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Heparin: Medikament aus Schweinedärmen?

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SpritzeSpritze
Bild: Steven Depolo, flickr.com (bearb.) Bildtitel: Hypodermic Needle Stomach Injection 3-1-08 8278, CC-BY


Heparin ist ein Mittel, das in der Medizin zur Hemmung der Blutgerinnung (An­ti­ko­agu­lans) eingesetzt wird. Der Stoff wird zum Beispiel liegenden Patienten in Krankenhäusern gespritzt, um die Gefahr von Thrombosen und Lungenembolie zu verringern. Auch bei der Dialyse (Blutreinigung) und beim Transport von Blutproben wird Heparin verwendet.

Heparin kommt natürlicherweise im menschlichen und tierischen Körper vor und wird für die medizinische Verwendung aus so genannten Schlachtnebenprodukten gewonnen, namentlich aus Darmschleimhaut von Schweinen. Früher wurde Heparin auch aus Rinderlungen gewonnen – dies ist seit der BSE-Krise aber nicht mehr üblich.


Zu den Herstellern von Heparin-Rohstoffen gehören auch Fleischunternehmen, in Deutschland z. B. der Tönnies-Konzern, mit einem eigenen Werk zur pharmazeutischen Produktion von Heparin-Rohstoff aus Schweinedärmen [1].
Eine synthetische, hochreine Herstellung von Heparin ist zwar inzwischen möglich, aber teuer. Aus diesem Grund ist handelsübliches Heparin praktisch immer unvegan.

Heparin: Gerinnungshemmer aus Schweinen

Trostloses SchweinelebenHeparin aus Schweinedärmen
Bild: PETA (bearb.)
Aus tierischen Geweben gewonnenes Heparin ist oft inhomogen, so dass die Wirkung nicht genau abgeschätzt werden kann und die Gefahr für Verunreinigungen und gefährliche Nebenwirkungen besteht. Sogar Todesfälle hat es gegeben [2]. Bei langfristiger Behandlung mit Heparin aus Tierprodukten können sogar Autoimmunerkrankungen ausgelöst werden, schreibt zum Beispiel der Berufsverband Niedergelassener Chirurgen e.V. Synthetisch produzierte „Heparinmimetika“ (Heparin-ähnliche Produkte), die sich derzeit in der Erforschung befinden, könnten dagegen eine höhere Wirksamkeit (Aktivität) haben (Quelle).

Heparin ist nicht vegan – was tun als Veganer?

Die Tatsache, dass Heparin praktisch immer unvegan ist und aus Darmzellen von Schweinen erzeugt wird, wird sicherlich nicht nur Veganer erschrecken. Diese Produkte sind zwar stark verarbeitet, doch der Gedanke an die Herkunft ist dennoch nicht besonders schön. Doch die Entscheidung, Tierprodukte aus ethischen Gründen zu meiden, ist eine Entscheidung für den Alltag. Eine Operation und ein notwendiger Krankenhausaufenthalt sind keine alltäglichen Situationen. Daher sollte in dem Falle die eigene Gesundheit an erster Stelle stehen.


Möglicherweise kommen synthetisch erzeugte Alternativen zu Heparin in Frage, z. B. Fondaparinux – dies sollte der behandelnde Arzt beurteilen. Übrigens wird auch der Gerinnungshemmer Danaparoid meist aus Schweinedärmen gewonnen und ist daher keine vegane Alternative zu Heparin.
Generell sollte sich niemand dazu verleiten lassen, eine notwendige Behandlung abzubrechen, nur weil Heparin nicht vegan ist.

Autor: Kilian Dreißig
4,3/5 Sterne (17 Bew.)
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Kommentare

#3: PeeBee
16.08.2019, 18:18 Uhr
Ich möchte das ergänzen: Ich selbst bin seit Jahrzehnten Diabetiker (spritze allerdings ein Insulin, das nicht vom Tier stammt, sondern ein biotechnologisch hergestelltes Analoginsulin) und habe eine sehr schwere Herzinsuffizienz. Würde ich meine Herzmedikamente nicht nehmen, träten innerhalb von 12-36 Stunden lebensgefährliche Arrhythmien auf, die zu Herzinfarkt, Schlaganfall und ggfs. zum Tode führen könnten. Ich bin mir bewusst, dass alle meine Medikamente irgendwann einmal am Tier versucht worden sind. Und manchmal empfinde ich das als Dilemma.
#2: PeeBee
16.08.2019, 17:58 Uhr
Ich möchte das ergänzen: Ich selbst bin seit Jahrzehnten Diabetiker (spritze allerdings ein Insulin, das nicht vom Tier stammt, sondern ein biotechnologisch hergestelltes Analoginsulin) und habe eine sehr schwere Herzinsuffizienz. Würde ich meine Herzmedikamente nicht nehmen, träten innerhalb von 12-36 Stunden lebensgefährliche Arrhythmien auf, die zu Herzinfarkt, Schlaganfall und ggfs. zum Tode führen könnten. Ich bin mir bewusst, dass alle meine Medikamente irgendwann einmal am Tier versucht worden sind. Und manchmal empfinde ich das als Dilemma.
#1: PeeBee
16.08.2019, 17:39 Uhr
Ein sehr kluger Artikel, vor allem einer, der jede Radikalität vermeidet. Für chronisch kranke Veganer ist nämlich oft jeder Tag ein Tag des schlechten Gewissens.
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