Argumente

Welche Gründe sprechen gegen Leder?


Viele Produkte bestehen aus Leder: Schuhe, Taschen, Geldbeutel, Jacken, Handschuhe. Besonders im Modebereich lässt sich Leder kaum noch wegdenken – und hat als angebliches „Naturprodukt“ einen erstaunlich guten Ruf.
Doch ist Leder wirklich ein natürliches Produkt?

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Leder-Symbole: Normal und beschichtet (rechts)
Symbol für Leder (rechts: beschichtet)
Bild: K/Vegpool
Leder ist ein industriell hergestelltes, mit starken Chemikalien bearbeitetes Tierprodukt.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Leder sei nur „Schlachtabfall“ für den kein Tier getötet werden müsse, stammt die Tierhaut in vielen Fällen von eigens dafür gezüchteten und geschlachteten Tieren. Selbst in Fällen, in denen Tiere auch zur Fleischproduktion getötet werden, handelt es sich beim Leder um ein wirtschaftlich einkalkuliertes Nebenprodukt. Es gibt also kein Leder, das für Vegetarier geeignet ist – außer Kunstleder, das mit echtem Leder nichts zu tun hat.

Bei der Berechnung der Ökobilanz von Leder muss auch der Energie-Einsatz bei der Aufzucht der Tiere berücksichtigt werden (z. B. für Futtermittel). Selbst synthetische Leder-Alternativen schneiden daher aus ökologischer Sicht oft besser ab, als echtes Leder.

Echtes Leder, echtes Leiden: Gefahr für Mensch und Umwelt

Doch nicht nur ethisch-moralische Gründe sprechen gegen die Nutzung von Leder. Auch die Gesundheit der Verbraucher kann durch industriell gefertigte Lederprodukte gefährdet werden. Um die natürlich einsetzende Verwesung von Leder aufzuhalten, muss es mit aggressiven Chemikalien gegerbt werden, darunter z. B. Chromsalze und Schwefelsäure. Zutaten also, die man wohl kaum mit einem „Naturprodukt“ in Verbindung bringen würde.

Auch „pflanzlich gegerbtes“ Leder wird häufig mit Aldehyden vorgegerbt, da die pflanzliche Gerbung in der Gerbgrube sonst viele Monate dauern kann. Eine pflanzliche Lederbehandlung zur Gerbung ist übrigens auch bei Einsatz von Stoffen pflanzlicher Herkunft keineswegs umweltfreundlich. Mit wirklich sanften Zutaten ließe sich die Verwesung von Leder kaum aufhalten.

Chrom VI im Leder

Leder als Öko-Gefahr
Kein Naturprodukt: Leder
Bild: K/Vegpool
Zahlreiche Medienberichten haben die Aufmerksamkeit auf eine besonders gefährliche Substanz im verarbeiteten Leder gelenkt: Chrom VI.
Chrom VI ist eines der häufigsten Kontakt-Allergene. Es gilt als stark krebserregend und umweltgefährdend und kann vom Körper über die Haut aufgenommen werden. Durch häufigen Hautkontakt mit Chrom IV können allergische Reaktionen ausgelöst werden.
Chrom IV entsteht bei unsachgemäßer Gerbung mit Chrom-III-Salzen. In Ländern, in denen Arbeiter zu Billiglöhnen und fast schutzlos mit hochgefährlichen Chemikalien hantieren, ist das Interesse oft gering, wirksame Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Entsprechend viele Leder-Produkte sind mit Chrom IV belastet.
Eine spannende Reportage zu dem Thema hat übrigens das ZDF veröffentlicht: „Gift auf unserer Haut“.

Der Grenzwert für Chrom IV in Lederprodukten, die – so die amtliche Formulierung – „dazu bestimmt sind, nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Berührung zu kommen“, liegt in Deutschland bei 3 Milligramm pro Kilo. Ab 2015 soll der Grenzwert EU-weit gelten [1]. Wird der Grenzwert überschritten, muss das Produkt vom Markt genommen werden.
Dessen ungeachtet sind weiterhin viele Lederschuhe und andere Leder-Produkte mit hohen Chrom-IV-Belastung auf dem Markt. Sogar in einigen Schuhen für Kinder und Babys wurden stark erhöhte Chrom-IV-Werte gefunden [2].

Überschreitung der Grenzwerte von Chrom IV

Einen Eindruck kann man sich übrigens auch höchst offiziell über das „Rapid Exchange of Information System" (RAPEX) der EU verschaffen. Darüber werden EU-Behörden regelmäßig über Schadstoffe in Produkten informiert. Das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) listet wöchentlich einen übersetzten Auszug auf seiner Internetseite auf. Kaum überraschend, dass auch hier immer wieder Lederprodukte mit hohem Chrom-VI-Gehalt auftauchen.
Zu den Meldungen auf baua.de. Zur englischsprachigen Version: europa.eu.

Viele der beanstandeten Produkte werden importiert, häufig aus asiatischen Ländern wie China oder Vietnam. Die Bezeichnung „Made in Germany“ schließt die Verwendung von importiertem Leder nicht aus – sie bezeichnet nur das Land, in dem das Produkt hergestellt wurde!

Zwar sind auch Leder-Alternativen nicht immer ökologisch, doch gibt es auch zahlreiche Naturprodukte, die für die Erzeugung von lederfreien Schuhen genutzt werden können.


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Kommentare

Bettina Maier
Kommentar #1 17.11.2016, 15:55 Uhr
In Ihrem Artikel schreiben Sie einmal Chrom IV (4) und dann wieder Chrom VI (6). Es wird wild gemischt.

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