Ethik

Vom Lebenskonzept der Tiere


Die Ernährung mit Fleisch ist zwar „völlig normal“ und doch aus gutem Grund hochgradig umstritten. Auf Vegpool widmen wir uns daher verschiedenen Argumenten, die in der Diskussion rund um die Ernährung und Lebensweise auftauchen.
Immer wieder hört man zum Beispiel das intellektuell anmutende Argument, Tiere hätten kein Lebenskonzept. Demzufolge planten Tiere ihr Leben nicht, sondern lebten einfach instinktiv und triebgesteuert in den Tag hinein. Daraus wird geschlossen, dass es im Grunde keine große Rolle spielt, ob ein Tier sofort, oder erst Jahre später stirbt bzw. getötet wird. Wichtig sei nur, dass die Tiere nicht gequält würden.

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Was ist dran an dem Argument?

Dass das Leben von Tieren mit dem durchgeplanten Leben ziviler Gesellschaften nicht vergleichbar ist, soll an dieser Stelle gar nicht abgestritten werden. Während Menschen in Mitteleuropa meist einer geregelten Arbeit nachgehen, in Wohnungen mit Strom, Wasser und Heizung leben und ihr Essen vor dem Verzehr kochen, leben Tiere wohl tatsächlich ohne viele Sorgen und Grübeleien in den Tag hinein und essen durchaus auch mal ohne Tischgebet. Dass manche Tiere sicherlich ab und zu schonmal etwas planen und z. B. Vorräte für den Winter verstecken, sei hier mal hinangestellt und der Einfachkeit halber unter „instinktiv“ und „unbewusst“ verbucht.

Auch Nicht-Veganer sind oft müde
Lebt (potentiell) instinktiv in den Tag: Katze.
Bild: Umberto Salvagnin, flickr.com (bearb.), CC-BY

Was ist ein Lebenskonzept eigentlich?

Doch was hat es eigentlich mit der Planung auf sich? Was ist eigentlich ein Lebenskonzept?
Ein Lebenskonzept ist eine Vorstellung, die auf Träumen und Wunschvorstellungen basiert. Es ist die Vorstellung darüber, wie das Leben aussehen könnte. Jeder kennt Situationen, in denen man sein Konzept der Realität anpassen muss. Es gab keinen Studienplatz mehr in Medizin – also wird man Rechtsanwalt. Statt einem Leben auf der Karriereleiter ist man plötzlich in Vollzeit zu Hause und kümmert sich um die eigenen Kinder.
Das Leben ist unplanbar – und ein Lebenskonzept ist dann am erfolgreichsten, wenn es so vage wie möglich ist.

„Freunde treffen“ oder „irgendwie die Welt verbessern“ funktionieren besser, als ein tabellarisches Jahres-Konzept. Doch wenn ein Konzept so vage ist, ist es genau genommen kein Konzept, sondern eher eine grobe Richtlinie.

Die Tatsache, dass sich Menschen Vorstellungen über ihre eigene Zukunft machen können, bedeutet keinesfalls, dass ihre Zukunft auch tatsächlich diesen Vorstellungen entspricht. Niemand weiß, wie sein Leben in 5, 10 oder 20 Jahren aussieht; niemand weiß, wann und wie er sterben wird. Ein Lebenskonzept ändert nichts daran.

Ein Lebenskonzept ist keine Vorhersage.

Es ist also falsch, dass ein Lebewesen mit Lebenskonzept mehr zu verlieren hätte, als ein Lebewesen, das einfach in den Tag hinein lebt. Das Argument, dass ein fehlendes Lebenskonzept den Tod von Tieren zum reinen Genuss rechtfertigen würde, ist schlicht unlogisch.
Zudem stellt sich auch zwangsläufig die Frage, wie mit Menschen zu verfahren wäre, die kein Lebenskonzept haben.

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Verantwortung statt Lebenskonzept.

Die Fähigkeit, Handlungen zu planen und zu reflektieren, gibt uns Menschen die Verantwortung, bewusst selbst zu entscheiden, wie wir mit unseren Mitmenschen und -Tieren umgehen möchten. Und es gibt noch weit mehr gute Argumente, vegan zu werden.


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Argumente rund um Veganismus:

Kommentare

Bluemchen
Kommentar #1 04.04.2015, 18:27 Uhr
Hallo Kilian...
... mir gefällt dein Artikel sehr gut. Ich denke, dass wir Menschen uns oft über andere erheben, weil sie anders sind... egal ob es Tiere oder Menschen sind... Tiere haben Gefühle, und ich finde nur dass alleine zählt schon gewaltig... da gehört für mich keine erforderliche Lebensplanung zu...
außerdem frage ich mich wer letzendlich glücklicher, zufriedener ist... die Tiere ohne Lebensplanung, oder wir Menschen, die einfach oft nicht zu schätzen wissen, was wir haben...
... Ich wünsche allen wunderschöne Ostertage... L.G. Blümchen
...

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