Ist verarbeitetes Fleisch wirklich so krebserregend wie Tabakrauch?

Bratwürste auf einem Grill
Verarbeitetes Fleisch ist definitiv krebserregend. Bild: pixabay.com

Die Internationale Krebsforschungs-Agentur (IARC) ist eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Ursachen für Krebserkrankungen zu erforschen. Dazu teilt die IARC Stoffe in bestimmte Kategorien ein, je nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand.

Bereits 2015 hat die IARC verarbeitetes Fleisch in Stufe 1 eingeordnet: "Karzinogen für Menschen". Der Begriff "Karzinogen" bedeutet, dass ein Stoff krebserregend ist.

In Kategorie 1 der IARC befinden sich auch krebserregende Stoffe wie Asbest und Tabakrauch.

In Gruppe 2A wurde "rotes Fleisch" einsortiert. Dort findet man Stoffe, die "wahrscheinlich karzinogen" sind, darunter auch das Pestizid Glyphosat.

Doch bedeutet die Einstufung von verarbeiteten Fleischprodukten in Stufe 1 der IARC, dass es genauso krebserregend ist wie Asbest oder Tabakrauch?

Fleisch genauso krebserregend wie Tabakrauch?

Nein. Die Einordnung in die Kategorien erfolgt nach der empirischen Aussagekraft der Studien. Wenn es als gesichert gilt, dass ein Stoff krebserregend ist, wird er in diese Kategorie einsortiert. Ist das Krebsrisiko nicht genau bekannt, aber sehr wahrscheinlich, landet der Stoff in Kategorie B2 ("wahrscheinlich karzinogen").


Die Einsortierung erfolgt daher qualitativ. Es geht hier nicht darum, wie stark krebserregend ein Stoff ist, sondern nur darum, dass er erwiesenermaßen krebserregend ist.

Aktuell gehen Wissenschaftler davon aus, dass verarbeitetes Fleisch nicht so stark krebsauslösend ist wie Tabakrauch. 86% aller Fälle von Lungenkrebs entstehen durch das Rauchen, heißt es. Aber "nur" 21% der Darmkrebsfälle durch den Verzehr von verarbeitetem Fleisch. [1]

Viele Medien (aber auch Fleisch-Verbände) haben richtigerweise auf dieses Detail hingewiesen - aber daraus fälschlicherweise eine Art "Entwarnung" abgeleitet.

Diese Einschätzung wird den Tatsachen allerdings nicht gerecht - auch deshalb, weil eine übliche, omnivore Ernährung häufig mit weiteren relevanten Krebsrisiken einhergeht.

Verarbeitetes Fleisch und Tabakrauch sind krebserregend. Bild: pixabay.com

Omnivore Normalkost birgt Kombination verschiedener Krebsrisiken

Der tägliche Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch soll das Darmkrebsrisiko um 18% erhöhen. 50 Gramm entsprechen ungefähr einer halben Scheibe Fleischkäse oder eine dreiviertel Bratwurst.


Hier geht es nur um das Darmkrebsrisiko. Andere Arten von Krebs werden hier nicht berücksichtigt.

Die statistische Verzehrmenge an Fleisch liegt in Deutschland etwas mehr als 3 mal so hoch wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Höchstmenge empfohlen wird.

Da sich die Statistik auch auf die Gesamtbevölkerung bezieht, dürfte der tatsächliche Fleischverzehr bei Omnivoren sogar noch höher sein (denn ca. 15% der Bevölkerung essen nur selten oder gar kein Fleisch).

Dazu kommen aber weitere Krebsrisiken, die zwar nicht zwingend mit einer fleischhaltigen Ernährung zusammenhängen müssen, in der Praxis aber offensichtlich in dieser Kombination am häufigsten sind:

  • Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland sind übergewichtig. 53% der Frauen und 67% der Männer. [2]
  • Die meisten Menschen in Deutschland erreichen nicht die empfohlene Menge an Obst und Gemüse. [3]

Die WHO zählt Übergewicht und Fettleibigkeit, sowie einen Mangel an Obst und Gemüse zu den 10 wichtigsten Krebsrisiken!


Die Frage, ob Betroffene wegen verarbeitetem Fleisch, wegen Übergewicht oder wegen einem Mangel an Obst und Gemüse an Darmkrebs leiden und sterben, stellt sich im Zweifel wohl gar nicht. In allen drei Fällen ist es eine direkte oder indirekte Folge der Ernährung.

Ein veganer Portobello-Burger. Ganz ohne Fleisch und Fleisch-Ersatz.
Dieser vegane Burger enthält einen marinierten Pilz als Patty. Bild: K/Vegpool

Abwechslungsreich vegan werden

Wir empfehlen unseren Leserinnen und Lesern eine vielfältige vegane Ernährung nach dem Pareto-Prinzip. Das bedeutet, Tierprodukte ohne großen Aufwand zu reduzieren und frische, vitaminreiche und gesunde Nahrungsmittel zu bevorzugen.


Unser Gehirn benötigt ca. 6 Wochen, um neue Ernährungs-Routinen zu erlernen. In dieser Zeit sollten gar keine Tierprodukte verzehrt werden, um sich wirklich auf die neue Ernährungsweise einzulassen und neue Lieblingsgerichte und Rezepte zu entdecken. Alles rund um den Vegan-Einstieg.

Wer den Geschmack von Fleischprodukten mag, nicht aber deren Nachteile, kann auch auf überzeugend "fleischige" Fleischalternativen zurückgreifen, die man mittlerweile in jedem Supermarkt erhält. Darum essen Veganer Fleischersatz.

>>> Veganer Newsletter. Schon mehr als 6.100 Abos!

Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

4,4/5 Sterne (7 Bew.)

Veganes Forum
Diskutiere mit:
Krebs: Ist Fleisch so gefährlich wie Tabakrauch?
(5 Antworten)
Letzter Beitrag: 28.03.2021, 20:59 Uhr


Veganer Newsletter

1x pro Woche neueste Artikel, Vegan-Tipps und mehr. Infos
✓ Abmeldung jederzeit möglich. Datenschutzerklärung


Schlagworte: Gesundheit Ernährung vegane Ernährung Krebs Fleisch


Dazu passende Artikel:

Vegan werden: 3 bewährte Tipps für Einsteiger

Vegan werden - eine gute Entscheidung. Lerne die Vorteile einer veganen Ernährung kennen und werde entspannt und mit Freude vegan! Tipps zum Einstieg findest du in unserem Einsteiger-Artikel. Mehr

Warum essen Veganer Fleischersatz?

Wie kommt es, dass viele Veganer so gerne Fleischersatz essen? Steckt da womöglich eine versteckte Lust auf Fleisch dahinter? Oder gibt es gute Gründe, Fleisch pflanzlich zu ersetzen? Mehr

Vegane Ernährung: Diese 16 Vorteile solltet ihr kennen!

Ist vegane Ernährung gesünder? Was sagen eigentlich die Fakten? Wir haben 16 wissenswerte Fakten recherchiert, mit denen du dir ein eigenes Bild machen kannst - und räumen mit Mythen auf. Mehr

Verschweigen uns Ärzte die Vorteile einer veganen Ernährung?

Dass eine pflanzenbasierte Ernährung zahlreiche Vorteile hat, ist in medizinischen Fachkreisen längst bekannt. Doch warum erfahren Patienten davon so selten? Verschweigen es uns die Ärzte etwa? Mehr

Chefarzt Prof. Michalsen: Rolle der Ernährung im Medizinstudium

Obwohl die Ernährung einen hohen Stellenwert bei der Vorbeugung von Erkrankungen hat, spiele sie im Medizinstudium kaum eine Rolle, sage uns Prof. Dr. med. Andreas Michalsen im Interview. Mehr

Umweltbundesamt: Pflanzlicher Fleischersatz am besten für die Umwelt

Wie umweltfreundlich sind Fleischalternativen aus Pflanzen oder Insekten wirklich? Mit dieser Frage hat sich das Umweltbundesamt (UBA) in einer Studie beschäftigt. Das Ergebnis ist eindeutig! Mehr

Thema: Infos rund um Fleisch

© Vegpool.de 2011 - 2021.