Psychologie

So ticken Fleischesser wirklich!


In vielen Situationen des alltäglichen Lebens haben Veganer das Gefühl, ausgegrenzt zu werden. Es gibt unter Veganern eine Art ungeschriebenes Gesetz, sich stets vorbildlich, freundlich, unpolitisch und betont tolerant zu präsentieren. Einfach, um sich selbst vor Ausgrenzung zu schützen. Doch nicht immer hilft das. Manche Fleischesser grenzen Veganer fast aus Prinzip aus. Das kann nicht an den Veganern liegen.
Welche psychologischen Hintergründe hat die Ausgrenzung also wirklich?

Tauchen Sie mit uns ein in die Tiefe der Fleischesser-Psychologie - und erfahren Sie hier, wie Fleischesser wirklich ticken!

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Das Gefühl, als Veganer eine gewisse "Bringschuld" zu haben, ist sicher nicht ganz unbegründet. Schließlich gibt es viele Vorurteile über Veganer. Zum Beispiel jenes, dass Veganer ihren Lebensstil allen Menschen auf die Nase binden würden. Oder dass Veganer "radikal" oder "missionarisch" seien, oder auch "weltfremde Träumer".
Dass sich viele Vorurteile über Veganer widersprechen (oder auf extremen Ausnahmefällen basieren), zeigt, dass es meistens leere Phrasen sind. Wie es für Vorurteile typisch ist.

Dennoch wirken Vorurteile. Sie sorgen dafür, dass man sich als Veganer schlecht fühlt - und beweisen möchte, dass das alles gar nicht stimmt. Dass man eigentlich doch ein ganz netter Mensch ist.

Veganer fühlen sich durch Vorurteile angegriffen

Veganer fühlen sich in geselligen Runden öfters durch Vorurteile angegriffen. Oft von Fleischessern, die sie gar nicht kennen. Sie fühlen sich unverstanden und in der Folge auch ausgeschlossen. Manch ein Veganer glaubt, schuld am Verhalten dieser Fleischesser zu sein. Manch einer bemüht sich, noch mehr "Toleranz" auszudrücken (die von Fleischessern oft eingefordert wird), um bloß niemanden auf den Schlips zu treten.

Bis zu einem gewissen Punkt, an dem man merkt, dass das eigene Verhalten ohnehin keine wichtige Rolle zu spielen scheint. Dass manche Menschen keinen Zentimeter von ihren Vorurteilen abrücken - und ein echtes Kennenlernen (oder gar eine normale Unterhaltung mit ihnen) schlicht unmöglich ist.

Fleischesser beißen, weil sie Angst haben.

Dabei meinen Fleischesser es meist gar nicht so böse.
Klar: Wer solche Geschütze auffährt, mit dem ist gewiss nicht gut Kirschen essen. Doch als Veganer sollte man dieses Verhalten nicht zu persönlich nehmen. Wer versteht, was Fleischesser antreibt, kann lernen, mit ihren Vorurteilen und Reaktionen besser umgehen. Wer weiß, wie Fleischesser ticken, der kann sich auf solche Situationen vorbereiten.

Fleischesser leben in Zwiespalt. Denn einerseits wollen sie - wie jeder Mensch - sozial akzeptiert werden und dabei am liebsten auch das Gefühl haben, ein guter Mensch zu sein. Doch leider funtioniert das bei Fleischessern nur, wenn bestimmte Regeln des Zusammenlebens beachtet werden.

Die ungeschriebenen Regeln des Fleischverzehrs.

Dem Fleischverzehr in der heutigen Zeit liegen einige Regeln zugrunde. Es sind keine geschriebenen Regeln, sondern vielmehr psychologische Mechanismen, die es ermöglichen, die brutalen Auswirkungen der Fleischerzeugung mit dem eigenen Bild der Normalität und Gutmütigkeit in Einklang zu bringen. Zumindest gefühlsmäßig.

  • 1.) Fleischverzehr gilt unter Fleischessern als normales, adäquates Verhalten. Dies ist der Status Quo, den es zu erhalten gilt. So wird das eigene Verhalten und die soziale Konformität bestätigt und das "Andere" ausgegrenzt oder verächtlich gemacht. Eine echte Diskussion findet nicht statt.
  • 2.) Die Hintergründe des Fleischverzehrs werden abstrahiert ("es gehört halt dazu", "Wenn Tiere könnten, würden sie dasselbe mit uns tun...", "Menschen haben schon immmer Fleisch gegessen", ...). Fleischverzehr basiert auf erzkonservativen Denkmustern.
  • 3.) Die tatsächlichen Hintergründe (und ihre Folgen) werden nicht thematisiert und komplett ausgeblendet. Denn wer z. B. das Leid der Tiere gutheißen würde, würde ebenfalls gegen gesellschaftliche Werte verstoßen (weil er sich auf das unrühmliche ""Recht" des Stärkeren bezieht, statt auf die Macht der Vernunft).

Glauben Sie nicht?
Dann fragen Sie sich einmal, warum die meisten Fleischesser Tierquälerei ablehnen, geschweige denn ein Tier selbst töten wollten. Warum Fleischesser es ablehnen, Katzen und Hunde zu essen. Und warum Rinder und Schweine als "dumm" oder "dreckig" gelten, während Hunde und Katzen oft sogar ins eigene Bett dürfen.

Ausgrenzung für die Psychohygiene der Fleischesser.

All das sind Mechanismen, um den Fleischverzehr zu rechtfertigen und seine Widersprüche zu verdrängen. Diese Widersprüche bezeichnet die Psychologie als "Kognitive Dissonanz". Die amerikanische Psychologie-Professorin Melanie Joy bezeichnet das psychologische Fundament des Fleischverzehrs als Ideologie "Karnismus".

Falls Sie denken, dass dieser Text ja ohnehin von einem Veganer geschrieben wurde und daher völlig Blödsinn ist, haben Sie sich eben in diesem Gedankenmuster ertappt. Vielleicht ist dieser Text Unsinn - doch das sollten sie nicht nur mit Ihrem Gefühl begründen können.

Wie unangenehm also, wenn bei all der inneren Spannung plötzlich ein Veganer auf einem geselligen Anlass auftaucht.

Ein Veganer! Eine Person, die gewissermaßen den Zwiespalt der Fleischesser verkörpert. Eine Person, auf die der Fleischesser seine Angst projizieren kann, enttarnt zu werden. Seine Angst, gegen verbreitete Werte zu verstoßen und daher sozial inkompatibel zu handeln.

Achtung: Der Fleischesser projiziert das alles auf eine vegan lebende Person, die gar keinen Einfluss darauf hat, was er denkt. Die bloß eine Art Leinwand für die Phantasien des Fleischessers ist. Und die wahrscheinlich nicht einmal ahnt, was ihre bloße Anwesenheit im Fleischesser auslöst!

Eine Person, die unfreundliche Reaktionen womöglich auch noch ernst nimmt und die Schuld bei sich selbst sucht.

Warum man Ausgrenzungs-Versuche nicht persönlich nehmen sollte.

Doch das wäre falsch.
Denn es spielt keine Rolle, was Veganer wirklich denken. Allein das Wissen, dass eine anwesende Person vegan lebt, löst in vielen Fleischessern ein extrem unangenehmes Gefühl aus - das sie durch Vorurteile und Ausgrenzung der Veganer verdrängen wollen. Die Reaktionen dieser Fleischesser dienen in erster Linie ihnen selbst. Das ungute Gefühl des Veganers ist nur ein Kollateralschaden auf der Flucht in die Wärme der Verdrängung.

Natürlich ist es unfair, wenn Fleischesser andere Menschen ausgrenzen und erniedrigen, um ihre eigene Gefühlswelt in den Griff zu bekommen. Und natürlich sollte man sich als Veganer nicht alles gefallen lassen (auch auf die Gefahr hin, dadurch Klischees vom misslaunigen Veganer erst zu bestätigen). In der Regel gibt es auf jeder Veranstaltung auch Menschen, die ihre Vegan-Aversionen sozialer in den Griff bekommen.

Fleischesser können nichts dafür...

Fleischessen basiert auf Unfairness. Es ist eine erzkonservative Verhaltensweise, die unseren Ururur-Vorfahren im harten Überlebenskampf geholfen haben mag. Eine Verhaltensweise, die uns heute in Unglück stürzt und allein aus dem Grund der vermeintlichen Konformität weiter existiert. Die Milliarden Tieren im Jahr das Leben kostet, die unser Klima und die Urwälder zerstört, das Meer übersäuert und wichtigster Grund dafür ist, dass immer noch Menschen verhungern. Und es leiden und sterben auch Menschen für Fleisch.

Einfach, weil es als "normal" gilt und man nicht in die Situation geraten möchte, auf geselligen Anlässen ausgegrenzt zu werden. Fleischesser sind so gesehen Opfer ihrer eigenen Ideologie, die ihnen von Kindesbeinen an eingetrichtert wurde.

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So unangenehm das für Veganer ist ist, so gut kann man es verstehen.
Die meisten Veganer wissen aus eigener Erfahrung, wie Fleischesser ticken. Weil sie selbst ehemalige Fleischesser sind. Doch sie haben sich - allen Sorgen zum Trotz - ihren Widersprüchen gestellt und haben einen Schritt getan, der sie viel Mut gekostet hat. Weil sie noch als Fleischesser realisiert haben, dass sich an diesem grauenvollen System nur etwas ändern kann, wenn sie den ersten Schritt selbst tun.

Und wenn man sich die Rückmeldungen der meisten Veganer ansieht, so ist der Fleischverzehr in einer Gesellschaft voller Fleischesser gewiss der Weg des geringsten Widerstandes. Dennoch beschreiben viele Veganer ihr Leben nach dem Vegan-Umstieg als befriedigender und erfüllender.

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