Moderne Landwirtschaft - geht das auch vegan?


Nicht nur Massentierhaltung, Futtermittel-Anbau und die damit verbundene Urwald-Rodung stellen eine Bedrohung für Natur und Tiere dar. Auch der Anbau von Obst, Gemüse und Getreide ist immer mit einem Eingriff in die Natur verbunden. Auch beim Pflanzenanbau kommen Tiere und Umwelt zu Schaden.
Wie passt das zur veganen Prämisse, Leid bestmöglich zu vermeiden? Und wie könnte eine Lösung aussehen?

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Eine biologische Landwirtschaft kann wesentlich nachhaltiger sein, als der konventionelle Anbau. Grund dafür ist zum Beispiel der Verzicht auf bestimmte Düngemittel und Fungizide sowie der Ausschluss der „grünen Gentechnik“. Dennoch ist auch die moderne, biologische Landwirtschaft mitverantwortlich für zahlreiche Umweltprobleme.

Bio-Lebensmittel: Nicht immer ökologisch.


Monokultur bedroht auch die Bienen
Bild: aussiegall, CC-BY
Längst schon werden auch Bio-Lebensmittel im industriellen Maßstab angebaut. Die Anreicherung des Ackerbodens mit bestimmten Düngemitteln und Fungiziden ist auch Bio-Landwirten erlaubt [1]. Auch Bio-Felder werden mit landwirtschaftlichen Großmaschinen bewirtschaftet, die schon durch Größe und Gewicht das Erdreich verdichten und Erosion begünstigen [2].

Die moderne Landwirtschaft basiert auf großen Anbauflächen und Monokulturen. Monokultur bedeutet, dass auf einem Feld nur eine Pflanze gleichzeitig angebaut wird, zum Beispiel Weizen, Mais oder Kartoffeln. Konzepte für Mischkulturen gibt es zwar, doch lassen sich diese heute in Europa kaum wirtschaftlich umsetzen.

Monokultur: Eine Gefahr für die Artenvielfalt

Durch die Eintönigkeit der Monokultur werden Insekten und Käfer bedroht, die gleichzeitig auch Nahrungsgrundlage für weitere Tiere sind. Es überleben vereinzelte, widerstandsfähigere Arten, die sich – Mangels natürlicher Feinde – schnell unkontrolliert ausbreiten können. Durch wachsende Anbauflächen wird die Problematik verschärft– auch im Bio-Bereich. Allerdings können in der biologischen Landwirtschaft aufgrund der Beschränkungen bei der Unkraut-Bekämpfung mehr „Unkräuter“ überleben, wodurch die Probleme der Monokultur etwas abgemildert – aber keinesfalls gelöst – werden.

Die Ernte und der damit einhergehende plötzliche Mangel an Nahrungsquellen, stellt eine weitere Belastung für die Tiere der Umgebung dar. Vom einen auf den anderen Tag verschwinden plötzlich ganze Felder, die den Tieren als Nahrung gedient hatten.

Der Bio-Anbau ist eine Weg, um den Anbau von Lebensmitteln zumindest umweltfreundlicher zu gestalten, als es der konventionelle Anbau bislang ist. Für eine wirklich ökologische Anbauweise im Einklang mit der Natur, kann aber auch das EU-Biosiegel bislang keine Garantie geben.

Tote Käfer und Rehkitze bei der Ernte

Flüchtendes Reh
Rehe: Immer wieder Opfer von Mähdreschern
Bild: Peter Sieling (bearb.), CC-BY
Bei Aussaat und Ernte werden immer wieder Wildtiere von Erntemaschinen verletzt oder getötet, darunter junge Rehe, Hasen und Vögel. Es gibt zwar Methoden, mit denen sich die Zahl der getöteten Tiere verringern lassen – z. B. Zäune, akkustische Vergraulung und optische Detektoren – doch lässt sich nicht immer ausschließen, dass Tiere im Feld verbleiben. Dies liegt auch daran, dass sich zum Beispiel junge Rehe bei Gefahr auf den Boden kauern, statt zu flüchten.

Sind derart erzeugte Produkte denn vegan?

Die Erzeugung von Lebensmitteln bedeutet immer einen Eingriff in die Natur – auch im Biobereich. Eine wirklich umweltschonende Anbauweise ist heute wohl nur im eigenen Garten möglich.
Es gibt allerdings bereits Bemühungen, eine ökologischere und tierfreundlichere Landwirtschaft zu etablieren. So gibt es zum Beispiel ein Netzwerk für bio-veganen Landbau und auch die – nicht unumstrittene – Religionsgemeinschaft Universelles Leben betreibt so genannten „friedfertigen Anbau“ und verkauft unter der Marke „Lebe Gesund“ vegane Produkte.

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Die derzeitige Unmöglichkeit, Lebensmittel wirtschaftlich und gänzlich ökologisch und tierfreundlich anzubauen, spricht dennoch nicht gegen eine vegane Ernährung, da für die Produktion von Tierprodukten ein Vielfaches der Ackerflächen zum Anbau von Futtermitteln benötigt wird – und sich dadurch auch die Nachteile der Landwirtschaft vervielfachen.

Für viele ethisch motivierte Veganer ist es das Ziel, Leid zu vermeiden, das problemlos und ohne Einschränkung der Lebensqualität vermeidbar ist. In der Lebensrealität ist es nicht möglich zu 100% chemisch vegan zu leben.


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