Rezension: „Kein Fleisch macht glücklich“


Was darf man heute eigentlich noch essen? Was ist gesund, tier- und umweltfreundlich – und gleichzeitig lecker?
Diesen Fragen widmet sich Andreas Grabolle, Biologe und Wissenschaftsjournalist in seinem Buch „Kein Fleisch macht glücklich“. Diese Rezension bezieht sich auf die druckfrische 1. Auflage des Buches von September 2012.

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Grabolle beginnt mit alltägliche Grübeleien. Haben Menschen nicht immer schon Fleisch gegessen? Welche Tiere sind „Fleischtiere“, welches sind Kuscheltiere? Wer entscheidet das – und nach welchen Kriterien?
Dann die ethischen Fragen zur Ernährung. Darf ein Mensch eigentlich Tiere essen?

Veröffentlichungen großer Philosophen werden zu Rate gezogen, die eigene Position immer wieder kritisch in Frage gestellt. Und als Grabolle dann – nach dutzenden Gegenüberstellungen philophischer Statements aus jahrhundertealter Geschichte – zu einer offenbar hieb- und stichfesten Argumentation gekommen ist, bringt er das mit einem herrlich realitätsnahen Fazit auch für Leser auf den Punkt, denen der Kopf bereits heftig qualmt.

Die Methoden der Tierausbeutung werden genau geschildert – von Schweinen über Rinder, Geflügel bis hin zu Fischen. Der Leser erfährt Details über die Tierhaltung, die in ihren Ausmaßen unvorstellbar und doch alltäglich sind. Das weckt die Wut, wird fast unerträglich! Schweine in Zwingern, amputierte Glieder bei Hühnern...! Grabolle schreibt auch hier eher gelassen, wirkt in dem Teil strategisch unterkühlt (Z. B. Abszesse, die an Fruchtbonbons erinnern, S. 66 unten).
Bloß nicht moralisch werden? Vielleicht taktisch klüger. Grabolle möchte hier wohl offensichtlich nicht als Moralprediger missverstanden werden.

Großartige Faktensammlung in lockerer Sprache

Immer weiter hangelt sich der Autor durch die Aspekte vegetarischer und veganer Lebensweise. Er scheint alle Zeit der Welt zu haben, behandelt wichtige und auf den ersten Blick auch verstecktere Aspekte und belegt sie mit Quellen. Es muss Jahre gedauert haben, die Fakten zu sammeln. Grabolles Geduld und Disziplin scheint unendlich zu sein.

Erfrischend ist die Episode über den Tierrechts-Kongress: Der Autor macht einen Abstecher in die radikale Tierrechtsszene, mit ihrer wirklich abgefahrenen Sprache und einer fast übermenschlichen Konsequenz – manchmal ungeachtet der realen Effizienz und Wirkung auf „Normalsterbliche“. Es zeigt: auch solche Facetten gibt es. Grabolle belässt es aber dabei und strapaziert die verschiedenen Ausprägungen und Strömungen in veganen Szenen nicht über Gebühr.

Am Schluss eine ausführliche Beleuchtung der gesundheitliche Vor- und Nachteile verschiedener Ernährungsweisen. Auch hier werden Stärken und Schwächen der veganen Ernährung genannt. Durch Vergleiche wird eine Einordnung ermöglicht. Etwas irritierend wirkt die Tabelle mit Empfehlungen für regelmäßige Blutchecks. Darin enthalten sind auch Werte, die jeder „Allesesser“ ebenfalls überprüfen sollte. Beim Überfliegen wirkt das, als wäre vegane Ernährung nur unter strenger, medizinischer Beobachtung gesund. Dabei schreibt Grabolle selbst, dass die vegane Lebensweise eigentlich gar nicht so schwierig ist.

Rezension: Fazit

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„Kein Fleisch macht glücklich“ ist ein hervorragendes Sachbuch zum Thema Veganismus. Es spricht offensichtliche und verstecktere Fragen zur veganen Ernährung an, behandelt ethische, ökologische und gesundheitliche Fragen mit einer beispiellosen Akkuratesse und liefert dabei immer wieder praktische Beispiele aus dem Alltag.
Grabolle hat einen sympathischen, bodenständigen Schreibstil. Trotz des ernsten und vielschichtigen Themas spart er nicht an Humor. Dabei bleibt er bewusst distanziert und lässt sich nicht zu emotionalen Bewertungen hinreißen.

Die Hintergrundstory – Findung eines akzeptablen Lebensstils – mag dem realen Anspruch des Autors entsprechen, wirkt aber etwas strategisch, als hätte sie den Zweck, die Unvoreingenommenheit unter Beweis zu stellen. So zum Beispiel der Start im Steakhaus – immerhin war der Autor zu dem Zeitpunkt längst Vegetarier (wenn auch mit mäßiger Konsequenz). Das Buch hätte ohne diese „Story“ nichts von seinem inhaltlichen Wert eingebüßt.

„Kein Fleisch macht glücklich“ kann als eines der besten Sachbücher zur veganen Ernährung bezeichnet und empfohlen werden. Auch langjährige Veganer werden noch Neues entdecken. Durch seine große Bandbreite – von wissenschaftliche Daten bis hin zu alltäglich-realistischen Einordnungen – ist das Buch sowohl als Nachschlagwerk als auch als Lektüre unterwegs bestens geeignet – und natürlich als Geschenk. „Kein Fleisch macht glücklich“ ist eine ideale Ergänzung zu den Bestsellern „Tiere Essen“ und „Anständig Essen“ – und hat inhaltlich das Zeug, selbst ein Verkaufsschlager zu werden.
Der Preis von 8,99 macht den Kauf noch erfreulicher.


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Kommentare

Carin Folkerts
Kommentar #1 13.10.2012, 00:44 Uhr
Ich habe das Buch gelesen und fand besonders das Kapitel über die Fischerei interessant, wenn auch schwer zu ertragen. Fische haben keinen Kuschelfaktor, darum gelten sie bei manchen Tierfreunden sogar als "vegetarisch". Dabei leiden sie entsetzliche Qualen, wenn sie getötet werden. Ich freue mich, dass der Autor die Konsequenz gezogen hat. Tierquälerei ist niemals gerechtfertigt, auch nicht für die Ernährung. Es sei denn, jemand hat keine andere Möglichkeit, sein eigenes Überleben und das seiner Angehörigen zu sichern. Der katastrophale Zustand, in den vor allem der Fleischkonsum das globale Ökosystem gebracht hat, ist ein eindeutiger Beleg. Wir können offensichtich nicht die Annehmlichkeiten einer durchgindustrialisierten Gesellschaft in Anspruch nehmen und uns dabei gleichzeitig ernähren wie die Neandertaler. Das ist nicht nur eine Frage der Ethik, es ist eine Frage der begrenzten Ressourcen.

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