Fehlernährung

Vegane Kleinkind-Ernährung - wirklich verantwortungslos?


Immer wieder berichten Medien über krasse Fälle von veganer Fehlernährung bei Kindern. Von Säuglingen zum Beispiel, die mit Apfelsaft statt Muttermilch gefüttert wurden und schon nach kurzer Zeit schwere Mangelerscheinungen aufwiesen. Von Kindern, die durch vegane Fehlernährung so schwere körperliche und psychische Mängel entwickelt haben, dass sie sich davon wohl nie erholen werden.

Es sind Fälle, die einen wütend und traurig machen. Natürlich auch als Veganer. Es sind Fälle, die man sich in der Tat nur mit Desinteresse oder völliger Überforderung der Eltern erklären kann.
Doch während reißerische Artikel mit Stammtisch-Phrasen vor allem um Klicks buhlen, bleiben die wirklich erschreckenden Fakten in den Medien meist unbeachtet.

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Tatsächlich scheint ziemlich viel im Argen zu liegen, wenn ein Säugling nur mit Mandelmilch ernährt wird, statt mit Muttermilch und ggf. mit einer altersgemäßen Beikost (auch vegane Mütter stillen ja ihre Kinder). Fälle von Mangelernährung entstehen oft aus Überforderung, Desinteresse oder einer psychischen Erkrankung der Eltern. Sie gehen meist einher mit allgemeiner Verwahrlosung.
Es ist hier wohl der einzig vernünftige Weg, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen und den Kindern eine altersgemäße, vielseitige und fundierte Ernährung zukommen zu lassen.


Gesunde Ernährung will schon im Kindesalter gelernt sein
Bild: © Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Die Aufregung über die vegane Fehlernährung von Kindern ist also durchaus gerechtfertigt - aber sehr einseitig.
Denn die meisten Kinder, die wegen schwerer Mangelerscheinungen ins Krankenhaus müssen, wurden gar nicht vegan ernährt. Doch Kakaomilch, Gummibärchen, Burger, Pommes und Co sind keine adäquate Babynahrung. Auch hier liegt es meist am Desinteresse der Eltern, dass die Kinder keine altersgemäße Ernährung erhalten und verwahrlosen.

Fehlernährung ist nicht immer vegan

Dazu kommen die vielen Formen von Fehlernährung, die schon bei Kindern zu Fettleibigkeit führen, aber nicht akut klinisch relevant sind... Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Arteriosklerose (Erkrankungen, die mit einem hohen Konsum von Tierprodukten in Verbindung gebracht werden) bilden sich meist erst im späteren Alter... doch die Weichen für eine gesunde Ernährung werden bereits im Kindesalter gelegt. Auch das ist empörend.

Für die Medien wird das Thema Mangelernährung bei Kindern leider erst interessant, wenn die Verwahrlosung mit Veganismus in Verbindung gebracht werden kann.

Das ist unsachlich und bestärkt Vorurteile gegen diese Ernährungsweise, die durchaus gesund und nachhaltig praktiziert werden kann.
"Vegan" bedeutet zunächst nur, dass keine Tierprodukte verzehrt werden. Es ist genauso falsch, eine vegane Ernährung mit Mangelernährung gleichzusetzen, wie zu behaupten, Fleischesser würden ausschließlich Fleisch essen (auch das wäre tödlich).

Schwangere Mutter mit Kind
Vegane Ernährung ist auch in der Schwangerschaft möglich.
Bild: Halfpoint - Fotolia.com

Veganer leben meistens gesünder

Untersuchungen haben längst gezeigt, dass Veganer in Deutschland deutlich gesünder leben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Und das dürfte ebenso für die meisten veganen Familien in Deutschland gelten.
Denn schon allein aufgrund der vielen (fachlich unfundierten) Vorurteile im Bekanntenkreis achten viele vegane Eltern ganz besonders auf eine hervorragende, gesundheitsfördernde Ernährung ihrer Kinder. Selbst viele Ärzte, die nie eine Ernährungsausbildung absolviert haben, raten oft immer noch pauschal von einer veganen Ernährung ab. So werden Vorurteile als Fachwissen kommuniziert und das Vertrauen gegenüber Ärzten beschädigt. (Übrigens wurde Misstrauen gegenüber Ärzten oft als Grund genannt, warum überforderte Eltern ihr Kind nicht selbst zum Arzt gebracht haben).

Gründe, warum eine vegane Ernährung zu Mängeln führen kann (und warum eine frühzeitige Behandlung oft ausbleibt):

  • Psychische Erkrankung eines Elternteils oder beider Eltern
  • Überforderung, Desinteresse, Stress, Erkrankungen bei den Eltern
  • Mangelndes Wissen rund um eine gesunde ausgewogene Ernährung
  • Ablehnung bestimmter Ergänzungsmittel (die oft auch bei nicht-veganer Ernährung empfohlen werden)
  • geringes Bildungs-Niveau und Armut
  • Misstrauen gegenüber Ärzten und Ernährungsberatern
  • unseriöse Informationsquellen, insbesondere aus dem Bereich der Makrobiotik
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Wenn eine vegane Ernährung gut geplant und durchgeführt wird, spricht selbst aus Sicht der konservativen Ernährungsorganisation American Dietetic Association (ADA) nichts gegen eine vegane Ernährung bei Säuglingen und Kleinkindern (und auch nicht in der Schwangerschaft). Zur veganen Kinderernährung gibt es inzwischen auch auf dem deutschen Markt fundierte, praxisorientierte Literatur. Außerdem bieten einige fachlich spezialisierte Ernährungsberater gezielte Unterstützung für Eltern an, die bei der veganen Ernährung ihrer Kinder auf Nummer sicher gehen möchten.


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