Ethik

Retten Veganer überhaupt Tiere?


Der Schutz von Rindern, Hühnern und Schweinen vor Ausbeutung und Tötung ist einer der wichtigsten Gründe für eine vegane Ernährung. Doch tatsächlich werden trotz des derzeitigen Vegan-Booms weiterhin unzählige Tiere bis aufs Blut ausgenutzt und geschlachtet, um Genussmittel wie Fleisch, Milch oder Eier zu gewinnen. Es sieht derzeit nicht danach aus, als könnten die derzeit lebenden Tiere überhaupt gerettet werden. Da stellt sich manch einer die Frage, ob Veganer überhaupt Tiere retten können.

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Zwar ist die Zahl der Veganer in den letzten Jahrzehnten weltweit deutlich angestiegen, gleichzeitig wächst aber (insbesondere in den wirtschaftlich aufstrebenden Schwellenländern) auch die Nachfrage nach Tierprodukten. Ernährungsfehler der westlichen Industrieländer werden hier wiederholt. Auch in Deutschland ist es – dank großzügiger Subventionierung aus Steuergeldern – für Erzeuger von Tierprodukten sogar noch wirtschaftlich, riesige Überschüsse zu „produzieren“, die anschließend im Müll landen (siehe z. B. die Doku „Schweine für den Müllcontainer“).

Auch Nicht-Veganer sind oft müde
Was für ein Glück, kein Nutztier zu sein
Bild: Umberto Salvagnin, flickr.com (bearb.), CC-BY

Es ist angesichts solcher Fakten wenig wahrscheinlich, dass allein die vegane Nachfrage eine nachhaltige Veränderung für die heute lebenden Nutztiere bewirken wird. Durch Subventionen werden die Regeln der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt – auch vegane Steuerzahler müssen Massentierhaltungen letztendlich mitfinanzieren. Wahrscheinlich kann man als Veganer gar nicht so viele Produkte boykottieren, wie von der Industrie entsorgt werden. Ohne deutliche politische Veränderungen wird das sicher auch noch lange so bleiben. Heute ist es also praktisch unmöglich, „Nutztiere“ vor der Ausbeutung zu retten – zumindest wenn man sie nicht direkt befreit.

Warum vegan leben umso wichtiger ist

Dennoch (der gerade deshalb) gibt es gute Gründe für eine vegane Lebensweise. Auch wenn Veganer heute wohl keine Tiere vor der tödlichen Milch-, Eier- und Fleischindustrie retten können, so können sie doch

  • allein durch ihre Nachfrage zeigen, dass es gute, gesunde und tierfreundliche Alternativen gibt
  • Tierhalter motivieren, ihre Produktion auf vegane Produkte zu verlagern
  • unter Beweis stellen, wie leicht es ist, vegan zu werden und vegan zu leben
  • unter Beweis stellen, welche gesundheitlichen Vorteile eine ausgewogene, vegane Ernährung hat
  • Öffentlichkeit schaffen für die vegane Lebensweise
  • politische Forderungen stellen

So entsteht mit der Zeit eine starke, gesellschaftliche Bewegung, die sich für mehr Empathie gegenüber Tieren einsetzt. Jede gesellschaftliche Veränderung hat ihre Zeit gebraucht. Argumente wurden verkannt, Aktivisten verlacht oder bekämpft. So wird es wohl auch mit der Tierrechts-Bewegung sein. Ethisch motivierte Veganer können gewiss sein, dass sie durch ihren Verzehr die Ausbeutung von Tieren nicht mehr aktiv unterstützen – und nicht mehr beteiligt sind am heutigen Umgang mit Tieren.

Für Veganer werden keine Tiere gezüchtet, verstümmelt, gebrandmarkt, kastriert, künstlich befruchtet, eingesperrt und ihres Fleisches wegen getötet. Veganer können heute – bis auf wenige Ausnahmen – keine Tiere aus der steuerlich geförderten, tödlichen Maschinerie der Tierproduktion retten. Doch sie können eine Zukunft vorbereiten, in der Tiere nicht mehr allein als Mittel zum Profit angesehen werden.


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