Kann man zu 100% vegan leben?

Kann man eigentlich zu 100% vegan leben? Bild: pixabay.com

Veganer meiden Tierprodukte, zum Beispiel in Lebensmitteln, Kosmetik und Bekleidung. Doch tierische Inhaltsstoffe sind auch in alltäglichen Produkten versteckt, oder finden als Hilfsstoff Verwendung bei der Herstellung.

Wer weiß schon, dass Paintball-Kapseln meistens mit Gelatine ummantelt sind; dass Leim in vielen Fällen tierische Bestandteile enthält (Glutinleim) und manch ein Lebensmittel mit Karminrot gefärbt wird - einem Produkt aus Schildläusen?

Man kann unmöglich über die Herstellung eines jeden Produkts Bescheid wissen. Und es ist unmöglich, mit chemischer Genauigkeit vegan zu leben, also wirklich keine Teile vom Tier zu verwenden.
Doch vielleicht ist das gar nicht so wichtig!

Der Sinn der veganen Lebensweise

Aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht ist eindeutig: Die vegane Lebensweise hat wichtige Vorteile gegenüber einer Ernährung, die reich an Tierprodukten ist (siehe auch: Ist die vegane Ernährung gesund?) - und wer Tierprodukte meidet, entlastet die Umwelt (Siehe: Wie ökologisch ist Fleisch?).


Wer vegan lebt, so hatte der Vegetarierbund "ProVeg" errechnet, könnte statt dessen Porsche fahren - und würde die Umwelt immer noch weniger belasten, als ein "eingefleischter" Fleischesser. Die volkswirtschaftlichen Vorteile einer gesunden Ernährung sind dabei noch außen vor gelassen.

Ein weiteres, wichtiges Argument für den veganen Lifestyle ist der Tierschutz. Oder viel mehr das Boykottieren von Grausamkeit, die in der modernen Tierhaltung Alltag ist.

Tiere einzusperren und für die Herstellung von Genussmitteln auszubeuten - das lehnen die meisten Veganer ab.

Doch neben dem Wunsch, durch veränderte Nachfrage alternative Wirtschaftszweige zu fördern, spielt auch der persönliche Anspruch eine Rolle: Selbst wenn die eigene Konsumweise verschwindend geringe Auswirkungen hat, so ist es dennoch ein tröstliches Gefühl, wenigstens nicht selbst an den oft erschütternden, unmenschlichen Bedingungen in Tierhaltungen beteiligt zu sein.


Nur: Wie weit kann man nach diesem Prinzip leben?

Kochen ohne Fleisch, Milch und Eier - kein Problem. Doch darf ein Fruchtsaft unter Verwendung von Gelatine geklärt werden? Wie viel Düngung mit Gülle und Stickstoffen aus Schlachtabfällen ist akzeptabel? Kann man sich alternative, oft kostspielige Produkte finanziell überhaupt leisten?

Die vegane Lebensweise hat derzeit - wenn es rein um den Konsum geht - keinen nennenswerten Einfluss auf die Tierhaltung. Der deutsche Markt ist mit Fleisch gesättigt, deutsche Schlachthöfe produzieren längst für den Weltmarkt.

Unmengen an Tierprodukten landen im Müll - soviel können Vegetarier und Veganer gar nicht liegen lassen.

Die zwar wachsende, aber immer noch kleine Zahl an Veganern hat aktuell nicht den wirtschaftlichen Einfluss, um Schlachthöfe zur Produktion von Seitan und Co. zu bewegen.

Vielleicht ist es gerade deshalb wichtig, vegan zu leben!

Veganismus wirkt in der Öffentlichkeit

In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Veganer rasant angestiegen. Themen rund um den Veganismus werden medial diskutiert, Themen-Bestseller erscheinen, die erschütternden Missstände in Tierfabriken und die Auswirkungen der Tierhaltung für Gesundheit und Umwelt sind zum Massenthema geworden.


Plötzlich erkennt Otto-Normalverbraucher, dass es tatsächlich möglich ist, sich ohne Fleisch, Milch und Eier zu ernähren - und dass das auch noch richtig gesund und schmackhaft ist, und gar nicht so abgehoben.

Vielleicht ist es da gar nicht so wichtig, dass der O-Saft immer noch mit Gelatine geklärt wird. Wenn kein Fleisch gegessen wird, werden Betriebe auf andere Filtrationstechniken umsteigen, denn Gelatine (als Nebenprodukt der Fleischerzeugung) wird dann nicht mehr erschwinglich sein.

Für jedes Tierprodukt gibt es eine Alternative - die womöglich auch noch gesundheitliche und ökologische Vorteile mit sich bringt.

Die meisten Veganer verstehen die vegane Lebensweise als das konstruktive Streben nach einem fairen Umgang mit Gesellschaft, Tieren und Umwelt - unter Berücksichtigung der eigenen, menschlichen Unzulänglichkeiten.

Eine Konzentration auf die offensichtlichen, einfachen Wege, sich selbst, der Umwelt und den Tieren etwas Gutes zu tun, würde mit Sicherheit genügen, um eine weitgehend vegane Lebensweise massenkompatibel - und menschenmöglich - zu machen.


Update vom 21.7.2021: Kleinere Überarbeitungen.

>>> Veganer Newsletter. Mehr als 5.800 haben ihn!

Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

4,4/5 Sterne (56 Bew.)
Veganer Newsletter

1x pro Woche neueste Artikel, Vegan-Tipps und mehr. Infos
✓ Abmeldung jederzeit möglich. Datenschutzerklärung


Schlagworte: Argumente Definition soziales Umfeld Veganismus Vegan-Einstieg
© Vegpool.de 2011 - 2021.