Bienen-Nutzung

Stimmt es, dass Mandeln nicht vegan sind?


Mandeln, das sind die Steinfrüchte der Mandelbäume. Sie sind reich an Protein und werden gerne als Zutat in Kuchen, Schokolade und Marzipan verwendet. Nicht zu vergessen natürlich auch Mandelmus und Mandelmilch. Natürlich sind Mandeln durchaus pflanzliche Lebensmittel, die auch in der veganen Küche vielfältig genutzt werden können. Dennoch kommt immer wieder mal die Diskussion auf, ob Mandeln eigentlich wirklich vegan sind. Grund dafür ist der Anbau der Mandeln, der heutzutage ohne den gezielten Einsatz von Honigbienen praktisch nicht möglich wäre.

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Honigbienen sind zur Bestäubung der Mandeln unverzichtbar

Der mit Abstand größte Teil der weltweit verzehrten Mandeln kommt aus Kalifornien. Sie werden auf riesigen Flächen angebaut, wo kilometerlang ein Mandelbaum neben dem anderen steht. Wie in solchen landwirtschaftlichen Dimensionen üblich, erfolgt der Anbau, die Ausbringung von Pestiziden und die Ernte der Mandeln maschinell.

Doch bei der Bestäubung der Mandelbäume sind die Erzeuger nach wie vor auf die natürliche Hilfe der Honigbienen angewiesen. Denn ohne Bestäubung keine Mandeln. Aufgrund des massiven Einsatzes von „Pflanzenschutzmitteln“ werden die Honigbienen von Großimkern heran transportiert. Dauerhaft überleben könnte hier wohl kein Bienenvolk (geschweige denn andere bestäubende Insekten).

Es gibt auch einige Menschen, die Tierprodukte grundsätzlich meiden, aber Honig konsumieren. Oft wird das mit bestimmten Bedingungen (z. B. Form der Bienenhaltung und Herkunft des Honigs) verknüpft. Genau genommen ist Honig als Tierprodukt aber nicht vegan. Die Debatte über Mandeln ist daher eher exemplarisch zu verstehen. Vergleichbar mit der Frage, ob Wein und Saft, der mit Gelatine geklärt wurde, vegan ist.

Es gibt hierzu heute keine wirtschaftliche Alternative – praktisch alle Mandeln, die man heute einkaufen kann, wurden unter Nutzung von Honigbienen erzeugt. Im Film „More Than Honey“ und dem Buch zum Film wird dies übrigens anschaulich dargestellt.

Mandel-Anbau ohne Honigbienen kaum möglich

Nun ist der Einsatz von Tieren bei der Erzeugung von Lebensmitteln für manch ethisch orientierte Veganer ein absolutes K.-O.-Kriterium. Sind also Mandeln tatsächlich nicht vegan? Darf man jetzt als Veganer nicht einmal mehr Marzipan, Mandelmilch oder Mandelmus verzehren? Keine Florentiner mehr, und keine Mandelkekse oder Mandelsplitter?
Wir finden, das ist ein persönlicher Ermessensspielraum. Doch der Versuch, zu 100% vegan zu leben, birgt auch Risiken.

Mandelblüte – von Honigbienen bestäubt
Mandelblüte – von Honigbienen bestäubt
Bild: Francisco Antunes, flickr.com (bearb.), CC-BY

Denn es ist unmöglich, 100% vegan zu leben. Auch der Anbau von Obst und Gemüse ist mit der Tierhaltung verbunden, denn Mist, Blutmehl und Hornspähne werden auch auf Obst und Gemüse verteilt. Manch einer hat schon versucht, jede Tiernutzung konsequent zu meiden – und ist daran gescheitert. Immer wieder gibt es Menschen, die angesichts der – selbst auferlegten – Hürden nach wenigen Jahren resigniert und wieder aufhört haben, vegan zu leben. Dabei ist schon eine 95%-vegane Lebensweise ein großer Schritt. Und theoretisch ließen sich Mandeln auch vegan anbauen, ohne Pestizide. Die Bestäubung würden frei lebende Insekten „freiwillig“ (und im eigenen Interesse) übernehmen.

Am Veganismus nicht die Zähne ausbeißen

Bevor Sie sich also beim Versuch 100% vegan zu leben die Zähne ausbeißen, empfehlen wir, zunächst offensichtliche Tierprodukte zu meiden. Orientieren Sie sich daran, vegane Angebote zu fördern, statt Ihre Lebensweise nur über den Boykott zu definieren. Schreiben Sie einen Brief an Mandel-Erzeuger und -Verarbeiter und bitten Sie um ökologisch nachhaltigere Anbau-Methoden. Gehen Sie so weit, wie es sich für Sie gut und angenehm anfühlt.

Orientieren Sie sich am Paretoprinzip und erreichen Sie mit 20% Energie und Einsatz bereits 80% Veränderung in Ihrem Leben. Vegan zu leben bedeutet nicht, perfekt sein zu müssen. Es bedeutet, die Schritte zu gehen, die ohne größeren Aufwand möglich sind und bereits große Veränderungen bewirken können. Lesen Sie hier mehr: Kann man zu 100% vegan leben?


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Kommentare

Andrea Rupp
Kommentar #3 19.03.2017, 13:07 Uhr
Die Frage, Gelantine und Honig vegan sind, stellt sich mir gar nicht, denn ich
möchte so tierleidfrei wie möglich leben, dazu gehört ganz klar der Ausschluß dieser beiden Produkte, die man im Übrigen wunderbar ersetzen kann.
Ahornsirup Grad 2 oder 3 als Honigersatz und Agar agar anstelle von Gelantine.

Elke
Kommentar #2 10.08.2016, 14:50 Uhr
Hallo,

auf der Verpackung von Morgenland ist der Vegan-Stempel drauf

Berny Lottner
Kommentar #1 16.08.2015, 11:18 Uhr
100% Vegan halte ich für nicht möglich und da ich als Veganer (30 Jahre vegan) die 80/20 Einstellung für besser bzw. dauerhafter halte schreibe ich diese Zeilen. Ich bin flexiblebei Medizin, Alcohol/Säfte und auf Reisen mit Brot. Auf diese Weise kann man ein lebenlang mit einem moralischen Kompromiss gut leben. Die harte Tour hält meistens nicht sehr lange. Ach ja ich hab kein Gewissenskonflikt Mandel zu essen. Es gibt noch andere Dinge den Tieren das Leben etwas besser zu machen denn als Veganer gehts ja nicht nur um die Ernährung, Zirkus, Delfinarien usw. sind auch tabu. Ich hab auch nichts gegen Porsche aber Ledersitze wären nicht drin, ohne einen Namen zu nennen gibt es eine VeganPromi der sowas fährt, dann lieber ne Handvoll Mandeln. In dem Sinne VivaVeganVital :-)

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