4 krasse Beispiele: So wird Kuhmilch vom Staat bevorzugt

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Unmengen an staatliche Gelder werden in die Milch-Industrie gepumpt
Unmengen an staatliche Gelder werden in die Milch-Industrie gepumpt Bild: pixabay.com (bearbeitet)

Seit Jahrzehnten fordern Milchbauern regelmäßig mehr Geld vom Staat. Doch in der öffentlichen Debatte über den Milchpreis geht eine Sache schnell unter: Dass Kuhmilch und die Milchindustrie in Deutschland bereits heute massiv vom Staat unterstützt (und gegenüber anderen Produkten und Wirtschaftszweigen bevorzugt) wird.

Wir stellen dir einige Hebel und Beispiele vor, über die Kuhmilch vom Staat unterstützt wird. Falls du dich also fragst, warum Sojamilch im Vergleich eigentlich so teuer ist: Hier findest du einige Hintergründe! Die Liste ist (leider) nicht ansatzweise vollständig.

#1: Förderung durch Subventionen

Agrar-Subventionen sind das größte Stück in der Torte der EU-Subventionen. Die EU fördert mit den Agrar-Subventionen auch Milchbetriebe. Zum einen durch Direktzahlungen an Betriebe, aber auch durch Investitionen in Projekte zur Förderung des ländliche Raumes, die indirekt auch den Milchbauern zugute kommen.


Darüber hinaus fördert die EU sogenannte "Schulmilchprogramme", bei denen bereits Schulkinder (Menschen) staatlich subventionierte Milch (von Kühen) bekommen.

Subventionen machen teilweise durchaus Sinn. Sie sind ein politisches Lenkungsinstrument, das - richtig eingesetzt - auch eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft unterstützen könnte.

#2: Förderung durch reduzierten Mehrwertsteuersatz

Für Lebensmittel gilt in Deutschland ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz von aktuell 7% (der vorübergehend wegen der Corona-Pandemie auf 5% reduziert wurde). Das bedeutet: Für Lebensmittel zahlt man grundsätzlich 7% Mehrwertsteuer, während man für andere Produkte wie z. B. Genussmittel 19% (Corona: 16%) zahlt.

Doch die Definition, was als "Lebensmittel" gilt, ist keineswegs logisch.

Während Kuhmilch mit dem niedrigen Mehrwertsteuersatz besteuert wird, müssen Kunden für Milchalternativen wie z. B. die beliebten Haferdrinks den allgemeinen Mehrwertsteuersatz bezahlen. Denn die gelten als Genussmittel und fallen in dieselbe Kategorie wie z. B. Alkohol.

#3: Bevorzugung durch die Pfandregelung

Ebenfalls als eine Art staatlicher Unterstützung für Kuhmilch muss man die Pfandregelung verstehen.


Für Einweg-Verpackungen von Getränken wird normalerweise Pfand erhoben. Dies gilt jedoch nicht für Getränke mit einem Kuhmilch-Anteil von mindestens 50%. Auch auf trinkbaren Milcherzeugnissen (wie z. B. Kefir) muss kein Pfand erhoben werden, wenn diese in Einwegflaschen angeboten werden.

Viele Verbraucher finden Pfand grundsätzlich sinnvoll, aber auch umständlich. Dass Milch pfandfrei in Einwegflaschen verkauft werden darf, ist ein weiteres Beispiel für die staatliche Bevorzugung.

#4: Bevorzugung durch Unterlassung

Die Industrie-Landwirtschaft in Deutschland wirkt manchmal ein bisschen wie ein Staat im Staat. Im Interview mit Vegpool kritisierte der Strafrechtler Prof. Jens Bülte, dass selbst extreme Tierquälerei in deutschen Tierbetrieben oft straffrei bliebe. Es herrsche ein "Vollzugs-Defizit".

Ähnlich sieht es aus bei den Umweltschäden, die durch deutsche Landwirte verursacht werden. Zum Beispiel: Allein die Überdüngung der Böden mit Gülle führt in vielen Regionen zu stark erhöhten Nitratwerten im Grundwasser. Die können krank machen, sagte uns der Agrar-Experte Prof. Dr. Knut Schmidtke im Interview.


Die ökologischen Folgekosten dieser Grundwasserbelastung lassen sich kaum bemessen. Die Kosten für die teurere Trinkwasser-Aufbereitung tragen die Verbraucher - über die Wasserrechnung.

Dass Tierwirte - anders als die meisten anderen Branchen - vom Verursacher-Prinzip so oft ausgenommen werden (und zwar oft gegen das Gesetz, aber oft auch in Folge einer "freundlichen" Gesetzgebung) stellt eine weitere Bevorzugung dar.

Woher die staatliche Milch-Bevorzugung kommt

Doch macht die staatliche Bevorzugung von Kuhmilch nicht Sinn? Ist Kuhmilch nicht ein wichtiges Lebensmittel?

Kuhmilch ist ein wertvolles Lebensmittel - für Kälbchen. Bei Menschen wäre Muttermilch das passende (und von der Natur vorgesehene) Nahrungsmittel - aber auch das nur im Säuglingsalter.

Dass Menschen also die Muttermilch von Kühen trinken, (und das auch noch weit nach dem Säuglingsalter), ist schon wirklich bemerkenswert. Insbesondere deshalb, weil viele Verbraucher tatsächlich fest davon überzeugt sind, dass das total natürlich und gesund ist.


Und auch das hat einen Grund. Denn früher hat der Staat regelrechte Indoktrination betrieben, um erwachsene Menschen vom gesundheitlichen Wert artfremder Säuglingsnahrung zu überzeugen.

Viele Länder der Welt hatten nach Ende des zweiten Weltkriegs eigene Milchförderprogramme. Auch Deutschland. Daher kommen auch die Botschaften wie "Milch macht müde Männer munter". (Tatsächlich macht Milch wegen der darin enthaltenen Hormone eher müde).

Die falschen und trügerischen Werbebotschaften existieren aber bis heute in den Köpfen der Menschen! Auch wenn - zum Glück - einige nicht mehr erlaubt sind, weil sie eben schlicht auf Unwahrheiten beruhen.

Warum die staatliche Bevorzugung von Kuhmilch problematisch ist

Problematisch ist das u.a. deshalb, weil die globale Tierhaltung eine der wichtigsten Ursachen für die Klimakrise ist. Die Klimakatastrophe bedroht bereits heute die Landwirtschaft durch Wassermangel, Dürren und Erosion.


Im Laufe der Erzeugung wird für einen Liter Kuhmilch so viele CO2-Äquivalenzen (= CO2 und andere Gase, die das Klima erhitzen) ausgestoßen, wie beim Verbrennen von einem Liter Benzin. Lies hier mehr dazu.

Und dadurch wird die doppelt gemoppelte staatliche Unterstützung besonders absurd. Denn sie fördert eine Situation, in der Landwirte (die ja von einem intakten Klima abhängig sind) zukünftig völlig auf staatliche Hilfe angewiesen sind, da sie die selbst eingebrockte Suppe sonst kaum auslöffeln könnten.

Warum die staatliche Bevorzugung enden muss

Wissenschaftler fordern daher seit Jahren eine wirksame Besteuerung von Milch und anderen Tierprodukten. Und zugleich die Unterstützung von Milch-Alternativen wie Pflanzendrinks, deren Erzeugung viel weniger Ressourcen beansprucht.

Die staatliche Förderung und Bevorzugung von Milch lässt hochwertige Milch-Alternativen wie z. B. Haferdrink teurer erscheinen. Dabei werden große Teile der Kosten für Kuhmilch durch die Steuern ohnehin von der Gesellschaft finanziert (und damit auch von Menschen, die aus guten Gründen keine Kuhmilch trinken).

Dazu kommen die "versteckten Kosten", die z. B. durch die Rodung der Regenwälder für den Anbau von Futtermitteln, oder durch die Überlastung der Böden mit Gülle entstehen und ebenfalls von der Allgemeinheit zu tragen sind.

Als Verbraucher haben wir die Wahl, ob wir unser Geld in ein zerstörerisches Agrar-System investieren - oder kleine, sympathische Unternehmen unterstützen, die ökologisch nachhaltige Milch-Alternativen erzeugen.

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Autor: Kilian Dreißig

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Schlagworte: Milch Hintergründe


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