„Landleben“ von Hilal Sezgin

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"Landleben" von Hilal Sezgin
"Landleben" von Hilal Sezgin Bild: K/Vegpool

Hilal Sezgin ist Buchautorin und Journalistin, sie schreibt für Medien wie die „Zeit“, „Taz“ und Spiegel Online. Schwerpunkt ihrer publizistischen Arbeit sind der Islam, Feminismus – und Tierrechte. Seit einiger Zeit lebt Sezgin vegan.
Lesen Sie auch das Interview mit Hilal Sezgin.

Ihre Texte verfasst Hilal Sezgin in einem norddeutschen Häuschen, irgendwo im Nirgendwo der Lüneburger Heide.
Wie sie auf die Idee gekommen ist, vom pulsierenden Frankfurt am Main in das kleine, ökologisch-kulturell geprägte Dorf zu ziehen, in dem sie Niemanden kannte; wie sie dort im Laufe der Zeit für immer mehr Tiere zuständig wurde – das schildert sie in ihrem Buch „Landleben - von einer, die raus zog“. Das Buch ist 2011 im DuMont-Verlag erschienen und kann über diesen Werbelink bestellt werden: Landleben: Von einer, die raus zog.


Sezgin schildert den Umzug von der Großstadt ins unbekannte Dorf, vom Einzug ins Häuschen, das zu einem biologischen Hofgut gehört und das erst einmal gefunden werden wollte. Sie erzählt, wie Sie Tastatur gegen Klauenschere tauscht und sich die Nacht um die Ohren schlägt, wenn mal wieder eines der Tiere krank ist.

Sie schreibt vom Lämmlein, das von der Mutter verstoßen wurde und mit der Flasche versorgt werden musste, von den fast federlosen Bio-Hühnern, die sie aus einer Anlage gerettet hat und vom einschüchternden Ganter-Pärchen (Ganter = männliche Gans), dass mit lautem Fauchen und strategisch platziertem, schmerzvollem Zwicken Menschen und andere Tiere auf dem Hof in Atem hielt.

Zwar verweist Sezgin oft auf Astrid-Lindgrindsche Werke voller Idylle, doch in der harten Realität ist eben doch nicht alles paradiesisch – und da ist die Autorin ganz unverblümt und berichtet auch über eigene Fehler und schmerzlichen Erfahrungen. Vom geplanten Kräuterbeet, das von den Schnecken heimgesucht wurde. Von den hübschen Gummistiefeln, die der Gülle nicht standhielten. Und von den Krankheiten, die bei einer solchen Heerschar von Tieren immer wieder auftreten und auch die zutraulichsten, ans Herz gewachsenen Tiere dahinraffen.
Es ist nicht alles schön auf dem Land!


Doch es muss gar nicht perfekt sein, es muss nicht sein „wie früher“ – allein das Zusammenleben mit Tieren und den engen Kontakt zur Natur beschreibt Sezgin als bereichernd und erfrischend. Trotz – oder wegen – der Ferne zur Stadt, zu Cafés und Kinos.

Ab und zu kommt Hilal Sezgin, die studierte Philosophin, auf tierethische Aspekte zu sprechen. Warum sie die Eier ihrer Hühner nicht verzehrt? Warum sie sich entschlossen hatte, selbst vegan zu leben? Es kommt ganz undogmatisch und erzählerisch daher geplätschert und bereichert die oft herzerwärmenden Schilderungen mit einer Portion Hintergrundfakten über die heutige Erzeugung von Tierprodukten.

„Landleben“ ist ein Buch für kalte Herbst- und Wintertage im Schaukelstuhl, bei einer Tasse Tee. Ein Tipp für Alle, die vom romantischen Leben „wie früher“ träumen – aber dennoch einen ganz realistischen, zeitgemäßen Ansatz wünschen.

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Autor: Kilian Dreißig

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