Muss ein Supermarkt Pfandflaschen zurücknehmen?

Bild: pixabay.com

Die Einführung eines Pfand-Systems sollte dazu beitragen, die Umwelt zu schützen. Auf Einweg-Pfandflaschen - die zum Beispiel als Verpackung für Wasser genutzt werden - fallen in Deutschland 25 ct Pfand an. Auf Mehrweg-Pfandflaschen entweder 8 oder 15 ct.

Doch immer wieder kommt es vor, dass sich Händler weigern, Pfandflaschen zurückzunehmen. Dürfen die das eigentlich? Und muss jeder Supermarkt alle Arten von Pfandflaschen zurücknehmen, auch wenn diese woanders gekauft wurden?

Der Umgang mit Pfandflaschen wird in Paragraph 9 der Verpackungsverordnung (VerpackV) geregelt. Dort wird unterschieden zwischen Mehrweg- und Einweg-Pfandflaschen.

Pfandrücknahme bei Einweg-Pfandflaschen

Einweg-Pfandflaschen sind jene Flaschen, die nach der Verwendung zerstört und deren Rohstoff anschließend anderweitig verwendet wird (z. B. zur Herstellung von Mülltonnen oder Parkbänken). Einweg-Pfandflaschen gelten als ökologisch bedenklich und werden mit 25 ct bepfändet. In der Regel bestehen Einweg-Pfandflaschen aus PET (Polyethylenterephthalat). Auch Getränkedosen gehören zu den Einweg-Verpackungen. Sie werden mit diesem Symbol gekennzeichnet:

Symbol für Einwegpfand in Deutschland

Pfandrücknahme bei Mehrweg-Pfandflaschen

Als Mehrweg-Pfandflaschen werden die Flaschen verstanden, die nach der Reinigung erneut genutzt werden. Dazu gehören üblicherweise Glasflaschen, aber auch die stabilen Plastikflaschen. Auf sie fällt Pfand in Höhe von 8 oder 15 ct an. Mehrweg-Pfandflaschen sind mit diesem Symbol gekennzeichnet:

Symbol für Mehrweg-Pfand in Deutschland

Ob ein Händler Pfandflaschen zurücknehmen muss, hängt von unterschiedliche Faktoren ab:

  • Einweg-Pfandflaschen und Dosen:
    Wenn der Händler andere Pfandflaschen aus demselben Material (z. B. PET-Flaschen oder Dosen) verkauft, ist er verpflichtet, Pfandbehälter aus diesem Material auch zurückzunehmen und auszuzahlen. Und zwar unabhängig davon, ob er dieselben Flaschen auch selbst anbietet. Auch andere Formen, Farben und Größen müssen akzeptiert werden, wenn das Material dasselbe ist (z. B. PET). Ein Lidl muss also auch PET-Einwegpfandflaschen von Aldi zurücknehmen.
  • Mehrweg-Pfandflaschen:
    Händler müssen nur die Mehrweg-Pfandflaschen zurücknehmen, die sie selbst im Sortiment führen. Wenn ein Händler also z. B. nur Bio-Fruchtsäfte anbietet, muss er keine Bierflaschen zurück nehmen.
Ausnahmen gelten ggf. für kleine Läden mit weniger als 200 m² Fläche. Diese müssen nur jene Flaschen zurücknehmen, die sie selbst im Angebot haben. Ein kleiner Kiosk ist also nicht dazu verpflichtet, Flaschen zurückzunehmen, die er gar nicht führt. 200 m² sind allerdings schnell erreicht. Selbst ein kleiner Stadt-Supermarkt ist oft größer als 200 m²!

Rücknahme für den Umweltschutz.

Die rechtsmäßige Rücknahme von Pfandflaschen ist auch ökologisch durchaus relevant. Schließlich soll das Pfandsystem dafür dienen, dass Plastikflaschen nicht einfach in der Natur entsorgt werden. Wer es drauf ankommen lassen möchte, kann seinen Händler nötigenfalls sogar rechtlich dazu zwingen, die Pfandflaschen zurückzunehmen - und das Pfand auszuzahlen. Unkomplizierter ist aber womöglich ein freundliches Gespräch.

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Achtung: Das Pfandsystem ist aufgrund vieler Ausnahmeregelungen inzwischen so kompliziert, dass es schwer ist, den Überblick darüber zu behalten, welche Flaschen denn nun eigentlich Pfand kosten (und zurückgenommen werden müssen). Daher empfiehlt es sich, schon beim Kauf auf die entsprechenden Symbole zu achten.

Und wer Wasser gar nicht erst in Flaschen kauft - sondern frisch aus der Leitung zapft -, schont nicht nur die Umwelt, sondern erspart sich selbst unnötige Umwege, aber auch unnötigen Ärger mit unwilligen Händlern. Ganz abgesehen davon geben PET-Flaschen auch kleine Mengen von Schadstoffen in das Wasser ab.

Übrigens hat Pfand kein Verfallsdatum. Ein Händler darf Pfandflaschen also nicht mit dem Hinweis ablehnen, das Pfand sei bereits abgelaufen. Er darf auch die Höhe des Pfands nicht ändern - auch dann nicht, wenn die zurückgegebene Flasche in einem schlechten Zustand ist. Und: Händler sind auch dann verpflichtet, das (korrekte) Pfand auszuzahlen, wenn der Kunde nichts kauft.

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Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

4,5/5 Sterne (14 Bew.)
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Schlagworte: gut zu wissen Tipps für die Praxis


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