Psychologie

Vorurteile: "Pass auf, Dein Essen wird welk!"

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Frau hält sich die Ohren zu
Frau hält sich die Ohren zu
Bild: Fotolia.com

Egal, was Sie persönlich von Fleischkonsum halten: Vegetarier sind bei Fleischessern nicht besonders beliebt. Oft werden sie verlacht und als moralinsaure Gutmenschen abgewertet. Dabei sollten wir ihnen eigentlich dankbar sein, schließlich ist es ja auch unsere Umwelt, die von ihrem Verzicht profitiert. Was haben wir also gegen Vegetarier?

Julia A. Minson und Benoit Monin ließen Fleischesser zuerst einschätzen, als wie (un)moralisch Vegetarier sie persönlich und Fleischesser im Allgemeinen einstufen würden. Danach sollten die Fleischesser je drei Wörter nennen, die sie spontan mit Vegetariern in Verbindung brachten.

Wie sich zeigte, waren diese Wörter umso negativer (»selbstgerecht«, »nervig«, »verrückt«), je mehr die Nichtvegetarier annahmen, dass Vegetarier sie im Speziellen und Fleischesser im Allgemeinen als unmoralisch einstufen würden. Je mehr die Fleischesser also befürchten mussten, von Vegetariern verurteilt zu werden, desto negativer fielen ihre eigenen Beschreibungen von Vegetariern aus.

In einer zweiten Studie von Minson und Monin wurden die Fleischesser in zwei Gruppen geteilt. Die einen sollten zuerst einschätzen, wie sie von Vegetariern hinsichtlich ihrer Moral wohl beurteilt würden. Danach sollten sie Vegetarier mit Bezug auf verschiedene Eigenschaften (»freundlich« versus »gemein«, »dumm« versus »intelligent« etc.) bewerten.

Bei der anderen Gruppe wurde die Reihenfolge vertauscht: Diesmal gaben die Fleischesser zuerst ihre Bewertung von Vegetariern ab, hatten also noch kein hypothetisches moralisches Urteil über sich im Hinterkopf. Wie erwartet zeigte sich die Abwertung von Vegetariern nur in der ersten Gruppe, wenn die Bedrohung des Selbstwerts durch die mögliche Ablehnung bewusst war.

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Offenbar fürchten viele Fleischesser, von Vegetariern als unmoralisch angesehen zu werden. Als Konsequenz werten sie die Vegetarier und damit die Bedeutung ihres Urteils ab, nach dem Motto »Angriff ist die beste Verteidigung«. Bleibt anzumerken, dass in der ersten Studie die Hälfte aller Nichtvegetarier kein einziges negatives Wort mit Vegetariern assoziierten – so tief scheinen die Gräben also nicht zu sein. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Furcht der Fleischesser überhaupt berechtigt ist. Minson und Monin befragten nämlich auch Vegetarier: Deren Beurteilung von Fleischessern fiel weitaus milder aus, als die Fleischesser es befürchteten.

Dieser Text ist ein Auszug aus:
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Mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Autor:
4,0/5 Sterne (3 Bew.)

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Kommentare

#1: Karola krisch
04.03.2018, 08:13 Uhr
Es ist mir inzwischen egal, was Fleischesser von mir denken. Es regt mich nur immer wieder auf, dass die vegane Ernährung als eine Religion dargestellt wird. Ich bin gläubige Christin und mein Essen hat nichts mit irgend einer Religion zu tun. Kürzlich hörte ich in einer Predigt, dass man sich vor Veganern in acht nehmen soll. Und eine meiner Schülerinnen hielt ,freiwillig, ein Referat: Vegetarismus und Vegan in den Religionen. Die Leute haben einfach keine Ahnung und dass, was ich nicht kenne bestücke ich mit unsinnigen Argumenten.
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