesser verdrängen, was sie mit ihrem Konsum anrichten. Sich wohlig warm einlullend in die Phantasie, dass Fleischverzehr irgend etwas mit "früher" zu tun hätte und dass sie vom Fleischverzehr einen Vorteil hätten (Fakt: WHO stuft rotes Fleisch sogar als krebserregend ein). Fleischesser erdenken sich eine heile Welt, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Eine postfaktische Politik ist ein Symptom für eine Gesellschaft, die vor Angst, Wut oder Frust erblindet. Auch diese Phänomene lassen sich - ganz faktenorientiert - gut erklären. Zum Beispiel mit politischen Versäumnissen, niedriger Bildung und dem resultierenden Gefühl, benachteiligt zu werden. Auch mit der Angst, durch eine Änderung des eigenen Verhaltens sozial benachteiligt zu werden.
Das Problem einer postfaktischen Verhaltensweise ist, dass sich die Realität nicht darum kümmert, ob man sie erkennt oder nicht.

Die Realität zu erkennen ist nicht immer leicht. Doch ein guter Weg zur Erkenntnis sind Fakten, kausale Zusammenhänge und Empirie. Wer Faken verdrängt, bugsiert sich in die Unmündigkeit und wird zum Spielball der Politik. Diese Erkenntnis ist umso wichtiger, wenn Fakten in der Gesellschaft keine große Rolle mehr zu spielen scheinen.


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